Das Kreuz mit dem (Not)Dienst

Aus aktuellem Anlass – dem Streik Kindergartenaufstand um die Notdienstpauschale für deutsche Apotheken – möchte ich mal ein paar Worte dazu verlieren.

noctu2Zuerst möchte ich betonen: Notdienst ist ein Sonderdienst. Notdienst ist keine „erweiterte Öffnungszeit“. Notdienst ist für Notfälle. Was ein Notfall ist, läßt sich nicht leicht definieren, und die Übergänge sind fließend. Tabletten gegen schwere Zahnschmerzen? Sicher. Ein Antibiotikum auf dem Rezept des notdiensthabenden Arztes? Natürlich. Ein Schnuller für das Kleinkind, weil der letzte Schnuller mit Schwung vom selbigen kleinen Lieblingsteufelchen im nächsten Gulli versenkt wurde? Vorstellbar. Eine Packung Hustenbonbons? Eine Packung Taschentücher? Einmal umsonst Blutdruck messen? Nein. Nein. Nein. Das Rezept für die Pille, welches schon drei Wochen zuhause verschimmelt, und welches aussieht, als sei es schon einmal durch den Aktenschredder gewandert, wieder zusammengeklebt worden, und anschließend ist mindestens zwei mal ein LKW drüber gefahren? Grrrrrrrrrrrr…

Nachdem nun geklärt ist, was sinnvolle Beanspruchung des Notdientes ist, und was nicht, fragt sich, wie man Hilfe im Notfall bezahlt. Die offizielle Regelung sieht derzeit so aus: Eine Apotheke darf pro Kunden/Patienten im Notdienst an Sonn- und Feiertagen, an Wektagen zwischen 20.00Uhr und 6.00Uhr sowie am 24.12. und 31.12. ab 14.00Uhr exakt 2,50€ [1] Notdienstgebühr verlangen. Wer hat diese zu tragen? Bei privaten Anliegen der Kaufende. Bei versicherten Anliegen die Krankenvesicherung. Dazu wird auf dem Rezept dann nicht nur das Abgabedatum aufgedruckt, sondern auch noch die Abgabe-Uhrzeit und eine Sonderabrechnungszeile mit den 2,50€. Wenn nicht das Wörtchen wenn wäre: Auf Rezepten für die gesetzliche Krankenversicherung (das rosa Formular) ist ein Ankreuzfeld „noctu“ für den Arzt vorgesehen. Dieses hat der Arzt anzukreuzen, wenn es sich um ein dringend zu belieferndes Arzneimittel handelt – dann übernimmt die gKV auch die Notdienstgebühr. Aber… in meiner bisherigen Berufszeit habe ich nicht ein einziges mal ein Rezept gesehen, wo der Arzt von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hat. Nun hat der Apotheker mehrere Möglichkeiten:
1) Er verzichtet auf des Geld. Sehr gut, Dienst für lau!
2) Er fordert das Kreuz mit Gegenzeichnung vom Arzt ein. Aus meiner Erfahrung heraus sage ich mal, dass das vergeudete Lebenszeit ist…
3) Er rechnet die Notdienstgebühr einfach so ab. Die Erfahrung lehrt, dass dann ein sogenannter Retax [2] durch die Krankenkasse erfolgt. Die Kasse argumentiert dann so, dass das Präparat gar nicht so wichtig war, sonst hätte der Arzt ja das Kreuz gesetzt. Der Patient hätte das Rezept also auch kostengünstig(er) am nächsten Werktag einlösen und die Behandlung dann beginnen können. Dabei ist es der Kasse ganz egal, ob das Rezept durch den Arzt an einem Sonn- oder Feiertag ausgestellt ist.
4) Man bittet den Patienten zur Kasse. Das ist bei einem wirklichen Notdienst-Rezept rechtlich und moralisch fragwürdig, und man hat in diesem Fall eine gute Chance, sowohl von der Krankenkasse also auch von Verbraucherschutzeinrichtungen einen bitterbösen Brief und eventuell auch eine Klage zu bekommen. Im Falle des drei Wochen alten Pillenrezepts um Mitternacht ist es aber der Weg der Wahl – und meistens ist dann die Pille so dringend nicht, denn für 2,50€ bekomt man heutzutage immerhin bis zu 3 1/2 Kugeln Eis, und so eine Investition will wohlüberlegt sein.
5) Wie durch Zauberhand entsteht plötzlich vor den eigenen Augen ein Kreuz auf dem Rezept. Das ist, gelinde gesagt, im Sinne des Gesetzes eine Urkundenfälschung.

