Notdienst(vergütung) – ein aktuelles Beispiel

Immer wieder finden Leser über Search-Engines betreffend der Notdienstvergütung der Apotheken auf meinen Blog. Deshalb habe ich einmal einen Sonn- bzw. Feiertagsdienst, den mein Chef vor einiger Zeit geschoben hat, statistisch ein wenig ausgewertet und möchte das Ergebnis mal als Übersicht präsentieren, damit auch der „Nichteingeweihte“ nachlesen kann, was so ein Dienst bedeutet. Es sei vorweg genommen, dass mein Chef nicht direkt bei der Apotheke „um die Ecke“ wohnt – und ich erst recht nicht. Da aber eine „Reaktionszeit-Spanne“, also der Zeitraum, in dem man nach der Betätigung der Notdienstklingel beim Notdienst-Fordernden sein muss, von 5min bis 10min (je nach Bundesland) reicht, muss mein Chef halt die ganze Zeit über anwesend sein. (Der Notdienst-Erwartende geht natürlich davon aus, dass man die ganze Zeit hinter der Notdienstklappe lauert, nur um sofort und unverzüglich ihn zu beglücken ihn zu bedienen ihm zu helfen. Dass man selber auch mal einen Happen essen – oder gar den gegessenen Happen zur Toilette tragen – möchte, stößt gewöhlicherweise auf Unverständnis.[1])

Also, hier mal ein Zeitablauf, wie so ein „Rund-um-die-Uhr-aber-kein-Werktag-Dienst“ einer Apotheke aussieht:

  • 07:45 – 08:00 Eintreffen an der Apo-Theke; Hochfahren der Technik (die Computer und auch der eventuell vorhandene Komissionierautomat brauchen halt so ihre Zeit bis zur Betriebsbereitschaft) [Mit etwas Glück rüttelt schon der erste Dienstsuchende um 7:50 an der Tür, aber das war diesmal nicht so.]
  • 08:00 – Dienstbeginn
  • 10:00 – 11:00 – Das erste Notdienstrezept kommt rein, von einem der lokalen Kinderdoks, die auch Dienst schieben; weiterhin 1x Paracetamol und Nasenspray, die üblichen Verdächtigen „Notdienst-Kandidaten“; und dann noch zwei recht starke Schmerzmittel auf einem Notdienstrezept des diensthabenden Arztes
  • 11:00 – 12:00 – 4 Notdienst-Rezepte vom Kinderdok und 2 sonstige Notfälle (1x Kopfschmerzen; 1x akute Bindehautenzündung)
  • 12:00 – 13:00 – 1 Notdienst-Rezept vom diensthaben Arzt mit Antibiotikum und 3 sonstige Notfälle (1x grippaler Infekt; 1x Zahnschmerzen; 1x Kopfschmerzen) schön gleichmäßig über die Stunde verteilt. Das Mittagessen ist in der Zwischenzeit zwei mal kalt geworden.
  • 13:00 – 14:00 – alle Notfälle machen Mittagspause, und man selber kann sich seinem in der Zwischenzeit zum dritten mal aufgewärmtem Essen widmen
  • 14:00 – 15.00 – 2x Kopfschmerzen
  • 15:00 – 16:00 – 1x Anti-Zecken-Produkte; 1x medizinische antibakterielle Mundspülung
  • 16:00 – 18:00 – nichts
  • 18:00 – 19:00 – 1x Zahnschmerzen
  • 19:00 – 21:00 – nichts
  • 21:00 – 22:00 – 1x Notdienst-Rezept vom diensthaben Arzt mit Antibiotikum
  • 22:00 – 07:00 – nichts
  • 07:00 – 08:00 – 1x was gegen Läuse
  • 08:00 – der normale Werktag beginnt

(Zwischendurch macht man dann ein wenig Bürokratie-Abarbeitung, blättert unkonzentriert in Büchern, schaut ein wenig Fernsehen und kann sich kaum auf etwas richtig konzentrieren, denn wenn man das macht, läutet die Notdienst-Glocke – und nachts schläft man nur mit einem geschlossenen Auge, immer mit dem, Gefühl im Nacken, man könnte einen Patienten „verpassen“. Erholung geht anders.)

