Nur die Apotheker werden weniger…

Wie Apotheke-Adhoc publiziert, kommt die Bundesregierung höchstpersönlich zu dem Schluss, dass sich einerseits selbstständige freiberuflich tätige Menschen in den letzen 11 Jahren dramatisch positiv entwickelt haben: 67% Zuwachs gab es. Gleichzeit gab es bei Apothekern eine Abnahme der Selbstständigkeit von 17%, und dass, wo Apotheker gemäß Umsatzstatistik das höchste Einkommen haben (sollen). Das scheint erst einmal ein Widerspruch zu sein, ist es aber gar nicht. Warum? Ganz simpel…

Die „Einkommensstatistik“ bewertet nicht etwa das Einkommen gemäß Einkommensbesteuerung, sondern als allererstes nach gemäß des Umsatzes, um dieses auch noch nach dem mehrwertsteuerpflichtigen Umsatz. [1] Nun weiß jeder, der schon einmal selbstständig gearbeitet hat, dass Umsatz nicht gleich Einkommen ist. Und unsere Regierung weiß das auch – sollte man meinen. Die Regierung (bzw. die diese  Statistik erstellende Gruppe) scheint das aber nicht unterscheiden zu können.

Aber es kommt noch viel besser. Ein großteil ärztlicher Leistungen sind MwSt.-frei. Dass heißt, dieser Umsatz geht nicht in die fragliche Statistik ein.  Viele künstlerische Leistungen sind mit vermindertem MwSt.-Satz zu verbuchen. Diese Einkommen gehen also vermindert in die Statistik ein. Ach ja, man rechnet sich die Welt schön.

Ganz herrlich finde ich, dass wenn es dann an das versteuerte Einkommen geht, die letzten Zahlen für Apotheker aus dem Jahre 2007 stammen. Soll ich das wirklich glauben? Das BMF hat keinen Zugriff auf die Einkommensstatistiken von Apothekern? Vielleicht ist dem BMF ja auch bewußt, dass niedergelassene Apotheker immer noch nicht wissen, was sie 2009 und 2010 wirklich verdient haben, da der Kassenabschlag aus diesen Jahren immer noch (nach inzwischen 4 Jahren!) strittig ist, und niemand weiß, ob die Apotheker nicht Riesensummen an die kranken Kassen zurückzahlen müssen! Aber selbst dann würden die letzten belastbahren Zahlen aus dem Jahr 2008 – und aus den (gesetzlich geregelten) Jahren 2011 und 2012 stammen müssen.

Vielleicht ist das reale Einkommen des durchschnittlichen in Deutschland niedergelassenen Apothekers aber auch so gering, dass die Bundesregierung das eigene Nest beschmutzen würde, würde sie das Wissen um diese Zahlen offiziell bestätigen. Dann würde unsere Bundesregierung nämlich zugeben müssen, dass die Statistik der „Treuhand Hannover“ zumindest größtenteils richtig ist, nach der im Jahr 2011 ca. 1/3 der deutschen Apotheken weniger als 30.000 € Rohertrag für den Inhaber erwirtschafteten [2], also nach Abzug aller Steuern und Abgaben für den Inhaber  ca. 15.000 € Einkommen aufs ganze Jahr bedeuteten, und das bei vollem finanziellen Haftungsrisiko für den Betrieb und durchaus üblichen 50-70 Arbeitsstunden pro Woche.

Diese Zahlen sollte man sich mal durch den Kopf gehen lassen. Da arbeitet ein niedergelassener Akademiker 50-70 Stunden pro Woche, und hat ein Einkommen (2.500 € brutto), welches kleiner ist als die Summe, die er dem bei ihm angestellten Akademiker laut Tarif zahlen muss (3.100 € brutto). Und diese Zahlen sind allein der „Arbeit“ der Gesundheitspolitik und der kranken Kassen gedankt, die immer mit dem Wortlaut Euer Umsatz ist doch letzten Jahr wieder gestiegen, gebt etwas von Eurem Einkommen ab! auftrumpfen und von allen in der Neiddebatte gehört werden. Bloß dass der Umsatz der meisten Apotheken aufgrund des Verschreibungsverhaltens der Ärzte bei teuren Spezialpräparaten immer steigt, wohingegen der Rohertrag nicht etwa stagniert, nein er sinkt!