Nachdem nun die derzeitige Bezahlung geklärt ist, kommen wir mal zu den Gesamtkosten. Natürlich will derjenige, der den Notdienst macht, dafür bezahlt werden. Gemäß Arbeitszeitgesetz darf ein Angestellter nicht länger als 10 Stunden am Stück arbeiten, dass heißt, für einen 24-Stunden-Dienst müssen mindestens 3 Angestellte ran. Diese wollen natürlich Nachtschicht-Zuschlag und Freizeitausgleich, wie es einem Arbeitnehmer in der Nacht und an Sonn- und Feiertagen gemäß Tarifvertrag zusteht. Der Gesamtgewinn eines Notdienstes einer Kleinstadt- oder Land-Apotheke ist eher mäßig. Gehen wir mal von 20 Kunden in 24 Stunden aus – und das ist hoch gegriffen – fällt ein Zusatzgewinn von 20x 2,10€ = 42,00€ an. Das macht pro Stunde also einen Zusatzverdienst von 1,75€. Davon muss der Apothekenleiter dann das Gehalt, die Lohnnebenkosten, den Strom für Computer und Licht, den Freizeitausgleich usw. bezahlen. [3] Also machen viele Apothekenleiter diesen Dienst aus Kostengründen selbst. Dabei sind sie aber durchaus vorher schon im Dienst – und wenn der Dienst vorbei ist geht der nächste Arbeitstag munter weiter. So etwas ist anstrengend.

Aber in der Großstadt, wo man in die nächste Apotheke purzelt, wenn man beim Heraustreten aus der ersten stolpert, ist der Laden immer voll! Richtig, und in der Kleinstadt und auf dem Land kommt im Zweifelsfall gar niemand vorbei. Sowas nennt sich ausgleichende Gerechtigkeit. Diese ist hier aber noch nicht zu Ende, weil im ländlichen Raum Apotheken viel öfter Dienst machen, als in der Großstadt. In Berlin ist nach dem derzeit gültigen Notdienst-Turnus jede Apotheke ein mal alle 23 Tage mit einem 24-Stunden-Dienst dran. Das sind also ca. 16 Dienste im Jahr, davon 2 an Sonntagen. Im landlichen Raum gibt es Ecken in Deutschland, wo eine Apotheke ca. alle 7 Tage mit Notdienst an der Reihe ist. Das sind dann 52 Dienste im Jahr, und davon liegen mindestens 7 an Sonntagen. Auch von einem 5-Tage-Turnus habe ich schon gelesen – ich kann aber derzeit nicht sagen, welchen Landkreis dieser betrifft, weswegen ich das als Beispiel nicht vorrechne. Und alles für kein Geld extra. Bisher.