Das heißt, in 24 Stunden 19 Patienten. Davon 5 zuzahlungsbefreite Rezepte, 2 Rezepte mit Zuzahlung, 1 Privatrezept und 8 Leute, die ohne Rezept da waren (was ja auch völlig ok ist).

Aber kommen wir mal zur finanziellen Seite. Die Notdienstgebühr (2,50€ incl. MwSt.) wird nicht – wie unsere Politik immer so nett behauptet – pro Verordnungszeile oder pro „Kaufartikel“ erhoben, sondern maximal 1x pro Patienten. Da hätten wir also auf der „Haben“-Seite:
+ 360,38 € -> Warenumsatz gesamt (alles 19%MwSt.)
–  007,11 € -> Auf-/Abschläge, KK-Rabatt (Apotheke), Nutzenbewertungsrabatt
–  047,50 € -> 19x Notdienstgebühr (2,50 € incl. 19% MwSt.)
————–
+ 305,77 € -> Warenumsatz bereinig (alles 19% MwSt.)
–  048,82 € -> Anteil MwSt (19%)
————–
+ 256,95 € -> Warenumsatz brutto

Nehmen wir nun an, eine Apotheke würde tatsächlich die vom Finanzamt (und verschiedenen Wirtschaftsprofessoren) unterstellten 35% Spanne erwirtschaften [2], dann wäre:
+ 256,95 € -> Warenumsatz brutto
–  190,33 € -> Wareneinsatz brutto
————–
066,62 € -> Rohgewinn am Wareneinsatz

Und damit wäre der Rohertrag von 24 Stunden Notdienst
066,62 € -> Rohgewinn am Wareneinsatz
039,92 € -> Notdienstgebühr (ohne 19% MwSt.)
————–
+ 106,84 € -> Rohertrag gesamt (4,45 €/h)
========

Von diesem 4,45€/h gehen allerdings noch Betriebskosten ab. Wasser, Strom (Computer, Kühlschränke), Heizung/Klimaanlage, Gewerbesteuer, Mitgliedsbeitrag bei Innungs- & Handelskammer, Mitgliedsbeitrag bei Apothekenkammer, Berufs-Versicherungen usw. Und was davon übrig bleibt, darf mein Chef dann noch einkommensversteuern, seine privaten Versicherungen bezahlen, und leben will er davon auch noch. [3]

Nehmen wir nun an, für diesen Notdienst hätte es die Notdienst-Pauschale von 220€ (mit 19% MwSt.?!) gegeben. Dann sähe die Rechnung so aus:
066,62 € -> Rohgewinn am Wareneinsatz
039,92 € -> Notdienstgebühr (ohne 19% MwSt.)
+ 184,87 € -> Notdienstpauschale (ohne 19% MwSt.)
————–
+ 291,41 € -> Rohertrag gesamt
========

Das hört sich jetzt schon viel besser an. Denn es sind tatsächlich 12,14 €/h! Wie gesagt, es handelt sich mitnichten um den Bruttolohn, sondern um den Rohertrag, von dem noch ein Haufen Kosten abgehen. Und nun frage sich jeder einmal, ob davon ein approbierter Apotheker für diesen Dienst angestellt werden könnte.

Wenn also die krankenKassen und die Politik behaupten, der Apothekennotdienst sei sowohl durch die Notdienstgebühr als auch durch die (noch gar nicht vorhandene) Notdienstpauschale „abgegolten“, also komplett und gar doppelt komplett gegenfinanziert, dann ist das schlicht Tatsachenverdrehung. Und dann möchte ich – nur so zum Vergleich – den ausgerechneten Brutto-Stundenlohn eines Kassen-Vorstandschefs sehen, im Zusammenhang mit seinen 24-Stunden-Notdiensten am Hotline-Hilfe-Telefon der von ihm vorgestandenen krankenKasse – im Dienst seiner Versicherten.