Wie praktisch, dass da keine aktuellen Zahlen vorliegen, damit man die Diskussion gemäß der Neiddebatte schön weiterführen kann und gleichzeitig nicht zugeben muss, die letzten 10 Jahre bei den Auswirkungsbeschreibungen der eigenen Gesetze wissentlich gelogen zu haben. Und genauso bei den Versprechungen, dass „grobe Gesetzesfehler“ anschließend garantiert „korrigier“ oder „angepasst“ würden.

Und ja, ich weiß, es gibt auch Apothekeninhaber mit höherem Einkommen. Das mag unter anderem an Dingen wie der Lage der Apotheke liegen, oder auch an so etwas wie der kompletten Entschuldung der Apotheke gegenüber Banken (weil der Laden schon seit 30 Jahren existiert.)

In diesem Zusammenhang herrlich erwähnenswert scheint auch die Aussage, dass kaum Apotheken Insolvenz anmelden. Auch dies ist richtig, und dabei ganz einfach zu erklären. Wenn die Apotheke nicht mehr genug abwirft, bekommt der Großhandel kein Geld mehr. Da der Großhandel aber seine Pappenheimer kennt (und mit den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen der Einkäufe der Apotheke sehr einfach deren Gewinnsituation schätzen kann) wird die Belieferung der Apotheke „eingestellt“, bevor diese Apotheke riesige Schuldenberge auftürmen kann. Dass die unfreiwillige Schließung einer Apotheke für den Inhaber eventuell in der Privatinsolvenz endet (da die kranken Kassen auch nach der Schließung der Apotheke die „alten“ Rezepte weiter retaxieren, und da auch das Finanzamt für die noch nicht tiefengeprüften Jahre später mit Nachforderungen kommt), um zumindest einen Teil der Altersvorsorge zu schützen, wird nähmlich bei der „Schließungsstatistik der Apotheken“ nicht berücksichtigt.

Weiterhin ist es wirklich vergnüglich zu lesen, wie glücklich die Bundesregierung mit der Arbeit der niedergelassenen Apotheken ist, welche ja unabhängig von Kapitalinteressen eines externen Unternehmers der Apothekenberuf zum Wohl der Allgemeinheit ausgeübt wird. Und hier ist der Knackpunkt: Gemäß Politik und kranken Kassen sollen niedergelassene Apotheker bitteschön „unabhängig von Kapitalinteressen“, aber dafür „zum Wohl der Allgemeinheit“ arbeiten. Oder um es mal zu übersetzen: Du sollst die für alle nützliche Arbeit bitte kostenlos erbringen. Dich selbst oder gar deine Familie brauchst Du sicher nicht zu ernähren, Du lebst ja vom Dank der Allgemeinheit an Deiner Arbeit! (Und ansonsten gibt es ja bitteschön genug Luft und Liebe auf der Welt, dass Du nicht darben musst..!) (Diese freie Interpretaion stammt allein von mir.) Ich frage mich wirklich, ob das ernst oder ironisch von der Regierung gemeint ist, denn ich weiß es einfach nicht.

Um es nochmals klar zu sagen: Diese amtliche Statistik ist bis in ihr Mark manipulativ. Die Apotheken betreffend dient sie einzig und allein dazu, der Bundesregierung, den kranken Kassen und der Bevölkerung geschönte Daten zukommen zu lassen, um den Raubbau an den niedergelassenen Apotheken weiter mit Argumenten zu versorgen. Apotheker werden nicht via „angestellt“ oder „niedergelassen“ beurteilt. Es wird kein Bezug auf die betrachteten Jahre genannt. Angestellte in Apotheken werden nicht unter „Gesundheitsberufe“ geführt und Apotheken selber werden im Bereich „Handel“ eingeordnet, womit die Bedeutung der Apotheken im Gesundheitswesen verschleiert wird. Ich muss davon ausgehen, dass ökonomische Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn und Einkommen bewußt falsch miteinander in Zusammenhang gesetzt wurden. Das Apothekensterben der letzten 2 Jahre, insbesondere auf dem Land, wird nicht mit einem Satz erwähnt. Ich muss davon ausgehen, dass bewußt auf jegliche Jahreszahlenangabe verzichtet wurde, damit dieser Zusammenhang nicht auffällt. Die inländische Ungleichbehandlung von niedergelassenen Apotheken (Beratungspflichtzwang, Rezeptur-Pflicht, Belieferungszwang usw.) und Versandapotheken („kostenneutrale“ Beratungspflicht bei Nachfrage [3], keine Rezeptur-Pflicht, kein Belieferungszwang usw.), wird nicht erwähnt.  

