Alle Jahre wieder…

…werden höchstpolitisch grüne Apothekenketten gefordert. Nein, nicht etwa, dass eine Kette der „Grünen Apotheke“ gefordert wird, welche Herr Ernst Christian Friedrich Schering als Ausgangsbasis für seinen späteren Welterfolgskonzern benutzte, bevor selbiger 2006 mit der Bayer AG verschmolzen wurde. Nein, die Partei Bündnis 90 / Die Grünen, in diesem speziellen Fall Herr Trittin, fordert – wie alle Jahre mehrmals – den Fall des Apotheken-Fremdbesitzverbots und die Freigabe des Marktes für Apothekenketten. Ah ja. Gut zu wissen. Tolle Idee. Habe ich ja auch immer wieder, wenn mir sonst gerade nichts besseres einfällt. Oder?

Nee.. Moment! Die Grünen? Diejenigen, die für kleine Strukturen sind, für Frauenarbeitsplätze vor Ort, für´s Kinderkriegen, für selbstgemachte Strickwaren, für kurze Wege – am besten mit Elektro-Fahrrad statt mit dem Elektro-Auto – für Solarenergie und gegen Atemkraft Atomkraft, für Bäume und Wale und Delphine und Mopsfledermäuse und für Öko an sich? Ja, genau die. Wie kommt das bloß?

Tja, wie kommt das? Fangen wir mal mit dem offensichtlichten an: Im Wahlkreis von Frau Birgit Bender, welche sich ja schon seit langem für Apothekenketten stark macht, hat der Stuttgarter Pharmahändler & Apotthekenkettenspezialist Celesio seinen Sitz. Dass Celesio seit Jahr und Tag an der eigenen Apothekenkette in Deutschland arbeitet, und schon mehrere Ketten im Ausland betreibt, hat sicher nichts mit Frau Benders Ambitionen zu tun. Aber damit nicht genug. Auch dass der damalige Celesio-CEO Dr. Fritz Österle immer wieder mit dem Grünen anbändelte und Voträge hielt, ist sicher reiner Zufall. Und dass Frau Bender sich für DocM als Kette unter der Regie Celesios stark machte, ist sicher mit keiner Silbe erwähnenswert. Dass aber Celesio einen ehemaligen Shooting-Star der Grünen als Lobbyistin in sein Boot geholt hat, hat sicher nichts mit der politisch-strategischen Beeinflussung der Politik zu tun, sondern eher mit ihrer Sachkenntnissen in Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Psychologie. Logisch.

Aber fragen wir uns noch einmal kurz, wofür diese Partei eigentlich so steht. Frauenpolitik durchzieht als Querschnittsthema das gesamte Programm von Bündnis 90/Die Grünen.“ [Wiki]. Hmmm. Da ist die niedergelassene Apotheke sicher ein Hassobjekt schlechthin, mit ca. 70-90% Frauenquote, Stellen für hochquallifizierte Arbeitnehmer, flexibel und oft in Teilzeit, daher besonders kinderfamilienfreundlich, tarifgebundene und ziemlich sichere Stellen? Ja, sowas kann man nicht wirklich wollen. „Die Globalisierung wird, zumindest in ihrer tatsächlichen heutigen Form, negativ beschrieben…“ [Wiki]. Hmmm. Und deswegen globalisiere ich kleine Strukturen, deren Steuerabgaben den Gemeinden direkt vor Ort zugute kommen, die Arbeitsplätze direkt vor Ort schafft, deren Reinvestitionen der Gewinne durch den Inhaber meist direkt vor Ort erfolgt – ja erfolgen muss, und deren Inhaber sich meist vor Ort engagiert?

Was nun wirklich passiert, wenn man Ketten einführt, kann man sich in Norwegen anschauen, wo es kaum noch eine unabhängige Apotheke gibt, oder auch in Schweden, wo die Ketten in der Zwischenzeit Zusatzgeld für den Erhalt von Landapotheken von der Regierung einfordern oder eben mit Schließung jener Apotheken drohen, und diese Forderung in der Zwischenzeit auch politisch umgesetzt wurde.

Auch in Großbritannien sind Apothekenketten bekanntlich das Maß aller Dinge. Ich kenne rein zuufällig selbst einen Arzt, der dort regelmäßig als Notarzt gut bezahlte Wochenenddienste ableistete. Sein Kommentar war: „Und wenn man da am Freitag Nachmittag eine bestimmte Sorte Augentropfen braucht, wird einem in der Apotheke gesagt `Ham wa nich!´. Und wenn man fragt, wann die denn kommen `Kriegen wa nich!´“ Ja und was ist da los? Das Zauberwort heißt Vertikalisierung. Man verkauft prinzipiell nur Produkte (und da zählen auch Arzneimittel dazu), die von eigenen Brötchengeber produziert und zwischengehandelt wurden. So verdient der Brötchengeber gleich 3x am Produkt, der Verbraucher aber schaut in die Röhre, weil Monetik bei einem Großkonzern halt verdammt  leicht über Ethik anzusiedeln ist. (Und das ist bei einem Kleinunternehmer – im Gegensatz zu Aussagen der Monopolkommission [1] – eben doch etwas anderes.)   …

Nun, Herr Trttin, ist das so auch für Deutschland geplant? Dass die Ketten dann Zusatzgeld fordern unter der Androhung, die Versorgung völlig zusammenbrechen zu lassen, und dieses dann auch erhalten? Mit Großkonzernen verhandelt man halt lieber, gedenken wir an dieser Stelle mal der Holzmann AG, deren staatlich geförderte Insolvenzverschleppung vielen Kleinunternehmern den die Existenz gekostet hat – denn mit 4,3 Mrd. DM Staatsbürgschaften im Rücken kann man Aufträge zu Preisen annehmen, die kein Handwerksmeister mit 3 Angestellten anbieten kann. Oder welche deutsche Apotheke hat bisher beim Finanzamt 2,4 Mrd. DM „unentdeckte Altlasten“ angegeben?

