Als Geleit und in Gedenken

Gestern ist Terry Pratchett verstorben. Ich bin ein Fan seiner Scheibenwelt, und ich mag diese Bücher einerseits wegen ihres feinsinnigen Humors, andererseits aber auch wegen ihres augenzwinkernden Umgangs mit dem Fantasy-Genre.

Ich kann nicht behaupten, alle Werke, die in Zusammenhang mit der Scheibenwelt entstanden sind, gelesen zu haben. So habe ich mir verschiedene Almanachen vorenthalten, und auch die gesammelten Karten von Ankh Morporg habe ich mir (bisher) nicht zu eigen gemacht. Und ich kann auch nicht von mir sagen, ich hätte alle von mir gelesenen Werke in Besitz, denn ich habe einige Bücher anschließend verschenkt. Ich kann auch nicht behaupten, ich würde alle Fakten zu und aus diesem Büchern kennen, alle Anspielungen verstehen, über alle Witze gelacht haben [1]. Trotzdem hat die Scheibenwelt einen festen Platz in meinem Hirn und meinem Herzen. Weiterlesen

Buch-Rückruf Thieme-Verlag

Wie ich bei Carekonzept.de las – wo es mich übrigens über den Monsterdoc hin verschlagen hat – hat der Thieme-Verlag das Buch „Schwieriges Atemwegsmanagement bei Erwachsenen und Kindern“ – 1. Auflage – zurückgerufen. (siehe hier)

Prinzipiell geht es um eine falsche Dosierungsangabe bei dem Wirkstoff „Propofol“ bei Laryngospasmus und Bronchospasmus (S.116f). Die korrekte Dosierung lautet Propofol 1-2mg/kg.

Bei Propofol handelt es sich um ein Narkotikum, welches als gut steuerbar gilt. Traurige Berühmtheit erlange Propofol im Zusammenhand mit dem Tod von Michael Jackson. An diesem Beispiel sieht man, wie gefährlich eine Fehldosierung bei diesem Wirkstoff werden kann. Da Propofol üblicher Weise in einer ölhaltigen, milchig weißen Emulsion verabreicht wird, entstand anschließend der Spitzname „Jackson-Milch“.

Ich persönlich begrüße den Rückruf eines Buches mit einer solchen fehlerhaften Angabe. Ich hielte es aber auch für ausreichend, wenn man die fragliche Angabe in dem Buch so korrigiert, dass die korrekte Dosierung zu erkennen ist, und auch ein Hinweis existiert, dass die vorherige Dosierung falsch ist. Dies halte ich deshalb für notwendig, damit eventuelle „Zweitleser“ die Korrekturangabe nicht für ein Versehen bzw. für eine Verfälschung des Originaltextes halten.

Ich habe mich entschlossen, diesen Eintrag zu schreiben, um eine möglichst große Reichweite dieser lebenswichtigen Information zu unterstützen. 

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Unklare Rechtslage

In letzter Zeit wurden einige für mich recht schwer nachzuvollziehende Urteile gefällt, die nichts desto trotz Auswirkungen auf das gesamte (deutsche) Internet bzw. auf alle deutschen Internetnutzer haben werden oder zumindest haben könnten. Ich kam nicht umhin,  diese Urteile nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern auch mein Verhalten daran anzupassen. Was meine ich genau? Weiterlesen

Dihydroergotamin – und wieder ein Wirkstoff „futsch“…

An passender Stelle berichtete ich über das „Dahinscheiden“ von Tetrazepam als Wirkstoff aus für mich kaum nachvollziehbaren Gründen. Den Einwand, dass es sich um eine Stufe des Stufenplanverfahrens handeln würde, die dann 2 jahre später nochmals überprüft würde, lehnte ich unter dem Hinweis ab, dass aufgrund der nicht vorhandenen „neuen“ Daten – die ja aufgrund des Aufhebens der Zulassung zumindest in der EU gar nicht generiert werden können – auch keine neue oder gar andere Einschätzung der Nutzen-Risiko-Bewertung des Wirkstoffes möglich sei.