Liebe Bundesregierung. Wenn ihr Euch schon für so einen Murks meine Steuerabgaben in die Taschen stopft, dann seit wenigstens ehrlich mit der deutschen Bevölkerung! Sagt offen heraus, dass Ihr zusammen mit den kranken Kassen seit 10 Jahren die deutschen Apotheken kaputt spart, im Interesse von Großkapitalisten, die diesen Wirtschaftszweig schon lange übernehmen wollen. Das ist nicht nur prinzipiell Eure Pflicht, das ist auch insbesondere eine Verpflichtung betreffend des Gemeinwohls und der Gesundheit der deutschen Bevölkerung. Und für die seit Ihr verantwortlich!

—————————-
[1] Als Beispiel: Bei einer Packung „Glivec 400mg 90St. Novartis“ macht mein Chef 10.109,03€ Umsatz. Davon bleiben als Rohertrag 254,06€. Zieht er nun Betriebsausgaben (Strom, Wasser, EDV, Gewerbesteuer usw.) ab und versteuert den Rest Einkommen, bleiben vielleicht 110 € Einkommen. (Wenn ich noch Betriebsaugaben wie Lohnkosten für Angestellte berücksichtige, bleibt noch weniger.) Davon muss er dann seinen Lebensunterhalt, seine Krankenversicherung und auch Altersvorsorge bestreiten. Muss er die Packung aber auf Kredit finanzieren, bleibt nichts von den 254,06€, weil die Zinsen der Bank für den Einkaufspreis (9.804,98€ icl. 19% MwSt.) bereits den gesammten Rohgewinn auffressen. Soviel zum Thema: Umsatz = Einkommen.
[2] Diese Zahl kann ich nicht mit einer nachprüfbaren Quelle belegen. Sie stammt aus einem Vortrag der Treuhand Hannover 2012.
[3] Wobei es immer noch ungesühnt kostenpflichtige Beratungs-Hotlines gibt. Dagegen wurde seitens des BMG immer noch nichts unternommen, obwohl der Fakt hinreichend lange bekannt ist.

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20 Gedanken zu „Nur die Apotheker werden weniger…

  1. Sehr schöner Beitrag. Da ich durch eine Freundin ein bisschen über die aktuelle Apotheken-Situation in Deutschland aufgeklärt bin, kann ich ob solcher falschen Statistiken nur wütend den Kopf schütteln. (Zumal dann, wenn ich bedenke, dass ich einige Statistik- Fehler durch mein Studium gelernt habe, wie man Statistiken verfälscht und wie man es eben nicht amchen sollte, wenn man ein Gewissen und einen Wahrheitsanspruch hat.)

    • Bei Politik geht es selten um „Wahrheitsanspruch“, es geht eher um „Wählerstimmenanspruch“. Und mit kaum einem Thema kann man so viel Stimmen ziehen wie mit einer Neiddebatte. Und die reichen reichen Apotheker dürfen da gerne immer herhalten. Nur dass dabei mit Vorurteilen aus den 70ger Jahren des letzten Jahrhunderts gespielt wird…

  2. Unter Umständen sollte ich deine Beiträge nicht mehr lesen, meine Stimmung wird dadurch nämlich nicht gerade besser. Jemand sollte einen lustigen pharmazeutischen Blog eröffnen… ach ne! Gibts ja schon bei Pharmama

    • An „lustig“ halte ich mit Pharmama leider nicht mit – daher stürze ich mich auf andere Themen – die ich aug für wichtig empfinde. Verliere ich damit Leser, ist das schade. Wichtig bleiben die Themen trotzdem.

