And the winner is… Krankenkasse!

Da hat in meinem Urlaub das Bundessozialgericht die Apotheken mit technischem KO zu Boden geschickt, wie Apotheke Adhoc berichtet. [1] Die krankenKassen, in diesem Fall die Ersatzkassen, jubilieren natürlich. [2] Prinzipiell geht es um die „Nichtbeachtung“ der Rabattverträge durch die Apotheke und der durch verschiedene krankenKassen als „Straf- und Erziehungsmaßnahme“ durchgeführten Null-Retaxationen. Eigentlich habe ich mit keinem anderen Urteil vom BSG gerechnet – aber umgehauen hat mich das Urteil dann trotzdem. Warum geht es nun genau?

Seit Anführung der Rabattverträge – also dass die krankenKassen den Apotheken vorschreiben, welche Herstellerfirma abzugeben ist, um dann von dieser Herstellerfirma einen Haufen Geld rückerstattet zu bekommen – so im April 2007, wenn ich mich recht entsinne, haben bestimmte krankenKassen darauf gesetzt, bei Abgabe eines Arzneimittels, welches eben nicht Rabatthersteller war, die Apotheke um den Gesamtpreis dieses Arzneimittels rückwirkend zu erleichtern. Natürlich wird so eine Retaxation so spät wie möglich geschrieben, um möglichst viele Falschbelieferungen mitnehmen zu können weil man ja so lange für die elektronische Prüfung der Rezepte braucht. Wozu man wissen muss, dass die Rezepte alle auf Apothekenkosten digitalisiert und elektronisch ausgewertet an die krankenKassen übermittelt werden müssen, damit die armen krankenKassen die Überprüfung leichter durchführen können. Um das mal zu übersetzten: Die Apotheken dürfen selbst das Schwert bezahlen und schleifen, mit denen ihnen anschließend die Hand abgetrennt wird.

Und dann kamen die ersten krankenKassen auf folgende Dreh (bzw. juristische Argumentation): Ein Kaufvertrag zwischen krankenKassen und Apotheken kommt nur zustande, wenn alle im Rahmenvertrag und Gesetz genannten Bedingungen erfüllt werden. Wenn eine einzelne und einzige Bedinung durch die Apotheken nicht erfüllt wird, kommt folgerichtig auch kein Kaufvertrag zustande, und damit brauchen die krankenKassen keinen Pfennig Cent zu bezahlen. Die Apotheken regte das naturgemäß etwas auf, denn eine Leistung zu erbringen, und dafür ein Jahr später um die gesamte Geldsumme inklusive Einkaufspreis und MwSt. betrogen gebracht zu werden, ist nicht schön. Insbesondere dann, wenn die krankenKassen dies explizit mit teuren Arzneimitteln machen, wo es sich so richtig lohnt.

Also haben die Apotheken via des DAV eine Klage gegen die krankenKassen so Ende 2008 eingereicht, mit der ein Musterprozess erwirkt werden sollte, um Rechtssicherheit zu schaffen. Diese Klage wurde lange lange lange beim Sozialgericht Lübeck in den Aktenkörben liegen gelassen bearbeitet, denn so ein Gericht muss ja, wie ich beim Landkrauter gelernt habe, gründlich ein Problem von allen Seiten betrachten, um so zu einem gerechten Urteil zu gelangen. Im Februar 2013 – also nach knapp 5 Jahren – kam das Sozialgericht Lübeck dann zu dem Schluss, dass es nicht Rechtens ist, den Apothekern nach geleisteter Arbeit nicht einfach um ihr gesamtes Geld zu bringen. Hier zitiere ich mal den Apotheke-Adhoc-Artikel:

„Die Möglichkeit einer Null-Retaxation sei im Sozialgesetzbuch nicht vorgesehen, so die Richter. Auch im Rahmenvertrag sei die Vollabsetzung bei Nichtbeachtung der Rabattverträge nicht aufgeführt. […] Das Gericht hätte der Kasse eine Retaxierung in Höhe der Differenz zum Rabattarzneimittel erlaubt.“

Nun sind die Rabattverträge aber geheim, damit ja niemand nachvollziehen kann, wieviel Geld die krankenKassen denn von den Herstellern so zurückerstattet bekommen. Daher stellte der Richter auch fest:

„Da die TK aber den im Rabattvertrag vereinbarten Preis nicht veröffentlichen konnte, muss sie den vollen Preis erstatten.“

Ich muss zugeben, dass mich dieses Urteil einerseits zwar innerlich hat tirilieren lassen, aber dass ich es schon merkwürdig fand, dass das SG eine „Sprungrevision“ des Urteils zugelassen hat. Und schon damals dachte ich mir, dieses Urteil ist zu schön, um wahr zu sein. Und so kam es auch. Das BundesSozialGericht (BSG) überprüfte die Gedankengänge des SG-Richters und kam zu einem ganz anderen Schluss, wie hier nachzulesen ist. Danach ist die Null-Retaxation Rechtens. Eine Urteilsbegründung hat das Gericht bisher nicht abgegeben.

