Medien bashen Apotheker – KrankenKassen klatschen Beifall!

Wie bei Apotheke Adhoc zu lesen ist – und wie ich freundlicherweise auch von Aussicht mit Einsichten hingewiesen wurde – hat die FR-Online einen Artikel „geschrieben“, mit dem pauschalen Vorwurf schon in der Überschrift: „Apotheker schröpfen ihre Kunden„. Auch andere Medien wie finanzen.de springen auf den Zug auf und schreiben bei der FR-Online ab. Bisher dachte ich ja, dass dieses Marktsegment des ungeprüften und verlogenen Boulevard-Journalismus den Zeitungen mit den ganz dicken Schlagzeilen vorbehalten bleibt. Aber ich musste mich eines besseren belehren lassen. Denn das traurige ist – wie mir Aussicht mit Einsichten bestätigte – hat man keinen Einblick in die Hintergründe, glaubt man dem Artikel.

Um es vorweg zu nehmen – dieser Artikel ist ein größerer Scheiß als die „Berichte“ über „ex-deutsche“ Militärbasen unter dem Südpol oder auf der uns abgewandten Seite des Mondes [1]. Wenn man aber „Insider“ ist, kann man sehr leicht erkennen, dass dieser Artikel direkt aus der Feder der krankenKassen geflossen ist sein dürfte (ich habe leider keine Beweise außer die Fakten-Indizien) – und von den „Journalisten“ der Frankfurter Rundschau nicht nur nicht gegenrecherchiert wurde, sondern offensichtlich nicht einmal eine Korrekturlesung erfuhr. Denn was da an geistigen Durchfall Unfung zusammengefasst wurde, ist einfach nur beschämend…

Ich scheine übrigens nicht der einzige zu sein, dem dieser Schwachsinn aufgefallen ist, denn Herr Diefenbach vom Hessischen Apothekerverband bezeichnet dieses FR-Artikel hier schlicht als „Volksverdummung“, und liefert auch gleich ein paar Erklärungen dazu. Doch die Geschichte ist viel älter, als dem ahnungslosen Leser weiß gemacht werden soll – schon am 27.07.2012, also vor einem 3/4 Jahr – haben die Krankenkassen Anspruch an die Marge der Apotheken gestellt, wie hier beschrieben ist. Weil aber schon damals klar war, dass das vom Gesetzgeber eben gerade nicht so in das Gesetz geschrieben wurde, erklärte das BMG am 17.08.2012 hier, dass die krankenKassen entgegen jeder Gesetzeslage einfach mal Recht haben. Dabei stimmten noch am 17.09.2012, wie hier nachzulesen, die Bundesländer für geheime Preise – bloß dass dann ja die Apotheken eben gerade nicht in ihrer Marge beschnitten werden könnten, weil ja geheim wäre, wie viel denn beschnitten werden müsste. Am Allererstaunlichsten ist dabei aber, dass die FR das ganze inklusive der Stellungnahme der Krankenkassen kurz vor einer Anhörung (zu Änderungen) zu diesem Gesetz erscheint – immerhin 9 Monate, nachdem das Problem zum ersten mal aufgetaucht ist – das scheint ja reiner Zufall zu sein.

Aber der Reihe nach, und als ersten zu dem fraglichen Hetzartikel – ja, nichts anderes ist das Machwerkt der FR:

Alle direkten Zitate entstammen dem Apotheke-Adhoc-Artikel, da ich befürchten muss, dass mir mit dem Leistungsschutzrecht seitens der FR-Online gedroht werden könnte. Trotzdem beziehe ich mich letzhin auf den Artikel der FR-Online. Aber fangen wir mal mt der Überschrift an (alle Hervorhebungen in den nachvolgenden Zitaten von mir):