      Ich mache ja zur Auflockerung ab und ein ein Foto oder eine Märchenstunde. Aber so dramatisch viele skurile Dinge wie Pharmama passieren mir – vielleicht zum Glück – nicht. Und über manche skurile Dinge traue ich mich nicht zu bloggen, da sie so speziell sind, dass ich Gefahr laufe, identifizierbar zu werden…

  3. Das Apothekensterben, wird 2014 so richtig explodieren.
    Warum 2014?
    2004 fiel das Mehrbesitzverbot. Die damals übernommenen Filialen zum Schnäppchenpreis für 1 Euro (für unverkäufliche Schrottbuden) inklusive Mietvertag, damals noch übliche 10 Jahre, laufen nun aus.
    Viele Selbsständige konnten nicht früher zu machen, weil Sie den Mietvertrag „auf Teufel komm raus“ bedienen mussten.
    Wenn 2014 diese Mietverträge auslaufen,werden sich einige in der Politik wundern, über das sprunghafte Ansteigen an Schliessungen.
    Das wird nicht die Innenstadt Apotheken betreffen, ergo es werden immer noch viele refelxhaft sagen, das man sich in der Innenstadt trockenen Fusses von Apotheke zu Apotheke bewegen kann, aber viele Stadtteilapotheken werden zu machen, so das Oma Meier mit Ihrem Rollator nun nicht mehr um die Ecke muss, sondern in den Nachbarstadtteil.

    • Und dann frag mal Oma Müller in Bullendorf, 10km hinter Kuhdorf – und damit 20km von Kleinstadt entfernt. Die kann sich dass auf den Rollator die Geländereifen vom Satitätshaus montieren lassen… Denn die kleinen Landapotheken sind immer mit dabei, wenn Apotheken sterben…

  4. Hey Knick, ich finde deinen Blog sehr Informativ (wenn auch etwas demotivierend für eine Pharmaziestudentin :P) aber man sollte ja immer schön verfolgen was so in der Welt passiert, nicht dass ich später da stehe und denke „Hoppla, was geht denn hier ab?“, dafür also trotzdem mal ein Danke! Da ich in einem Forum (Pharmaboard.de) etwas geschrieben habe und die ganze Thematik gepasst hat, habe ich auf deinen Blog verwiesen (Ich hoffe doch, das ist so in Ordnung). Mach weiter so mit deiner kleinen Revolte!

    Klammerlisel

    • Klar ist das in Ordnung.

      Bringet meine Botschaft unters Volk! Scharet Jünger um Euch und zeiget ihnen meine Texte. Und sehet, was der Herr (Daniel Bahr) mit uns vor hattiget – denn unser Weg ist vorgezeichnet…! Der Klingelbeutel steht hinten links! Halleluhja! *sabber* … Ach nein, das war nun doch was anderes 😉

  5. Das ist ein sehr interessanter Artikel. Tangiert meine posts „MYTHOS DES ALLGEMEINWOHLS“ und „FEUDAL-SOZIALISMUS VS. KAPITALISMUS“ in meinem Blog. Alexis de Tocqueville schrieb schon 1840, der Neid ist ein Resultat der Demokratie!
    MFG

    • Neid ist eine menschliche Grundeigenschaft, und durchaus schon bei kleinen Kindern zu beobachten. Neid hat meiner Meinung in der „Demokratie“ als philosophisches Modell weder Ursache noch Effekt. Neid war und ist in allen Gesellschaftsformen vorhanden – im Despotismus, im Feudalismus, im Sozialismus, im (realexistierenden) Kommunismus. Die „Kommune 1“ in Berlin scheiterte meiner Meinung nach auch an Neid.

      Neid als Resultat einer Demokratie zu bewerten, greift zu kurz. Neid in einer Demokratie (oder in anderen Gesellschaftformen) als Hebel zur Umsetzung eigener Interessen zu benutzen, ist leider immer wieder von Erfolg gekrönt – auch in einer Demokratie.

      • Natuerlich ist Neid eine menschliche Charakteristik. Tocqueville war ein exzellenter zeitgenoessischer Beobachter Der Gesellschaft (sehen Sie sich seine CV und Lebenswerk an). Er verglich den Uebergang vom Feudalismus in die Demokratie nach der Fr. Revolution und erkannte, dass in festen Strukture (wo jeder „seinen Platz“ hat), begrenzt sich „jealousy“ (der genauere Begriff, im Gegensatz zu „envy“) auf die eigene Klasse. Niemanden eines unteren Standes waere es eingefallen auf seinen Fuersten wegen dessen Stellung eifersuechtig zu sein.
        Mit der Demokratie sah jeder seine Berechtigung fuer die hoechsten Positionen und Wohlstand im Lande, deswegen beobachtete er den wachsenden Neid in der Gesellschaft auf alles und jeden.
        Koennen Sie dem folgen?
        Respektvoll, MFG

