Feiertagskrankheit

Pfingsten steht vor der Tür, und damit ein verlängertes Wochenende. Das gute Wetter lädt ein zum sich treffen, zum zusammen feiern und natürlich auch zum grillen und zum gemeinsam ein (alkoholfreies?) Bierchen trinken. Und es gibt eine chronische Erkrankung, die immer wieder zu den Feiertagen [1] – und dann meist zu denen, wo zwei oder drei am Stück im Kalender stehen – zuschlägt. Gicht.

Aber warum bezeichne ich Gicht nun als eine Feiertagskrankheit? Warum assoziiere ich Gichtanfälle mit Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Geburtstagen? Und warum habe ich das Bauchgefühl [2], dass mir meine Patienten bei dieser Einschätzung immer wieder Recht geben?

Gicht ist eine initial sehr beratungsintensive Krankheit – so ist zumindest meine Erfahrung. Diese Beratung, diese Aufklärung über die Krankheit vermisse ich aber gerade bei „Erstauftreten“ eines akuten Gedichtanfalls und der anschließenden Dauertherapie immer wieder – gerade wenn ich aktiv nachhake, was der betroffene Patient denn so über seine „neue“ Erkrankung wisse, und wie mit der Gicht umzugehen hätte. Auch die „Aufklärungs- und Beratungsbroschüren“, die ich großtechnisch gedruckt im Auftrag verschiedener Unternehmen bisher in der Hand hatte, waren entweder so einfach gestrickt, dass sie nicht wirklich Hilfestellung gaben, oder so kompliziert geschrieben, dass auch ein „interessierter Laie“ kaum die wichtigen Informationen herausliest. Vorweg – auf die einzelnen Wirkstoffe gehe ich diesmal nicht ein, das würde den Rahmen sprengen. Daher hier mal eine Übersicht über die Gicht für alle Interessierten:

1. Was ist Gicht ?

Die Gicht ist in den meisten Fällen die Auswirkung einer angeborenen Stoffwechselstörung (familiäre Hyperurikämie). Dabei liegt meistens eine Fehlfunktion der Niere vor. Nur bei einer sehr kleinen Anzahl der Patienten mit angeborener Gicht beruht die Erkrankung auf einer Überproduktion von Harnsäure im Körper, welches z.B. durch einen Enzymdefekt ausgelöst werden kann.

Von der familiären Hyperurikämie sind sekundäre Formen der Gicht abzugrenzen, z.B. Gicht durch verminderte Harnsäureausscheidung infolge einer Nierenunterfunktion bzw. eines Nierenversagens, durch extreme Fastenkuren oder auch durch anhaltenden unsachgemäßen Gebrauch bestimmter Arzneimittel.

Eine Hyperurikämie kann früher oder später zu Gichtanfällen, Nierensteinen, Gichtniere u.ä. führen. Dies ist besonders vor dem Hintergrund der in Deutschland weit verbreiteten Über- und Fehlernährung wichtig zu wissen.

Vor einem Gichtanfall sammelt sich die Harnsäure im Körper – hauptsächlich gelöst im Blut – an. Bei dem Gichtanfall selber lagert sie die Harnsäure, manchmal auch sehr plötzlich, an verschiedenen Körperstellen als (nadelspitze) Kristalle ab. Dies passiert in dem Augenblick, in dem die Grenzkonzentration der Löslichkeit der Harnsäure im Blut überschritten wird, was auf zwei Weisen (oder auch gemischt) erfolgen kann:

  1. Es kommt z.B. aufgrund der Ernährung mehr Harnsäure ins Blut, als die Nieren in der selben Zeit ausscheiden können.
  2. Dem Blut wird mehr Flüssigkeit entzogen als durch Trinken zugeführt wird, und dadurch steigt die Konzentration der Harnsäure im Blut.

Der Körper versucht dann, diese Fremdkörperkristalle mit dem körpereigenen Abwehrsystem, den weißen Blutkörperchen, zu bekämpfen. Dieses Vorgehen, im Prinzip einer Entzündung vergleichbar, ist, wie bei vielen Infektionen, mit Temperaturerhöhung verbunden. Dabei werden viele weiße Blutkörperchen zerstört, was immer weitere weiße Blutkörperchen in das Entzündungsgebiet einwandern lässt. Dieser Teufelskreis erklärt den langwierigen Verlauf des Anfalls.