Ja, es ist langweilig, dass ich immer wieder das selbe feststelle, aber Fakten bleiben nun einmal Fakten. Doch wir können auch im eigenen Land schauen, was so passiert, wenn eine Kette plötzlich und völig unerwartet gegen die finanzielle Wand gewirtschaftet wurde. Arbeitsstellenabbau, keine persönliche Haftung des Firmenbesitzers für risige Schuldenberge, die er sowieso von sich aus nicht mehr stemmen kann, Ausbeutungsstrategien über Unterfirmengruppen und Neueinstellungen der Arbeitnehmer in die neu gegründete Untergruppe zu schlechteren Lohnbedingungen, usw. usw. Erstaunlicher Weise bei diesem Fall auch hauptsächlich Frauenarbeitsplätze. Übrigens „Hire & Fire“ war bei der oben angesprochenen Drogeriemarktkette Gang und Gäbe. Und die „pharmazeutisch sachkompetente Angestellte“ habe ich, wenn ich so einen Laden mit Angebot an nichtapothekenpflichtigen Arzneimitteln mal aufgesucht habe, auch nicht gefunden. Nun ja, ich habe wohl nicht genug gesucht. Und dass auf einen Schlag tausende Arbeitsplätze hin sind – die sich für den Insolvenzverwalter mit „Aussicht auf Rettung des Arbeitsplatzes“ anschließend noch schlecht bezahlt den Rücken krumm geschuftet haben, bevor das ganze Konglomerat dan doch endgültig abgewickelt wurde, hat letzlich kaum ein Schwein interessiert – von den Ex-Angestellten einmal abgesehen.

Ja, so stell ich mir die schöne neue Welt der Apotheken vor. Und glauben Herr Trittin und Frau Bender wirklich, dann wird alles billiger? Oder wird da doch geglaubt, dass dann die Kapitalisierung der Erträge in die Taschen der Geldgeber und Protegés fließt? Glauben die Grünen denn wirklich, dass der Spitzenverband der krankenKassen mit zwei Ketten ein leichteres Verhandlungsspiel hat als mit einem schwachbrüstigen Apothekerverband, der 17.000 Einzelkämpfer repräsentiert?

Was so alles mit Apotheken im Fremdbesitz passiert, findet man übrigens hier. Die werden hin und her ge- und verkauft, je nach Portfolio- und Investmentgesinnen des Finanziers und Gewinnabziehers derzeitigen Mutterkonzerns. Die Manager steigen ein und aus, dass man denkt, so eine Versand- und Kettenapotheke wäre ein innerstädtischer Linienbus. Natürlich bekommen alle ein dolles Gehalt und eine super Abfindung – also alle Manager. Und wenn das ganze mal nicht so läuft, ist die GmbH eben insolvent. Stört letzhin nur den Arbeitnehmer. Ach was, das sind alles nur Spezial- und Sonderfälle! Normalerweise ist das alles ganz anders, das ist nur grad blöd zusammengefasst! Sicher.

Mit dieser Aussage und Kampfansage der niedergelassenen inhabergeführten Apotheke hat Herr Trittin die Grünen für mich unwählbar gemacht, und dass, wo ich den Rest des Wahlprogrammes eigentlich ganz gut finde. [2] Aber werde ich eine Partei wählen, die lauthals verspricht, mich anschließend abzuschaffen? Sicher nicht. Ganz ehrlich, ich kann langsam nur noch den Kopf schütteln über so viel Realitätsentfremdung…

————————-
[1] Darüber berichte ich vielleicht ein andermal, denn das ist ein Thema für sich.
[2] Mal davon abgesehen, dass jeder Bahn-Kunde ab sofort 3 Fahrräder und einen Roller im ICE mitnehmen dürfen soll. Ich persönlich würde ja weniger ein Fahrrad denn ein Pferd im ICE mitnehmen wollen, aber mir fehlt die passende Haustier-Transportbox…

Advertisements

29 Gedanken zu „Alle Jahre wieder…

  1. jetzt mal unabhängig von Apotheke und Co. – für mich sind die Grünen aus folgendem Grund (leider?) seit einiger Zeit unwählbar:

    In meiner Stadt gab es einst einen Wahlbeamten, der den Grünen angehört. Für dieses Amt haben die Grünen lt. Vereinbarungen das Vorschlagsrecht. Nach zwei sechsjährigen Amtsperioden wollte der Amtsinhaber die Aufgabe in jüngere Hände geben. Da war er so Anfang-Mitte 50.

    Jetzt kommt der „schmutzige“ Trick: In diesem Alter erhält man lt. Gesetz die volle (stattliche) Pension ab sofort nur, wenn man abgewählt wird, nicht wenn man auf erneute Kandidatur verzichtet!

    Was macht der gute Mann? Tritt erneut im Stadtrat zur Wahl „gegen“ die neue Kandidatin der gleichen Partei an, unterliegt wunschgmäß mit 0 Stimmen und genießt seither das Pensionistendasein…

    Mag menschlich verständlich sein (wie hätten wir gehandelt…?) – aber ich finde das zum K*****

    Wenn ihm langweilig ist, könnte er sich ja dann durch Herrn Trittin in den Vorstand oder Aufsichtsrat einer Apo-Kette berufen lassen – zusätzlich zur Pension, versteht sich..,.