      • Ich kann dem sehr gut folgen. Dass auch schon zu feudalen Zeiten solche „Übertretungen“ stattfanden, sieht man an Jeanne d´Arc. Nur wurden im Zweifelsfall damals so schwere Strafen verhängt und die Betreffenden so entgültig aus der Geschichtsschreibung getilgt, dass die Allgemeinheit sich kaum noch an diese Vorfälle erinnert – was natürlich auch als Abschreckung benutzt wurde. Ähnlich perferkt hat es dann Stalin gemacht, der jegliche im widerstrebende Personen so perfekt aus den Registern und Erinnerungen tilgen lies (inclusive Fotoverbrennung, Neuschhreibung von Bevölkerungslisen und Kirchenbüchern usw.), dass die „allgemeine“ Erinnerung an diese Personen als ausgelöscht betrachtet werden kann.

        Andererseits hat schon wenig später Friedrich II in Preußen den Sinn einer gehaltvollen Schulbildung un die grandiosen Vorteile eines Beamtensystems, in dem sich „schlaue Leute“ nach oben arbeiten können und „dumme“ bzw. „korrupte“ Angestellte in die Provinz abgeschoben werden, erkannt. Und auch Preußen war damals ein Feudalstaat.

        Das Internet, welches sich solcher Manipulationen größtenteils durch die dezentrale Struktur entzieht, unterbindet solche Ansinnen heutzutage größtenteils in der industrialisierten Welt. Aber wie schwer sebst jüngste Ereignisse in der Flut der Daten aufzufinden sind, merkte ich, als ich jüngst den Hersteller des skandalbefleckten „Havelland-Saftes“ zu ermitteln versuchte. Jener war übrigens „Dittmeyer’s“; und es ging um 1992 darum, dass der Saft dieses Namens in einer Abfüllanlage im Havelland in Flaschen gefüllt wurde, sich jedoch kein Milliliter havelländischen Safts dabei befand. Selbst wenn man alle diese Informationen hat, findet sich das fragliche Ereignis nur schwer beim googeln…

  6. N’Abend 🙂

    Also eines vorab – Pharmamama und der Knick sind absolut nicht vergleichbar – beide schreiben auf höchstem Niveau, nur jeder hat seinen anderen schwerpunkt. Von daher kann ruhig alles bleiben wie es ist 😉

    Aber nun zu dem was ich eigentlich los werden wollte. Wenn ich den Knick nicht schon so lange bei der Mama in den kommentaren gelesen hätte und ihn wirklich kompetent einschätze, kann ich das mit den 15.000 Euronen einfach nicht glauben. Es kann doch nicht angehen, dass der Chef weniger als die Putzfrau verdient (sofern denn noch eine vorhanden). Wie soll damit heutzutage eine Familie ernährt werden geschweige denn halbwegs gelebt werden können? Und ich kenne mittlerweile viele Apothekeninhaber und die sind… na ja schon etwas speziell. Mir kann keiner erzählen das dort die Arbeit nur weiter geht weil ein extremer Mutter Theresa komplex vorliegt?!? Warum lassen sich das denn alle gefallen? Ich würde keine 50 h/w arbeiten um dann mit einem Hungerlohn nach Hause zu gehen. Natürlich hat die Politik viel runtergewirtschaftet, aber warum hat man es denn mit sich machen lassen?

    Die Apothekerschaft kann ja nicht einmal geschlossen streiken – weil niemand dem anderen einen cent gönnt oder es sich leisten kann… Knick ich schätze dein Wissen aber hier fehlt irgendwie noch eine komponente ^^. Vielleicht bringt das USB Hilfmittel doch mehr, als man glaubt 😉

    LG

    • Die Sache ist recht simpel er- und geklärt. Wenn Du einen Laden Dein Eigen nennst, und auf diesen Laden Kredite liegen, kannst Du nicht einfach aussteige.Denn der Laden ist gar nicht „Dein Eigen“, er gehört der Bank. Genau wie Dein Einkommen der nächten 10 Jahre. Du musst weitermachen, wenn Du nicht Dich und Deine Familie in die Armut stürzen willst. Darüber redet natürlich niemand gerne.

