Veröffentlichung von Arzneimittellieferengpässen beim BfArM nicht erwünscht

Nach dem Desaster um die Verfügbarkeit von Grippeimpfstoffen und anderen Arzneimitteln – bzw. deren Nichtverfügbarkeit – hatte das BfArM eine tolle Idee. Lasst uns doch eine Datenbank machen, in der jeder – also jeder Bundesbürger mit Internetzugang – sofort schauen kann, was gerade nicht lieferbar ist, und wann es wieder verfügbar wird! Grandios, auf sowas habe ich als Apotheker wirklich gewartet. Und siehe da, hier gibt es so eine Datenbank Liste. Erstaunlich und bemerkenswert, was im Zeitalter der digitalen Kommunikation so möglich ist. Ich war platt! Aber als ich das System testen wollte, war ich noch viel geplätteter – und das kam so:

Ab dem 01.06.2013 starten mal wieder ein haufen neuer Rabattverträge – und die alten laufen zum heutigen Tag, also mit Mitternacht aus. Und die bin ich vor einigen Tagen Stück für Stück und Packung für Hersteller diese neuen Rabattverträge durchgegangen, um mich und mein Warenlager ein wenig vorzubereiten. Aber siehe, einige der ab morgen zu beliefernden Arzneimittel sind überhaupt nicht lieferbar! So zum Beispiel „Doxazosin Autrobindo 8mg Tabletten“ mit 20St. (N1), 50St. (N2) und 100St. (N3). Und ich gebe offen zu – ich bin sackig deswegen. Denn Aurobindo ist die einzige Herstellerfirma, die ich ab Morgen einem Versicherten der AOK Nordost, AOK Nordwest, AOK Plus, AOK Sachsen-Anhalt, AOK Baden-Württemberg – und ich vermute auch Versicherten aller anderen AOKen – liefern darf.

Nun habe ich mit meinen Großhändlern telefoniert – und siehe, durch das Telefon hörte ich eine Stimme, und diese erleuchtete mich mit den Worten: Der Hersteller hat uns gesagt, es wäre vorausssichtlich ab Mitte Juni lieferbar. Bitte? Nochmals: Die AOK hat einen Exklusivrabattvertrag für „Doxazosin 8mg Tabletten“ für ganz Deutschland mit einem einzigen Hersteller abgeschlossen, und der kann frühestens 2 Wochen nach Beginn des Rabattvertrags liefern. Kann es sein, dass ich da etwas nicht mitbekommen habe?

So ganz unbekannt kommt mir diese Situation aber dann doch nicht vor – es erinnert mich an die Situation mit dem „Metoprololsuccinat beta XYmg“ vor ungefähr 2 Jahren – wo die AOK ähnliche deutschlandweite Exklusiverträge mit der indischen „Betapharm GmbH“ abgeschlossen hatte, unter dem (geheimen) Wissen, das Betapharm erst 4 Monate (!) nach Beginn der Rabattverträge liefern könne. Den strotzdummen Apothekentrotteln kostenlosen Erfüllungsgehilfen zur Umsetzung der Rabattverträge brauchten und wollten natürlich weder die AOKen noch Betapharm ein Sterbenswörtchen davon sagen. Und einige Apotheker – mit ständiger Angst vor Null-Retaxationen wegen Nichterfüllung der Rabattverträge im Genick – taten dann einfach so, als ob sie Betapharm abgegeben hätten. Was natürlich den Hersteller sehr ärgerte – sollte er ja plötzlich Hersteller- und Rabattvertragsrabatte – also richtig dicke Kohle – an die AOKen abführen für Packungen, die noch gar nicht produziert waren. Blöde Situation aber auch! Nachzulesen ist sie z.B. hier und hier und hier und hier und hier (wo Betapharm erklärt, dass im Rabattvertrag vorgesehen war, dass die Auslieferung frühestens 4 Monate nach Beginn des Rabattvertrags erfolgt!) und hier und in vielen weiteren Artikeln….