    • Ja, alle vom Stamme „Nimm!“. Habe auch noch nie erlebt, dass im Bundestag die Linken gegen eine Diätenerhöhung gestimmt hätten. Aber um es mit Peer Steinbrück zu sagen: „Das Amt des Bundeskanzlers ist zu schlecht bezahlt! [flüster] Also verbessert mal daran, bevor ich mich auf den Chefsessel setze! [/flüster]“… *seufz*

  2. @ gedankenknick. nicht, dass ich ketten propagiere (die folgen wären in der Tat so, wie Du sie beschreibst), aber ändert sich für den angestellten Apotheker dann eigentlich etwas?
    Gruss Landkrauter

    • Aber hallo! Im Augenblick ist es so, dass (zumindest ich) ziemlich freie Hand bei meinen Entscheidungen habe – solange die halbwegs nachvollziehbar sind. Glaubt wirklich wer, das bleibt gleich, wenn ich plötzlich einem Konzernmanager unterstellt bin? Rate ich wirklich von Käufen ab, wenn ich am Monatsende an meinem „Warenkorbumsatz“ gemessen werde? Oder werde ich dann jeden (schwachsinnigen) Zusatzverkauf versuchen, dem Patienten anzudrehen, damit ich meinen Job nicht verliere? Ich bin auch nur ein Mensch, und möchte mir am Ende des Tages etwas zum Abendbrot auf den Teller legen…

      • Diese Probleme könnnte Dir als angestellter Apotheker doch auch heute schon begegnen. Zum einen ist es in Deinem Interesse, dass die Apotheke, in der Du arbeitest, nicht zumacht, hast also etwa bei Pflegeprodukten durchaus den Auftrag, den Kram zu verkaufen, eventuell gegen eigene Überzeugung. Wenn Dein Chef homöopathische Produkte ins Lager packt, sind die nicht nur zum Ankucken und Abraten da.

        Und zum anderen arbeitet der angestellte Apotheker doch auch jetzt eigenverantwortlich und kassiert die Prügel für rechtswidriges Verhalten, wenn er seinem Apothekenleiter „den Gefallen tut“ und die Stammkundschaft durch kulante Abgabe gewohnter – aber rezeptpflichtiger – Produkte glücklich hält. Ob die Apotheke in rein kaufmännischer Hand ist oder der Apothekenleiter approbierter Apotheker ist, macht doch da keinen Unterschied… oder doch?

        Ist wohl die Frage, welche weiteren Änderungen mit dem Fall des Fremdbesitzverbots zusammengepackt werden würden. Ja, wahrscheinlich würden sich Machtverhältnisse verschieben, zu Ungunsten von [leitenden] Apothekern und Patienten. Letztere sind zwar viele (resp: „viele Wähler“), merken das aber erst, wenn es zu spät ist und die Planungs-/Investitionssicherung dem Gesetzgeber die Hände bindet (Lobbyarbeit funktioniert offenbar so, egal welche Branche)…. denn schönreden kann man ja bekanntlich alles: In einer Apotheke der McKnicks-Kette ist Dein gewohntes Präparat immer an Lager!*,**,***

        *Aber Alternativen haste keine.
        **Nur in ausgewählten Städten mit mehr als 50’000 Einwohnern
        ***Nur mit Kundenkarte und Beteiligung am PÄJBÄCK-System

      • Das ganze stimmt nur teilweise. Einerseits kenne ich meinen Chef sehr gut und weiß im Schnitt, wie er entscheiden würde. Andererseits habe ich kurze Dienstwege, und kann ihn im Zweifelsfall auch fragen, wie er es will (oder den Vorgang ganz an ihn abgeben). Schon mal bei der Kettenleitung angerufen? *kicher*

        Das Wähler den Beschiss immer erst hinterher merken, ist nun mal so. Dann kann man rufen und pfeifen, so laut man will… (Und trotzdem rufe und pfeife ich weiter, und erzähl auch was vom [und mit dem] Pferdchen [oben rechts])

    • Ja! Es ändert sich was!
      Zuerst werden die Kettenbetreiber einem vorschreiben, was man zu empfehlen/verkaufen hat. Der Einkauf wird zentral gebündelt, so das das Sortiment schrumpft. Ich verkaufe/empfehle dann nicht mehr das, wovon ich überzeugt bin, sondern das, was verkauft werden soll.
      Die persönliche Motivation geht dann als nächstes flöten, was der Kunde unter anderem daran merkt, das der Service deutlich eingeschränkt wird.
      Extrawürste, a la Belieferung ausserhalb des Botendienstes, oder mal eben auf Kunden warten, der sich telefonisch schon angekündigt hat, obwohl die Apotheke gleich schliesst, wird es nicht mehr geben.
      Ich habe Ostersamstag, weil der Arzt über uns mit seiner Sprechstunde nicht fertig wurde, mal eben 1,5 Stunden an unsere Öffnungszeit hinten dran gehängt, weil ich unsere Kunden eben NICHT an die 15 Kilometer entfernte Notdienstapotheke verweisen wollte, als Angestellte wohl gemerkt.
      Und glaub mal ja nicht, das der Botendienst dann noch kostenlos sein wird.
      Ausserdem wird das Arbeitstempo noch weiter anziehen, frag mal Apotheker aus England, die machen alle schon seit Jahren keine Mittagspause mehr, weil Sie sonst schlicht Ihre Arbeit nicht schaffen.
      Der hohe Service in den Apotheken heutzutage resultiert in hohem Maße aus der Eigenverantwortung, die der Apothekeninhaber als freiberuflicher Selbsständiger hat.
      Wenn das wegfällt, dann wird die Apotheke(nkette) genauso eine Servicewüste, wie sie sonst in Deutschland beklagt wird.
      Dann interessiert sich nämlich kein Angestellter mehr für Extrawünsche oder gar Reklamationen.
      „Who cares?“ Wo willst du denn hingehen? zur anderen schlechten Kette?