      Nun ist es so, dass niemand einen Laden aufmacht, wenn er weiß, dass er die Erstivenstition NIE rausbekommt. Aber wer vor 5 Jahren seine Apotheke eröffnet hat, hat mit ganz anderen wirtschaftlichen Zahlen gerechnet. Damals gab es noch nennenswerte Rabatte auf rezeptflichtige Medikamente. Damals konnte man mit den Großhandel noch über nennenswerte Rabatte auf das apothekenpflichtiige Sotrtiment verhandeln. Unter dieser Voraussetzung hat der Eigner die Kreditverträge unterschrieben, und unter diesen ökonomischen Aussichten hat die Bank die Kredite genehmigt. Würden diese Zahlen heute bekannt gegeben werden, würde keine Bank mehr so einen Kredit genehmigen. Innerhalb von 10 Jahren hat die Gesundheitspolitik zusammen mit den kranken Kassen die Einkünfte niedergelassener Apothekeninhaber dahinschmelzen lassen. Einerseits durch Abzweigung und Abschöpfung der Gewinne zugunsten der kranken Kassen, andererseits durch Ausuferung jeglicher Bürokratie unter dem Deckmantel des „Bürokratieabbaus“.

      Wohlgemerkt, ich rede nicht von den „großen“. Aber wenn selbst große deutsche Versandapotheken pleite gehen, weil sie es nicht mehr schaffen, aus ihrem Umsätzen genug Gewinn zur Bezahlung der Mitarbeiter zu generieren, sollte das zu denken geben. Denn die großen Versandapotheken lassen Verpflichtungen wie Rezeptur, BtM-Kartei, T-Kartei, TFG-Dokumentation, Chemikaliendokumentation und ähnlichen Unsinn einfach weg und sparen schon auf diese Weise dramatisch. „Kleine“ Apotheken können das aber nicht – und um so kleiner die Apotheke, um so dramatischer fällt im Verhältnis die Bürokratie aus.

      Wer mir nicht glaubt, muss dieses nicht. Aber einfach mal selbst recherchieren. Und dabei bitte nie Umsatz mit Gewinn mit Einkommen verwechseln, und auch nie brutto mit netto. Dieses Spiel spielt die Politik schon seit 10 Jahren mit uns allen. Und sie gewinnt und gewinnt und gewinnt.

    • Noch ein paar Infos nachgereicht:

      Viele ältere Apotheker haben ihre Apotheke Jahrzente lang als Altersvorsorge aufgebaut – und wollten vom Verkaufserlös ihre Rente bestreiten. Mit den Gesetzesänderungen der letzten 10 Jahre reduzierte sich der Verkaufswert einer Apotheke aber vom „durchschnittlichen Jahresumsatz oder ein mehrfaches davon“ auf „das Warenlager plus die EDV-Hardware“ – mit anderen Worten: eine 2Millionen€-Umsatz-Apotheke wird für ca. 200-500K€ (oder weniger) verkauft – oder findet gar keinen Käufer, weil die Neueröffnung einer Apotheke auch nicht viel teurer kommt, dann aber nach den Wünschen des Neueröffners „frisch eingerichtet“ wird. Wenn dann fette Steuernachzahlungen und ein paar dicke Retaxationen nachkommen auf den frischgebackenen Rentner zukommen, sieht es dünn aus für den Lebensabend. Auch diese Apotheker können also einfach nicht aufhören, auch wenn das Einkommen zum Schluss dem der Reinigungsfachkraft entspricht.

      Ein anderes Beispiel findet sich hier: http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/apotheker-demonstriert-vor-dem-reichstag/ Eine Apothekenfiliale erwirtschaftet in 10 Monaten mit 1,4Mill.€ Umsatz einen Gewinn von MINUS(!)1.270€. Das kann sich ein normalsterblicher Mensch wohl kaum vorstellen, wo doch alle Apotheker allein durch das „Rote A“ eine Linzenz zum Gelddrucken besitzen sollten. Filialapotheken sind deshalb besonders belastet, da der Filialleiter ja ein angestellter Apotheker ist, und sich deshalb (meistens) nicht 50-70Wochenstunden Arbeitsausbeutung antut für den selben Lohn, den der Tarif für 38h/W verspricht.