Nun ist seit ungefähr Oktober 2012 von einer Notdienstpauschale die Rede. Das wäre fair. Für jeden Dienst bekommt man einen Pauschal-Obulus von (derzeit im Gespräch) 220€ steuerfrei. Hmm… das sind 9,16€ pro Dienststunde – immer noch nicht genug, um einen Angestellten korrekt bezahlen zu können (mit allen Lohnnebenkosten), aber besser als nichts. Und wer mehr Dienste macht bekommt mehr Geld. Das ist fair. Sollte man meinen. Aber – diese Pauschale sollte zum 01.01.2013 in Kraft treten – ist leider leider so nicht umzusetzen. Es könnte das Grundgesetz verletzen. Oder eine andere Partei ist nicht dafür. Oder Apotheken bekommen Geld – das geht nun wirklich nicht! Und überhaupt werden die privaten Krankenversicherungen (pKV) ja gar nicht beteiligt. Na sowas! Nun ist die Frage, wieso ging es früher ohne Pauschale? Ganz einfach: Früher [4] gab es eine sogenannte Mischkalkulation. Apotheken verdienten an verschreibungspflichtigen Arzneimitteln so gut, dass defizitäre Dinge wie Notdienst oder Rezepturherstellung mit den Gewinnen aus der Fertigarzneimittelbelieferung querfinanziert – also sozusagen subventioniert – wurden. Dies ist seit 2004 anders. Und seit 2004 wird Jahr für Jahr die Bezahlung von Fertigarzneimitteln eingeschränkt. Nun wollen die Apotheken das nicht mehr mitmachen.

Ich möchte eine Analogie beschreiben, die ich in einer Antwort in einem anderen Blog schon verwendet habe, damit das ganze greifbarer wird. Vergleiche hinken immer, aber ich sehe mal zu, dass es halbwegs fair rüber kommt. [Analogie an]:
Seit Jahren lasse ich [die kranke Kasse] meinen Freunden [meinen Versicherten] von einer Gaststätte [die Apotheke] Essen liefern. Früher habe ich die Gaststätte großzügig bezahlt. Dafür dürfte ich auch 1x im Monat mit ausgewählten Freunden kostenlos in dieser Gaststätte essen gehen [Notdienst benutzen]. Dann fing ich an, Zusatzforderungen zu stellen. Viel Papierkram. Die Gaststätte machte das anstandlos. Dann fing ich an, Essengeldbeteiligungen [Rezeptzuzahlungsgebühren] von der Gaststätte an mich abrechnen zu lassen. Die Gaststätte machte das kostenlos. Dann fing ich an, Rabatte, die ich von den Landwirten einforderte, von der Gaststätte für mich abrechnen zu lassen. Die Gaststätte machte das kostenlos. Dann stellte ich das Bezahlsystem um [neue Arzneimittelpreisverordung], die Gaststätte bekam nun nur noch eine Pauschale pro Essen, egal wie teuer dieses Essen insgesamt war. Die Gaststätte murrte nicht. Nun fing ich an, der Gaststätte vorzuschreiben, welche Landwirte für einzelne meiner Freunde zu benutzen sei [Rabattverträge]. Das machte einen Heidenaufwand für die Gaststätte, zumal ich alle Nase lang die Landwirte veränderte. Des weiteren bezahlte ich der Gaststätte das fragliche Essen nicht, wenn sie sich auch nur ein mal ausversehen bei der Landwirtszuweisung irrte. Auch das nahm die Gaststätte hin. Dann forderte ich, dass alle Rabatte, die die Gaststätte bei den Landwirten bekam, mir zu zahlen seien. Die Gaststätte fing sehr an zu klagen, dass eine wirtschaftliche Essenslieferung kaum noch zu bewältigen sei, aber wer klagt denn nicht? Und nun meint die Gaststätte, dass das monatliche Umsonstessen plötzlich Geld kosten soll. Das ist doch wirklich unverschämt! [Analogie aus]

Ich habe bei dieser Analogie bewußt ein paar Schritte der Bevormundung der Apotheke ausgelassen, wie z.B. die Pflicht, Reimporte zu beliefern. (Auch dazu blogge ich eventuell ein andermal.) Und auch die Aufteilung der Kosten zwischen gKV und pKV. Und auch der Vorschlag der Politik, Apotheken sollen dafür selbst eine Lösung finden. Bitte? Wozu bezahlen wir denn alle unsere Politiker?

Und nun mag ich Eure Meinung hören. Apotheken-Notdienst immer und kostenlos, denn Apotheken sind ja reich genug? Notdienst nur für Reiche? Oder Notdienst einfach abschaffen?