2. Wie äußert sich Gicht?

Der erste Gichtanfall tritt meist nach dem 30. Lebensjahr auf. Aus voller Gesundheit überfällt den Patienten eine heftige Schmerzattacke an einem Gelenk, meist dem Großzehengrundgelenk, einhergehend mit Rötung, Schwellung und örtlich begrenzter Temperaturerhöhung. Anstelle des Großzehengrundgelenks können auch die Sprunggelenke, das Daumengrundgelenk, Fingergelenke, Kniegelenke oder Handwurzelgelenke (sortiert nach abnehmender Häufigkeit beim Mann) betroffen sein. Oft tritt parallel Fieber auf. Ohne Behandlung dauert der Gichtanfall einige Tage bis über eine Woche.

Die Häufigkeit der Anfälle ist von Patient zu Patient verschieden. Manche Patienten erleiden während ihres Lebens nur wenige Attacken, bei vielen werden im Verlauf der Krankheit die symptomfreien Intervalle immer kürzer. Im Verlauf der Krankheit werden die Gelenke in der anfallsfreien Zeit nicht mehr Schmerzfrei sondern sind oft deformiert und in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt. Im chronischen Stadium ist der Verlauf der Gicht nicht mehr so sehr durch die Anfälle in den verschiedenen Gelenken als durch das Auftreten der „Gichtknoten“ (Tophus, Mehrzahl Tophi) bestimmt. Tritt solch ein Tophus, der eine Ablagerung von Harnsäure darstellt, im gelenknahen Knochen auf, kann das Gelenk in seiner Funktion erheblich eingeschränkt sein oder sogar beschädigt werden. Bei einem Durchbruch von Knochentophi oder Weichteiltophie (z.B. in einem Schleimbeutel eines Gelenks) und anschließender Infektion entwickelt sich ein Gichtgeschwür.

Eine Beteiligung der Niere tritt früher oder später bei fast allen Gichtkranken auf. Befunde an den Nieren können auch dem ersten Gichtanfall vorausgehen. Im Verlauf der Erkrankung steigt oft die Schädigung der Niere. Bluthochdruck, der durch die Nierenschädigung ausgelöst werden kann, fördert dann weitere Schädigung sowie artheriosklerotische Veränderungen.

3. Therapieformen der Gicht

Prinzipiell ist zu sagen, dass eine Gichttherapie nicht alleine bestritten werden sollte. Eine genaue Diagnose sowie eine stetige Kontrolle der Therapie und des erzielten Erfolgs gehören in die Hand eines Arztes.

Für den Gichtanfall sind heutzutage nichtsteroidale Antirheumatika („NSAR“) die bevorzugten Arzneimittel gegen die Schmerzen, die bei einem Anfall auftreten. Weiterhin lässt sich die Aktivität der weißen Blutkörperchen mit bestimmten Arzneistoffen teilweise einschränken. Dieses Vorgehen ist allerdings stark nebenwirkungsbehaftet, daher ist es maximal 3 Tage bei einem akuten Gichtanfall angezeigt.

Für die Dauertherapie der Gicht setzt die zuverlässige Senkung der Harnsäurekonzentration im Blut wichtig. Basis ist hier die Ernährungstherapie, auf die weiter unten eingegangen wird. Für die arzneiliche Dauertherapie der Hyperurikämie stehen zwei grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.

Die eine Möglichkeit ist die Gabe eines Urikostatikums, also Arzneimittels, welches die Harnsäureproduktion im Körper unterdrückt. Es hemmt die Umwandlung bestimmter Stoffwechselprodukte in Harnsäure. Diese Stoffwechselprodukte werden dann vom Körper separat ausgeschieden.

Die andere Möglichkeit ist die Gabe von Urikosurika, von Arzneimitteln, welche den Rücktransport der Harnsäure in der Niere aus dem Primärharn in das Blut unterdrückt.