      • Zur anderen schlechten Kette braucht man dann auf dem Land auch nicht mehr, ist ja keine andere mehr da. Ach wie gut, dass die Monopolkommission Apothekenketten fordert. (Da wußte ich endlich, warum die Monopolkommission so heißt…)

  3. Dies ist die Geschichte meiner Mutter, die als Pharma-Assistentin mehrere Jahrzehnte in der selben Apotheke gearbeitet hat:

    Die Apotheke steht an hervorragender Lage mit viel Laufkundschaft. Sie wurde als Familien-Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern in den 70er-Jahren gegründet und ist in den „fetten Jahren“ auf eine beachtliche Grösse angewachsen. Dann wurde der Inhaber älter und konnte das Geschäft nicht mehr eigenhändig führen… Da sich für eine so grosse Apotheke kein privater Käufer finden konnte, wurde das Geschäft mit einem verantwortlichen Apotheker weitergeführt… Als es unumgänglich wurde, die Apotheke zu verkaufen, da fand sich nur 1 einziger interessierter Käufer – eine Kette! Also wurde das Geschäft in eine Filiale in diese Kette integriert.

    Und was hatte dies für Auswirkungen? Ich nenne hier mal 4 Beispiele:

    – Das Betriebsklima wurde viel rauer: der Familiäre Umgangston verschwand und von der neuen Chefin gab es Extra-Lob, wenn man Fehler anderer meldete; es gab Mitarbeiterinnen, die in jeder freien Minute im Computer nach Fehlern von Kolleginnen suchten! Der Zusammenhalt des Team war dahin…

    – Die Löhne wurden kleiner – alle Pharma-Assistentinnen, die viel Erfahrung aufweisen konnten, wurden im Laufe von ca. 3 Jahren durch junge Mitarbeiterinnen ersetzt. Es gab regelmässig „Mitarbeiter-Gespräche“, in denen Vorwürfe erhoben wurden, die so nicht stimmten, nur um einen Kündigungsgrund zu haben. (Beispiel: zu wenig Umsatz – und der Tag, der als „Beispiel“ ausgedruckt vorgelegt wurde, war deutlich unter dem Umsatzdurchschnitt der Mitarbeiterin! etc.) Es gab richtige Hetzkampagnen… (Anmerkung: Nach 3 Jahren war der Kundenfranken gesamthaft stark abgesunken und es machte den Eindruck, dass auch der Umsatz gesunken war – Einblicke in die Umsatzzahlen hatte man jedoch nicht mehr.)

    – Die Verantwortung der Apotheker wurde stark beschnitten. Obwohl es keine schriftlichen Weisungen dazu gab, wurde jeder Apotheker, der ein Medikament ohne Rezept (als vom Gesetzt explizit erlaubte Ausnahme mit Begründung und vorschriftsmässiger Dokumentation) abgegeben hatte, zu seinem Vorgesetzten zitiert, der ihm weitere Abgaben ohne Rezept untersagte. (Beispiel: Ventolin DA bei einem Kunden mit akuter Atemnot, der seinen (vom Arzt verschriebenen) Spray nicht dabei hatte!)

    – Welche Artikel man an Lager hat, das bestimmt die Zentrale! Auch wenn der Kinderarzt um die Ecke jeden Tag 17x den selben Hustensirup auf das Rezept schreibt, den man nicht an Lager hat, so darf man ihn nicht an Lager nehmen. (Dies wird offenbar regelmässig durch die Zentrale kontrolliert!)

    Früher habe ich immer gedacht, dass die Ketten ja nicht so schlecht sein können, wie ihr Ruf. Mein Fazit nachdem meine Mutter (mitsamt der Apotheke) in eine Kette wechselte, ist, dass ich lieber Klos putzen werde, als dort arbeiten zu gehen! Aber vielleicht ist dies nur ein schlechtes Einzel-Beispiel… Was weiss ich denn schon…

    • Ja, das bestätigt erstaunlicher Weise einige meiner „Vororteile“, und bringt sogar noch einige hinzu. Schade, dass hier nicht mehr Menschen mitlesen, insbesondondere hohe Politiker. Aber die würden das vermutlich als „üble Nachrede“ hinstellen. Mal ehrlich – ist es in Baumärkten besser geworden, seit die nur noch Ketten sind? Aber Apothekenketten – das sind die „Guten“… *seufz*

  4. Teilweise hast Du Recht, teilweise muss ich Dir widersprechen.

    Der Grund, warum die Grünen (und auch die SPD) für die Apothekenketten sind, liegt meiner Ansicht nach darin, dass man sich dadurch eine Preissenkung und einen finanziellen Nutzen für den Kunden verspricht. Kurzfristig wird das auch der Fall sein, da die Ketten Kampfpreise fahren werden, um die selbstständigen Apotheker kaputt zu machen. Das Argument, dass eine Oligopolisierung (und nichts anderes ist die Kettenbildung) mittel- und langfristig nicht zu einer Preissenkung, sondern zu einer Preissteigerung führen wird, wird von den beiden Parteien nicht verstanden. Wenn der letzte selbstständige Apotheker aufgegeben hat, kann die Kette Mondpreise verlangen; Konkurrenz ist ja dann keine mehr da. Aber das passiert dann erst in der übernächsten Wahlperiode.

    Kollege, das Hauptproblem liegt meiner Ansicht nach darin, dass die Bevölkerung denkt, dass da immer noch enorme Preisspannen drin sind und ein Apotheker Geld wie Heu scheffeln würde. Das war in den 70er Jahren sicher auch der Fall.

    Daher verstehe ich die Grünen und die SPD: Man redet der Bevölkerung halt nach dem Mund. Die Apotheken wären schuld an den hohen Arzneimittelpreisen.