Um nochmal für einen Außenstehenden zu erklären, was da so passiert, will ich mich nochmals an einem Gleichnis versuchen. Das ist natürlich nicht so einfach, denn die Ausgangs-Sachlage ist  naturgemäß sehr komplex. Aber lassen wir es mal darauf ankommen:

Nehmen wir an, ich betreibe eine Gastronomie (Apotheke). Ich habe mit einem verschiedenen Großkonzernen (Krankenkassen) vereinbart, ich akzeptiere Essensgutscheine (Rezepte), die deren Lohnhersteller dieses Konzern (Ärzte) ihren Mitarbeitern (Patienten) ausstellten. Dabei achten die Lohnhersteller darauf, dass die Mitarbeiter eine auf jeden einzelnen zugeschnittene spezielle Diät erhalten, damit sie lange gesund bleiben. Die Mitarbeiter bezahlen gemäß Essensgeldzuschussregelung einen Anteil dieser Gutscheine. Ich bin vertraglich dazu verpflichtet, die Gutscheine zu beliefern, kann diese also nicht einfach ablehnen. Gleichzeitig bin dazu verpflichtet, die Gutscheine auf formale Richtigkeit zu kontrollieren und via eines komplizierten Verfahrens mit dem Großkonzern einzeln abzurechnen. Irgendwann (2007) fällt dem Großkonzern ein, dass er mir in 14-tägigem Rhythmus mitteilt, bei welchen Bauern (Hersteller) ich gerade meine Lebensmittel (Arzneimittel) einkaufen muss, damit ich weiter das Essen liefern darf, dessen Belieferung ich ja nicht ablehnen kann. Nun unterläuft mir ab und an auch ein Fehler, gut ich bin auch nur ein Koch – äh Mensch (oder halt Apotheker) – und dieser Fehler landet, weil ich ein ehrlicher Koch-Mensch bin, natürlich auf der Gutscheinabrechnung des fraglichen Mitarbeiters. Zur Zeit existiert dazu eine Liste, auf der ca. 2 Millionen Einzelverträge aufgeführt sind, welche Lebensmittel ich zum Kochen bei wem einkaufen muss. Das ganze ist natürlich nicht so einfach, denn die 1-Liter-Milchtüte für Lohnhersteller Berta muss ich zum Beispiel bei Bauer Meierdings kaufen, die Halblieter-Tütenmilch bei Bauer Scheibenhuber. Nun macht Bauer Scheibenhuber aber die Milch nicht lactosefrei, während Bauer Meierdings lactosefreie Milch anbietet, so dass Mitarbeiter Freienhuf, der lactoseintolerant ist, Bauer Scheibenhubers Milch nicht vertragen kann, auch wenn ich für das derzeitige Gericht nur einen halben Lieter Milch brauche. Für solche Fälle hat aber der Konzern eine vielzahl von Zusatz-Abrechnungsmodalitäten geschaffen, so dass ich den Gutschein mit Sondern-Bestellnummern und handschriftlich-textlichen Erklärungen nur so voll schreiben kann, und dann, ja dann ist der Großkonzern vielleicht mal nicht so.

Ich habe, um es zu spezifizieren, das Schoten beim Bauern Meierloh für den Lohnhersteller Berta auf dem Gutschein des Lohnherstellers Omega abgerechnet, auf dem ich zu diesem Zeitpunkt nur die Schoten des Bauern Müllerdings hätte abrechnen dürfen müssen. Es war ja auch halb so schlimm – der Mitarbeiter ist satt geworden, es ist niemanden ein offensichtlicher Schaden entstanden, denn die Schoten haben exakt das selbe gekostet, und alle waren eigentlich froh und glücklich. Und so oft passiert mir das auch nicht, weniger als 1% aller Gutscheine werden von den Gastronomen falsch beliefert. Aber der Großkonzern sieht das anders, denn dort arbeiten keine Menschen, die eventuell auch mal einen Fehler machen, dort erhebt man den Anspruch fehlerfrei zu sein – was man an den immer wieder fälschlich gestellten Gutschein-Retaxationen auch sieht.