So, nun hat es den nächsten Wirkstoff erwischt. Dihydroergotamin. Warum die Argumentation zwar durchaus schlüssig ist, ich dieses Vorgehen aber trotzem für kompletten Schwachsinn halte, möchte ich hier erläutern. Aber wie immer muss ich dazu erst einmal weit ausholen… Weiterlesen

Rabattverträge = Lieferengpässe

Es gibt einen schönen kleinen Beitrag vom NDR zum Thema Rabattverträge und Lieferengpässe: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_3/panoramadrei1079.html

Kleines Zitat: „Der Arzt schreibt ein Mittel auf. Doch was er für richtig hält, interessiert die Krankenkasse wenig.“

Was leider nicht gesagt wird, ist, dass die Rabattverträge den Krankenkassen zum Teil nur wenige Cent Einsparungen bringen. Bei einem Einkaufspreis von 1€, wie z.B. beim Antibiotikum „Doxycyclin“ ist Einsparungen pro Schachtel von 0,01€ bis maximal 0,99€ möglich. Dafür muss der Patient dann aber 2x vorbeischauen (und kann die Therapie vielleicht erst am nächsten Tag beginnen). Ja, so spart man richtig! [1]

Nein, so spart man nicht richtig. Noch viel mehr spart man, wenn man die beliefernde Apotheke wegen Verstoßes gegen den Rabattmedikament-Abgabezwang auf 0€ retaxieren kann. Dann hat nämlich die Apotheke die medikamentöse Behandlung des Patienten bezahlt. Und die Kasse kann lachen. „Gerne wieder, lieber Apotheker!“

Und bei manchen Medikamenten frage ich mich, ob die Kassen es nicht doch auf „sozialverträgliches Ableben“ abgesehen haben. So spart man noch viel mehr…

Nachtrag (2014-01-22; 15:26): Das Problem nicht natürlich wesentlich vielschichtiger und nicht auf die einfache Formel der Überschrift zu reduzieren. Aber die Rabattbverträge der Krankenkassen potenzieren das Problem insofern, als dass die Hersteller ohne Rabattvertragszuschlag einfach – und logischer Weise – von vornherein viel weniger produtzieren werden, so dass ein – warum auch immer getriggerter -Ausfall der Lieferungen des Rabattvertragsanbieters nicht mehr kompensiert werden kann. Meine Lieblingsbeispiel zur Zeit sind „Cefixim Säfte“ (seit 2 Jahren teilweise Monate lang gar nicht mehr zu bekommen) und „Metoprololsuccinat Tabletten“, welche vom „Marktführer“ und „Rabattpartner“ zum Teil 1 Monat lang nicht zu bekommen sind…

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[1] Ich habe in meinen Computer geschaut und bin zu folgendem Ergebnis gekommen: „Doxyxyclin 100mg 1A-Pharma Tabletten 10 St.“ haben einen Apotheken-Einkaufspreis (ohne MwSt.) von 1,09€. Wenn man den Aufschlag des Großhandels abzieht, kommt man zu einem Herstellerabgabepreis von 0,38€. In diesem Fall muss der Hersteller keinen Pflichtrabatt an die Krankenkassen abtreten. Selbst wenn die Krankenkassen einen Rabattvertrags-Rabatt [2] von 95% pro Schachtel ausgehandelt haben, bleibt eine Erspranis von 0,36€ pro Schachtel. Ja, damit rettet man die Welt und die Sozialversicherungssysteme. Und für 0,36€ Ersparnis lohnt es sich auch, eine antibiotische Therapie mal eben um 12 bis 24 Stunden zu verschieben. Sicher. Danke, liebe Kranke Kassen!
[2] Die Sinnhaftigkeit dieser Verträge sieht man schon an diesem Wort: Rabattvertrags-Rabatt. Mehr gibt es dazu selbst mit viel Phantasie nicht mehr zu sagen.