    Das Problem ist weiterhin, dass die mittlerweile verschwindend kleine Verdienstspanne von den Offizinapothekern der Bevölkerung auch nicht kommuniziert wird. Das Gehalt eines angestellten Apothekers ist für einen Apotheker echt traurig.
    Die Offizinapotheker sind eine Bevölkerungsgruppe, die sich nicht wehrt. Wenn man an einem Mittwochnachmittag für eine Stunde durch die Notdienstklappe bedient, dann kommt sich der Offizinapotheker schon wie ein Revoluzzer vor. Die ABDA feiert sich als Held und ansonsten hat es keiner mitbekommen.

    Unabhängig davon: Du hast geschrieben, dass du die „pharmazeutisch sachkompetente Angestellte“ in der Drogerie gesucht hast.
    Ich stell das kurz klar: Diese fachkundige Angestellte hat Hauptschulabschluss und hat einen eintägigen Lehrgang zu Arzneimitteln besucht. Sie muss auch nicht anwesend sein. Es reicht aus, dass eine einzige Mitarbeiterin der Drogerie oder des Supermarktes diesen eintägigen Lehrgang besucht hat (da gibts auch keinen Test; die Anwesenheit bei diesem „Lehrgang“ reicht aus). Das ist keine PTA wie in der Apotheke mit 2 1/2 jähriger (durchaus schwerer) PTA-Schule.

    • Korrektur: Ich meinte natürlich „Das Gehalt eines angestellten Apothekers ist für einen Akademiker mit Universitätsabschluss echt traurig.“

    • Einerseits – die niedrige Verdienstspanne wird schon kommuniziert, es glaubt einem nur keine Sau. Die Politik behauptet ja das Gegenteil, und die muss es ja wissen. Aber die Politiker wissen sehr genau, wie dreckig es den Apotheken geht, das braucht mir keiner zu erzählen. Was bei Kettenzulassung abgeht, sieht man in Schweden und Norwegen – nicht weit von unserer Haustür. Das aber die Monopolkommission(!) dem Fremdbesitz zulassen will – das versteht wirklich niemand mehr! (Denn Moopole bzw. Oligopole haben schon immer zu dauerhaften Endpreis-Senkungen beigetragen. Siehe Strom, Brennstoffe, usw.)

      Meines Wissens nach muss aber eine „fachkundige Angestellte“ in der Drogerie sein, wenn nichtapothekenpflichtige AM verkauft werden. Sie MUSS ZWINGEND anwesend sein, und nicht nur auf der Lohnliste stehen, die sie mir Fragen beantworten (können) muss! (Und meines Wissens war der Lehrgang mal 3 Tage lang, aber das nur nebenbei.) Kontrolliert nur keiner – es gibt halt keinen „Drogerie-Rat“, der die Hütte dann abschließt udn dicht sperrt…

      • Okay, was die Drogerierkiste angeht, magst Du Recht haben: Das Mädel hat halt dann einen dreitägigen Lehrgang absolviert und nicht nur einen Tag. Letztendlich hat sie da dann einen Wisch erhalten, der ihr die „Sachkenntnis“ bescheinigt – auf Lebenszeit.
        Es mag auch sein, dass sie – laut Gesetz – anwesend sein muss. Aber es ist doch so: Frühmorgens oder in der letzten Stunde ist doch oftmals nur eine Mitarbeiterin da. Ich wage zu bezweifeln, dass die Stundenplanung daran orientiert wird, ob die Kollegin jetzt die Sachkenntnis hat: „Frau Müller kann heute nicht um 18 Uhr gehen, sie hat schließlich die Sachkenntnis zu Arzneimitteln“.

        Was die Kommunikation mit der Bevölkerung angeht: Ja, es wird kommuniziert, aber grottenfalsch: Ihr argumentiert mit Zahlen. Das ist für einen Akademiker zwar verständlich, ist aber kommunikationstechnisch ein Fehler.
        Damit wirst Du aber niemals die allgemeine Bevölkerung erreichen. Wenn Du argumentierst, dass ein Bruttogehalt von ca. 3000 Euro ein wirklich bescheidener Verdienst für einen studierten approbierten Akademiker mit Hochschulabschluss und schwerem Studium ist, dann mag das stimmen. Aber damit überzeugst Du niemals die Bäckereifachverkäuferin oder den MediaMarktverkäufer (beide mit Hauptschulabschluss), die sich für 1200 Euro brutto die Füße plattstehen. Die sehen die Zahl 3000 Euro und sind neidisch.

        Das müsste man plakativer und einfacher verständlich machen. Wenn die Fluglotsen, die Ärzte oder die Piloten (alle mit durchaus besserem Gehalt als ein angestellter Apotheker in der Offizin) streiken, versteht das die Bevölkerung. Sie würde es – meiner Ansicht nach – auch verstehen, wenn die Apotheken mal wirklich ein paar Tage dicht machen würden und die angestellten Apotheker mal gegen ihre Chefs für bessere Gehälter streiken würden (Gewerkschaft gibt es ja: die ADEXA).

        Aber ich bin mir sicher, dass ich so ne Aktion von den Offizinapothekern (und auch von den PTAs) niemals erleben werde – leider…
        Gründe gibt es ja genug:
        * Kann man doch nicht machen!
        * Und die armen Menschen, die Arzneimittel brauchen!
        * Wäre ja gegen das Gesetz (ist ein Streik nicht; Arbeitskampf ist im Grundgesetz verankert)
        * Mein Chef sagt, dass er weniger verdient als ich. Da kann ich doch kein besseres Gehalt fordern.

        Die Folge: Die Ketten werden kommen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.
        Um auf Deinen Artikel zurück zu kommen: Ob das jetzt die Grünen fordern oder ob die SPD damit Stimmen fängt, ist doch letztendlich egal.