Apotheker schröpfen Kunden

Selbst wenn ich davon ausgehe, dass mit schröpfen in diesem Fall nicht die Heilbehandlung gemeint ist, die die Apotheker sowieso nicht durchführen dürfen, sondern die überhöhte finanzielle Ausbeutung der Apothekenkunden durch die Apotheken, geht es letztentlich – wie sich später zeigen wird – darum, dass die 3% Aufschlag auf den Einkaufspreis der Apotheken von den krankenKassen (gesetzwidrig) gekürzt werden soll. Ich wiederhole noch einmal: 3% Aufschlag! Nicht für die „Kunden“ im Sinne der Patienten, sondern für die „Kunden“ im Sinne der krankenKassen. 3% Aufschlag – das ist Ausbeutung in Deutschland! (Hierzu befrage man bitte einmal den Handwerker seiner Wahl – mal schauen, ob der 3% Aufschlag auf die Materialkosten nimmt…) Aber man beachte: Zwei Missverständnisse mit Gewalt in eine Überschrift aus 3 (bzw. 4) Worten – das dürfte Rekord sein. Aber weiter im Text:

Nach dem Willen der Apotheker werde die Datenbank für die Preisinformationen so verändert, dass generell der höhere Originalpreis hinterlegt sei und nicht der niedrigere Erstattungspreis.

Ah ja. Es gibt keine separate „Datenbank für die Preisinformationen“ – es gibt nur eine ABDATA-Datenbank. Und die erfasst so ziemlich alle Daten zu Arzneimitteln in Deutschland. Und aufgrund der Unzahl der Zusatzinformationen, die der Gesetzgeber in den letzten 6 Jahren da hat einfließen lassen, geht dieser Datenbank, die Anfang der 80ger Jahre konzipiert wurde, langsam der Platz – also die Felder pro Eintrag – aus. Der Apothekerwille würde gerne einige Änderungen in der ABDATA-Datenbank durchführen. Zum Beispiel die korrekten Packungsgrößenzuordnungen gemäß der „Packungsgrößenverordnung“, die die Hersteller ungestraft seit 3 Jahren nicht korrekt und zeitnah umsetzen. Oder die Angabe, auf welche Indikation sich die ausgewählte Packungsgrößenkennzeichnung bezieht. Oder dass überhaupt mal rechtzeitig eine „Außer Vertrieb“-Kennzeichung zeitnah zur Produktionseinstellung des Produktes erfolgt. Oder oder oder. Die Preise – und da achten die Hersteller sehr genau drauf – sind bisher (fast) immer korrekt in der Datenbank abgebildet gewesen! Aber, um das mal ganz klipp und klar zu sagen: Die Apothekerschaft, die Kammern und auch der DAV, ja nicht einmal die ABDA selber dürfen an den Daten der ABDATA-Datenbank ändern. Allein die Hersteller dürfen Änderungen in dieser Datenbank initiieren, und das ist ein großes Ärgernis!

„Der Wille des Gesetzgebers wird ganz klar nicht umgesetzt. Hier werden Daten manipuliert“, kritisiert der GKV-Spitzenverband…

Und hier haben wir es – eine eindeutige Falschaussage des GKV-Spitzenverbandes, die ungefiltert und unkommentiert in den Artikel übernommen wird. Denn der Gesetzgeber hat recht eindeutig gesagt, was umzusetzen ist. Dazu komme ich gleich, denn dazu muss etwas weiter ausholen, woher denn diese ominösen Erstattungspreise (unter Einbeziehung eines „Nutzenbewertungsrabatts“) kommen, warum sie eingeführt wurden, und was damit erreicht werden soll. Dazu aber weiter unten…

Dies sei beispielsweise der Fall, wenn der Listenpreis für ein Medikament bei 100 Euro liegt, der Erstattungspreis allerdings nur bei 60 Euro. Statt 6 Euro müssten Patienten künftig 10 Euro zahlen.

Das ist schon deshalbt totaler Schwachsinn, weil es bei den Erstattungspreis-Medikamenten (bisher) um Medikamente mit einem Gesamtweit von weit über 100€ pro Packung geht [2]. Und über 100€ Packungswert ist die Zuzahlung nun mal auf 10,00€ gedeckelt. Das Beispiel ist also bewußt irreführend gewählt! [3]

Auch für die Krankenkassen werde es teurer, da die Handelszuschläge für die Apotheker prozentual berechnet würden. „Spiegelbildlich verdienen die Apotheker mehr“, kritisiert die Zeitung.