—————————————————-

[1] Inclusive 19% MwSt. In der Apotheke bleiben also nur 2,10€; 0,40€ gehen sofort an den Finanzminister.
[2] Bei einem „Retax“ oder einer „Retaxierung“ wird die „Taxierung“, die Abrechnung des Leistungserbringers, angezweifelt. Der Abrechnungsbetrag wird dann durch die Krankenkasse einseitig um den von der Krankenkasse angezweifelten Betrag gekürzt. Man kann dagegen Einspruch einlegen, welcher unter Umständen anerkannt wird. Apotheken bekommen für falsche Retaxierungen keinen Ausgleich – Krankenhäuser bekommen für falsche Retaxierungen pauschal 300,00€ zusätzlich für den fraglichen Fall. Im besprochenen Beispiel hat ein Einspruch keine Chance auf Anerkennung, da es sich um einen Formfehler handelt, der weder mit Logig, mit gesundem Menschenverstand, mit Ethik, mit Moral oder mit sonstwas zu begründen ist.
[3] Wie war das gleich mit dem gerade geforderten Mindestlohn?
[4] 2004 wurde die Arzneimittelpreisverordnung von einer degressiven prozentualen Bezahlung (an den Gesamtkosten des Arzneimitels) auf eine Fixpauschale umgestellt. 2006 wurde die gesetzlich vorgesehene Anpassung dieser Fixpauschale verweigert. In verschiedenen Schritten wurde danach den Apotheken auch jeglicher Einkaufsvorteil verboten. Dafür wurde seit 2007 die Bürokratie dramatisch ausgeweitet – immer unter Androhung eines „Nullretax“, der vollständigen Verweigerung der Bezahlung einer Leistung, ohne dass die Apotheke die Chance hat, die ausstehende Summe einklagen zu können. Zu der Arzneimittelpreisverordnung berichte ich ein andermal ausführlicher.

Advertisements

13 Gedanken zu „Das Kreuz mit dem (Not)Dienst

  1. Erst einmal Glückwunsch zum eigenen Blog, auf das sich hier viele Mitkommentierer einfinden.
    Wie in vielen Beispielen auch außerhalb des Apothekerlebens ist die aktuelle Situation ein typisches Beispiel von kleinen Finger reichen und ganzen Arm vereinnahmt bekommen. Es ist leider immer schwieriger, etwas neu zu bekommen, als etwas bestehendes zu verteidigen.
    Leider war die Apothekerschaft bei der Verteidigung der „Besitztümer“ (klar, das ist sehr vereinfacht) nicht erfolgreich. In der normalen Bevölkerung sind die Einschnitte und deren Folgen gar nicht bewußt angekommen. Außer der Ärger, dass man ständig neue Tablettenschachteln bekommt. Aber das hat ja die Apotheke Schuld, denn da kann ich meckern.
    Und nun schaut es so aus, als würden die Apotheken zusätzlich raffgierig nach vermeintlich großzügiger Notdienstbezahlung greifen. Die 220€ sehen für den Normalbürger sehr großzügig aus. Karl Müller bei Opel am Band und Karla Meyer bei Karstadt verdienen das nicht so einfach. 😦

    • Erst einmal ein Wilkommen auf meinem unfertigen Blog, und ein Hallo dem Ersten Kommentar!

      Ja, das „einfache Verdienen“. Wenn ich die Leute frage, die in den Notdienst kommen, ob sie lieber ihren Sonntag in der Apotheke verbringen möchten, bekomme ich als Antwort im Schnitt: Nein, dafür ist der Knick doch da! Eine reflektierte Wahrnehmung seiner Umwelt ist auf der Wunschliste des Wohlstandsbürgers leider einige Plätze nach unten gerutscht seit Erfindung der Aufklärung.