Die Dauertherapie einer Gichtniere hat zum Ziel, die im Primärharn und im Harn gelöste Harnsäure in Lösung zu halten, bzw. schon auskristallisierte Harnsäure wieder in Lösung zu bringen. Hierzu bedient man sich in der Regel eines Urikostatikums sowie eines Diuretikums, eines Arzneimittels, welches die Harnproduktion erheblich steigert.
Die Therapien der Gicht mit Arzneimitteln sollten jedoch immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden, da nicht alle Arzneimittel von allen Patienten gleich gut vertragen werden.

Zur Vorbeugung und Therapie von Harnsäuresteinen gehört eine hohe Flüssigkeitszufuhr. Zusätzlich sollte eine Anhebung des pH-Werts des Urins auf einen Wert zwischen 6,5 und 7,0 angestrebt werden. Dies kann man durch eine Diät überwiegend pflanzlicher Herkunft sowie durch Säfte von Citrusfrüchten, kohlensäurehaltige Mineralwässer oder Einnahme von Natrium citricum erreichen. Der Erfolg sollte durch Messung des Urin-pH-Werts (mittels Teststreifen) kontrolliert werden.

4. Nahrungsmittel und Gicht

Die Ernährung spielt eine große Rolle bei der Behandlung der Gicht, da trotz der guten Wirksamkeit moderner Arzneimittel die Ernährung Komplikationen im Behandlungsverlauf vermindern, und auch Arzneimittel und damit Risiken von Nebenwirkungen sowie Kosten drastisch senken kann. Die richtige Ernährung ist damit die Basis der Behandlung von Hyperurikämie und Gicht.

Bei der Gicht spielt der Purinstoffwechsel im Körper eine große Rolle. Als Purine werden eine Gruppe nach einem bestimmten Grundschema aufgebauter Stoffe bezeichnet. Der Abbau dieser Purine im Körper führt zum Endprodukt Harnsäure. Beim gesunden Menschen beträgt der Harnsäurebestand im Körper in etwa 1g. Dies kann beim Gichtpatienten mit unterschiedlichen Harnsäureablagerungen jedoch um das zigfache überschritten werden. Harnsäure wird vom Körper zu ca. 20% über den Darm und zu ca. 80% über die Nieren ausgeschieden. Da die Kapazität der Nieren jedoch begrenzt ist, kann sich bei erhöhter Purinzufuhr leicht Harnsäure im Körper ansammeln, was dann zu einem Gichtanfall führen kann.

Purine kommen hauptsächlich in der DNA und der RNA vor. Damit findet man sie verstärkt in Zellen, die für chemische Umsetzungen verantwortlich sind, z.B. Leberzellen, Nieren, Darm (Innereien). Außerdem kommen sie verstärkt in Zellbereichen vor, die auf ein schnelles Wachstum angelegt sind bzw. in denen Zellen sehr klein sind und sehr eng zusammenliegen, z.B. Samen- bzw. Fruchtanlagen oder Triebspitzen von Pflanzen, aber auch in Körperbereichen, wo die Zellen als Barriere sehr dicht gepackt sind wie zum Beispiel in der Haut.

Muskelfleisch verschiedener Tierarten unterscheidet sich im Gesamtpuringehalt nur wenig. Allerdings kann der Puringehalt stark von der Lagerungsdauer und den Lagerungsbedingungen abhängen. Der Puringehalt verschiedener Muskelpartien eines Tiers wird im wesentlichen von Fettgehalt bestimmt, je höher der Fettgehalt, desto niedriger der Purinanteil. Meerestiere unterscheiden sich im Puringehalt. Große Mengen findet man z.B. in Hummer, Miesmuscheln und Hering, vergleichsweise geringe Gehalte in Seezunge und Heilbutt.

Die Zubereitung von Lebensmitteln übt einen erheblichen Einfluss aus. Tritt in einem Lebensmittel Wasserverlust auf, steigt der Puringehalt im Verhältnis zum Gesamtgewicht. Dies beobachtet man z.B. bei Räucherware oder bei gebratenem Fleisch. Beim Kochen kann ein Teil der wasserlöslichen Purine ins Kochwasser übergehen. Kochen ist also günstiger als Braten, sofern das Kochwasser anschließend verworfen wird.