Nun habe ich persönlich neulich den Kundendienst eines großen Elektrogeräteherstellers rufen müssen, weil die Waschmaschine kaputt war – blöderweiser außerhalb der Garantie. Und nun ratet mal, was mir da als Stundensatz für den Monteur (also unabhängig von allen Ersatzteilen) auf die Rechnung geschrieben wurde von dessen Chef – 80€/h. (Dem Menschen sei es gegönnt, denn die Maschine läuft wieder.) Aber das war nicht im Notdienst. Und der musste keine 24 Stunden am Stück bereit sein. Das war an einem ganz gewöhnlichen Werktag, die Sonne schien, und ich habe frei genommen, um zu Hause sein zu können, wenn der Monteur vorbeischaut. 

Daraus folgere ich, dass eine Werktag-Arbeitsstunde eines Monteurs das 7-20fache einer Notdienst-Stunde eines aprobierten Apothekers an einem Sonn- oder Feiertag wert ist. Und, wer hätte das zu Anfang des Artikels gedacht?

——————————-
[1] In diesem Zusammenhang ist es sowieso unverständlich, wieso die ApoBtrO nicht fordert, dass der notdiensthabende Apotheker einen Eimer bei der Notdienstklappe zu stehen hat – zum sich darauf setzen.
[2
] Tatsächlich rechnet eine Apotheke heutzutage mit einer durchschnittlichen Spanne (über das gesamte Sortiment gerechnet) von 10% bis 25%. Wie sich das auf die obigen Zahlen auswirkt, darf jeder selber ausrechnen.
[3] Und wenn davon noch was übrig bleibt, finanziert er damit Yacht und Jagd. (Und Porsche.) Oder so.

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16 Gedanken zu „Notdienst(vergütung) – ein aktuelles Beispiel

  1. Immerhin konnte er schlafen.

    Das beschämte Pärchen, das um 2:00 Uhr die „Pille danach“ haben will, mit Hinweis auf die Verschreibungspflicht wieder weggeschickt werden muss und um 3:15 MIT Rezept vom Notdienst habenden Arzt (Vermerk des Arztes: „Pille danach“, ja, genau so, in Anführungszeichen) wieder auftaucht, das war an diesem Tag offenbar nicht unterwegs.

    Und die Partyheimkehrer, die es cool finden, den Apothekennotdienst dazu zu nutzen, um halb vier Uhr morgens fix etwas gegen Kopfschmerzen einzusacken, haben auch eine andere Route gewählt.

    In vielen Dorfapotheken wohnt der Apotheker noch immer in (s)einer Wohnung über den Apothekenräumen und steht in zwei Minuten (im Morgenmantel) in der Offizin. Ich glaube, anders als mit quasi-unvergüteter Eigenleistung sind 30 oder mehr Notdienste jährlich überhaupt nicht zu leisten.

    • Ja, das mit den „irren“ Nachfragen hat zumindest in den letzten Jahren etwas nachgelassen. Hat man aber auch regelmäßig immer wieder.

      Das mit dem Morgenmantel haut ja auch so hin – das Notdienst-Bett steht in den Apothekenbetriebsräumen. Er kann ja nicht nach Hause zwischendurch.

      Und die unvergütete Eigenleistung habe ich grade versucht darzustellen. Selbst MIT Notdienstpauschale läuft das unter „unvergütete Eigenleistung“. Und wer was anderes behauptet, der weiß, dass er lügt (oder hat wirklich KEINE Ahnung. Oder beides.)

    • Hab ich auch den Verdacht. Aber ich glaube nicht, dass die Waschmaschine was über die Nebenwirkungen von Anti-Kalk-Tabletten erzählt bekommen will. Und wenn ich so ein guter Schrauber wäre, hätte ich sie ja wohl alleine (und ohne 80€/h) repariert… Keine gute Qualifikation bei einem Bewerbungsgespäch…

      • Ja gut, ich befürchte auch, dass so ein Monteur nicht mal die Hälfte von Dir im Monat verdient

      • Ich denke, ich habe in der Diskussion den „Endverdienst“ – meinen, den meines Chefs, und auch den des Monteurs (Wie viel der letztendlich auf dem Lohnstreifen hat weiß ich nicht, ich habe ihn nicht gefragt.) – mit Absicht ausgeklammert. Denn darum geht es gar nicht.

