Wie in Spanien!

Und dann war da noch der nette ältere Herr, der forschen Schritten vor die Apo-Theke trat, mich herausfordernden Blickes anschaute, und fordernd in meine Richtung bellte sprach:
Ich komme gerade aus Spanien. Da kostet eine Schachtel Aspirin nur 1,80€.
Schön, dachte ich, in Spanien wäre ich auch gern mal, und Aspirin bekomme ich nicht mal für 1,80€ ohne Märchensteuer die Schachtel eingekauft. So antwortete ich wohlgemut und neugierig ob des weiteren Gesprächsverlaufs:
Ja, und?
Wir haben jetzt schließlich den Euro Und die EU! In der EU ist alles gleich! Deswegen verlange ich, dass Sie mir die Aspirin zu genau dem Preis verkaufen, die sie in Spanien kosten! …

Soso, dachte ich, er verlangt also. Spannend. Mal davon abgesehen, dass ich ein ASS-Generikum zu fast dem geforderten Preis da hatte, und dass ich die Angaben der spanischen Kosten sowieso nicht auf die Schnelle überprüfen konnte, lag es mir allerdings auch fern, so mit mir reden zu lassen. Aber in der EU gilt nun mal, soweit ich das mitbekommen habe, der Kapitalismus. Dass da solche Probleme wie Kaufkraft, durchschnittlicher Verdienst und Mehrwertsteuerdifferenzen zu berücksichtigen sein sollten, ließ ich jetzt lieber unerwähnt. Und mal von Dingen wie der Buchpreisbindung und der AMVV abgesehen wird der Preis wohl von Angebot und Nachfrage geregelt – und zu dieser Nachfrage hatte ich kein Angebot.
So lächelt ich ihn an und sprach:
Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Sie zeigen mir mit Ihrem Rentenbeleg, dass Sie genauso viel Rente bekommen wie ein spanischer Rentner. Und dann verkaufe ich die Aspirin zum spanischen Preis!

So lasse ich nicht mit mir reden! Was fällt Ihnen ein!
Sprach´s, und verließ wutentbrannt und mit noch forscherem Schritt den Hort des auf seinem Aspirin-Schatz hockenden, weiß bekittelten und unkooperativen Drachen Apothekers. Die Tür schwang sanft hinter ihm zu, denn leider verhinderte der Schwingungsdämpfer, dass er die Tür zuknallen konnte. Ich kann mich nicht erinnern, ihn je wiedergesehen zu  haben.

Und ganz ehrlich – ich sehne mich auch nicht nach ihm.

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20 Gedanken zu „Wie in Spanien!

  1. sei froh, dass dieser einfältige Typ bisher offensichtlich nicht viel in der EU herumgekommen ist – sost hätte er den bulgarischen Preis gefordert! 😉

    Schöner Blog – sozusagen das Deutsche Generikum von Pharmama – ich liebe Euch alle 🙂

    Ich bin nicht vom Fach – aber aus diversen Gründen sehr an diesem Thema interessiert. Ich denke, Ihr macht einen tollen Job – obgleich er in den heutigen Tagen nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig sein dürfte – Retax und so…

    Zur Not könnt Ihr es noch so machen wie in Grönemeyer’s Alkohol: „Der Apotheker nimmt Valium und Speed – und wenn es dunkel wird, greifen sie zum Glas…“

  2. Soweit ich weiß, hat Bayer die Namensrechte auf den Markennamen „Aspirin“ nur in sehr wenigen Ländern. Ob Spanien da dazugehört, weiß ich nicht.
    Das bedeutet, dass in allen anderen Ländern Acetylsalicylsäure durchaus auch unter dem Namen Aspirin verkauft werden darf, selbst wenn es nicht vom Originalhersteller Bayer, sondern von einer Generikafirma ist.
    Worauf ich hinauswill: Aspirin aus Spanien (oder Griechenland, Zypern, USA) muss nicht zwangsläufig von der Firma Bayer sein.

    Das erklärt vielleicht den Preisunterschied. In Deutschland hat die Firma Bayer, Leverkusen den – durchaus berechtigten – alleinigen Anspruch, ASS als „Aspirin“ vertreiben zu dürfen. Das ist allerdings nicht überall so.

