Knast V1.01 – Hinweise der AMK

Wie ich hier bereits erklärte, stehe ich bei Belieferung einer bestimmten Rezeptsorte – dem T-Rezept – plötzlich nicht nur mit einem Fuß im Schuldenturm, wenn die krankenKassen mir da einen Null-Retax unterjubeln, nein mit der kürzlich erfolgten Änderung des AMG stehe ich mit dem anderen Fuß jetzt sogar im Gefängnis. Das wirklich schöne daran ist, dass ich ja nicht einmal Verursacher des Problems bin. Ich bin nur der Kontrolleur, welcher den Patienten sachgerecht versorgen soll, welcher diese sachgerechte Versorgung eines schwerkranken Patienten aber dann wegen minimaler Formfehler verweigern muss.

Nun wird aber via AMG, AMVV und den Lieferverträgen zwischen Apotheken und krankenKassen festgelegt, dass die Apotheke das Rezept in gewissen Grenzen überprüfen muss. Diese Grenzen wurden nun aber vom Gesetzgeber im Schulterschluss mit den krankenKassen nicht nur bis über die Sinnhaftigkeit hinaus ausgeweitet – kleinste Fehler bei der Überprüfung dieser eher seltenen Rezepte können den verantwortlichen Apotheker eine Gefängnisstrafe von bis zu 1,5 Jahre einbringen! Und damit die Sache nun auch wirklich klar ist, schlägt die AMK, die „Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker“, im Auftrag des BfArM in dieselbe Kerbe und weist nochmals ausdrücklich auf die Gefahren bei der Belieferung dieser Rezepte hin. Da die Verlinkung des Rundschreibens über ein DocCheck-Passwort geschützt ist, und ich also den genauen Wortlaut nicht einfach hier hereinverlinken kann, werde ich ausgewählte Stellen des Textes böswilliger Weise zitieren…

„Im Rahmen einer Auswertung der Verschreibungsdaten von Thalidomid und Lenalidomid hat das BfArM Verstöße gegen die Vorgaben des §3a Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) festgestellt.“

Ah ja, hat das BfArM also. Das BfArM hat ja auch extra eine Prüfstelle, das sogenannte „T-Register“ eingerichtet, wo sich einer (oder mehrere?) vermutlich verbeamtete Mitarbeiter mit nichts anderem die Zeit vertreiben. Wobei ich mich frage, wer denn die festgestellten Verstöße begangen hat, und ob sofort Strafverfahren gegen die armen Schweine bösen Übeltäter eingeleitet wurden. Aber der Text geht weiter:

„Das BfArM identifizierte von Januar bis April zirka 50 T-Rezepte mit sicherheitsrelevanten Fehlern (fehlende Markierung in den drei Ankreuzfeldern) und zirka 20 T-Rezepte mit Überschreitung der Abgabefrist von 6 Tagen.“

In 4 Monaten sind also schon mal 50 Rezepte aufgefallen, wo den Apothekern Verschreibungsfehler nicht aufgefallen sind. [1] Also ich erkläre mal: Der Arzt hat etwas falsch gemacht, nähmlich 3 Kreuze in 4 Feldern nicht korrekt gesetzt, aber dem bösen bösen Apotheker ist das nicht aufgefallen, und er hat das verschriebene Arzneimittel aus lauter Gewinngier dem schwerstkranken Patienten abgegeben, und ihn damit in Todesgefahr gebracht! Weil diese Fehler ja sicherheitsrelevant sein sollen. Hierzu muss ich kurz ausholen.