Also schreibt mir der Konzern 6 Monate später einen Brief, dass dieser Essensgutschein komplett nicht bezahlt wird, ich hätte schließlich die falschen Schoten verwendet. Also suche ich lange Bestelllisten heraus und stelle fest, dass Bauer Meierloh zu diesem Zeitpunkt gar keine Schoten liefern konnte. Das habe ich aber vergessen, auf dem Gutschein zu vermerken. Weil ich nicht ganz dumm bin, lasse ich mir sogar ein Schriftstück von Bauer Meierloh zufaxen, in dem selbiger bestätigt, dass zum fraglichen Zeitpunkt keine seiner Schoten verfügbar waren, da seine Schotenvollerntemaschine zu diesem Zeitpunkt defekt gewesen sei. Also schreibe ich das dem Konzern, und füge auch noch das Fax an. Der Konzern sagt mir aber in seinem nächsten Brief einen herzlichen Dank für meine Bemühungen, aber das hätte ich damals auf den Gutschein schreiben und elektronisch lesbar zusätzlich hinterlegen müssen, so nachträglich sei das ja alles gut und schön, aber Vorbei ist nun mal Vorbei, ist halt Pech für mich und damit fertig. Des weiteren möge ich dem Mitarbeiter nicht über die Nichtbezahlung seines Essens informieren, sonst drohe mir heftige Strafe…

Also gehe ich zu einem Gericht. Aber der Konzern war nicht dumm, und hat sich schon vor vielen Jahren ein extra Essens-Gericht einrichten lassen. Nein, kein Essensgericht, welche dann alle beteiligten genüßlich am runden Tisch verspeisen, sondern eine juriistische Gerichtsbarkeit, die sich ausschließlich Rund um die (Lebensmittel)Belieferung von Mitarbeitern auf Gutscheinen beschäftigt. Und diese Gerichtsbarkeit hat nicht nur mehrere Instanzen, die oberste dieser Instanzen ist dafür bekannt, so gut wie nie zu Gunsten der Gastronomie zu entscheiden. Und so muss der Gastronom dann damit leben, dass ihm die Bezahlung des Essens, welches vor 6 Monaten dem Gast gemundet hat, nachträglich mit aktuellen Essensgeld verrechnet wird, weil der Koch mal nicht 100% fehlerfrei die Lebensmittel nach einerderzeit ca. 2 Millionen Einzelrabattverträge betragenden Liste abgearbeitet hat…

Kann das ein normaler Mensch nachvollziehen? Vermutlich nicht. Hätten die Kassen vor einem Bürgerlichen Gericht eine Chance, mit dieser Argumentation zu bestehen, um eine gelieferte (und aufgebrauchte) Leistung nachträglich auf Null €uro zu retaxieren? Ich denke, dem ist nicht so. Selbst das Sozialgericht Lübeck hat festgestellt, dass keine Rechtsgrundlage für die Null-Retaxationspraxis zu erkennen sei, und maximal der wirklich entstandene Schaden in Rechnung gestellt werden darf – so man den wirklich entstandenen Schaden denn überhaupt nachvollziehen kann, was eine Offenlegung der Rabattverträge ergeben würde.

Aber das BSG ist schlauer! Und dass sogar dramatisch und rasant schnell für ein deutsches Gericht! Bloß (bisher) ohne Urteilsbegründung. Macht ja aber nix! Wer braucht schon eine Urteilsbegründung, wenn das Urteil feststeht? Wieso verstehen wollen, was so ein Gericht denkt, wenn es doch eh im Sinne des Auftraggebers  der krankenKassen  der Gesellschaft ein Urteil fällt?

Und dafür, dass mich die krankenKassen auch noch dafür einspannen, dass ich den Versicherten die Rabattarzneimittel schmackhaft mache, auch wenn sie (im Einzelfall) meiner Überzeugung widersprechen – Nein, so arbeiten zu müssen, und sich dafür auch noch ständig von Politikern und Kassenfürsten Schelte einzufangen – mach definitiv keinen Spaß!