[Edit 2014-01-21 13:07: Einfügung der Fußnote 1]

psychotroper Schengen-Raum

Aus gegebenem Anlass bitte ich alle anwesenden Patienten, die ein Arzneimittel, welches ihnen auf einem gelben Rezept (mit Durchschlag) verordnet wurde, regelmäßig oder unregelmäßig einnehmen und daher bei einem Auslandsaufenthalt mit sich führen müssen, folgende Information dringend zu beachten: Weiterlesen

Rechte, Pflichten, Urteile… und der „rechtfertigende Notstand“

Als Mensch hat man Rechte und Pflichten. Als Apotheker hat man insbesondere Pflichten und weniger Rechte. Was aber daraus wird, wenn sich zwei über ihre gegenseitigen Rechtsauffassungen streiten, steht zumeist in den Sternen, bevor ein Urteil ausgesprochen wurde. Und dass dieses Urteil nicht unbedingt dem entspricht, was man als juristischer Laie (und zum Teil auch als Person der Rechtspflege) als Recht empfindet, steht auf einem weiteren Blatt. Der Landkrauter – und jede andere juristisch ausgebildete Person – darf mich ob dieser Aussage gerne wieder schlagen (und auch korrigieren), aber der Spruch Von deutschen Gerichten bekommt man kein Recht sondern ein Urteil. kommt leider nicht von ungefähr.

Daher auch diesmal mein Disclaimer: Ich bin keine in der Rechtspflege ausgebildete Person. Meine Darstellungen und Schlussfolgerungen sind meine persönliche Meinung und stellen weder eine Rechtshilfe noch eine Rechtsberatung dar. In Fällen rechtlicher Unklarheiten suche man den Rechtsanwalt seinen Vertrauens auf, der ich per Definition nicht bin. Und noch etwas: Ich philosophiere hier nur über die deutsche Rechtslage.

 Warum dieser Artikel? Sowohl bei Apotheke Adhoc als auch bei Pharmama wird über den Fall des 14-jährigen irischen Mädchens berichtet, welches verstarb, (auch) weil ein Apotheker den geforderten EpiPen ohne Rezept nicht abgab. Der Fall ist tragisch. Keine Betrachtung und keine Diskussion der Welt wird das Mädchen mehr ins Leben zurück holen. Mein Beileid gilt den Angehörigen. Mein Mitgefühl gilt aber auch dem Apotheker (bzw. dem Apotheken-Angestellten), der – juristisch eventuell völlig korrekt – die Abgabe des lebensrettenden Medikaments verweigert hat. Diese Person wird sich sicher noch lange Vorwürfe machen, von den Vorwürfen des Umfelds mal ganz zu schweigen. Wie oft in solchen Fällen kam es offensichtlich zu einer Verkettung tragischer Umstände, deren genaue Abfolge (und die dafür voraussetzenden Beweggründe der beteiligten Personen) sich durch mich nicht vollständig nachvollziehen lassen. Daher werde ich an dieser Stelle eine „Schuldzuweisung“ vermeiden, und bitte, diese auch in Kommentaren nicht zu tätigen.

In der Diskussion bei Pharmama kam ich aber um eine juristische Betrachtung nicht herum, um Nicht-Apothekern da mal einen kleinen Einblick in die Gedankenwelt zu gewähren. Erstaunt ließ mich der Kommentar von @Chris zurück, der die juristische Betrachtung zweier Rechtsanwälte (?) aus dem Jahre 2002 zur Verpflichtung der Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel in einem „lebensbedrohlichen Notfall“ wie z.B. einem Herzinfarkt beschrieb, als Antwort auf meine Reaktion auf @Dennis, welcher den „rechtfertigenden Notstand“ in die Diskussion einbrachte, in welcher ich dieser Einschätzung wehement widersprach. Die von @Chris vorgebrachte juristische Einschätzung war mir bisher nicht bekannt, und ich halte sie weiterhin für schwierig, und das aus folgenden Gründen: Weiterlesen