Also habe ich mir hier das Meldeformular im PDF-Format bei der BfArM heruntergeladen, um es auszufüllen, meinem Ärger Luft zu machen, und alle anderen im Gesundheitssystem mitzuteilen, dass der Dreck das Arzneimittel nicht lieferbar ist. Aber schon das Feld Grund für Lieferengpass ließ mich stutzig werden – denn weder weiß ich den Grund, noch ist er relevant für mich. Einzig die Lieferbarkeit ist für mich relevant! Lieferbar = Gut! Nicht lieferbar = Scheiße! So einfach ist da meine Welt. Die Erleuchtung kam dann bei den „Nutzungsbedingungen“ – steht da doch wirklich allen Ernstes, dass ich

„Mit Ankreuzen des nebenstehenden Feldes und anschließendem Absenden des Formulars bestätige […], dass ich berechtigt bin für die oben angegebene Firma und Arzneimittel die Meldung zu erstatten…“

Ich dachte, ich hätte mich verlesen! Aber mit mehrfachen Lesen änderten sich die Buchstaben- und Zeichenfolgen im Formular leider nicht. Ich glaube ja nicht, dass Aurubindo mich da berechtigt, eine Meldung ans BfArM loszuschicken. Ich glaube aber auch nicht, das Aurubindo irgendein Interesse daran hat, die Nichtlieferfähigkeit überhaupt jemanden zu melden, und erst Recht nicht dem BfArM. Damit gäben sie ja zu, gegen den Rabattvertrag (betreffend der Lieferfähigkeit) zu verstoßen. Und die Apotheker könnten sich gegenüber den AOKen auf diese Meldung berufen, dass sie den Mist Artikel nicht liefern konnten. Und dann könnten die armen AOKen die bösen Apotheker nicht auf 0,00€ retaxieren, die einfach so „nicht lieferbare Artikel“ den Versicherten vorenthalten – und dabei vielleicht als Formfehler im Eifer des Gefechts vergessen, die „Sonder-PZN“ auf das Rezept zu drucken, oder den Roman handschriftlich aufzubringen, das Aurubindo zu blöde zum liefern ist leider zur Zeit nicht verfügbar sei. Das geht nun wirklich nicht…

Um mal einen Vergleich anzubringen: Das ist ungefähr so, als wenn die Polizei eine Laserblitze aufstellt, alle anvisierten Fahrzeuge anhält, und der Fahrer des „geblitzten“ Fahrzeugs dann in das Protokoll schreiben darf (und niemand anderer!), wie schnell er gefahren ist. [Dieses System hätte gleich mehrere Vorteile: 1) Die Polizei bräuchte nur noch einen Polizisten für die Blitze und nicht zwei. 2) Die Verkehrssicherheit würde steigen, weil niemand mehr zu schnell oder gar unangemessen fährt. 3) Die Laserblitzen müssten nicht mehr teuer und aufwendig gewartet und kalibriert werden.]

Für mich läßt das Vorgehen des BfArM nur einen einzigen Schluss zu: Wenn nur der Hersteller angeben darf, ob (s)ein Artikel nicht lieferbar ist oder doch, sind das BfArM und die Regierung (und damit auch krankenKassen) an einer realen und aktuellen Übersicht nicht lieferbarer Arzneimittel nicht interessiert. Aber dann kann ich mir auch so eine Datenbank Liste ersparen, und das dafür ver(sch)wendete Steuergeld lieber für Politiker-Geburtstagsparties im Bundeskanzleramt ähm neue Dienstwagen für Politiker ähm Bedienstete aus der eigenen Familie ähm Drohnen ohne Luftraumzulassung ähm – na für irgendwas anderes ganz furchtbar Wichtiges halt – rausschmeißen. Ist ja Steuergeld, gehört ja keinem.

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4 Gedanken zu „Veröffentlichung von Arzneimittellieferengpässen beim BfArM nicht erwünscht

    • Ja, so ein Ministerium hat halt unter anderem die Aufgabe, die Großen, Mächtigen und Wichtigen vor den unsinnigen Ansinnen der kleinen und bedeutungslosen „Lohnsklaven“ zu beschützen, in dem Probleme einfach „weggezaubert“ werden, die per Definition nicht aufzutreten haben. Und wie man sieht, geht das wunderbar…

      • Und die Apotheker sind die Hauselfen, die ehrfürchtig zu den Oberzauberern Spahn, Bahr, Bender, Rösler, aber auch Baas und Herrmann aufschauen und deren Speichel lecken dürfen…

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