  • Es handelt sich zuerst einmal nicht um 3 Felder, sondern um 4, in die aber nur 3 Kreuze gesetz werden müssen (und dürfen).
  • Feld 1 (immer ankreuzpflichtig) lautet: „Alle Sicherheitsbestimmungen gemäß der Fachinformation entsprechender Fertigarzneimittel werden eingehalten.“ Ja, diese Information ist für die Behandlung des Patienten garantiert sicherheitsrelevant, denn wenn dort ein Kreuz gesetzt ist, kann (per gesetzlicher Definition) nichts mehr schief gehen! Ansonsten geht (per gesetzlicher Definition) alles schief, und der Apotheker ist mit Null-Retax zu bestrafen und in den Knast zu schicken! Die Aufklärungsbögen und Checklisten finden sich übrigens hier.
  • Feld 2 (immer ankreuzpflichtig) lautet:  „Dem/der Patient(in) wurde vor Beginn der Behandlung medizinisches Informationsmaterial entsprechend den Anforderungen der Fachinformation entsprechender Fertigarzneimittel sowie die aktuelle Gebrauchsinformation des entsprechenden Fertigarzneimittels ausgehändigt.“ Also mit anderen Worten – das Wissen um die (zu Behandlungsbeginn!) ausgehändigte Gebrauchsinformation ist sicherheitsrelevant. Dabei ist es übrigens völlig nebensächlich, ob es sich um eine Erstverordnung handelt – hier ist die Information sicher nicht komplett unnütz – oder um eine Folgeverordnung. Bei letzter kann (und muss) ich ja davon ausgehen, dass zu Beginn der Behandlung – also vor der ersten Verordnung – diese Unterlagen an den Patienten weitergereicht wurden. Aber das Fehlen des Kreuzes ist ein sicherheitsrelevanter Verstoß, und bei nicht gesetzten Kreuz könnte – Ja was? Der Patient sterben? Ein Zug explodieren? Eine Bank pleite gehen? – einfach gar nichts passieren! Die Erkrankung des Patienten schert es einen Dreck, ob der Patient einmal zu Beginn der Behandlung, bei jedem Arztbesuch oder gar kein Mal ein paar Zettel Papier mitbekommen hat! Sicher ein Grund, einen Apotheker mit Null-Retax zu bestrafen und anschließend in den Knast zu stecken! Hier gibt es die Patientenbroschüre, und hier gibt es die Fach- und Gebrauchsinformation(en).
  • Feld 3 (nur anzukreuzen, wenn Feld 4 nicht angekreuzt wird!) lautet: „Behandlung erfolgt innerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete (In-Label)“  Das Feld ist selbsterklärend und dient nur versicherungstechnischen und statistischen Zwecken.
  • Feld 4 (nur anzukreuzen, wenn Feld 3 nicht angekreuzt wird!) lautet: „Behandlung erfolgt außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete (Off-Label)“  Das Feld ist selbsterklärend und dient nur versicherungstechnischen und statistischen Zwecken.
  • Aber wenn weder Feld 3 noch Feld 4 angekreuzt sind, oder gar alle beide Felder zusammen, ist das ein sicherheitsrelevanter Fehler. Denn eines ist klar: Entweder das Arzneimittel wird bei einer zugelassenen Indikation eingesetzt, oder aber nicht! Auch dafür haftet man als Aptheker mittels Null-Retax und Haftstrafe!

Bei 20 Rezepten in 4 Monaten wurde sich nicht an die 6-tägige Abgabefrist durch die beliefernde Apotheke gehalten. [2] Diese Belieferungsfrist-Beschränkung dient einzig und allein einem einzelnen Grund: Frauen im gebährfähigem Alter sollen mit der Behandlung in einem Zeitfenster beginnen, in dem der Arzt sicher war (via Schwangerschaftstest), dass die Frau nicht schwanger ist. Dabei ist es dem Gesetzgeber (und dem BfArM hier in dieser Statistik und Betrachtung) völlig egal, dass vielleicht auch Männer das Produkt bekommen, oder die Frauen z.B. aufgrund ihres Alters (oder anderer Lebensumstände) sowieso nicht (mehr) schwanger werden können. Zugegeben sind die Durchschläge, die an das T-Register zu schicken sind, auch anonymisiert, so dass die Menschen im T-Register diese Auswertung weder mittels Vornamen, noch mittels Geburtsdatum oder Anfrage an die Krankenkasse ermitteln könnten. Aber das ist ja gar nicht die Frage – die Fragen sind: Wie sinnvoll (oder schwachsinnig) ist diese Regel? Wem wird ein Verstoß dagegen warum angelastet? Und hatte derjenige vielleicht einen Grund, dagegen zu verstoßen?

