Fight Night: Runde 2!

Willkommen zurück aus der ersten Pause, sehr verehrtes Publikum. Noch haben Sie nicht viel verpasst, noch ist kein Blut geflossen. Nach dem ersten Abtasten unserer Kontrahenten in Runde 1 steht nun dem Kampf nichts mehr im Weg. Die KV hat sich Nandrolon gespritzt, der LAV hat seine Boxhandschuhe plattiert, und die Anwälte haben Stellung in der jeweiligen Ringecke bezogen, bewaffnet mit Formularen, Verordnungen und Gesetzen. Aber ich kann keine Handtücher sehen, vom „Anhalten“ haben die wohl alle keine Ahnung [1]. Zwei zusätzliche Ringrichterinnen – eine Abgesannte der AOK Baden-Württemberg und eine Sprecherin des BMG – sind auch eingetroffen. Nun könnte es losgehen, wir ertwarten alle gespannt den Gong – aber was ist das, werte Sportbegeisterte? Die Ereignisse nehmen eine unerwartete Wendung, es werden 3 Stühle und ein Tisch in den Ring geräumt. Gibt es heute abend also statt gutem europäischen Boxen einen Wrestling-Showkampf nach amerikanischem Vorbild? Wird mit den Klappstühlen aufeinander eingeschlagen und darum gerungen werden, wer am längsten auf dem Tisch stehenbleibt? Die Halle tobt, jubelt und buht gleichzeitig, werte Fans an den Empfangsgeräten, könnten Sie doch jetzt nur vor Ort sein und diese Athmosphäre live erleben…

Nun – 3 Minuten nach „5 vor 12“ – scheint sich tatsächlich etwas zu tun. Sowohl LAV als auch KV haben erkannt, dass es mit der derzeitigen Situation nicht weitergehen kann, wie ApothekeAdhoc vermeldet. Beide Parteien gehen zwar von ihren Meinungen noch nicht ab, wobei der LAV meiner bescheidenen Ansicht nach derzeit die rechtlich bessere Position hat, während die KV derzeit die besser bezahlte Position besetzt, aber immerhin hat die AOK als in Baden-Württemberg federführende Abrechnungsorganisation für Impfstoffe [2] mit den den Verhandlungstisch gefunden, was ich als gutes Zeichen betrachte.

Wirklich mies finde ich allerdings weiterhin die Haltung des BMG, welches lapidar feststellt, dass das alles ein Problem zwischen Ärzten, Apothekern und vielleicht auch Krankenkassen, aber kein Problem der Gesetzgebung im Gesundheitswesen ist. Natürlich liegt das Problem in der Gesetzgebung. Denn die in den letzten Jahren formulierten Gesetzesänderungen, -anpassungen und -neuformulierungen sind häufig so schwammig und interpretationsfähig ausgearbeitet, dass sich niemand sicher sein kann, mit seinem Handeln dem Gesetz zu entsprechen. So verlautbart das Ministerium jetzt dann auch, man „werde die Lage im Auge behalten…“ [3] und „…dafür sorgen, dass die Diskussion nicht auf dem Rücken der Versicherten ausgetragen werde.“ Es tut mir leid, das so direkt ausdrücken zu müssen – aber auf einem anderen Rücken als dem der Versicherten läßt sich diese Diskussion leider nicht mehr austragen – denn auf dem Rücken der Apotheken werden bereits alle anderen Diskussionen ausgetragen, und sowohl die Ärzte als auch die Krankenkassen stellen ihren Rücken leider für eine (finanzelle) Diskussion nicht zur Verfügung. Dass die Apotheken, deren Rücken in der Zwischenzeit schon so ziemlich gehäutet ist, keine weiteren Ambitionen der freiwilligen Selbstkasteiung verspüren, kann ich gut nachvollziehen.

Die Apotheken betrifft (und ärgert) das aber deshalb am meisten, weil es immer an diesen letzen Hintern hängenbleibt, von den Hunden (finanziell) gebissen zu werden. Und der Arbeitsaufwand für Impfstofflieferungen ist höher als bei „normalen“ Medikamenten, denn Impfstoffe sind meist kühlkettenpflichtig (müssen also aufwendig gelagert und transportiert werden) und haben zumeist ein kurzes Verfalldatum, so dass eine sinnvolle Lagerhaltung meist kaum möglich ist. Und trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen, möchten viele Arztpraxen die Versorgung und Lieferung gerne „auf Zuruf“ erhalten.

Liebes BMG – setze Dich mit an den Verhandlungstisch, lerne daraus und beschließe sinnvolle Gesetze! Sonst wird das nichts mehr mit der lückenfreien Versorgung der Bevölkerung…

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[1] Im Gedenken an Douglas Adams, der ein echter Frood war und immer wußte, wo er sein Handtuch hatte.
[2] Die Abrechnung von Impfstoffen, welche zu Lasten der gKV abgegeben werden dürfen, ist nicht ganz so einfach und von Bundesland zu Bundesland unterscheidlich geregelt. In einigen Ländern organisiert die Landes-AOK die gesamte Verteilung der Impfstoff-Kosten auf die verschiedenen Krankenkassen, in anderen Ländern organisiert die AOK nur die Verteilung auf die sogenannten „Primär“-Kassen, währen die Verteilung der Kosten unter den „Ersatz“-Kassen die Barmer-GEK übernimmt.
[3] Ich frage mich in welchem? In dem, welches nach weiteren Einsparungspotentialen bei den Leistungserbringern sucht, oder in dem, welches danach schaut, ob die Politik ja die richtige Entscheidungen und Gesetze – die zum Wohle der kranken Kassen – beschließt…

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