Nein! Für die krankenKassen wird es durch den Erstattungspreis billiger! Aber da es den krankenKassen gar nicht billig genug geht, wollen diese eben auch Zugriff auf das Geld des Großhandels und der Apotheken! Auch hier wurde die Wortwahl bewusst manipuliert, um beim Leser einen falschen Eindruck zu erwecken. Davon abgesehen geht es bei der „prozentualen Berechnung“ um 3% der Gesamtkosten des Arzneimittels. Wird der Erstattungspreis also mit 500€ unter VK angesetzt, hat der Apotheker ganze 15€ „Mehrverdienst“, wenn HAP berechnet wird – wohlgemerkt bei Gesamtkosten des Arzneimittels von 4.000 bis 5.000€. Ja, das ist Abzocke mit deutscher apothekerlicher Gründlichkeit.

Allerdings gibt es bislang nur einzelne Arzneimittel, bei denen Listenpreis und Erstattungspreis zwischen 50 und 100 Euro liegen und bei denen die prozentuale Berechnung also eine Rolle spielt.

Nein! Meines Wissens nach gibt es derzeit nur ein einziges Arzneimittel, dessen Erstattungspreis zwischen 50 und 100 € liegt – siehe [2]. Wiederum eine bewußte Falschinformation. Man könnte langsam schon fast von „Rufschädigung“ sprechen. Dafür wird hier festgestellt, dass die prozentuale Berechnung also bei den teureren Arzneimitteln nun doch keine Rolle mehr spielt. Das hörte sich wenige Sätze früher aber ganz anders an.

Während die Krankenkassen auf eine Klarstellung des Gesetzgebers warteten, kürzten sie die Rechnungen der Apotheker.

Aha! Die Klarstellung ist noch gar nicht da, aber die Rechnungen werden einseitig schon mal gekürzt. Die Krankenkassen scheinen ja vorab zu wissen, was der Gesetzgeber in Zukunft so vor hat! Erstaunlich, ich weiß das nämlich nicht. So ein Vorgehen seitens der Krankenkassen ist schlicht illegal. Das ist Selbstjustiz! Und das wird vom Gesetzgeber (in Form des BMG) geduldet! Das ist ein Skandal!

Die Patienten können das nicht: Sie müssen die Zuzahlungen leisten, wenn sie in der Apotheke ein Medikament bekommen wollen“, schreibt die FR. „Auf den Mehrkosten werden sie wohl sitzen bleiben.“

Mal davon abgesehen, dass Mehrkosten etwas ganz anderes bezeichnen bei Arzneimittelzu- und bezahlung – nämlich die Kosten eines Arzneimittels, die den gesetzlich festgelegten Festbetrag überschreiten, der durch die krankenKassen prinzipiell nicht erstattet werden, und auf denen der Patient deshalb immer sitzenbleibt – ist auch diese Aussage bewußt falsch! Wie oben bereits erläutert beträgt die Zuzahlung bei Arzneimitteln über 100€ Gesamtkosten nun mal 10,00€, so geschrieben im Sozialgesetzbuch 5 (SGB V). Und dieses Geld kommt direkt den krankenKassen zugute!

Zusammenfassend läßt sich sagen: Dieser Artikel strotzt vor bewußt gesetzen Fehlern, die allein dazu eingebaut wurden, die Apotheken in ein schlechtes Licht zu setzen, ihnen übles nachzusagen, und die Arbeit der Apotheken, die gesetzeskomform agieren, als kriminell darzustellen. Dieser Artikel stellt die Welt genau aus einer Sicht dar: der Sicht der krankenKassen, die Gesetze immer in ihrem Sinne interpretieren, und die sich nicht scheuen, noch nicht beschlossene Gesetzesänderungen schon einmal vorab umzusetzen! Wenn man jetzt noch vergegenwärtigt, dass der Autor des Artikels der FR – Herr Timot Szent-Ivanyi – ein „Politik-Autor“ ist, kann man sich leicht ausrechnen, welche Politik Herr Szent-Ivanyi besonders gut findet.