Alkohol bewirkt eine vermehrte Harnsäurebildung im Körper und sorgt gleichzeitig für eine Hemmung der Harnsäureausscheidung. Verkompliziert wird der Effekt dadurch, dass Alkohol die Wasserausscheidung anregt, und somit die Harnsäurekonzentration im Körper im Verhältnis steigt. Große Mengen Alkohol (> 100g pro Tag) begünstigen somit die Häufigkeit und Stärke von Gichtanfällen.

Eiweiß verursacht in größeren Mengen einen Anstieg der Harnsäureausscheidung über die Nieren. Diesem Effekt sollte jedoch keine zu große Bedeutung zugemessen werden.

Fettreiche Kost begünstigt die Bildung von Ketonkörpern (ungünstiger Stoffwechselprodukte), welche die Ausscheidung von Harnsäure in den Nieren herabsetzt. Extrem fettreiche Ernährung, wie z.B. die Atkins-Diät, sollte also vermieden werden.

5. Ernährungstipps

Die richtige Ernährung ist nach wie vor die Basis jeder Gichttherapie. Daher sollten folgende Anhaltspunkte berücksichtigt werden:

  •  Bei bzw. nach einem Gichtanfall eine streng purinarme Diät (bis 300mg Harnsäure am Tag) [3]
  • Ansonsten eine purinarme Diät (bis 500mg Harnsäure am Tag) [4]
  • Keine Exzesse: Feste und auch komplettes Fasten sind für den Gichtkranken gefährlich.
  • Auf den Harnsäuregehalt achten: Um so größer der Harnsäuregehalt, um so kleiner die Portion.
  • Auf Innereien verzichten, da diese einen sehr hohen Puringehalt aufweisen.
  • Fleisch ist relativ purinreich. Fleischkonsum auf 3-4x pro Woche beschränken.
  • Haut von Geflügel und Fisch sowie Schweineschwarte enthalten sehr viel Purin.
  • Gemüse: Bestimmte Gemüse haben einen sehr hohen Purinanteil. Dazu zählen vor allem „junge Gemüse“ und Hülsenfrüchte.
  • Alkoholkonsum: ist für den Gichtkranken riskant. Nur eine Portion einen alkoholischen Getränks zu einer Hauptmahlzeit pro Tag.
  • Alkoholfreies Bier enthält etwa gleich viel Purin wie gewöhnliches Bier.
  • Übergewicht verschlechtert die Prognose von Gichtpatienten.

6. Gicht trägt nach – Gicht verzeiht

Um es ganz locker und fluffig zu formulieren – Gicht ist schizophren. Wenn man als Gichtpatient einen Tag (nicht zu sehr) über die Stränge schlägt, und sich dafür am nächsten Tag wirklich stark am Riemen reißt mit der Purinzufuhr, verzeiht die Gicht meist die Übertretung, da man dem Körper Gelegenheit gibt, die Harnsäure (nachträglich) wieder auszuscheiden.

Übertreibt man es aber zwei oder gar drei Tage am Stück, oder lässt es an einem Feier-Tag so richtig krachen, präsentiert einem die nachtragende Gicht die Rechnung in Form eines Gichtanfalls.

Dieser Artikel kann weder eine vernünftige Diagnose, noch eine Therapie oder ein Beratungsgespräch von Arzt oder Apotheker ersetzen. Wer der Ansicht ist, eine Hyperuriämie oder eine akute oder chronische Gicht zu haben bzw. behandeln zu müssen, sollte sich dringen an den Arzt seines Vertrauens wenden.

Unabhängig davon wünsche ich allen meinen Lesern freudige und von Krankheitsproblemen verschonte Pfingstfeiertage!

