Notdienst-Vergütung V1.2 BETA!

noctu2Die politischen Ereignisse zur Notdienstvergütung scheinen sich gerade zu überschlagen – vielleicht weil sich die Politik sich seit 5 Monaten durch rumsitzen und nichtstun auszeichnete – und nun, ich habe ja schon länger darauf gewartet, haben sich die kranken Kassen, in desem Fall der Spitzenverband höchstpersönlich, zu Wort gemeldet, um ihren Senf, nachdem bisher wirklich gar niemand gefragt hat, dazuzugeben. Und die Aussage war – wie erstaunlich – vorhersehbar…

Hier mal der zusammengefaßte O-Ton des Über-Sprechers der kranken Kassen:

  1. Eine Notdienstvergütung ist nicht notwendig und auch nicht nötig. Schließlich mußte der Notdienst noch nie vorher „grundvergütet“ werden, also ist dies auch in der Zukunft nicht nötig.
  2. Über die Anpassung des Fixhonorars um 0,25€ zum 01.01.2013 ist sowieso alles schon bezahlt.
  3. Die 114 Millionen € (inklusive MwSt.) bringt die Kasse in eine existenzielle Notlage.
  4. Schon die 0,25€ waren überflüssig, zu viel und überhaupt unangemessen.
  5. Dass damit die Krankenversicherungen (und damit die Patienten) belastet werden, ist ein Unding.

Schauen wir uns die Aussagen mal gemeinsam an:

zu 1) Ist ja klar. Früher gab es mal eine „Mischkalkulation“. Die Apotheken verdienten an den „normalen“ Arzneimittel so viel, dass defizitäre Dinge wie Notdienst, Rezeptur, BtM u.ä. als „mitbezahlt“ angesehen wurden. Ich erklärte das bereits in meinem ersten Artikel hierzu, dass diese Mischkalkulation aufgrund der Einsparungen bei den Apotheken nicht mehr funktioniert.

zu 2) Ist auch klar. Das Fixhonorar wurde nach dramatischen Einschnitten und drastischem Aufbürden von Mehrarbeit seit 8 Jahren zum ersten Mal um 3,09% angepasst. (Das würde einer jährlichen Anpassung um 0,44% entsprechen, nur dass dieses Geld 8 Jahre nicht angekommen ist bei den Apotheken.) Alleine die Inflation beträgt pro Jahr ca. 2-4%, je nachdem.

zu 3) Zuerst einmal ist unklar, ob die 0,16€ vom Gesetzgeber mit oder ohne MwSt. in den Gesetzentwurf geschrieben wurde. Aber immer mal schwarz malen, liebe Kassen. Und dann erinnere ich mal an die Rücklagen von ca. 28-35 Milliarden € – davon sind 114 Millionen grad mal 0,4%. Ja, existensbedrohend. Erstaunlich, dass die TK sich noch nicht zu Wort gemeldet hat, die angekündigter Weise allein 2013 ca. 480 Millionen € als „Dividende“ an ihre Beitragszahler ausschütten wird. So viel ist euch also ein Notdienst wert. Ich schlage im Zuge allgemeiner Einsparungen vor, auch den „Kassenärztlichen Notdienst“ und auch den „Rettungsdienst“ (sprich die gesamte Rettungswagen-und-Sanitäter-und-Notarzt-Blaulich-Kiste) einfach im Leistungskattalog auf 0,00€ zu setzen. Die machen das bestimmt auch alle gerne umsonst und aus reiner Nächstenliebe.

zu 4)  Siehe „zu 2)“. Immer mehr Arbeit verlangen. Immer stärkere Einschitte der Bezahlung der Leistungserbringer durchsetzen. Immer ausuferndere Bürokratie einfordern. Immer mehr Rechnung nicht bezahlen (Stichwort „Retaxation“), und bloß nichts bezahlen. Geiz ist geil, oder? Außerdem schlagt das – erstaunlicher Weise – wieder mal in die Kerbe „Alle Apotheken sind sowieso zu reich.“ Ich meine mich zu erinern, solcherlei Pressemeldungen in meinem zweiten Artikel vorhergesagt zu haben.

zu 5) Und was habe ich in meinem zweiten Artikel geschrieben, was sich die Apotheken wünschen? Na was solls.

Lieber „Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen Deutschlands“ – gerne höre ich euch von Dingen reden, mit denen ihr euch auskennt. Gerne diskutiere ich auch konstruktive Vorschläge zu einer besseren Lösung des Problems. Zu Apotheken-Notdienst im speziellen und Apothekenvergütung im allgemeinen scheint ihr weder konstruktive Vorschläge noch überhaupt einen Durchblick zu haben, zumindest simuliert ihr das sehr trefflich. Oder um es mit Dieter Nuhr zu sagen: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Schnauze halten!“ Danke.

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3 Gedanken zu „Notdienst-Vergütung V1.2 BETA!

  1. Wir hier in der Schweiz bekommen in der Notfallzeit (Nachts/Sonntags/Feiertags) Fr. 17.30 (inkl. Mwst.) pro Patient von den kranken Kassen vergütet; für deutsche Verhältnisse wohl eine feudale Lösung. Nun ist es aber so, dass dies immer noch bei weitem nicht kostendeckend ist! (Fragt mal bei einem Handwerker, was es kostet, damit er am Sonntag/in der Nacht kommt – falls er kommt!)
    Ein in einer hiesigen Kette angestellter Apotheker hat mir mal gesagt, dass sie mit mindestens 20.000.- Defizit pro Jahr für den Notfalldienst rechnen. Pro Apotheke versteht sich!

      • Ich wünsche Dir einen ruhigen und problemfreien Dienst! Ja, die Kosten eines Notdienstes sind (eigentlich) dramatisch. Dass will aber weder ein Nutzer, noch die kranken Kassen oder gar die Politik wissen (was ich auch seren Sicht ja auch irgendwie verstehen kann). Aber der Handwerksvergleich ist sehr schön. „Für 2,50€ würde ich sonntags nicht mal das Telefon abheben!“ sagte mal ein Installateur zu mir in Dienst, der andererseits über die 2,50€ sehr erzürnt war. Na für 17,30 CHF würde er wohl ans Telefon gehen, aber sicher noch nicht beim Hilfesuchenden die Heizung reparieren…

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