      • Die ADEXA ist super. Mehr als die Tarife erhöhen machen die auch nicht. Ich meine, gut, DAS verstehe ich ja. Aber mal echt – die gerade die ADEXA sollte das ganze mal kommunizieren. Dass die ABDA und auch der DAV offensichtlich zu blöd sind, sich mal ein paar vernünftige Medienprofis zu ordern, ist so traurig wie wahr. Das werde ich wohl aber auch nicht ändern. Aber dass Krankenhäuser fast automatisch mehr Geld bekommen, wenn VERDI den Tarif erhöht hat – das bei den Apotheken komischer Weise aber nicht mal erwähnenswert erscheint, ist mehr als traurig.
        Aber wenn eine Ministerin bei 8 Krankenkassen im Aufsichtsrat sitzt, auf wen wird sie wohl hören? Und wenn ein Mann mit roter Fliege – unbestechlich weil SPD(!)-Mitglied – im Aufsichtsrat eines Klinikkonzerns sitzt (bzw. saß), wem wird er wohl mehr Geldzuschüsse gönnen?

        Dass die letzten beiden Apotheker im Bundestag auch aufgegeben haben, weil sie gemäß ApoBtrO jetzt 24/7 in der Apotheke stehen müssen, ja wen wundert es?

      • @knick: Ich fasse das mal so auf, dass Du mit der ADEXA unzufrieden bist.
        Dazu muss ich eines schreiben: Die ADEXA tut schon, was sie kann. Sie ist eine Gewerkschaft und deren Aufgabe ist es, höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen auszuhandeln.
        Es ist nicht die Aufgabe der ADEXA Medienpolitik für die selbstständigen Apotheker zu betreiben oder das Berufsbild des Apothekers positiv in der Bevölkerung zu verankern. Das ist allgemein nicht die Aufgabe einer Gewerkschaft. Wenn überhaupt, ist es die Aufgabe der ADEXA, der Bevölkerung klar zu machen, wie schlecht selbstständige Apotheker die angestellten Apotheker bezahlen. Wobei das das Bild der selbstständigen Apotheker in der Bevölkerung als „raffgierige Unternehmer“ nicht unbedingt verbessern dürfte.

        Wenn die Klinikärzte über den Marburger Bund (eher weniger VERDI) für bessere Gehälter streiken, kommen die Krankenhäuser da auch nicht unbedingt mit einem positiven Bild in der Bevölkerung weg.

        Die ADEXA hat aber ein Problem: Nur die wenigsten Apotheker und PTAs sind überhaupt Mitglied. Ich verstehe das nicht. Es gibt eine Gewerkschaft und kein Mensch ist Mitglied. Man spart sich durch die Nichtmitgliedschaft 20 Euro (Apotheker) oder 12 Euro (PTA) im Monat. Man nimmt dadurch aber in Kauf, dass die ADEXA dadurch eine sehr, sehr schwache Verhandlungsposition hat und nicht in der Lage ist, angemessene Gehälter auszuhandeln. Einen Streik beispielsweise kann die ADEXA nur dann durchziehen, wenn 80 % der Angestellten in der Apotheke Mitglied der Gewerkschaft wären und entsprechende liquide Mittel zur Streikfinanzierung vorhanden wären. Dazu müssten sich die angestellten Apotheker erst mal organisieren: Die Struktur ist ja da, sie wird aber nicht genutzt.

      • Das Problem ist, dass VERDI ja für die Krankenschwestern, Pfleger, Reinigungskräfte usw. da ist in Krankenhäusern. Und wenn VERDI einen besseren Tarifabschluss erzielt, meinen die KH´s „Gut, jetzt gibs Entlassungen!“ und ZACK haben sie 1,2 Mrd. € mehr von der Politik. Die Aufgabe der ADEXA wäre m.E. eben AUCH, nicht bloß bessere Tarife zu erziehlen, sondern mal öffentlich zu kommuniziere, dass die Apothekenleiter sich diese Tarife gar nicht mehr leisten können. In den letzten 2 Jahren fanden Sparmaßnahmen in den Apotheken hauptsächlich durch Personalentlassungen statt (siehe ABDA-Bericht). Da kann ADEXA die Tarife erhöhen wie sie will, nicht angestellt = kein Gehalt. Es liegt im ureigensten Interesse der ADEX, dass Apotheken ordentlich honoriert werden… (just my 2 Cent.)

      • @knick:
        Die Situation ist doch so: Die angestellten Apotheker oder PTAs in Deutschland sind doch in der angenehmen Lage, sofort und jederzeit wieder einen Job zu finden (Arbeitslosenquote unter 1 %). Momentan sieht doch der Stellenmarkt so aus, dass gerade auf dem Land angestellte Apotheker und PTAs mit Handkuss gesucht werden. Und eine Apotheke kann der Selbstständige auch nicht ohne Mitarbeiter betreiben.
        Der selbstständige Apotheker tut sich schwerer, einen neuen Mitarbeiter zu finden, als der angestellte Apotheker, wieder eine neue Apotheke zu finden.

        Daher sollte die ADEXA da ruhig etwas härter verhandeln. Wenn der Selbstständige nicht mehr in der Lage ist, eine moderate Gehaltserhöhung zu verkraften, dann muss er sich eh überlegen, ob seine Apotheke in 5 Jahren noch Bestand haben wird oder ob die Schließung nicht doch sinnvoller ist. Ich würde mir überlegen, wie sicher die Apotheke und mein eigener Job in dieser Apotheke ist, wenn der Chef anfängt, aus finanziellen Gründen Mitarbeiter raus zu werfen und würde selbst dementsprechend reagieren.

        Nicht zuletzt: Die monatlich 20 Euro Gewerkschaftsbeitrag zahlt der angestellte Apotheker zweckgebunden: Er will seine Gewerkschaft mit liquiden Mitteln ausstatten, damit diese in der Lage ist, einen für ihn annehmbaren Tarifvertrag auszuhandeln. Und nicht damit die Gewerkschaft diese Gelder für das Marketing des Berufs Apotheker rauswirft.
        Ebensogut könntest Du fordern, dass der Tarifgegner der ADEXA, der Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA), Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Das ist auch nicht deren Job.

