Fachkräftemangel staatlich gewollt!

Aponette wies mich auf die Online-Petition gegen die Schulgelderhöhung der PTA-Schulplätze in Nordrhein-Westfalen hin, wie man auch hier nachlesen kann. Will meinen, schon jetzt bezahlen PTA-Schüler ein monatliches Schulgeld in Höhe von durchschnittlich 200€. Das Bundesland NRW gab bisher pro Ausbildungplatz und Monat 73€ dazu, 10% der Kosten kommen von der Apothekerkammer und damit direkt von den Apotheke(r)n, die die Kammer über Beiträge finanzieren. Nun will das Bundesland diesen Zuschuss streichen. Übernehmen dürfen es dann entweder die PTA-Schüler selber, oder aber die Apotheken übernehmen als Nutznießer der Ausbildung [1] einfach die Kosten über einen Obulus.

Das ganze ist in mehrfacher Hinsicht erstaunlich:
1) Ein rot-grün regiertes Bundesland schafft eine Ausbildung zu einem Beruf ab, deren Vorteile – so denn in einer Apotheke gearbeitet wird – unter anderem in der wohnortnahen Arbeitsstelle, in den kleinen Strukturen des Arbeitgebers, in den günstigen Regelungen zu Teilzeitarbeit bei „Kleinbetrieben“, in der fachlichen hohen Qualifizierung zu einer annehmbaren Bezahlung, sprich in einer verantwortungsvollen Tätigkeit liegt.
2) Das ganze wird um so erstaunlicher, wenn man berücksichtigt, dass mindestens 95% der deutschen PTA weiblich sind, es somit also um hochqualifizierte, flexible und (halbwegs) gut bezahlte Frauenarbeitsplätze handelt.
3) Selbige rot-grüne Landesregierung hat es sich eigentlich auf die Fahnen geschrieben, dass KiTa-, Schul-, Fachschul- und Universitätsausbildungsplätze kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Aber ausgerechnet im Apothekenbereich ist dieses nicht erwünscht.
4) Das ganze passiert vor dem Hintergrund, dass andere PTA-Schulen wie z.B. in Minden oder auch in Magdeburg schon geschlossen wurden, auch aus finanziellen Gründen.

Aber dieses Vorgehen passt gut ins zur Zeit allgemeingültige Bild der Politik die deutschen Apotheken betreffend [2]. Geht es doch schon lange darum, möglichst bald eine Apothekengesamtzahl von 15.000 zu erreichen. Dies kann man natürlich nicht nur über ausufernde und unbezahlbare Bürokratie, sondern auch über das Wegbrechen von Fachkräften erreichen, da ja gemäß der derzeit gültigen Apothekenbetriebsordnung viele fachliche Tätigkeiten nur von Apothekern, Pharmazie-Ingenieuren [3] oder PTAs [4] durchgeführt werden dürfen.

Wollt Ihr die inhabergeführte kleine Apotheke vor Ort erhalten, so zögert nicht und zeichnet diese Petition!

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[1] PTAs, Pharmazeutisch-Technische Assistenten, sind nicht nur in der Apotheke gefragt. Einige arbeiten in Laboren der chemischen und pharmazeutischen Industrie, einige arbeiten als Pharmareferenten, usw. usw.
[2] Frau Ulla Schmidt versprach als Gesundheitsministerin zur Einführung des Versandhandels mit Arzneimitteln den deutschen Apotheken schon im Jahr 2002 gesetzliche Gleichstellungen, die bis heute noch nicht umgesetzt sind. Den Grünen, zumindest den Bundespolitischen, sind die reichlichen Frauenarbeitsplätze in den inhabergeführten Apotheken sowieso schon lange ein Dorn im Auge. Viel lieber sieht man dort Arbeitsplätze, wie sie bei Antonm Schlecker gerade erst outgecorced wurden. Qualifikation nicht gewünscht. Arbeitsbedingungen? Reden wir nicht drüber. Absicherung? Sicher. Etc.
[3] Ein aussterbender (sozialistischer) Beruf, dessen letzte Absolventen im Jahr 1991 ihre Abschlüsse erheilten. Pharmazie-Ingenieure haben fast die „beruflichen Vollmachten“ eines Apothekers. Er wurde geschaffen, da die DDR nicht genug Apotheker an den Universitäten zur Deckung des Bedarfs ausbilden konnte bzw. wollte.
[4] PTAs arbeiten in „pharmazeutisch relevanten“ Bereichen immer unter der Aufsicht eines Apothekers – zumindest was das Gesetz betrifft. Im einzelnen kann der Apothekenleiter bestimmte Bereiche auch „freier“ gestalten, ist aber trotzdem im rechtlichen Sinne immer für die PTA-Arbeit verantwortlich und haftbar.

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6 Gedanken zu „Fachkräftemangel staatlich gewollt!

  1. Das mit den weniger Apotheken dürfte auch so relativ schnell gehen. Hier in der Gegend hören immer mehr auf, weil die Mieten, trotz Lehrstand, komischerweise für Geschäftsräume steigen.

    • Wird nichts. Homöopathisch verdünnen kann man nur Dinge, die tatsächlich materiell existieren. Selbsteinschätzung könnte man vielleicht dann homöopathisch verdünnen, wenn man sie vorher Dieter Bohlen chirurgisch entfernt. Mehr Ideen habe ich dazu nicht…

      • Lol Knick da warste aber irgendwie auf der falschen Seite. Aber zurück zur Selbsteinschätzung: Bei Esoterik „Medikamenten“ geht alles, mach dir mal den Spaß und google mal.

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