Was sind nun die Erstattungskosten (bzw. „Nutzenbewertungsrabatt“)?

Was ist bei „Reimporten zu beachten?
Um das zu verstehen, muss man sich anschauen, was mit dem Arzneimittelptreis weltweil so los ist. Und dazu ist es gut zu wissen, dass Deutschland als Arzeimittel-Hochpreis-Land gilt. Weltweit. Auch wenn dem schon lange nicht mehr so ist. Und deshalb bieten andere Länder den Original-Arzeimittel-Herstellern ein „Geschäft“ an, welches so geht: Der Arzneimittelhersteller versichert, mit seinem Preis für ein bestimmtes Arzneimittel immer XY% unter dem Preis in Deutschland zu bleiben – und dafür bekommt er in diesem Land z.B. ein um 10 Jahre verlängertes Patentrecht. Mit anderen Worten: Nach Abschluss so eines Deals hat der Hersteller ein Interesse daran, dass der Arzeimittelpreis in Deutschland möglichst hoch bleibt in der „verlängerten“ Patentzeit.

Bisheriges Resultat aus dieser Konstellation waren „Reimporte“: Eine dritte Firma kauft ein „billiges“ Arzneimittel in EU-Land X, fährt es nach Deutschland, klebt deutsche Beschriftung und deutsche Beipackzettel auf die Schachtel, und bringt es billiger als das „deutsche Original-Arzneimittel“ auf den deutschen Markt. Vor einigen Jahren – ich glaube es war 2005, aber ich kann mich da auch gerade irren – wurde dann per Gesetz eine „Zwangsquote“ für Reimporte bei den deutschen Apotheken eingefordert. Und damit auch klar ist, wann die Apotheke das umsetzten hat, wurde die „15/15-Regel“ eingeführt: Die Apotheke hat (unter Strafandrohung) einen Reimport immer dann abzugeben, wenn er entweder mindestens 15% oder mindestens 15,00€ billiger ist als das Original. Diese Regelung führte dazu, dass alle Reimporte, die teurer als 100€ sind, sich preislich ziemlich exakt 15,00€ unter dem Original befinden.

Da diese Regelung (immer noch „Reimporte“ betreffend) aber nicht kompliziert gnug war, wurde dann eingeführt, dass bei dem Abgabepreis der um den „Herstellerrabatt“ bereinigte Preis zu betrachten ist. Der Herstellerrabatt ist eine Geldsumme, die der Hersteller (an den Apotheken vorbei) der krankenkasse bezahlen muss. Und der Herstellerrabatt variiert durchaus aufgrund unterschiedlicher (sehr komplizierter) gesetzlicher Regelungen, die ich hier jetzt mal außen vor lasse. Fakt ist – der „günstigste“ Reimport gemäß „Gesetzlicher Verkaufpreis“ (VK) kann durchaus das teuerste Produkt – auch teurer als das Original – nach Abzug des Herstellerrabatts (oder auch „Pflichtrabatt des pharmazeutsuchen Unternehmers“) sein. Kompliziert? Immer noch nicht kompliziert genug für die deutschen krankenKassen.

Hier kommt der „Erstattungspreis“ (bzw. der Nutzenbewertungsrabatt) ins Spiel!
Die krankenKassen ärgerte nämlich  ungemein die Regelung, dass in andere Länder Arzneimittel per Vertrag billiger als in Deutschland sind. Und deswegen dachte man sich etwas spezielles aus. Dazu müssen die Hersteller einen (ursprünglich geheim angedachten!) Zusatzrabatt an die krankenKassen bezahlen. Damit die Krankenkassen das fragliche Arzneimittel nämlich überhaupt bezahlen, muss einerseits der G-BA dem Arzneimittel einen „Zusatznutzen“ – und andererseits muss dann der Hersteller den Krankenkassen einen zusätzlichen Rabatt anbieten. Dieser (Rück)Ersattungsbetrag der Hersteller an die krankenKassen ist dann zusätzlich beim Vergleich der
 Kosten der Reimporte mit dem Original von der Apotheke bei der Rezeptbelieferung zu berücksichtigen. Blöderweise kann die Apotheke keinen unbekannten – da geheimen – Betrag berücksichtigen. Außerdem wollten die privaten KrankenKassen gefälligst auch dieses Zusatzrabatt einheimsen. Also musste dieser Betrag offengelegt werden – sehr zum Leidwesen der armen krankenKassen, die nun nicht mehr mit noch geheimeren unbekannten Summen ihre Bilanzen schönrechnen können.