Erstaunlicherweise gibt es aber eine ähnliche Regelung (sozusagen eine Parallele) bei dem ebenfalls recht teratogenen Wirkstoff Isotretionin, und da muss die Apotheke die Abgabefrist (von hier 7 Tagen) nur einhalten, wenn es sich bei dem Patienten um eine „Frau in gebärfähigem Alter“ handelt – bei Männern gilt ein Abgabezeitfenster von 30 Tagen nach Ausstellung.

Es ist übrigens nicht auszuschließen, dass ein Anteil dieser 20 Rezepte aufgrund eines Missverständnisses „zu spät“ beliefert wurden. Denn das Gesetz sagt, dass das T-Rezept innerhalb von 6 Tagen beliefert werden muss. Unterschiedliche Rechtssprechungen gehen nun aber davon aus, dass bei diesen 6 Tagen der Ausstellungstag entweder mitzählt, also ein am Mittwoch ausgestelltes T-Rezept spätestens am Montag der Folgewoche zu beliefern ist – andererseits aber der Verschreibungstag nicht mitgerechnet werden muss, also ein am Mittwoch ausgestelltes T-Rezept spätestens am Dienstag der Folgewoche beliefert sein muss. Ich persönlich tendiere übrigens zu ersterer Interpretation – schon aus eigenem Sicherheitsinteresse. Dieser eine Tag (Fehl)Interpretaion bedeutet also den Unterschied zwischen Freiheit und Knast für einen einen schwerstkranken Patienten beliefernden Apotheker.

Nur ist dieser Zeitraum auch nicht immer so ohne weiteres einzuhalten. Hatte ich schon erwähnt, das die onkologischen Schwerpunktpraxen meist nicht um die Ecke liegen? Hatte ich schon erwähnt, dass die schwerstkranken Patienten meist nicht so fit drauf sind, und also oft nicht am Tag der Rezeptausstellung (aus gesundheitlichen Gründen) auch noch zur Apotheke gehen? Hatte ich schon erwähnt, dass ich die fraglichen Arzneimittel nur bei dem Hersteller direkt beziehen kann? Hatte ich schon erwähnt, dass die Kurierdienste meist nicht über das Wochenende ausliefern, und eine Samstag getätige Bestellung erst am Dienstag in der Apotheke eintrifft – wenn alles glatt läuft? Na dann ist ja alles klar!

„Infolge der kürzlich erfolgten Änderung des Arzneimittelgesetzes (AMG) kann die Abgabe entgegen Paragraf 48 Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 in Verbindung mit einer Rechtsverordnung nach Paragraf 48 Absatz 2 Nr. 1, 2 oder Nr. 7 als Straftat geahndet werden (§ 96 Nr. 13 in Verbindung mit § 3a AMVV).“

Und da ist die rechtliche Begründung für die Bestrafung des Apothekers, ob derjenige nun Schuld ist oder nicht, ob das ganze entgegen den Interessen des Patienten liegt oder nicht. Herrlich!

„Um derartiges fehlerhaftes Handeln zu verhindern, bittet das BfArM erneut darum, alle Bestimmungen bei der Verordnung und Abgabe von Thalidomid und Lenalidomid, die ein erhebliches teratogenes Gefahrenpotenzial besitzen, zu beachten. Dazu gehören neben den allgemeinen Regelungen der AMVV (§ 2) besonders die Anforderungen des § 3a AMVV. Folgende Angaben müssen die verschreibenden Ärzte auf dem zweiteiligen T-Rezept (Original und Durchschrift) machen […]“

Hach, der erste Satz ist so schönes Neusprech, den würde ich gern bei einem Poetry-Slam-Contest benutzen. Aber ich glaube, dann mache ich mich der Plagiaterie strafbar (oder so). Es folgen nun 6 erläuterte Punkte, was es alles so zu beachten gibt bei einem T-Rezept. Das erspare ich dem werten Leser. Aber spannend ist die Erklärung des Punktes 2:

„2. Datum der Ausfertigung (Gültigkeit bis zu 6 Tagen nach dem Verschreibungsdatum!)“

Bis zu 6 Tage nach dem Verschreibungsdatum sind aber 7 Tage. Wenn das Rezept nur 6 Tage Gültigkeit hat, sind es nur 5 Tage nach dem Verschreibungsdatum. Hier schickt die AMK den nichtsahnenden Apotheker also in genau die Retax-Falle, die es selber zusammen mit dem BfArM weiter oben bemängelt hat! Großartig!