        Es geht mir darum, allen Lesern einmal aufzuzeigen, was für ein finanzielles Desaster so ein 24-Stunden-Notdienst für den „Wirtschaftsbetrieb Apotheke“ darstellt, im Zusammenhang mit der sozialen Sinnhaftigkeit dieses Dienstes (man schaue auf die Kinderdok-Rezepte, die Antibiotika, die schweren Schmerzmittel), aber auch im Zusammenhang mit der „Wertschätzung“ durch Politik und den krankenKassen.

        Denn letzthin hat dieser Dienst den krankenKassen mehrere Tausend € gespart – zumindest die zwei Patienten mit Antibiotika und der Patient mit den zwei schweren Schmerznmitteln wären für mindestens 2 Tage stationör aufgenommen worden im Krankenhaus. Dafür 7,50€ auszugeben scheint allerdings zu viel verlangt – und eine Notdienstpauschale sowieso. (Auch immer vor dem Hintergrund des „Totsparens de Apotheken“ durch die krankenKassen und die Politik und der daraus resultierenden nicht mehr vorhandenen Mischkalkulation.)

        Um es nochmals klarzustellen. Ich will hier keine Neiddebatte. Ich will zeigen, was so ein Notdienst bedeutet. Nämlich einen „vergeudeten“ gesetzlichen „Frei“-Tag, der in keinster Weise angemessen entlohnt wird – weder finanziell noch mit Anerkennung. (Und wer sich noch nie anhören musste, was für ein Schwein man sei, weil man für die im Notdienst um 22.00 Uhr dringenst benötigte Packung Taschentücher zu 0,75€ auch noch 2,50€ Notdienstgebühr dazu verlangt, der kann das vielleicht nach Lesen dieses Artikels ein wenig nachvollziehen.) Denn letzthin würde mein Chef – und ich auch – an so einem Tag auch gerne FREI haben. Da fragt aber wirklich KEIN Mensch nach – auch nicht die Gewerkschaften (die auf eine Sonder-Zusatz-Entlohnung bestehen, wenn diesen Dienst eben nicht der Chef, sondern ein Angestelter macht).

      • Ad Benny: was verdient ein Monteur im Monat? Ein Vollzeit Apothkerin verdient bei einer 40Std. Woche bei über 13 Berufsjahren nach Tarif so ca 3700,00€.
        Nicht eben irre, oder?

      • Es fehlt das Wort „Brutto“. Es sind ca. 3.700 € brutto – nicht netto. Nur damit der gute @Benny das nicht falsch versteht…

      • Ein typischer selbstständiger Handwerksmeister trägt, wie ein Apothekenleiter, unternehmerisches Risiko, hat entsprechend auch abseits ähnliche Probleme (kein geregelter „Feierabend“, keine auf Lohnpfändung abgesicherte Konsumentenkredite, keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, …), gehört aber im Gegensatz zu jenem nicht zum Hochpreisklientel, das von Banken und Versicherungen gerne umworben wird (eine Handwerkerbank mit kostenloser Kontoführung?). Ein Handwerksmeister, der weniger als 50€ Nettostundenlohn verlangt, arbeitet nicht kostendeckend. Und sollte er Mitarbeiter haben, darf er die auch nicht günstig zum Kunden schicken: Von irgendwas müssen Werkzeuge, schwerere Maschinen in der Werkzeughalle und die Außendienst-Fahrzeuge abbezahlt werden.

        Klar gibt es schwarze Schafe. Eine Türöffnung für 300€ um 18:30, die in 20 Sekunden durch ist, ist Abzocke. Aber der Tischler, der Dir für Deinen Esszimmertisch 2’000 Euro kalkuliert, obwohl der „nur aus Holz“ ist, hat sich, je nach Tisch, womöglich nicht verrechnet. 🙂

        Von den Handwerkern, die ich kenne, ist keiner reich geworden. Auch die nicht, die 5-10 Angestellte haben.

        Das nur um die Spannungen zwischen Benny und Knicks ein wenig herauszunehmen: An der Problematik der Mischkalkulation für die unrentablen Notdienste und der offenbar nicht vorhandenen Interessensvertretung, die ja gar nicht herumflunkern, sondern nur die Fakten darlegen müsste, ändert das nichts.