        Für das Marketing des Berufs Apotheker in der Öffentlichkeit zahlt der angestellte Apotheker jährlich ca. 200 Euro Kammerbeitrag.

      • Es ist teilweise richtig, was Du sagst.

        Aber seit 10 Jahren wird es Stückchen für Stückchen immer enger bei den selbstständigen Apotheken. Genau Deine Argumentation benutzen die Kettenbefürworter und Politik- & Kassenbeflüsterer, um die Ketten „hintenrum“ einzuführen. Das geht ganz einfach so: Wenn wir den Apotheken immer weiter das Wasser abgraben, und dabei Gehaltserhöhungsforderungen der Angestellten lächelnd zusehen, sind irgendwann die selbstständigen Apotheken halt Pleite. Und dann sagen wir Siehste! Haben wir ja gleich gesagt, dass nur Ketten die Rettung sind! Man schaue wieder mal nach Norwegen, wo viele Apotheker mit Kusshand ihre Apotheke an die Ketten verhökert haben unter Anbetracht der tollen Filialleitergehälter – die dann nach Ablauf der Schonfrist alle zusammengestrichen wurden. Ich glaube kaum, dass ADEXA diese Entwicklung will. Bei VERDI ist das was anderes. Die wünschen sich selbst die Ketten, da sie dann mal locker die ADEXA wegschlucken. Erreichen wird VERDI aber auch bei den Ketten nichts, weil die einfach dann aus dem Arbeitgebervertrag austreten, so wie es viele Krankenhäuser jetz tschon getan haben, bei denen die ganzen Krankenschwestern zwar VERDI-Mitglieder sind, was aber dem Krankenhaus egal ist.

        Aber wollen das die Apotheken-Angestellten? Bisher haben viele Chefs ein sehr gutes Verhältnis zu ihren Angestellten – und umgekehrt. Flexibler Arbeitsplatz ist das Zauberwort, insbesondere spannend für Mütter. Meint wirklich irgendwer, dass das bei Ketten besser wird? Ist Schlecker besonders berühmt gewesen für seine flexiblen Angestelltenverhältnisse und -problemlösungen? (Da waren auch hauptsächlich Frauen angestellt.) Irgendwie hege ich da gewissen Zweifel.

        Es liegt also im direkten Interesse der ADEXA, dass die niedergelassene Apotheke erhalten bleibt. So sehe ich das zumindest. Ansonsten schafft sich ADEXA (selber) ab.

      • @knick: So „flexibel“ finde ich als Industrieapotheker die Apotheke gar nicht mal. Keine Gleitzeit, sondern strikte Arbeitszeiten, Kein volles Weihnachtsgeld mehr, Urlaubsgeld gibts ja eh schon seit einer Ewigkeit nicht mehr. Und wenn das Kind mal krank ist, hat man als Apothekerin ein Problem, da es in der Apotheke gewöhnlich keinen zweiten approbierten Mitarbeiter gibt, Aber das nur am Rande…

        Du schreibst, dass die Befürworter der Ketten meine Argumentation heranziehen, um die Ketten zu befürworten. Das mag sein.
        ABER: Meiner Ansicht nach ist es nicht mehr die Frage, OB die Ketten kommen werden. Das wird meiner Ansicht nach der Fall sein, sobald die SPD wieder die Mehrheit haben wird. Die Frage ist nur noch, WANN sie kommen werden. Die Kooperationen sind ja der Vorläufer dazu. Und der Großhandel steht ja in den Startlöchern, die Apotheken aufzukaufen, sobald die Freigabe der Ketten erfolgen wird.

        Aus Sicht der Angestellten ist es daher sinnvoll, die Weichen jetzt richtig zu stellen und ein möglichst hohes Honorar herauszuholen, bevor die Übernahnme der Apotheken beginnen wird.
        Das ist schade um jeden Selbstständigen, der deswegen seine Apotheke schließen muss. Aber es ist aus Sicht der Angestellten dringend notwendig.

        Im Moment verdient ein approbierter Apotheker (mit Studium an einer Universität) weniger als ein Bankangesgestellter in einer etwas höheren Position. Das Gehalt einer PKA ist nahezu am Existenzminimum. So geht das nicht weiter.
        Das Argument der Apothekeninhaber, bei den Mitarbeitern zu sparen, zieht nicht auf Dauer. Sowas kann man kurzfristig mal machen, wenn die Situation eng ist. Aber nicht auf Dauer, wie das bei den Apotheken geschieht.

        Bitte verstehe mich richtig: Ich will aus fachlicher Sicht auch nicht die Ketten. Und mir tut das auch um den Beruf „Apotheker“ leid, die Beratung wird sicherlich leiden. Aber die Ketten werden kommen, da beisst die Maus keinen Faden mehr ab.

      • Die Ketten müssen nicht kommen. Ein kleiner Bundesstaat der USA läßt auch keine Ketten zu – und dort sind die Patienten erstaunlicherweise am zufriedensten mit den Apotheken in de gesamten USA.

        Und dass die derzeitigen Tarifabschlüsse einen feuchten Kehricht wert sind, wenn die niedergelassenen dann abgeschafft wurden, steht wohl so fest wie das Amen in der Kirche. Siehe Schlecker und „Schlecker Plus“….

  5. noch ein Beispiel aus GB bezüglich Ketten: In D ist es ja (wenn ich richtig informiert bin) noch so, dass Du JEDES in D erhältliche Medikament besorgen und abgeben musst.

    In GB ist das anders! Gerade (und nicht nur..) bei OTC Produkten hat jede Kette ein oder zwei bevorzugte Hersteller (oft zufällig die Hausmarke dabei…) und alles andere GIBTS DA EINFACH NICHT!
    Da hat schon manches Omchen dumm geschaut, wenn sie auf der Suche nach ihrer Kopfschmeztablette, die sie seit 40 Jahren bevorzugt, die richtige Kette dafür suchen muss – oder den letzten unabhängigen Apotheker im Viertel!