Davon abgesehen fehlen meines Erachtens nach mindestens zwei Punkte bei der korrekten T-Rezept-Verschreibung, die das AMK vorsichtshalber gar nicht erwähnt hat. Vielleicht, weil sich die AMK dessen nicht bewußt war, vielleicht, weil die AMK auch selber keinen wirklichen Plan hat. Ich werde diese Punkte hier nicht erläutern, um die krakenKassen, die vielleicht doch mitlesen, nicht auf neue Ideen zu bringen.

„Auf T-Rezepten ist nur eine Verordnung vorgesehen.“

Na prima. Warum sind dann 3 Abrechnungsfelder vorgesehen? Hier ist der Gesetzgeber mehr als inkonsequent!

„Die Apotheke ist verpflichtet, Rezepte – auch T-Rezepte – auf erkennbare Irrtümer hin zu überprüfen und das Arzneimittel nur dann abzugeben, wenn Bedenken ausgeräumt und Unklarheiten beseitigt sind.“

Fehlende Kreuze sind ein erkennbarer Irrtum – aber keine Unklarheit. Fehlende Kreuze sind ganz klar ein Fehler der ausstellenden Arztpraxis. Aber die Apotheke muss deswegen Bedenken haben! Ah ja. Und die Apotheke muss diese Probleme ausräumen! Na sicher. Und Apotheken werden dafür bestraft. Natürlich. Warum zum Geier werden denn nicht auch die ausstellenden Arztpraxen bestraft? Die sind auf den den BfArM zuzuschickenden Durchschlägen genau so gut zu identifizieren wie die beliefernden Apotheken! Wieso wird nicht dem Arzt mit Knast gedroht? Ich verstehe es nicht.

„Thalidomid- und Lenalidomid-haltige Arzneimittel dürfen insbesondere in den Fällen nicht abgegeben werden, in denen auf dem T-Rezept die Bestätigungen fehlen, dass die Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden und dass dem Patienten/der Patientin das entsprechende Informationsmaterial ausgehändigt wurde. Diese Bestätigungen müssen auf jedem T-Rezept erfolgen, so auch auf Folgeverordnungen. Daraus folgt, dass vor dem Einlösen jedes T-Rezept auf das Ausfüllen der Ankreuzfelder geprüft werden muss.“

Jaja, die Apoteke hat zu prüfen, und dann die Belieferung zu verweigern. Die Apotheke kann dem schwerstkranken Patienten klar machen, dass der Arzt da was vergessen hat, und deswegen gibt es das Arzneimittel nicht. Und die Apotheke macht das natürlich ohne Zusatzkosten. Ist schon klar.

Jetzt kommen Angaben, die die Apotheke auf dem Rezept zu vermerken hat. Von dem ganzen Absatz ist nur dieser Satz spannend:

„Ferner bittet das BfArM um den Aufdruck des Apothekenstempels auf der Rückseite der Durchschrift (Teil II).“

Für diese Forderung fehlt jede Rechtsgrundlage. Mal davon abgesehen, dass auf der Rückseite des „Teils II“ kaum Platz für einen Apothekenstempel vorhanden ist, dieser Stempel sich aber normalerweise auf dem Briefumschlag an das T-Register findet, mit dem man die Durchschläge zum BfArM schicken muss. Platz für einen Apothekenstempel ist auf der Rückseite des „Teils I“ der Verordnung extra vorgesehen, und da habe ich diese Stempelei bisher Tatsache sowieso immer gemacht habe – rein aus (Vor)Sorge, um einen Null-Retax zu vermeiden – obwohl es meines Wissens nach auch hierfür nirgendwo im Gesetz einen Hinweis gibt, dass T-Rezepte überhaupt gesondert gestempelt werden müssen. (Das ist bei BtM-Rezepten tatsächlich anders. Aber da streiten sich auch alle Gelehrten und Unwissenden über die Auslegung des fraglichen §, und das ganze zu erläutern spare ich jetzt mal aus, da es doch sehr vom Thema weg führt.) Aber „Teil II“ zu stempeln dient wohl dazu, dem T-Register (und damit dem BfArM) die Identifikation der Apotheke, die einen Fehler gemacht hat, zu erleichtern, weil man dann nicht über die Apotheken-IK-Nummer raussuchen muss, mit welcher Apotheke man es zu tun hat. Vielleicht gehen dann die Klagen schneller raus, so dass man die bösen bösen Apotheker schneller in den Knast werfen kann, um die schwerkranken Patienten in Zukunft besser vor schneller und unbürokratischer Arzneimittelversorgung zu schützen? Man weiß es nicht…