        Gibt es irgendwo (idealerweise bundesweit erhobene und statistisch verwertbare) Zahlen zum Notdienstgeschäft? Es gibt auch Apotheken, die im Notdienst auf über 100 Kundenkontakte kommen können – wäre schade, wenn die Argumentation durchdringt, aber von einem Politiker mit einem solchen Gegenbeispiel, das möglicherweise weit vom Median entfernt ist, beiseite gewischt wird.

      • 1) Apotheken gehören zum „Hochpreisklientel von Banken“? Werden von Versicherungen „umworben“? Aus welcher Zeit stammt der Spruch denn? 1970? 1990? Wir haben 2013! Kostenlose Betriebskontoführung für Apotheken? Welche Bank bietet das? Bitte mal verraten, dann denke ich über einen Bankwechsel nach. Es gibt in der Zwischenzeit (kleine)Apotheken in Großstadt, denen wird von der Hausbank der Dispo-Kredit für Arzneimittel wie „Glivec“, „Revlimid“ oder „Humira“ verweigert – alles „Hochpreiser“, wo man jetzt sofort 4.300€ – 8.300€ Einkaufspreis (plus MwSt.) bezahlt, 3% Aufschlag hat, die Zahlung erst 2 Monate später erfolgt, und das Rezept 1,5 Jahre lang hoch Retaxgefährdet (über die volle Summe, also bis zu 10.000€) ist. Das wissen die Banken, und zwingen Apotheken zu Gesetzesverstößen (Verweigerung des Kontrahierungszwangs). Das ist Apotheke 2013.

        2) Ein Handwerksmeister, der weniger als 50€ Nettostundenlohn verlangt, arbeitet nicht kostendeckend. Ich bekomme 6€ für eine Rezeptur, egal ob sie 15, 30, 60, oder 180min dauert. Vor- und Nacharbeiten (komplizierte Protokolle gemäß aktueller ApoBtrO) werden sowieso nicht berücksichtig. Wie war das mit „kostendeckend“? Nachtrag (damit es nicht falsch rüber kommt): Ich habe definitiv nichts gegen eine kostendeckende Bezahlung von Handwerkern. Ich hätte selber aber auch gerne eine kostendeckende Bezahlung, wenn man mir schon die Mischkalkulation WEGNIMMT, mit der immer noch argumentiert wird.

        3) Von den Handwerkern, die ich kenne, ist keiner reich geworden. Auch die nicht, die 5-10 Angestellte haben. Du kennst keinen. Frag mal Apotheker, die in den letzten 3-5 Jahren ihre Theke neu eröffnet haben, wie es da mit „reich“ aussieht. Reich an Erfahrung vielleicht. Die letzten „reichen“ Apotheker dürften die sein, die ihren Laden schon lange abbezahlt haben, und die noch parrallel ein Altenheim besitzen und sowas. (Oder die, die vor 3-5 Jahren ihren Laden noch verkaufen konnten und wollten.)

        4) Gibt es irgendwo (idealerweise bundesweit erhobene und statistisch verwertbare) Zahlen zum Notdienstgeschäft? Maximal durch die Apotheken selbst – ohne Schwierigkeiten für die Politik nachzuprüfen via Finanzamt (Umsatz, Gewinn) – so wie auch die gesamten Apothekenzahlen. Hinzu könnte man noch die Industrie nehmen (Packungszahlen). Aber Apotheken legen NIE NIE NIE valide Zahlen vor! (O-Ton krankenKassen und Politik) Die Krankenkassen berechnen ihre Arzneimittelgesamtausgaben übrigens in ihren Statistiken ohne Abzug des des Apothekenabschlags, des Herstellerrabatts und des Rabattvertragsrabatts. Retaxationen werden nicht ausgewiesen. Umsatz wird als Gewinn (bei den Apotheken) betrachtet. Jaja, valide Zahlen…

        5) Es gibt auch Apotheken, die im Notdienst auf über 100 Kundenkontakte kommen können… Jaja, in Großstadt. Da haben Apotheken auch einen Dienstturnus von 21-24 Tagen. Und dann geht man (vielleicht) mit +-0€ aus dem Notdienst. Aber in Kleinstadt (Dienstturnus alle 12-15 Tage) oder in Kuhdorf (alle 5-7 Tage), da werden sicher in jedem Dienst 100 Patienten mit richtig leckeren Antibiotika-Rezepten aufschlagen. Ganz sicher. Hier werden bewußt Äpfel mit Birnen verglichen – und OH WUNDER – die überreifen Birnen schmecken süßer als die grünen Äpfel.