————-
[1] Darin erkennt man den Grund, warum ich im Urlaub einfach nicht online gehe. Mit der Meldung wäre meine Erhalung schon viel früher versaut gewesen.
[2] Erstaunlich, dass da niemand anders jubiliert oder auch nur darüber berichtet. Die Presse meidet dieses Thema wie der Teufel das Weihwasser – man könnte sich ja mit den krankenKassen anlegen – und das will doch niemand wirklich, oder?

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13 Gedanken zu „And the winner is… Krankenkasse!

  1. Lieber Gedankenknick,

    auch mir verschlägt es immer wieder die Sprache… ich bin Pharmaziepraktikantin und seit ich ein bisschen angefangen habe, mich für die Berufspolitik zu interessieren (sehr verstärkt durch deinen Blog, auf den ich über Pharmama gestoßen bin), tut es das regelmäßig…
    Notdienstpauschale, Rabattverträge, Krankenkassenwahnsinn… wenn ich bei dir so lese, taucht bei mir da schon manchmal die Frage auf, ob das Studium wirklich das Richtige war…? 😉
    Nicht nur, dass ich mich das nicht schon während des Studiums gefragt hätte, aber ich hatte wenigstens noch die Hoffnung auf was Besseres danach 😉

    Viele Grüße!

    • Mein Tipp: Beherrsche möglichst zwei Fremdsprachen fließend, und dann gehe in die Industrie. In die Offizin kannst Du später immer noch wechseln, der umgekehrte Weg sieht da eher steiniger aus.

      Das Studium an sich ist nicht schlecht, nur was die Politik und die krankenKassen aus unserem so traditionsreichen Beruf gemacht haben ist zum Weinen… Unabhängig davon wünsche ich Dir noch viel Spaß am und viel Erfolg im Studium, auch wenn es immer wieder „harte Stellen“ geben wird…

    • Knick, ich hoffe, ich darf Deine Ausführungen noch ergänzen:
      Ich (Industrieapotheker) rate jedem Pharmaziestudenten dazu, ein Halbjahr des PJs in der Industrie oder in einem Krankenhaus abzulegen und nicht das gesamte Jahr in der Apotheke zu verbringen.
      Ein Grund (es gibt weitere): Die Industrie ist härter als die Apotheke, den Druck muss man abkönnen. Wenn man sich die Sache mal ein halbes Jahr angesehen hat, kann man immer noch entscheiden, wie man weitergehen will.
      Das ist so die Argumentation, dass jeder Topf seinen Deckel finden sollte. Das PJ dient der eigenen beruflichen Entscheidungsfindung. Das sollte man nutzen.

      Ich hatte selbst schon Pharmaziepraktikanten, die nach einem halben Jahr in der Industrie der Meinung waren, dass das nichts für sie wäre, sondern die Apotheke besser für sie wäre. Aber man sollte sich die Alternativen mal zumindest ansehen,

      Das mit den Fremdsprachen kann ich aber einschränken: Halbwegs profundes Englisch reicht als Berufsanfänger – selbst bei internationalen Kontakten. Je mehr man auf Englisch macht, desto mehr wächst man da rein. Ich war da mit Englisch in der Schule auch keine Leuchte, mittlerweile ist das Zeug verhandlungssicher.

      • Die zwei Fremdsprachen kommen nicht von ungefähr. Ich habe ein halbes Jahr bei (damals noch) Schering verbracht. Ohne zwei separate Fremdsprachen, in denen man spontan einen Vortrag halten sollte, wäre das mit einer Karriere nichts geworden, so die damalige Aussage…

        Ansonsten darfst Du mich gern ergänzen… 😉

      • Dann mach ich ja alles richtig 😉
        Bin grad in der Industrie im PJ und schon gespannt auf den Kontrast im 2. Halbjahr in der Apotheke.
        2 Fremdsprachen kann ich auch, über die wirklich fließende Beherrschung müsste man reden. Aber durch den verstärkten Kontakt mit dem Englischen kommts auch wieder zurück zu mir 🙂

        Leute, die in ihre Famulaturapotheke zurückkehren, um dort ihr komplettes Jahr (und restliches Berufsleben?) zu verbringen, kann ich aber ebenso nicht verstehen. Die Chance, sich die Industrie/Krankenhausapotheke nochmal so „unverbindlich anzusehen“, ergibt sich wohl nicht wieder so leicht.