  2. Ohne auf die Details einzugehen, da ich gerade mit dem müdem Kindlein hadere… Ich finde den Notdienst sehr gut und sinnvoll (mußte selbst schon einmal nachts um 1.00 Uhr Amoxicillinsaft für das Kleinkind holen) und wäre auch bereit, dafür zu zahlen, meines Wissens hat die Dame mir damals gar nichts draufgeschlagen, jedenfalls nichts, was ich bemerkt hätte (also muß es unter 5€ gewesen sein wenn überhaupt). Die Alternative besteht ja aus Notaufnahme (früher zzgl.10€ Praxisgebühr dort) der Hoffnung aus Direktbezug der Wochenenddosis aus der (Kranken-)hauseigenen Apotheke. Eine pauschale Vergütung für den nachtdienstschiebenden Apotheker fände ich mehr als fair, so wie eben auch ein Arzt im Bereitschaftsdienst etwas vergütet bekommt (zwar auch nicht angemessen, aber immerhin überhaupt etwas… das ist ja jetzt nicht Thema hier).
    Zum Thema Notdienst nur für Reiche – daß Patienten/Kunden selbst einen Zuschlag auf die normale Zuzahlung/den Preis zahlen sollen, finde ich völlig in Ordnung! 5€ (einfach für das Unterbrechen des Schlafes und das Öffnen der Klappe in der Nacht) z.B. dürften der Masse wenig existentielle Probleme bereiten, bis 10€ könnte ich nachvollziehen, auch wenn das mehr wehtäte. Idealerweise gegenläufig gestaffelt, d.h. Notfall-ABx Abholung plus 3€ Nachtzuschlag, wer nur Traubenzucker kaufen will, 7€! ;-P Kundenfreundliche Kassen könnten ja auch anbieten, die Nachtgebühren für wahre Notfallbezüge zu erstatten (wer einfach nur zu spät kommt mit Pillepalle soll auch selbst den erhöhten Preis löhnen). Auf jeden Fall muß der Nachtdienst irgendwie entlohnt werden… und zwar nicht nur durch ein lächerliches „höhö, na dann bekommen Sie den Tag nach dem Nachtdienst eben frei“ (so geht es ja vielen Ärzten auch, wie war das, 70% des BD werden bezahlt, der Rest „sei ja frei“? Aber nicht in einer Klinik der Maximalversorgung… Zahlen ohne Gewähr, ich weiß es nicht mehr so genau). Gut, einen Dienst pro Monat pro Apotheke könnte man als unentgeltlich hinnehmen, aber wenn das stimmt, daß auf dem Lande alle 7d Dienst ist… das geht doch einfach nicht ohne Entlohnung in irgendeiner Form?! Würde mich zumindest ziemlich ärgern. Alternativ könnte man die unentgeltlichen Dienste mit jährlichen Fortbildungen vergüten… Hauptsache, es wird anerkannt und nicht als selbstverständlich hingenommen. Aber mit der Wertschätzung (nicht nur des Personals sondern hier der ganzen Apotheke an sich) haben es die Verantwortlichen im Deutschen Gesundheitswesen nicht wirklich.

    • Ein Herzliches Willkommen auf meinem Blog!

      Nein, Wertschätzung durch den Leistungsträger für den Leistungserbringer ist ganz unten. Die kranken Kassen sind in der Zwischenzeit (fast) alle vom Stamme „Nimm!“, und es geht nicht mehr um die sinnvolle Versorgung des Versicherten, sondern um den schnöden Mammon. Und eine gute Leistung durch den Leistungserbringer schadet dem sozialverträglichen Ableben des Leistungsempfängers.