    • Der Preisunterschied, woran könnte er wohl liegen?
      Ein Spanier, sofern er denn überhaupt Arbeit hat, verdient nicht so viel wie ein Deutscher.
      Die Spanier erheben nur 4 % Mehrwertsteuer auf Medikamente, wir in Deutschland aber 19 %.
      Es hat einen Grund, warum soviele Lohnhersteller Ihre Medikamente in Spanien produzieren lassen, er fällt mir gerade nur nicht ein…..
      Aber das Omeprazolfälschungsproblem, von dem der Knick häufiger mal gesprochen hat, das hat auch mit Spanien zu tun… irgendwie…

      • Ich habe den schweren Verdacht, dass selbst die logischsten Argumente nicht nur auf Granit gebissen, sondern völlig für die Katz gewesen wären. Der Typ wollte nur stänkern.

  3. Jaja, Aspirin ist hier ja so teuer (weil natürlich die Apotheker 20,-€ an einer Schachtel verdienen, und die Spanier sie verschenken…) aber das ist leider immer nur das einzige, das die Urlauber mitbekommen. Ok, Aspirin kostet in vielen Ländern einen Bruchteil dessen, was es hier kostet. Daß aber eventuell andere Medikamente wie Metoprolol oder Andere dann in Spanien oder anderswo sehr viel mehr kosten als in Deutschland wissen die Urlauber nicht. Oder sie sind gar nicht zu bekommen.
    Ich kann diese Preisdissussionen auch nicht mehr hören.
    Gruß aponette

    • Also ich muss ja offen zugeben, zwischenzeitlich war ich mal in Spanien – und musste mir wegen akutem Sonnenbrandes eine Flasche der Dexpanthenol-Intensiv-Markenprodukt-Einreibung kaufen. War auch preislich nicht anders als bei uns im Laden – trotz MwSt.-Differenz…

  4. Ist ja auch eine Frage Angebotsform. In GB (oder USA?) habe ich schon Kopfschmerztabletten auf Grabbeltischen gesehen.
    War ein Bayer oder Hexal Logo drauf, das dürfte in beiden Länder geschützt sein. Wenn Pharmarama’s Kunden von der Bulgarienreise wieder kommen wird es noch schlimmer.
    Knick sollte auf die Schweiß hinweisen. 😉

  5. Böser Apotheker! Wie kannst du dem armen Renter nur so viel Geld abknöpfen? Wo Apotheker doch sowieso viel zu viel verdienen und die Preise künstlich oben halten!
    Hach wie ich das liebe. Mir wird auch mindestens einmal die Woche erzählt, dass es in Holland ja alles so viel billiger gibt. Grade heute erst wieder: „Also in Holland bekommen ich 100 Paractemaol für den Preis, den ich hier für 20 bezahle!“ 100 PCM für 1,34… also 1ct je Tablette? Ehm… ja. Lassen wir es dahin gestellt.
    Aber man kanns ja mal versuchen, denn immerhin heißt es ja „Frechheit siegt!“

    Aber, wenn er da seine ASS in spanischen Landen so günstig kriegt, kann er ja alle paar Wochen da runter fahren und sich die da kaufen *g*

    • Nur dass man sich bei Abgabe von 100 Paracetamol-Tabletten (a500mg) des Verstoßes gegen die Verschreibungspflicht in D schuldig macht, da mehr als 10g auf einen Schlag verschreibungspflichtig sind. Gibt ja grade eine holländische Versandapotheke, die das „Testkäufe“ in D durchführen läßt, um dann ebenjene Apotheken strafbewährt anwaltlich abmahnen zu lassen. (Gut, die machen das mit „Formigran“, aber es läuft auf das selbe hinaus.) Und Ibu ist in Wohnwagenland auch viel billiger. Jaja. Alles bekannt.

      Dafür gibt es halt da auch Dinge, die teurer sind. Komisch, dass mir da noch nie einer gesagt hat: „Verkaufen Sie mir das teurer, in Holland zahle ich auch immer das doppelte!“ 😉

      • das ist ja auch so eine kranke Regelung: Hier um den Bahnhof rum gibt es bestimmt 20 Apotheken. In 15 Minuten habe ich die alle um 10 g Paracetamol erleichtert.

        Ich kann mir jetzt nur einen Zweck vorstellen, wozu man das brauchen würde – aber hätte ich das vor, ist es doch egal, ob ich in eine oder 10 Apos gehe…

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