Und dann folgt noch ein Hinweis, dass es hier mehr (nutzlose?) Informationen rund ums dicke T gibt.

Also fassen wir das ganze Schreiben nochmals zusammen:

  1. Die AMK tutet ins Horn der krankenKassen, dass Apotheker, die T-Rezepte beliefern, eigendlich alle weggesperrt gehören, weil einige Rezepte von einigen Ärzten nicht korrekt ausgestellt sind, und dieses könne man nur den Apotheken anlasten.
  2. Die AMK erläutert, wie ein T-Rezept ausgestellt sein müsste.
  3. Die AMK vergisst dabei (meiner Meinung nach) mindestens 2 wichtige Punkte, deren Nichtbeachtung den Apotheker in den Knast bringen können.
  4. Die AMK interpretiert (meiner Meinung nach) eine gesetzliche Forderung falsch und läßt damit im Zweifelsfall Apotheken in eine Retaxfalle (Belieferungszeitfenster) laufen.
  5. Die AMK gibt auf diese Weise den krankenKassen in ihren Retax-Bemühungen vollumfänglich recht.

Wie schön es sich anfühlt, von den eigenen Kollegen in der AMK ein Messer in den Rücken gerammt zu bekommen, welches auch noch genüsslich hin und her gedreht wird so gut aufgeklärt zu werden, dass man in Zukunft völlig rechtssicher arbeiten kann.

Hatte ich schon erwähnt, wie sehr ich meinen Beruf liebe?

————————-
[1] Bei einer 6-Tage-Woche und 17 Wochen wären das also alle 2 Tage ein Rezept (auf ganz Deutschland gerechnet). Auf 21.000 Apotheken wären das 0,0006 Rezepte pro Monat. Leider weiß ich nicht, wie viele T-Rezepte ingesamt in den 4 Monaten gelaufen sind – zumal bei Einsendepflich 1x pro Quartal noch gar nicht alle T-Rezept-Durchschläge aus dem April beim T-Register eingetrudelt sein dürften. Soviel zur Statistik.
[2] Siehe [1]! Aber hier wird es garantiert Null-Retaxationen seitens der krankenKassen hageln, weil so einfach Geld zu verdienen (und Apotheken hinzurichten) läßt sich kaum eine KrankenKasse entgehen…

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12 Gedanken zu „Knast V1.01 – Hinweise der AMK

  1. kennst Du „Axterix erobrt Rom – Das Haus, das Verrückte macht“? an dies musste ich spontan bei der Lektüre dieses Textes denken…

  2. Knick, Ich geb Dir absolut Recht! Das ganze ist Irrsinn hoch Zehn.
    Nur, wie können wir das abstellen?
    Was können wir als Deutsche Apotheker und Apothekerinnen dagegen tun?

    Im Bfarm in der T Rezept Stelle sitzt mindestens eine sehr nette und kompetente PTA, das kann ich Dir nach telefonischem Kontakt versichern. 😉
    Liebe Grüsse
    Boreal

    • Wie können nur allen das ganze erklären wie blöde. Mehr ist nicht möglich. Erst wenn die Politik erkennt, was in diesem Land los ist, dann wird sich etwas bewegen. (Oder auch nicht.)
      Solange die FDP nur blöde Versprechungen macht und diese nicht hält (wie die letzten 4 Jahre) wird alles NOCH schlimmer.

      Der PTA im T-Register mache ich keinen Vorwurf – die kann auch nichts dafür und macht nur, was ihr Arbeitgeber ihr sagt. Unsere PTAs würden auch ne Abmahnung kassieren, würden die nicht machen, was der Chef sagt…

      Und wes Brot ich ess, des Lied singe ich nun einmal auch. Was soll ich dazu sagen?!