      Der Aufschlag war und ist 2,50€, egal zu welcher Uhrzeit. Und der Rest der Preise – insbesondere der Arzneimittelpreise, welche durch die Arzneimittelpreisverordnung vorgegeben ist – bleiben gleich. Ich unterstelle mal, die „gute Dame“ hat Version 5) gemacht, und wie durch Zauberhand ist die korrekte Kennzeichnung auf dem Rezept erschienen… Oder der verschreibende Arzt hat das passende Kreuz selbst gesetzt?! Es soll ja noch Zeichen und Wunder geben…

  3. Lieber Gedankenknick, Herzlichen Glückwunsch zum Blog!
    Die Sache mit dem Notdienst und dem durcharbeiten betrifft ja nicht nur den Apothekenleiter sondern auch den Angestellten.
    Ich erinnere da mal an den Tarifvertrag und den Passus, das mit einem Gehalt von mindestens 13 % über Tarif der Notdienst mit abgegolten ist.
    So kann es ja auch einem Angestellten passieren, das er Sonntag früh zum Dienstbeginn (Je nach Turnus irgendwann zwischen 8.00 Uhr und 9.00 Uhr) den Sonntagsnotdienst antritt. (Selbstverständlich hat er auch den Samstag ganz normal gearbeitet.)
    und dann nach 24 Stunden Notdienst am Montag weitermacht, weil es im Tarifvertrag auch noch
    §5 Absatz 5 gibt: „Nach einer Notdienstbereitschaft von mindestens 24 Stunden muss eine Freizeit von mindestens zwölf Stunden gewährt werden, soweit nicht dringende betriebliche Gründe entgegenstehen.“
    Dringende betriebliche Gründe, ist so schwammig formuliert, das da alles drunter fällt. Also auch keine Zeit des Inhabers.

    Ich „freue“ mich jedesmal, wenn ich so einen Dienst erwische, wo ich Sonntag früh zum Dienst antrete und weiss, das ich erst am Montag abend wieder gehen „darf“.
    Dieser Dienst wird mir nicht extra vergütet und taucht auch nicht im Jahresarbeitszeitkonto auf.
    und wir haben alle 13 Tage Dienst.
    Liebe Grüsse
    Boreal

  4. Also ich grübel schon eine ganze Zeit… aber wecheles Medikament ist es denn tatsächlich Wert, dass ein Arzt „noctu“ ankreuzt (außer vielleicht im sonntaglichen Notfall)? Für etliche Medikamente hat er meistens noch Muster da, die für solche Überprückungen gerne ausgibt. Insbesondere eben Schmerzmittel aller Art – außer BTM versteht sich.
    Die BTM-Patienten wieder passen in der Regel auf, dass sie sich rechtzeitig Nachschub hohlen und nicht wegen eines Rezepts in die Notaufnahme müssen. Ausnahme ist hier vielleicht das Neu-BTM Tilidin – aber hier schreibt mein Chef einfach die Tabletten anstatt der Tropfen auf (die meisten früheren Tropfennehmer sind zumindest in unserem Fall einfach Mimosen, die keine Tabletten schlucken wollten). Wäre also auch kein Problem.
    Migräne-Zeugs würde mir noch einfallen – aber hielt legte mein alter Chef lieber eine Infusion an.
    Was gibts noch? Betablocker? Blutzucker? Gerinnungshemmer? Schilddrüse? etc.? Nichts, was man Notfallmäßig hohlen müsste – es sei denn natürlich, die Medikamente gingen verloren oder man hätte vergessen Nachschub zu hohlen.
    Echte Notfallmedikamentation beinhaltet meistens ja auch einen echten Notfall, die dann wiederum in den Krankenhäusern verbleiben, anstatt nach Hause geschickt zu werden, oder? *Kopf kratz*

    Auf Anhieb fällt mir daher nur Asthmaspray und Antiallergikum ein. Aber auch hier gilt: eigentlich hat man das als Leidender immer dabei. Verlust mal ausgeschlossen. Und Erfahrungsgemäß kommen diese Patienten auch eher am nächsten morgen zum Arzt, anstatt mitten in der Nacht. Letzteres nur, wenn es dann auch ein echter Notfall ist.