        Die hämische Vorderung nach validen Zahlen, alle paar Wochen wiederholt, seitens krankenKassen und Politik – valider als die ABDA-Zahlen geht es nicht. Die ABDA hat nie zu lügen gelernt! Und das wissen Politik und Kassen ganz genau! Was soll ich sagen?

  2. Daß ich den falschen Beruf habe, wurde mir schon vor Jahren von einer Gesundheitspolitikerin bestätigt……
    Ich persönlich Träume von einer Notdienstklingel, die erst tut, wenn man seine 2,50 € eingeworfen hat und einer Notdiensttelefonnummer, die ebenso für jeden Anruf min. 1€ kassiert.
    Ansonsten gibt Dein Bericht auch wieder, was so in Großstädten im Notdienst läuft (bei mir die Erfahrungen aus Stuttgart). Ähnlich trostlos sieht es bei den Diensten unter der Woche aus. Fünf-sechs Leutchen bis Mitternacht und dann, wenn man richtig viel Glück hat, einer um zwei und einer um vier……und ein Anruf mit der hochintelligenten Frage, ob man denn Dienst hätte („Nein, ich kann mir keine eigene Wohnung mehr leisten/habe Ehekrach/Wasserschaden und übernachte freiwillig in der Apotheke.“ – ich schwöre, eines schönen Tages werde ich genau das antworten!!!)
    Bitte nicht falsch verstehen, für alle nicht Pharmazeutischen Mitleser: ich mach (gerne, naja, ich will nicht übertreiben) Notdienst, ich wußte, als ich in die öffentliche Apotheke ging, daß das ein notwendiger Teil meiner Arbeit ist. Und bei echten Notfällen helfe ich auch gerne. Nur möchte ich, wie jeder für meine Arbeit auch entlohnt werden.
    Gruß aponette

    • Ich sehe den Dienst auch als „notwendiges Übel“, und als „sozial dringend sinnvoll“, auch in Hinblick auf die Kostenvermeidung durch begrenzt sinnvolle Krankenhausaufenthalte.

      Aber das es wirklich kaum (oder auch gar keine) Anerkennung dafür seitens Politik und krankenKassen gibt, sondern nur Spott, Häme und Anfeindungen durch die Medien verbreitet werden, unreflektiert und als einseitige Berichterstattung, das ist mehr als traurig. Aber das Bild des „stinkreichen Apothekers“ wird sich – den Politikern, Medien und krankenKassen sei Dank – noch viele Jahre in Deutschland halten. Und der Witz ist: Wenn es erst einmal Apotheken-Ketten gibt, und so ziemlich alle öffentlichen Apotheker nur noch angestellt arbeiten und kaum noch was verdienen, dafür aber nicht mehr unabhängig beraten (siehe GB, Schweden), der Gewinn dann aber bei den Firmenvorständen landet, und diese dann auch eine ganz andere Verhandlungsposition gegenüber den krankenKassen und der Politik haben (man sehe sich mal OPEL, Holzmamm, HochTief usw. an), ja DANN wird es dem Apotheker vor Ort auch egal, ob er Sonntag vormittag nochmal (auch ohne Dienst) zur Apotheke latscht, um das dringenst benötigte Medikament rauszugeben, was sonst erst Montag abzuholen wäre. Wer A fordert, sollte sich nicht über den Erhalt des kausalen B wundern – aber diese Erkenntnis ist eine der schwersten im Leben. Leider.