Nachtrag: Es gab Zeiten, wo Gicht auch „Zipperlein“ genannt war – was zu den umgangssprachlich genutzen „Zipperlein“ von heute umgearbeitet wurde. Zu dieser Zeit war Gicht hauptsächlich eine Erkrankung der „Reichen und Schönen Mächtigen“, der jenigen also, die es sich leisten konnten, regelmäßig purinreiche Kost auf dem Tisch zu haben. So war Friedrich der Große zum Beispiel unter den Gicht-Patienten einer der berühmteren. Heutzutage betrifft die Gicht fast alle Bevölkerungsgruppen gleichmäßig. Das läßt durchaus Rückschlüsse auf den Ernährungsstatus und die Ernährungsgewohnheiten einer ganzen Bevölkerung zu…

—————————-
[1] Nein, ich halte nichts davon, „krank zu feiern“. Wenn man akut krank ist, ist man meist nicht in Feierlaune. Und ich unterstelle, dass auch die wenigsten chronisch kranken Menschen ihre Erkrankung mit Freuden sehen.
[2] Mir ist bewusst, dass mein Bauchgefühl keine Statistik ersetzt, die ich übrigens zu dieser Fragestellung bisher noch nicht finden konnte. Aber akute Gichtanfälle treten – nach meiner Erfahrung – nun einmal gehäuft nach „Feier“-Tagen auf.
[3] Wer das tatsächlich 3 Tage durchhält, ist für mich ein Held.
[4] Wer das länger durchhält, ist für mich auch ein Held.

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15 Gedanken zu „Feiertagskrankheit

  1. …und jetzt koche ich mir gerade eine heftigst purinhaltige Mahlzeit. Danke, Gedankenknick, immer rechtzeitig mit dem richtigen Thema zur Stelle. 🙂

      • Brrrrrrr.

        „Oh, eine tote Kuh. Und ist da irgendetwas im Kadaver, das wir bislang noch nicht gewinnbringend verkaufen konnten?“

      • Hmmm… Turtle – Du hast da die falschen Prioritäten. Von vielen Tieren wird – gerade von „Naturvölkern“ und in Notzeiten – so ziemlich alles verwertet. Kutteln und Euter waren genau wie Schweinsfüße nach dem Krieg übliche Mahlzeiten. (Obwohl – ich habe alles drei noch nicht probiert – ich hörte, das ist nicht so lecker.) Kalbsbries, gut durchgebraten und passend abgeschmeckt, ist durchaus lecker – zumindest leckerer als Nierchen… (meine eigene Ansicht).

        Das BSE-Problem ging doch erst los, als die blöden Engländer, die Kühen unbedingt gemahlene tote Kühe zu essen geben müssen, die „Gartemperatur“ des Tiermehls (zum Abtöten von Erregern) aus „Energiespargründen“ auf unter 60°C herunterregelten – und die Prionen nun mal sicher erst ab ca. 65°C „Durchgartemperatur“ denaturiert werden. (Beim Durchbraten eines Lebensmittels sollte man 100°C erreichen. Und ich rede jetzt nicht von der „Kerntemnperatur“ eines großen Fleischstücks, sondern von der „Kerntemperatur von etwas Gehacktem“…)

        Wohlgemerkt – ich habe nichts gegen Vergetarier und Veganer (solange diese ihre Katzen nicht versuchen, vegan zu ernähren) – und solange beide Gruppen bei der Kinderernährung wirklich sehr genau hinschauen, um die Kinder nicht mangelzuernähren. Die Philosophie der Frutarier habe ich aber bisher nicht hinreichend verstanden, das gebe ich offen zu (die hat für mich nähmlich einen Logik-Widerspruch).

  2. Erbitte Erklärung für folgendes Rezept: Bei akuter Gicht, 3 große Zwiebel im Mixer pürieren und 1-11/2l Milch hinzu fügen. Nase zu und trinken und zwar 3 Tage hintereinander. Sonst nichts anderes essen. Nach 24bis.48 Stunden waren die Schmerzen weg. Dies machte mein Nachbar und ich habe FÜNF!!! aktute Gichtanfälle bei verschiedenen Personen beobachtet, die schnell und preiswert kuriert waren.
    Wie funktioniert das? Dies soll ein Rezept des „fahrenden Volkes“ sein.
    Viele Grüße Ihr Buxinchen