Aber das Ziel war ja, den in der ABDATA-Datenbank hinterlegten hohen VK zu erhalten, damit die Hersteller sich weiterhin in anderen Ländern auf diesen Preis beziehen können, die deutschen krankenKassen diesen Preis aber nicht vollständig bezahlen müssen! Mission accomplished! – würde ich sagen.

Aber an dieser Stelle haben die krankenKassen dann wohl Blut geleckt. Denn ab sofort forderten sie, nicht nur den Herstellerrabatt und den Erstattungspreis (=Nutzenbewertungsrabatt) vom Hersteller zu bekommen, nein, auch die Apotheken sollten gefälligst einen kleineren Einkaufspreis berechnen, um ihre Aufschläge auszurechnen. Moment – die Aufschläge der Apotheke sind doch aber klipp und klar in der AMPV gesetzlich festgelegt. Das SGB V bezieht sich ausdrücklich auf die AMPV. Und die AMPV berechnet die Aufschläge sowohl des Großhandels als auch der Apotheke auf Basis des „Herstellerabgabepreises“ – und von einer Bereinigung um den Herstellerrabatt und den Erstattungspreis ist in der AMPV nichts zu lesen.

Gut – haben die krankenKassen argumentiert – aber die Apotheken haben ja einen geringeren Einkaufspreis! Also müssen sie auch mit einem geringen Aufschlag auskommen! Bitte? Die Abrechnungsmodalitäten sind höchst kompliziert mit mehrfach Geld hin und wieder zurück! De facto ist die Abrechnung sie so kompliziert, dass es 2 Monate gebraucht hat, um die (Um)Programmierung der Software hinzubekommen. Dass vorher aber mehr als 8 Monate ins Land gegangen sind, in der sich die krankenKassen nicht mit den Herstellern über die Umsetzung einigen konnten, steht auf einem ganz anderen Blatt und wird nachträglich völlig vergessen! Immer schön auf die Apotheken bashen, nie vor der eigenen Hütte kehren!

Übrigens gilt der VK auch immer noch (rein gesetzestechnisch) als Abrechnungsgrundlage zwischen den Apotheken und den krankenKassen. Und so viel die krankenKassen auch meckern, Gesetz ist Gesetz. Anders sieht das auch bei der Abrechnung eines solchen Arzneimittels auf einem Privatrezept. Hier ist der Nutzenbewertungsrabatt (unter Angabe einer Sonder-Abrechnungs-Position sowie Berücksichtung der 19% MwSt.) direkt von der zu zahlenden Summe abzuziehen. Wohl gemerkt nur der Nutzenbewertungsrabatt – nicht etwa (auch) der Herstellerrabatt.

Aber dass die bösen Apotheker einfach nicht kuschen, dass sie Gesetze nicht in vorauseilendem Gehorsam befolgen, damit sie noch weniger Geld bekommen, ist ein Unding, und gehört mit medialem Bashingt nicht unter 24 schwachsinnigen Zeitungsartikeln bestraft!

Eine Übersicht, was man bei der Abgabe eines patentgeschützen Originalarzneimittels so beachten muss, um den Erstattungspreis zu berücksichtigen und sich keiner Retax-Gefahr auszusetzen, findet sich übrigens hier.