    • Bezogen auf den Kommentar von Aponette:
      Und schon damals wurden Apotheken, die sagten, dass die Einschnitte ein wirtschaftliches Desaster bedeuten, von der Politik mit Hohn und Spott überzogen. Seit dem sind die Einschnitte noch um einiges schlimmer geworden. Und es trifft alle Apotheken, aber die „kleinen“ leiden am allermeisten darunter. Und jeder kann sich selbst ausmalen, ob die „kleinen Apotheken“ eher die in Polikliniken – äh nein – „ärztlichen Versorgungszentren im Fremdbesitz großer Kliniken“ sind, mit 16 praktizierenden Ärzten in 8 Etagen oben drüber – oder die auf dem platten Land, die die Patienten zweier Ärzte in 5 Kuhdörfern im Radius von 10km versorgen.

  7. @benegesserit: man macht eine eigene Apotheke auch nicht „einfach mal so“ zu. Ich hatte selber eine, die als ich sie übernahm so um die eine Mio DM Umsatz machte. Ich hatte sie für 50.000DM gekauft und noch mal 150.000 Mark Umbau investiert. Das war 1997, in noch recht guten Zeiten, wenn auch nicht mehr rosig.aber der Ertrag war ok, ich konnte davon leben und meine Schulden bezahlen, auch wenn ich nie den rechnerischen Unternehmerlohn erreichte. Nach fünf Jahren stand eine Verlängerung des Mietvertrages an, die um weitere fünf Jahre ging (damals völlig üblich und normal). ZWEI!! Monate später gab es die ersten richtig schmerzhaften Reformen unter Birgit Fischer. Mein Gewinn brach drastisch ein und blieb unten. Aber was sollte ich tun, mein Mietvertrag lief und während „normale“ Mieter jeden Schutz genießen und gradezu Narrenfreiheit haben, so sind Gewerbemietverträge eine GANZ andere Kiste. Ich hab noch drei Jahre durchgehalten und konnte dann zum Glück den Laden dicht machen und untervermieten, aber frag nicht, was ich dabei draufgelegt habe! Die Alternative wäre als Einfraubetrieb noch zwei Jahre für den Vermieter zu knechten.

    • Meine Antwort (an Benegesserit) betreffend Deinem Kommentar – siehe oben.

      Ansonsten denke ich, dass Du 1997 für eine 1-Mill.-DM-Umsatz-Apo mit 50K DM ziemlich gut eingekauft hast. Fragt sich, wie die Prämisse des Verkäufers aussah. Um die radikalen Reformen zu überleben, welche sich mit der Zeit bis 2012 so angesammelt haben, war Deine Apotheke aber wahrscheinlich zu „klein“ – damit meine ich den passenden „billigen-AM-Rezepte“-Zahlen, mit denen man ab 2004 im Verhältnis mehr verdient(e) als an den „teuren Medikamenten“. Spätestens 2009 hättest Du höchstwahrscheinlich die Waffen gestreckt, auch bei einem wesentlich günstigeren Mietvertrag…

      • Daß ich diese Apotheke kaufe um sie dann irgendwann auch zuzumachen, war mir damals schon klar, nur hatte ich nicht damit gerechnet, daß es so schnell sein würde…. Mir ging es vor allem darum zu erklären, wieso ich, obwohl ich zu 90%für den Vermieter arbeitet, weiter machte – gezwungenermaßen nämlich. Und so wie mir damals geht es heute anderen. Ich habe damals ein Ende mit Schrecken gewählt, was aber auch nur ging, weil mein Vermieter so nett war einen Untermietvertrag zu genehmigen. Der hätte auch darauf bestehen können, daß ich die restlichen drei Jahre weiter zahle.

      • Ich wollte Deine Entscheidung weder positiv noch negativ in Zweifel ziehen, sondern nur „beleuchten“, wie sich die finanzielle Situation danach weiterentwickelt hat.
        Das Problem ist, dass man „heutzutage“ kaum die Kerditrückzahlungen für die Bank rausbekommt, und sich insofern eine Neueröffnung wirklich gut überlegt sein will. Das ganze ist politisch gewollt und langfristig geplant und durchgeführt, um nach dem finanziellen Niedergang der niedergelassenen Apotheken das Großkapital ranzulassen und feixend rufen zu können: „Seht hin, ihr dummen Apotheker, es geht doch!“ Welche Auswirkungen das ganze hat, sieht man in Schweden.

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