  2. Inet-Verbindung zu langsam zum einloggen…

    Da freut man sich doch, wenn man aus dem Urlaub kommt und sowas liest, nicht? Wir haben auch schon voller Freude die Nachrichten gelesen und den Kopf geschüttelt. Ich bin gespannt, was El Cheffe sagt, wenn er aus der Südsee zurück ist.
    Ich verstehe immer noch nicht so recht, wie das sein kann, dass die Krankenkassen nicht offen legen müssen, was sie da einsparen. Wie kriegt man sowas denn am Staat vorbei? (Leider bin ich politisch, wirtschaftlich nicht ganz so fit, um das zu verstehen ^^“)
    Nunja… bleibt abzuwarten, was da noch schönes auf uns zukommt. Ich freue mich schon auf die Retaxbriefchen, die ich bearbeiten darf.

    in diesem Sinne:
    Hoffentlich hattest du einen schönen Urlaub.
    Nicht ärgern lassen
    und schöne sonnige Tage

    ~ P.sychoT.A.ntchen

    • Die Argumentation ist ungefähr folgende: Die krankenKassen sind Körperschaft des öffentlichen Rechts, im speziellen Fall eine Personalkörperschaft. Da diese Körperschaften explixit an die Gesetze gebunden sind, erübrigt sich eine Kontrolle diese Körperschaften, da sie ja – per Gesetz gebunden – immer völlig gesetzteskonform agieren (müssen). Außerdem liegt eine andere Besteuerung und eine andere Bilanzpraxis gegenüber der „Privatwirtschaft“ vor, um eine „Selbstbesteuerung des Staats zu vermeiden“, was der Finanz-Trickserei dieser in der zwischenzeit wie Privatkonzerne agierenden Gebilde Tür und Tor öffnet. Politisch wird das ganze gedekt, denn es winken nette Berater- und Aufsichtsrats-Pöstchen während und nach Abschluss der politischen Kariere – aber nur für die, die sich als treu ergeben erwiesen haben. Ex-Gesundheitsminsiterin Ulla Schmidt (vor jeglicher Einflußnahme gefeiht da SPD!) war in ihrer Ministerzeit in 8 (acht!) Aufsichtsräten gesetzlicher Krankenversicherungen gleichzeitig! (Für wen hat di eFrau wohl Politik gemacht? Kommt einer drauf?) Da aber, wie oben bereits erläutert, sich die krankenKassen von Gesetz wegen her weder irren noch böse sind, sind die einzigen „bösen“, da fehler machenden und falsch abrechnenden im Gesundheitssystem, die Leistungserbringer. Also muss gegen Leistungserbringer mit unerbittlicher Härte vorgegangen werden. Fertig.

      Nun ist es so, dass insbesondere das BMG von „Praktikantenstellen“ der krankenKassen regelrecht unterwminiert ist, so dass die krankenKassen in der Zwischenzeit nicht mehr nur Einfluss auf die Gesetzestexte nehmen, sondern diese zum Teil komplett ausarbeiten und via BMG dem Parlament zur Zustimmung vorlegen. Das Parlament glaubt (natürlich) an die unabhängige Arbeit eines untergeordneten Ministeriums… und hält die fraglichen vorgelegten Gesetzte und Verordnungen für prima und winkt diese durch.

      • O weiale.

        Auf diesen Knick-Blog bin ich über das leider dahingeschieden(worden)e Muskelrelaxans Tetrazepam gekommen, von dem ich zum Glück noch kleine Restbestände zum Eigengebrauch gebunkert habe.
        Die aber bald aufgebraucht sein werden.
        Und was mach ich dann?
        Diazepam?
        HaHa.

        Zur Info:
        Ich bin Leidensgenosse „am anderen Ende des Rezeptblocks“, also ebenfalls von der „unerbitllichen Härte gegen die bösen Leistungserbringer“ betroffen.
        Gegen diese Krake aus krankenKassen und ihren multiplen Verzweigungen in die Politik hat mensch leider keine Chance, und diese ganze Perfidereien gegen die „Leistingserbringer“ (das größte Schimpfwort in der Kassenwelt überhaupt) weiß keiner/interessieren keinen.

        Ich selbst wußte ja auch nicht, daß die Apotheken bei „Rabattverstößen“ das Medikament selbst bezahlen dürfen.
        Genauso wie wir die „überflüssigen“ Massagen, die Patienten so gern haben und ihnen nach (mündlicher) Auskunft der Kasse „natürlich!“ zustehen.