——————
[1] Normalerweise bemühe ich mich um eine gediegenere Sprachwahl, aber hier hat es mich einfach verlassen. Ich bitte um Entschuldigung.
[2] Ich habe tatsächlich ein Arzneimittel gefunden, wo man unter 100€ kommt – nämlich „Brilique 90mg 56 St. N2“ – VK=98,59€ – abzüglich Nutzenbewertungsrabatt 13,44€ und 19% MwSt auf Nutzenbewertungsrabatt 2,55€ macht Endsumme 82,60€. Zuzahlungsdifferenz wäre folgerichtig 1,60€, die der Apotheker den Patienten „schröpfen“ würde – wenn es denn gesetzlich so geregelt wäre. Aber schon bei der „Brilique 90mg 98 St. N3“ sind sowohl VK=167,58€ als auch „bereinigter VK“=139,02€ beide über 100€, damit bleibt die Zuzahlung so oder so 10,00€.
[3] Anders herum wird ein Schuh daraus. Manche krankenKassen zwingen den Apotheker, via Rabattverträgen ein aufgrund der Festbetragsunterschreitung eigentlich zuzahlungsbefreites Medikament gegen einen Rabattartikelhersteller auszutauschen, auf den Zuzahlung erhoben werden muss. Diese Zuzahlung wandert übgrigens direkt in die Brieftasche der krankenKasse, da sie der liefernden Apotheke vom Erstattungsbetrag direkt abgezogen wird. Der Apotheke ist es also finanziell völlig gleich, ob sie eine Zuzahlung erheben muss oder nicht. Der Zwang zur Zuzahlung ist im SGB V geregelt.

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15 Gedanken zu „Medien bashen Apotheker – KrankenKassen klatschen Beifall!

  1. Ich. Könnte. Kotzen! Es wäre wohl besser, ich würde deinen Blog nicht mehr lesen; er macht mir extrem schlechte Laune… 😦
    Aber wenigsten sagst du mal ehrlich, wie es ist… Das macht doch keinen Spass mehr! :-((

    • Mir geht es genau so wie Dir. Es macht mir keinen Spaß, diese Artikel zu schreiben. Und ich frage mich, wie ich die Berufsjahre bis zu meiner Rente – und das sind noch einige – durchhalten soll.

      Aber die Artikel sind ein Weg, meine Gedanken auszudrücken, und (zumindest einigen wenigen) anderen Menschen zugänglich zu machen. Ich hoffe auch ein kleines wenig auf die Potenzierungsfunktion des Internets, so dass mehr Menschen auch mal die „andere Seite“ zu lesen/hören/sehen bekommen.

      Die Hoffnung stirbt halt zuletzt…

    • Danke, auch mir wurde das Brechzentrum gerade gehörig gereizt. Trotzdem vielen Dank an Herrn Knick für die umfassende Aufklärung. Ich werd dich jedenfalls weiter lesen, trotz (überwiegend) schlechter Nachrichten. Ist so ein Artikel eigentlich schon Grund genug für eine Beschwerde beim Presserat(?) ? Ernst gemeint!

      • Welches Medium juckt denn der Presserat? Das ist ein zahnloser Tiger, der von großen Teilen der Bevölkerung nicht nur nicht wahrgenommen wird, sondern dessen Existenz dem durchschnittlichen deutschen Bürger nicht einmal bekannt sein dürfte. Und selbst wenn er eine Rüge ausspricht – ja und? Die muss nicht mal abgedruckt werden…

  2. Danke für die ausführlichen Erklärungen. Ich sehe auch in meinem Fachbereich, was die Medien manchmal für einen Mist berichten. Da wurde z.B. eine technische Entwicklung von 1924 im Jahr 1999 als der „letzte Schrei“ bejubelt.
    Ich habe in meinem Haushalt aus Familienbeständen eine Rote Liste von 1976. Arzneien über 20 DM (!) muss man suchen! Keine Festbeträge, keine Rabatte, nicht 97 Töchter der Töchter von Generikaherstellern (braucht man die alle???) – und unser Stammapotheker sah damals nicht so aus, als ob er am Hungertuch nagt. (Zugegeben, manche Produkte aus der Zeit waren auch Nonsens – z.B. die „Herzsalben“ mit ein bisschen Nitro drin bei Angina Pectoris…)

    Die Welt reguliert sich kaputt!

