Merkwürdiges Dosenfleisch

Vor kurzem habe ich eine wirklich merkwürdige eMail erhalten. Ich gehe davon aus, dass sie Spam ist, aber wirklich sicher bin ich mir dabei nicht. Daher werde ich alle Namen und Mail-Adressen ins Unkenntliche ändern. Aber vorenthalten will ich sie Euch auch nicht, und daher hier mal der Wortlaut:

Von: Max Mustershüler
An: auskunft[ät]gedankenkumpel-träumer.de
Betreff: Bitte um eine Teilnahmemöglichkeit

bitte weiterleiten an: Abteilung für Service / Kundenbetreuung

Sehr geehrte Damen und Herren,

bitte tragen Sie mich, sofern überhaupt möglich, kostenlos für Ihr aktuelles Gewinnspiel ein.

Wenn es Ihnen möglich wäre, meine Email auszudrucken und sie den anderen Einsendungen beizufügen, würde mich das sehr freuen.

Vielen Dank für Ihre Mühe.

Mit freundlichem Gruß
Max Musterschüler

Max Musterschüler
Musterschülerschulstr. 1a
78577 Musterschulstadt

Tel.: [Handy-Nummer war auch dabei]
Mail: maxmusterschüler[ät]bpk.de

Die Mail enthielt noch einen Haufen zusätzlicher Absatzzeichen, die ich allerdings entfernt habe, damit sich das scrollen in diesem Artikel in Grenzen hält.

Ich war schon dabei, eine nette aber klar formulierte Absage-Antwort zu schreiben, dass wir a) keine Gewinnspiele anbieten [1], b) keine Versandapotheke sind, daher c) ein ca. 500km entfernter Ort sicher nicht in unserem Einzugsbereich liegt, wir deshalb d) auf diese Weise bestimmt keine Kundengenerierung versuchen, und e) ich doch bitten möchte, von weiteren solchen Ansinnen abzusehen, als mir ein kleiner Fehler auffiel – in der Antwort stand folgender Kopf:

        —– Original Message —–
From: „Max Mustershüler“ <murksstation[ät]doodle.de>
To: auskunft[ät]gedankenkumpel-träumer.de
Sent: [Tag], [Datum], [Uhrzeit]
Subject: Bitte um eine Teilnahmemöglichkeit

Und nachdem ich „<murksstation[ät]doodle.de>“ gelesen habe, habe ich genauer hingeschaut.
 
  • Die unter dem Absender abgegebene Mail-Adresse weicht doch extrem von der im Abschluss der Mail angegebenen ab.
  • Der Absendername hat einen Fehlbuchstaben gegenüber dem im Abschluss der Mail angegebenen Namen.
  • Was soll denn das für eine Mailadresse sein, die ich haben soll? Das „auskunft“ stimmt mit meiner überein, das „gedanken“ stimmt mit meiner über, ja sogar das „[ät]“ und das  „.de“ ist gleich, aber der Rest meiner Mail-Adresse ist doch erheblich anders!

Eine schnelle Suche nach der angegebenen Handy-Nummer führt tatsächlich zu einem Max Musterschüler, der aber nicht in der in der eMail als Adresse genannten Musterschülerschulstr. 1a in 78577 Musterschulstadt, sondern in der Gymnasialstr. 7c in 58778 Musterschülerdorf gemeldet sein soll. Ja, Suchmaschinen sind durchaus eine erstaunliche Entwicklung…

Und nun frage ich mich: Wenn es tatsächlich eine erst gemeinte Mail ist, und die fragliche Empfänger-Mail-Adresse tatsächlich existiert, wie kommt die Mail dann zu mir? Wenn es tatsächlich eine Spam-Mail ist, was bezweckt der Versender? Es ist kein (infiziertes) JPG dabei. Keine (trojanische) PDF-Anlage wurde mitgesendet. Es befindet sich keine sichtbare Werbung in der Mail und auch keine HTML-Verknüpfung. Und bei der 3kbyte großen Datei kann ich auch kein verstecktes Java-Script oder ähnliches ausmachen. Ich finde wirklich kaum etwas Verdächtiges, von den Differenzen bei den Names- und (Mail-)Adressen-Angaben einmal abgesehen. Wenn ich den „Versender“ mit der angegebenen Mail-Adresse wirklich in ein Gewinnspiel-Verteiler eintragen würde, was hätte er bzw. der wahre Versender der Mail davon? Soll ich der BOT für eine Art eMail-Flashmob-Angriff auf fragliches Postfach werden? Was soll das Ganze nur?
 