      • „Aber das es wirklich kaum (oder auch gar keine) Anerkennung dafür seitens Politik und kranken Kassen gibt, sondern nur Spott, Häme und Anfeindungen durch die Medien verbreitet werden, unreflektiert und als einseitige Berichterstattung, das ist mehr als traurig. Aber das Bild des “stinkreichen Apothekers” wird sich – den Politikern, Medien und krankenKassen sei Dank – noch viele Jahre in Deutschland halten.“ schreibst Du.Als fachfremde,aber interessierte und mitlesende Leserin stellt sich mir allerdings die Frage,ob es der richtige Denkansatz ist.Wem nützen Schuldzuweisungen,Frust und dieser wohlgemeinte Blog,wo es eher darum gehern sollte,eine BREITEÖffentlichkeit zu schaffen!? Keine Frage, seit dem ich hier regelmässig reinschaue,habe ich eine Menge gelernt über das Gesundheitssystem, die Arbeitssituation für Apotheker und anderes Wissenswertes.Es hat mich zum Denken und N a c hDenken angeregt, Selbstverständliches hinterfragt und mich aufmerksam und neugierig gegenüber der Thematik des Blogs gemacht. Diese Chance auf Wissens-erwerb und Innitierung von Denkimpulsen würde ich gerne dort verortet sehen,wo er meiner Meinung nach hingehört:Nach „draußen“ und nicht in einen geschützen Blograum,in dem der Leserkreis vermutlich mehr oder weniger aus dem Fachgebiet zugehörigen bzw.interessierten Menschen besteht oder denjenigen,die mehr oder weniger aus Zufall auf den Blog gestossen sind.Aufklärung innerhalb eines geschlossenen Raumes rennt offene Türen ein,vermeidet in der Regel den kritischen Dialog aber, ohne Frage ebenso von Bedeutung,schützt natürlich vor unabsehbaren Fol- gen.Wäre es nicht auch ein wichtiger Gedanke,zu überlegen,wie man das Ganze auf einen breiteren Fuß stellen kann,damit Aufklärung über Zustände insbesondere einem dient: Als Beitrag zur K l ä r u n g!

        viele Grüße,
        Apothekenumschau

      • Dieses in eine breite Öffentlichkeit zu tragen und die Medien zu einer differenzierten Darstellung zu bewegen wäre Aufgabe der ABDA (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände), des DAV (Deutscher Apotheker Verein) und der BAK (BundesApothekerKammer). Von allen drei Seiten hört man seit Jahren – nichts. Und so wird es wohl auch leider bleiben, denn die ABDA hat ja keinen Pressesprecher…

        (Als Gegenstück und Beispiel, wie so etwas besser funktioniert, seien hier einmal die KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) und Herr Dr. Montgomery vom Marburger Bund genannt. Und auch damit sind nicht alle Ärzte glücklich. Aber es wird zumindest ein positives Image propagiert – auch in der Presse.)

        Andererseits sage ich mir: Jede(r), der hier mitliest, trägt (vielleicht) zur Verbreitung des Blogs bei. Und über die Suchanfragen kommen durchaus auch Leute hier vorbei, die vermutlich sehr anderer Ansicht sind als ich, und die leidlich erstaunt meine Artikel lesen werden (oder sofort wieder wegklicken, man weiß es nicht). Trotzdem denke ich: Dieser Blog ist besser als den Frust immer nur in sich hineinzufressen – und wenn auch nur ein kleiner – so doch (hoffentlich) ein Schritt in die richtige Richtung. Zumindest für mich.

        Dass die „großen Medien“ dessen Lied singen, dessen Brot sie essen, werde ich aber auch dann nicht ändern, wenn ich mich mit einem Schild vor meine Apo-Theke (oder auch vor den Bundestag) stelle. Frau Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat höchstpersönlich eine Unterschriftensammlung mit 7 Millionen Unterschriften (ca. 9% der Gesamtbevölkerung Deutschlands!) gegen die Einführung des Versandhandels ignoriert. Keine Zeitung, kein Medienmagazin, kein Journalist hat aufgeschrien. Aber alle verkündeten die Weise Entscheidung für den Versandhandel in groß und fett gedruckten Lettern. Zeichnet sich seit damals eine Tendenz ab?

  3. Bin seit nicht ganz einem Jahr nicht mehr im aktiven Apotheken-Berufsleben
    (war selbständig) und habe jetzt Zeit, Ihren Blog zu lesen. Ich freue mich sehr darüber, wie treffend Sie das tägliche Apothekenleben beschreiben, mit all dem Ärger über die unnötige Bürokratie, die ökonomischen Engpässe, die unverdiente Medienschelte, aber auch über die schönen Seiten unseres Berufs. Ich hoffe sehr, daß möglichst viele Ihren Blog lesen!
    Beste Grüße
    Gastleserin

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