    • zu1) So ich es denn besorgen kann – ja. Was nicht lieferbar ist, kann ich nicht abgeben. Leider.

      zu 2) Wie gesagt – so ein Vorgehen nennt sich „Vertikalisierung der Vertriebsstruktur“ und ist der Wunsch eines jeden Konzerns. Verdienst bei jedem Vertriebsschritt und Ausschluss der Konkurrenz – da reibt sich der Vorstand die Hände…

  6. Ein Punkt, den Du beleuchtest und der bei ‚ad hoc‘ zwischenzeitlich ebenfalls erwähnt wird: Der persönliche Stolz des Apothekers taugt als Motivator eher nicht mehr, wenn die Apotheke in Fremdbesitz einer Pharma-Kette ist…
    (wenn ich wüßte, wie man im Kommentaren formatiert…)

    http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/kommentar-warum-apotheker-stolz-sein-sollten/?L=0&cHash=234b94fcbc77ca5fe3498f6e2fce022e
    Julia Pradel (Kommentar): Warum Apotheker stolz sein sollten (18.6.)

    • Ich denke trotzdem, und das kommt in dem im Kommentar erwähnten Artikel eben gut rüber, dass sich „kleine Strukturen“ (und deren Angestellte, die alle hinter dem Chef stehen, weil der Chef auch hinter ihnen steht!) für „Ihre Kunden & Patienten“ eben weit mehr aufräufeln als die Angestellen einer „großen Kette“ (die für´s Extra-Aufräufeln eventuell sogar eine Extra-Abmahnung bekommen).

      Ich erinnere mich an einen Vorfall mit der DeutschenBundesbahn, als die noch einen „Schalter“ hatten, und ich mir 10min vor 12.00 („Schalterschluss) eine Fahrkarte erwerben wollte. Die Angestellte schaute mich an, meinte „Also ich muss jetzt Kasse machen!“ und ließ den Rolladen direkt vor meinem Gesicht herunter. Also sie schloss den Schalter 10min vor „Ladenschluss“ und im Angesicht eines zahlenden Kunden (ohne meinen Wunsch zu kennen). So etwas würde in einem kleinen Einzelkämpferladen nicht vorkommen… *kopfschütttel* Aber das wollen wir ja alle – Servicewüste ist ein MUSS!

      • wenn wir jetzt den Bahnverkehr als Vorbild nehmen, wird es gaaaanz düster…

        Dann gibt es in 15 Jahren in jeder Stadt über 50.000 Einwohner eine 24-h Notdienstapotheke (in Millionenstädten vielleicht sogar zwei oder drei…)
        …ansonsten NUR Versand!

        oder den Postdienst: Es gibt ein paar Apotheken an belebten Stellen und ansonsten „Apothekenagenturen“ im Schreibwarenladen, Backshop oder Tankstelle. Der Inhaber erhält eine zweiwöchige Schulung im Apothekenwesen.

        Jetzt lach nich – vor 20 Jahren war bei der Post jeder, der einen Brief anfasste, mindestens auf dem Niveau einer PTA.

      • Nein, ich lache nicht. Ich sehe die Zukunft düster. Für mich – und auch für meine Patienten. Aber billig um jeden Preis ist halt gut für alle – insbesondere für die Manager großer Strukturen.

        Ich will aber auch dokumentieren: „Ich habe es allen vorher gesagt! (Nachzulesen im Blog.)“ *seufz*

  7. Bin ich die Einzige, die einen Unterschied zwischen einem Baumarkt und einer Apotheke sieht? Ich finde ja schon die Tatsache ärgerlich, dass es bei Lebensmitteln in unserem Städtchen kaum noch Auswahl gibt, weil fast jeder Supermarkt zu ein und der selben Kette gehört. Sonderwünsche sind da natürlich Fehlanzeige.
    Aber zu einer Apotheke gehe ich doch nun mit weitaus persönlicheren Dingen als zum typischen „sich-hinterm-Regal-versteckenden-Baumarktmitarbeiter“. „Mein“ Apotheker weiß von meinen Hautproblemen, meiner Migräne, meiner Schwangerschaft (u.U. noch vor meinem Arbeitgeber oder sogar Teilen meiner Verwandtschaft). Okay, Beratung mag meinetwegen auch bei Ketten vorhanden sein. Aber Sonderwünsche? „Ich möchte bitte Stillhütchen von dieser Marke. Ja, Baby ist noch nicht da, Sie können sie gerne beim Großhändler direkt bestellen, die paar Tage Wartezeit sind kein Problem für mich. Oh, Sie rufen mich sogar an, wann sie die dann da haben, das ist aber nett, vielen Dank.“ Ob solch ein Service auch bei einer Kette gleich bleibt, wage ich zu bezweifeln. Da wird dann eben verkauft, was vorrätig/sofort + auf dem üblichen Weg lieferbar ist.

    • [ironie] Service? Braucht kein Kunde! Sonderwünsche? Kosten nur Geld! [/ironie] Hauptsache ein Manager verteilt den Gewinn nach oben um, und ein Politiker bekommt dann davon etwas ab.
      Wenn man Service und Ethik gegen die Monetik rechnet, mag es auch bei den „kleinen niedergelassenen“ Apotheken durchaus ein paar schwarze Schafe geben. Aber ich persönlich denke, dass das System um so service-problematischer wird, je größer die Strukturen werden. Man schaue sich die Telefonanbieter an…

Knick hier Deine Gedanken (Mit Nutzung der Kommentarfunktion erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und Ihre IP-Adresse nur zum Zweck der Spam-Vermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden.):

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s