    • Wie wäre es z.B. mit Antibiotika am Wochenende für die röchelnde Lunge, und vielleicht ein wenig Codein mit dazu, damit der Patient überhaupt durch die Nacht kommt? Insbesondere bei Kinderärzten auch sehr beliebt ein Antibiotkum in (Trocken)Saftform. Es gibt auch mehr als 1 Schmerzmittel. Spontan und ohne nachzuzählen fallen mir so 7 „normal“ verschreibungsfähige (und -pflichte) Wirkstoffe ein, die in unseren Schubladen rumoxidieren. (Übrigens, die unretardierte Kapselform des Tilidin – hat derzeit nur Hexal auf dem Markt – ist auch BtM-pflichtig. Nur retardierte Arzneiformen, die Du sicherlich gemeint hast, dürfen derzeit auf das „normale“ Rezept.)

      Aber ob das nun speziell Not tut oder nicht – der Arzt wird für seinen Notdienst leidlich entlohnt – und gibt dem Patienten, der sich in den Notdienst begeben hat, Sonntags, Feiertags oder mitten in der Nacht ein Rezept mit. Sagt er dazu die Worte: Und lösen Sie dieses Rezept erst Montag früh ein, denn Sie sind kein Notfall. ? Dann wäre es moralisch richtig, auch den Patienten nicht zu behandeln (und als Notdienstbehandlung abzurechnen), und mit den Worten nach Hause zu schicken: Kommen Sie mal Montag früh wieder, Sie sind kein Notfall! Einfach das Kreuz nicht zu setzen, obwohl das Rezept im Notdienst ausgeschrieben wurde, ist entweder reines Unwissen, oder – so leid es mir tut – Vera…lberung des Apotheke.

  5. „4) Man bittet den Patienten zur Kasse. Das ist bei einem wirklichen Notdienst-Rezept rechtlich […] fragwürdig, und man hat in diesem Fall eine gute Chance, sowohl von der Krankenkasse also auch von Verbraucherschutzeinrichtungen einen bitterbösen Brief und eventuell auch eine Klage zu bekommen.“

    Eher nicht, denn es ist der vom Gesetz-/Verodnungsgeber vorgesehene Normalfall 🙂
    vgl. Rückseite des derzeit gültigen Rezeptmuster 16: „Wird das Arzneimittel innerhalb der Zeiten gemäß §6 der Arzneimittelpreisverordnung (Notdienst) abgeholt, so hat der Patient eine Gebühr (2,50 Euro) zu bezahlen, sofern der Arzt nicht einen entsprechenden Vermerk (noctu) anbringt.“
    Das ist sogar schärfer formuliert, als es der §6 vorgibt. Dort ist es nämlich nur eine Kann-Bestimmung.

    Und hier(tm) sind die meisten Notdienst-Rezepte übrigens auch tatsächlich mit einem noctu-Kreuz versehen. Gerade wieder eins in der Hand gehabt 🙂

    • Es ist insofern fragwürdig, als dass ich z.T. weiß (sehe ich am verschreibenden Arzt), dass es ein „echtes“ Notdienst-Rezept ist. Das (zitierte) Gesetz dazu ist sonnenklar, aber es ist wirklich keinem Patienten zu vermitteln. Der Patient kommt vom ärztlichen Notdienst, und der Apotheker erklärt, es handelt sich nicht um ein Notdienst-Rezept (der Arzt hat ja nicht gekreuzt), weswegen er extra Geld will! Einen besseren Aufhänger für Negativ-Schlagzeilen kann man sich kaum wünschen. Ich habe mich schon um einfachere Sachen gestritten im Notdienst (z.B. „Ich bezahle das Privatrezept nicht, weil meine Oma kassenversichert ist!“)

      Ähnlich dumm gelaufen ist (bzw. läuft gerade) der derzetige Streit zwischen KV und DAV um korrekt ausgestellte Grippeimpfstoff-Rezepte für die Saison 2013/14.

Knick hier Deine Gedanken (Mit Nutzung der Kommentarfunktion erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und Ihre IP-Adresse nur zum Zweck der Spam-Vermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden.):

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s