  3. Bei der Lektüre der letzten beiden Bloggeinträge dachte ich bei mir, immer frei nach Gebr.Grimm:Heute back ich, morgen brau ich, ach wie gut, daß niemand bei mir ein T-Rezept einlöst!
    Ein bzw. IMHO DAS Hauptproblem ist, daß in unseren Lieferverträgen nun mal drinsteht, daß Die Kranken Kassen uns derart behandeln können …..
    Wir brauchen dringend neue Lieferverträge, die Nullretaxen ausschließen und WENIGSTENS eine EK Erstattung vorschreiben, so daß der finanzielle Schaden nicht existenzbedrohend wird.
    Meinetwegen soll der DAV wirklich mal alle Lieferverträge kündigen und die KKs doch einfach mal versuchen mit einer Handvoll Apotheken (die sich dann sicher schnell a****kriecherisch andienen würden) die ganze Republik zu versorgen. Das wäre sicher eine böse Durststrecke für viele, aber dann wäre schneller Ruhe im Karton, als jemals.
    Gruß aponette

    • Die Mindesterstattung müsste natürlich EK + MwSt. lauten – es sei denn, es wurde wirklich etwas völlig falsches abgegeben.

      Zumal sich viele Patienten umschauen würden, was ihre Medikamente WIRKLICH kosten – wenn sie sich über die 10€ Zuzahlung aufregen…

      Diese Lieferverträge sind meiner Ansicht nach sittenwidrig. Aber solange die Sozialgerichte so gut wie alles FÜR die Kassen entscheiden – und die Politiker sich den Aufsichtsratssitz in den KrankenKassen mit „Schnauze halten“ verdienen, wird es alles schlimmer werden!

  4. Die Konsequenz auf diesen Wahnsinn wäre, T-Rezept-Kunden weiterzuschicken – was die Einlösung binnen 6 Tagen zusätzlich erschwert…. Wie hoch wäre denn die Haftstrafe in dem Fall?
    Das Image – nun, das ist eh längst im Eimer bei dem ganzen Apotheken-Bashing allüberall.
    Nein, man darf kein Bangbüx sein in dem Beruf – eher Paragrafenfuchs.

    • Ein Verstoß gegen den Kontrahierungszwang ist meines Wissens nach eine Ordnungswidrigkeit und kann zivilrechtlich nicht mit Haftstrafe – berufsrechtlich aber sehr wohl empfindlich – geahndet werden. Unabhängig davon ist es ein moralisches und ethisches Problem – immerhin lässt man einen schwerstkranken Patienten im Regen stehen…

      Der Witz ist – das Image der Apotheken (und das Vertrauen der Bevölkerung) ist gemäß aktueller Umfragen immer noch sehr hoch – sehr zum Leidwesen der Politik, der krankenKassen und der Großfinanzen. Aber gleichzeitig ist der unterstellte Verdienst eines Apothekers in der Bevölkerung immer noch so hoch wie 1970 – und das nutzen die Politik und die krankenKassen als Hebel zum Schüren der Neid-Debatte… und die Ärzte (bzw. der KV-Chef) schlagen nun schon in die selbe Kerbe. (Siehe meinen fraglichen Artikel.) Das ist einfach nur traurig.

  5. Brrrrrr.

    Erinnert mich an den Hebel für die Störklappen eines Flugzeugtyps. Es war die DC-8, von der heute kaum noch eine Maschine fliegt.

    Die Störklappe vernichtet den Auftrieb, wenn das Flugzeug aufgesetzt hat – man will ja am Boden bleiben – und bremst das Flugzeug im steilen Sinkflug.

    Wenn man am Hebel zieht, werden sie ausgefahren. Wenn man am Hebel stösst, werden sie im Fall des Aufsetzens automatisch ausgefahren. Klug, nicht?

    Aber wenn diese Störklappen im falschen Moment ausgefahren werden, kann man das Flugzeug auf eine hervorragend effiziente Weise in Einzelteile zerlegen, und zwar ohne viel Papierkram und ohne eine hochbezahlten Flugzeugmechaniker. Weil das Flugzeug gerade vor der Landung ohnehin schon langsam ist, und der ziemlich harte Erdboden ungemütlich nahe erscheint.