    • Mit einer Roten Liste von 1976 kann ich leider nicht dienen, da fehlt mir der Vergleich. Aber ich gehe davon aus, dass es auch damals schon Medikamente gegen „seltene“ Krankheiten gab, die teurer waren. Und das heute bestimmte Sachen wesentlich besser sind als 1976, wollen wir auch nicht verkennen – wenn ich z.B. an Analog-Insuline, bestimmte Hormone und „Antihormone“ oder an monoklonale Antikörper denke. Aber wenn Medis teurer werden, lässt sich ja eben (gemäß der AMPV vom 2004) gerade nicht schlussfolgern, dass Apotheker mehr verdienen. Insbesondere an der Zuzahlung, die Apotheker schön bei der krankenKasse abzurechnen haben – von der aber immer der Bevölkerung „verklickert“ wird, sie fließe direkt ins Sparschwein der Apotheke – unversteuert versteht sich… *seufz*

  3. Wow. Die Apotheker könnten definitiv PR Berater und Medien-manager brauchen. Speziell in Deutschland. Das System ist ja krank. Weshalb geht so eine Lügengeschichte eigentlich durch? – klar, weil sie Schlagzeilen macht (je negativer, desto besser) aber – was ist mit dem Inhalt? Kann man das nicht anfechten, eine Richtigstellung verlangen*, die Quellen offenlegen und zur Verantwortung ziehen?
    *… und zwar nicht nur im Kleingedruckten nach 3 Monaten.

    • Lohnt sich das? Hinter wem wird wohl die große Politik stehen – samt dem BMG?

      Das die ABDA und der LAV endlich mal einen vernünftigen PR-Berater haben sollten, fordern die „Basisapotheker“ schon lange lange…
      …aber das Mantra der deutschen Apothekenspitze ist ja „Es hätte ja noch schlimmer kommen können!“

  4. Diese tolle Art der „Berichterstattung“ hat mich dazu gebracht grundsätzlich bei der Belieferung von Rezepten zu sagen, daß ich noch xy€ für die KK kassieren muß. Das sorgt doch des Öfteren für Überraschung und gibt mir die Möglichkeit ein paar Fakten klar zu stellen. Und da ich immer wieder in anderen Apotheken arbeite kann ich das weiter verbreiten.
    Gruß aponette

    • Ich habe mir auch angewöhnt, dass z.B. „dann die Kasse noch XY Zuzahlung haben will!“… zu sagen, oder eine ähnliche Formulierung, einfach um klarzustellen, dass ich mich Unschuldig an dieser InkassopflichT fühle.

  5. Es ist doch nichts neues. Das Spiel läuft doch schon länger so: Medien peitschen die Stimmung gegen Apotheker auf und die Krankenkassen freut es oft, dass ein Verantwortlicher gefunden wurde. Das Arzneimittel so stark zwischen Ländern im Preis schwanken, macht in einer globalisierten Welt auch keinen Sinn. Die Krankenkassen sollten sich mal überlegen, wie sie das in den Griff bekommen.

    • Die KrankenKassen meinen das in den Griff zu bekommen, in dem sie das Honorar der Apotheken kürzen. Fertig. Dass das Apothekenhonorar aber europaweit genauso wenig zu vergleichen ist von seiner Zusammensetzung wie die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel, steht auf einem ganz anderen Blatt. Wenn man von 10.000€ die deutsche 19%-Mehrwertsteuer abzieht, ist das AM lockere 1.600€ preiswerter. Den Finanzminister freut es, die deutschen Apotehker sind aber schuld daran (Rohgewinn bei 10.000€ ca. 250€; Einkaufspreis ca 8.450€)

      Bloß dass der unbedarfste Zuschauer halt denkt, die Medien haben Recht (und die krankenKassen auch), weil ja die Journalisten ach so gur recherchieren und unparteiisch berichten. Deswegen meine Erklärungsversuche hier…

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