        Mein Beileid, und willkommen im Club! (…derer, die noch Leistungen erbringen…)

        Dr.med.Mabuse

      • Nicht alle Massagen sind überflüssig – sage ich zumindest mal aus eigener Erfahrung. Aber einige sind sicher von Patienten unnötig gefordert.

        Ich finde es aber gut, dass sich hier – auch wenn die Blogeinträge schon älter sind – die Seite der Rezeptausstellung auch mal umschaut. Mir ist dabei durchaus klar, dass die Ärzte durchaus auch unter unsinnigen KrankenKassen-Repressalien zu leiden haben. Dass ´thekers auch unter Schwachsinns-Kassen-Bürokratie ertrinken, hat sich leider oft bei den Ärzten noch nicht herumgesprochen. Hier leiste(te) ich gerne Aufklärung und hoffe auf Weiterverbreitung meiner Nachricht.

        Insofern sitzen die Leistungserbringer alle im selben Boot, nur leider sehen es die meisten nicht. Schade.

        Willkommen auf dem Blog!

  3. Ich bin beim Lesen tatsächlich überfordert, auch von Deiner Umschreibung. *seufz*
    Ohje ohje ohje … ich hab nämlich auch so’n nicht rabattiertes Medikament auf meiner Einnahmeliste, das einzige, was mich derzeit zur Stammkundin von Apotheken macht. Ich sollte dann wohl besser nicht noch mal so krank werden, daß ich in eine Klinik muß, damit nicht wieder die zwangsweise von den Schwestern bestellten rabattierten Alternativen im Müll landen …
    Der Kläger war wirklich die TK? Fuck! 😦

    • Im Krankenhaus bekommst Du rabattierte Medikamente nur durch reinen Zufall. Gewöhnlicher Weise gibt es dort tatsächlich häufig genug die Originale. Das hat zwei Gründe:
      1) Die Arzneimittel im Krankenhaus sind via Fallpauschale mitbezahlt. Folgerichtig ist es den krankenKassen egal, was Du bekommst.
      2) Krankenhäuser werden vom „normalen“ Arzneimittelmarkt bei Medikamenten(einkaufs)preisen gesponsort. KH´s haben Einkaufs-Tiefst-Preise jenseits von Gut und Böse. Deswegen gilt es auch als Fälschung (und Betrug), wenn man KH-Packungen umedikettiert zu Normal-Packungen. Die Gewinne, die sich so realisieren ließen, sind exorbitant.
      Also keine Angst vor den Krankenhaus-Medis. Und im Zweifelsfall einfach die eigenen (mit) eingepackt. Das darf man zwar eigentlich nicht, aber im Falle von Unverträglichkeiten kann man da sicher auch mit denen reden…

      Der Kläger war allerdings nicht die TK, die war die Beklagte. Es wäre aber auch fast jede andere Ersatzkasse gegangen. Der fragliche Fall bot sich nur als Musterprozess an, und deswegen wurde er halt genommen. Der Kläger war der DAV, der gegen die Vollabsetzung des Geldbetrags für ein geliefertes Medikament (Nicht-Rabattartikel, aber erbrachte Leistung) klagte… Das ist ja das perfide: Die krankenKassen brauchen in einem Fall der Vollabsetzung (Null-Retax) nicht zu klagen. Die schreiben Dir einfach einen Brief, und schon bist Du als Apotheker das Geld los. Und zurückbekommen ist nicht so einfach, und nach diesem Urteil zum Teil gar nicht mehr möglich – auch nicht anteilsweise.

      • Naja, aber Du meintest ja, die Kasse sei mit großem Anwaltsgeschwader aufgekreuzt. Da tut die Rolle im.Verfahren wenig zur Sache. 😉 Und natürlich bezahle ich dann solche Aktionen auch mit.

        Klar hab ich meine Schilddrüsentabletten mitgenommen, als ich vor zwei Jahren zur (mangelhaften) Epilepsie-Abklärung ins städtische Klinikum ging. Und hab dann später von einer angehenden Ärztin erfahren, dass das ne Grauzone ist. Da ich das Präparat seit 2007 täglich nehme, würde ich trotzdem immer wieder so handeln.

      • Die krankenKassen sind immer sehr gut mit Anwälten bestückt. Sollten die Ausgaben zu groß werden, kann man ja einfach die Versicherungsumlage erhöhen, gell? Und wenn die Kasse pleite geht, läßt man sich „übernehmen“, und bekommt einen „Ersatz-Vorstand“sposten für läppische 5 Jahre…

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