Ich finde einfach keinen Sinn in dieser eMail außer die Archivierung in der digitalen non-magnetic-&-non-elektronic-Nirvana-Ablage.
 
Aber ein komisches Nachgefühl, dass ich irgendeinen fiesen Trick verpasst habe, bleibt.
 
————-
[1] Ich bin mir gar nicht sicher, wie das rechtlich zu sehen wäre, würden wir Gewinnspiele anbieten. Denn es gibt ein Urteil, dass die Teilnahme an Gewinnspielen nicht (unbedingt) an eine vorher zu erbringende Leistung geknüpft werden darf. Andererseits sollte derjenige, der an einem Gewinnspiel teilnehmen will, doch zumindest dem Veranstalter sagen, an welchem Gewinnspiel er teilnehmen will. Alles etwas mysthisch.
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9 Gedanken zu „Merkwürdiges Dosenfleisch

  1. Wunderbar. Wunder. Man wundert sich.

    Mein bislang kuriosester Spam?

    Ein chinesischstämmiger Absolvent der ETH Zürich (Master in Maschinenbau) suchte per Spam-Mail in meinem Unternehmen nach einem Praktikumsplatz…

    …wenn meine Statistiksoftware Zahnräder und Schräubchen hätte, dürfte er hier etwas tun. Aber leider ist er auf mein Angebot, dass sein 24/7/365-Kaffeekochdienst mit einem T-Shirt („I worked hard and all I got was this lousy t-shirt!“) entlöhnt würde, nicht eingegangen.

  2. ich denke spontan, das ganze dient zur Sammlung von RICHTIGEN Namen und Mailadressen, die man dann irgendwie weiterverwursteln kann.

    Wenn Gedankenknick dann plötzlich unter seinem richtigen Namen und Adresse V*agra – V’gra oder wie auch immer anbietet, wirkt es seriöser!

    Gut, dass Du nicht reagiert hast?

      • genau – eine Mail von der „Krankenkassenliebeapotheke“, Inhaber: Aurelius Gedankenknick (Über Google schnell nachprüfbar) wirkt erst mal seriös – auch wenn die Mail V*lium und Ci-alllis anbietet. Dass man das Geld dafür per WesternUniun nach Turkmenistan senden muss, ist ein Detail am Rande…

      • Finde ich insofern merkwürdig, da wenn die sowieso unsere korrekte Mehl-Adresse von unserer Inter-nett-Seite haben, sollten sie auch unsere richtige Anschrift und auch den korrekten Namen meines Chefs haben – muss ja alles im Impressum stehen, zusammen mit einigen anderen Angaben…

    • Och. Ich biete Benzodiazepine und PDE-5-Hemmer an. Genau wie Betablocker, Calciumantagonisten, 5-alpha-Reduktase-Hemmer und auch Wachstumshormone. Ich darf das sogar. Alles völlig legal. 😀

      Aber ich bin ein großer Freund der Selbstabholung unter Vorlage der passenden Berechtigungsscheine – und der Barzahlung. 😉

  3. Wenn die Empfänger-Adresse nicht die Deine ist und Du die Mail dennoch bekommen hast, standst Du wohl auf der BCC, eine beliebte Methode, eine Mail 200 Leuten zu schicken, ohne die Emailadressen offenbaren zu müssen („undisclosed recipients“). Wenn Deine Email-Adresse ähnlich anfängt wie jene, an die die Mail gerichtet ist, spricht das für ein Adressen-Segment eines Massenmailers.

    Vielleicht möchte jemand erheben, wieviel Glücksspielgewinne an dieser postalischen Adresse ankommen, wenn er eine solchen Emailtext über den örtlichen Spamversender an 100’000 deutsche Empfänger verteilen läßt… Muss ja nur die Adresse stimmen und am Türschild — ob da einer gemeldet ist, ist der Post – meistens – egal.

    He, moment – das könnte sich lohnen!

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