    Es ist mehrmals geschehen, dass man das verwechselt hat. Man denkt ja nicht immer darüber nach, ob man jetzt stossen sollte oder nicht. Idiotensicher ist das nicht.

    Man hat das Problem nach den ersten paar Crashs so gelöst, dass man eine Plakette im Cockpit anbrachte.

    „Hebel unmittelbar vor dem Aufsetzen nicht ziehen!“

    • Sowas ist aber nicht nur eine Frage der Konstruktion, sondern auch eine Frage der Ausbildung und Schulung. In Deinem Fall der Piloten auf der DC-8, in meinem Fall der Ärzte – DIE sind nämlich geschult (oder auch nicht) für das T-Rezept. Die Apotheker können sich dann das Wissen zur Auswertung selbst beibringen, genau dann, wenn der Patient mit dem Rezept aufschlägt, immer unter der Gefahr des Absturzes (retadiert 1 Jahr später). Irgendwie glaube ich nicht, dass man Piloten ein Flugzeug überlässt und sagt: „Solltest Du dann irgendwann landen müssen, schau mal, ob Du das Handbuch findest irgendwo im Frachtraum. Genau vor dem Aufsetzen suchst Du dann im Inhaltsverzeichnis nach dem Kapitel ´Checklisten für Landeanflug´!“ Denn so werden Apotheker vor das Gesetz geworfen….

      • Das Witzige an meinem Beispiel ist ja gerade, dass es überhaupt nicht an der Ausbildung/Schulung liegt. Sondern an einer abstrusen Logik der Luftfahrtbehörde.

        Denn schon dem Flugschüler in der Cessna ist klar, dass er sich beim Landeanflug in einem sehr kritischen Energiestatus befindet (tief = keine potenzielle Energie, langsam = keine kinetische Energie). Wenn da Zweifel bestehen, muss man durchstarten. Dies muss man dem Captain in der DC-8 nicht noch einmal erklären.

        Der Pilot ist wie der Arzt. Er weiss im Prinzip, was er tun bzw. nicht tun darf, damit er und die schreienden Leute hinter ihm am Leben bleiben.

        Und trotzdem macht er Fehler, weil es der selbe Hebel ist, aber man muss ihn im Fall a) stossen, im Fall b) ziehen.

        Die Gemeinsamkeit mit dem T-Rezept ist die: Du darfst *sowieso* nicht kurz vor dem Aufsetzen die Störklappen betätigen. Und trotzdem findet die Behörde, so eine Plakette reiche, um künftige Unfälle zu vermeiden. (Und es brauchte tatsächlich einige Tote, bis man das vorzeitige Betätigen der Störklappen technisch unmöglich machte.)

        Diese Plakette könnte genausogut „Do not crash the airplane“ lauten…

        Dass es auf einem Formular ein Feldchen gibt, das *sowieso* immer angekreuzt sein muss – warum gibts überhaupt so ein Feldchen? Sonst dürfte das Rezept die Arztpraxis gar nicht verlassen.

        Eben, die Rezepte müssen angepasst werden. Es muss technisch unmöglich werden, dass ein unsinniges Rezept dem Patienten mitgegeben wird.

        *kopfschüttel* *bonk bonk* *Tische zertrümmer* *neue Tische bestell*

        Hier habe ich ein Beispiel des Rezeptes gefunden…

        http://www.bfarm.de/SharedDocs/6_Bilder/Bundesopiumstelle/T-Rezept_ausfuellen_alt.jpg?__blob=normal&v=5

        *brrrr*

      • Dein Beispielrezept ist übrigens a) das „alte“ Formular, und b) FALSCH ausgestellt. Ich sehe auf Anhieb zwei (!) retaxkritische Fehler (die ich nicht erläutern möchte, um die krankenKassen nicht auf dumme Ideen zu bringen). Um so spannender, dass es direkt von der BfArM stammt, die an diesem Rezept erläutert, wie es RICHTIG ausgestellt aussieht… *kopfschüttel*

        Das „neue“ Rezeptformular habe ich in dem Artikel verlinkt (als Beispiel natürlich).

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