    • Wenn Du die Zwiebeln weg läßt, geht es noch besser. Denn die Milch enthält sehr wenig Purine (da in Milch fast keine Zellkerne schwimmen, die dann zu Harnsäure verstoffwechselt werden), und die Zwiebeln enthalten zwar mehr (als Speicherwurzel), aber im Verhältnis auch nicht so viele. Damit hat der Körper Zeit, die (angesammelte) Harnsäure auszuscheiden, ohne dass zu viel neue Harnsäure via Lebensmitteln „nachgeliefert“ wird. Wenn die Harnsäurekonzentration im Blut sinkt, lösen sich die Harnsäurekristalle (in den Gelenken) auf, und damit klingt der Gichtanfall ab. (Siehe Ernährungstips: Bei einem akuten Gichtanfall 3 Tage streng purinarme Diät…)

      Dazu sage ich jetzt mal (arzneitherapeutisch) 3 Anmerkungen:
      1) Lasst es gar nicht erst zu einem Gichtanfall kommen! Jeder Gichtanfall bewirkt, dass der nächste schlimmer wird.
      2) Lasst euch ordentlich behandeln! Mit einer odentlichen ernährungstechnischen und Arzneimitteltherapie kann man Gichtanfälle besser verhüten/behandeln als mit nur einer Variante alleine.
      3) Geht bei einem akuten Gichtanfall zum Arzt! Der schreibt was aufs Rezept, was den Anfall von 3 Tagen schwere Schmerzen auf 1,5 Tage schwere Schmerzen reduziert. (Gleichzeitig wird das Gelenk, welches betroffen ist, durch die veringerte Entzündung weniger strak beschädigt.) Das ist „schneller“, und kaum weniger teuer (Arzt ohne Zuzahlung, Medi mit 5€ Zuzahlung.) Viel wichtiger ist aber die korrekte Diagnose, dass es sich (wirklich!) um Gicht handelt – und die anschließende Konsequenzfindung.

      Bitte – alle die wissen, dass die Gicht haben – setzt Euch mit der Krankheit auseinander! Lasst Euch erklären, was im Körper passiert, was Ihr essen solltet, und was Ihr meiden solltet. Gar keinen Gichtanfall zu bekommen ist die beste Behandlung der Gicht.

      Rein kulinarisch habe ich dazu eine einzelne Anmerkung: Das Rezept ist geschmacklich „Bäh!“. Aber vielleicht hilft das ja auch, wenn man sich überlegt, beim nächsten Gichtanfall wieder so ein Gebräu trinken zu müssen. Wobei mir das Vitamin-C-Rezept aus „Das Boot“ einfällt: Man quetsche die Zitrone aus, fülle den Saft in ein Glas Milch, und trinke aus!“ Medizin muss manchmal schlecht schmecken, damit sie hilft… 😉

      • Ich habe das Rezept noch nicht ausprobiert, da nicht nötig. Finde es ebenfalls „Bäh“

  3. Als 23 jähriger Student mit einer 3 Monatig verzögerten Gicht-Anfall Diagnose kann ich mich nur für den Beitrag bedanken.
    Hatte schon mit 18 Jahren am rechten Großzehengrundgelenk meinen ersten Anfall. Allupurinol und Ernährungsumstellung (Chips en masse).
    Seit 4,5 Jahren aber beschwerdefrei gewesen. Zwischenzeitlich sogar in den USA gesoffen und gefressen was das Zeug hielt. Dennoch nie übergewichtig o.ä. (viel Sport und trinken; kein Allupurinol).
    Im Februar 13 dann Fußballverletzung, jemand tritt mir gegen das linke Großzehengrundgelenk. Denke, Verstauchung, einfach abwarten und Bier trinken.
    Pustekuchen, wurde noch schlimmer. Zwischenzeitlich DIagnose auf Kapselriss gestellt bekommen (neuer Arzt, überlastet, keine Zeit) und getaped.
    Na Hallejula. Wurde schlimmer. Daraufhin nach 3 Monaten beim HA und Schmerztabletten + Überweisung zum Orthopäde da Blutwerte i.O. und Gicht damit für ihn ausgeschlossen.
    Orthopäde: da sind wohl die Sehnen im Großen Zeh gerissen, evtl. OP. Muss aber der Spezialist entscheiden. ALso grade noch so einen Termin Anfang Juni beim Fußspezi bekommen. Dieser meint, alles i.O. wohl eher Stoffwechselprobleme.

    Das ist der aktuelle Stand, Dienstag gehts wieder zum HA.

    Man man man, will hier nicht groß Mitleid erzeugen, aber das ist schon richtig mies sowas 🙂

    Danke jedenfalls für den Beitrag!

    • Wichtig ist auf jeden Fall, weiter auf die Ernährung zu achten. Problem dürfte sein, dass jeder Anfall die betroffenen Gelenke weiter schädigt, dass heißt jeder Gichtanfall wird spätere (Sport)Verletzungen in ihren Auswerkungen vervielfachen. Da gilt es Obacht zu bewahren.

      Problem bei der Diagnose ist – dass wenn sich die Stoffwechsellage „normalisiert“ hat mehrere Wochen später, liegt der Gicht-Verdacht natürlich weit weg. Gicht diagnostiziert sich nun einmal am leichtesten direkt bei dem Anfall (mit dem passenden Blutwert).

      • Ja, so habe ich auch gedacht. Gerade der Gedanke mit den verspätet vorliegenden Blutwerten wird wohl zutreffend sein.
        Der HA heute daraufhin Allopurinol verschrieben und gemeint „Wir schauen einfach mal, ob das Auswirkungen hat.“ 🙂
        Naja ich hab für´s Leben gelernt und werde mich dementsprechend umstellen.

        Vielen Dank & beste Grüße.

  4. Hallo,

    Ich bins nochmal. Wissen Sie, ab wann eine Gicht unbehandelt chronisch werden *kann* ? Nehme jetzt seit zwei Wochen 1x taeglich Febuxostat, davor 3 wochen allopurinol sowie zweimal diclo 75 SL. Insbesondere die schmerzmittel bringen eine kleine aber spuerbare Reduktion der Schwellung an der unterseite des grosszehengelenks.
    Habe irgendwie bedenken, dass die entzuendung nicht mehr vollst. Weggeht…
    Danke im Voraus und Gruesse
    Philipp

    • Ich muss insofern enttäuschen, als dass die Erkrankung „Gicht“ prinzipiell chronisch sein wird – bloß behandelt kann man besser mit ihr leben als unbehandelt. Wenn Gicht diagnostiziert (und abgesichert) ist, hat man sie, und sollte sich mit ihr arrangieren und insbesondere seine Ernährung darauf abstellen. Was man bedenken sollte, ist, dass die Zerstörungen, die durch Gichtanfälle entstehen, oft von Anfall zu Anfall schlimmer werden – also sollte man es möglichst nicht unbedingt darauf anlegen.

      Das Gelenkt sollte sich vielleicht parallel ein Orthopäde anschauen, ob bei dem scheinbar recht heftigen Anfall irgendeine Struktur schwerer beschädigt wurde. Nach einem Monat Diclo sollte da m.E. vielleicht noch nicht alles heil, aber zumindest die Schwellung eigentlich schon größtenteils abgeklungen sein. Wenn die Gelenkkapsel etwas abbekommen hat, muss da vielleicht ein Chirurg ran und seine Messerkünste zeigen. Das würde ich persönlich zumindest mal mit dem behandelnden Arzt zusammen besprechen.

      Alternativ wäre es natürlich möglich, dass eine andere Erkrankung am Großzehengelenk parallel zur Gicht aufgetreten ist, die separat behandelt werden müsste. Ich will da jetzt nicht schwarzmalen, es ist nur ein Alternativ-Gedanke. Wie gesagt – Knochen und Gelenke, es bleibt zu überlegen, einen Orthopäden hinzuzuziehen…

      Ich wünsche Gute Besserung.

      • Hallo,

        ja habe mir auch gestern eine Überweisung zum Orthopäden holen lassen – zwecks paralleler Absicherung wie von Ihnen auch schon vorgeschlagen. Jetzt heißt es nur noch Termin machen.

        Die Schwellung an sich ist schon ein wenig besser, aber eben noch nicht signifikant. Na gut, ich hör mir mal die Zweitmeinung an!

        Danke & Gruß

      • Auf jeden Fall. Wenn es, so ich mich recht erinnere, bei einem Sportunfall beim Fußball passiert ist, sollte man das doch gegentesten lassen. Vielleicht vielen da zwei Probleme in die selbe Zeit…
        Gute Besserung!

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