Vom Leistungsschutzrecht

So, nun ist es also da. Das Leistungsschutzrecht. Klingt ja nicht schlecht, das Wort. Leistung ist schließlich Arbeit pro Zeit. Schutz hätte (fast) jeder gerne. Und das Recht? Nun ja, das ist eine Problematik, die sehr kontrovers diskutiert wird, je nachdem, was das „Recht“ zu den Diskutanten gerade so zu sagen hat. Aber dafür gibt es ja speziell ausgebildete, professionelle Diskutierende, die auch noch von einer Art Mediator geleitet (und, entgegengesetzt zum Mediator auch beurteilt, ja geradezu gerichtet) werden. Aber das Leistungsschutzrecht betrifft offensichtlich auch Blogger. Und das ist meiner Meinung nach Mist.

Denn das Problem haben nicht etwa die großen Suchmaschinenbetreiber, die sich von den großen Verlagen, welche seit 4 Jahren die Diskussion um das Leistungsschutzrecht lobbyistisch umsetzen voran treiben, einfach nicht erpressen bezirzen lassen wollen. Insbesondere Springer wird meiner Meinung nach den Teufel tun, um Google, Bing und Co. eben den Zugang zu verweigern, weil ebenjene keine „Sonderabgaben“ abführen wollen und werden, um irgendwelche Schnipsel zu lizensieren. Springer und Co. sind viel zu klick-geil, denn an den Klicks hängen die Einnahmen, und nur die Klicks – und die aus den Klick-Statistiken generierten Werbeeinnahmen – zählen.

Aber ich hege keinen Zweifel, dass hochdotierte in Verlagen angestellte (bzw. von Verlagen angeheuerte) Anwälte sich sofort auf mehr oder weniger wehrlose Einzelpersonen stürzen [1], und diese im Sinne des Abmahnunwesens bis auf die letzte ungewaschene Unterhose verklagen werden, selbst wenn es nur darum geht, ein Exempel zu statuieren. Und das macht mich betroffen. Denn ich kenne die Grenze nicht so genau, vor der vom Gesetz geschützte Zitate stehen, und hinter der der Verstoß gegen das Leistungsschutzrecht lauert. Aber – soweit ich die Diskussion verstanden habe – reichen zum Verstoß gegen das Leistungsschutzrecht zum Teil schon drei zusammenhängende Worte. Wow. Das schaffe ich sogar, ohne einen Artikel zu kennen, in dem die von mir geklauten Worte rein zufällig in ebendieser Reihenfolge auftauchen. Fakt ist: Ich werde keine Zitate aus den Veröffentlichungen größerer Verlage mehr verwenden (können), weil ich nicht sicher sein kann, nicht gegen das Leistungsschutzrecht zu verstoßen. Nur bringen „Umschreibungen“ eben zum Teil nicht das selbe Ergebnis, wenn ich diese kommentiere.

Aber ich kann mir eben auch nicht sicher sein, das sich eben auch kleinere Verlage bzw. Veröffentlicher (oder auch andere Blogger) auf das Leistungsschutzrecht berufen. So bleibt mir nichts anderes übrig, als in Zukunft zwar auf einen externen Artikel zu verlinken, dieses aber eben nicht mehr direkt zu zitieren, sondern diese Textstellen eben nur noch zu umschreiben. Schade.

Unabhängig davon scheint das Leistungsschutzrecht zumindest nicht die Verlinkung auf „fremdveröffentlichte“ Artikel unter Strafe zu stellen, solange man eben keine drei zusammenhängende Worte (direkt) widergibt, welche in dem fraglichen Artikel stehen. Was mich als Blogger – und sicher auch viele andere Blogger – einschränken wird. Denn eines ist klar: Eine „aktive Gefahrenabwehr“ kann ich mir einfach nicht leisten, weder finanziell noch zeitlich. Und ich vermute schwer, vielen anderen Bloggern dürfte es ähnlich gehen. (M)Ein Blog ist halt (m)ein Hobby. Nicht weniger. Aber auch nicht mehr.

Und so haben genau diejenigen die Auswirkungen solch schwachsinniger Gesetzgebung zu spüren, die (angeblich) so gar nicht Ziel der fraglich Gesetzgebung waren. Tolles Deutschland. Ich bin stolz, hier zu leben.

——————
[1] Wie es der Designer-Klamottenanbieter „Jacob Hundehaut“ schon mit diversen Omis [2] geschafft hat, die es wagten, selbstgeklöppelte Sitzkissen mit Der Hundeschnauzedem (geschützten) Markenzeichen von Jacob Hundehaut – zum Kauf anzubieten, um sich ihre kärgliche Rente aufzubessern. Nur das fragliche Omis eben nicht nur Hundeschnauzen, sondern Katzen-Futterklappen oder auch Pferdemünder gehäkelt hatten. Macht aber nichts, die hätten ja auch 10 Jahre Zeit bekommen, von ihrer Rente die strittigen Gebühren abzustottern. Ein dramatischer Shitstorm Sturm der Entrüstung quer durch geschätzte 95% des Internets brachten dann die Manager des Betriebs dazu, ein Dementi zu verbreiten, nachdem die beauftrage Kontent-Mafia-Organisation ohne jedes ethische und moralische Empfinden der Dienstleister seinen Auftrag, Abmahnungen wahllos nur an die schamlosesten Markenpiraten zu verschicken, irgendwie ganz falsch verstanden hatte, und man ja von dem Kreuzzug gegen die Ih-Bäh-Omis gar nichts wusste. Wer´s glaubt… Andererseits habe ich den schweren Verdacht, bei weitem nicht so ein Empathie-Potential wie eben jene Omis aufbringen zu können, so dass sich eben nicht 95% des Internets hinter mir versammeln wird. Damit muss ich wohl leben.
[2] Was mich am meisten gewundert hat, war, dass die TASCH – die TagesSchnauze, eine recht kampflustige Presseredaktion, bekannt für ihre große Klappe – die schon seit Jahren eine Hundeschnauze (ebenfalls) als Markenzeichen führte, keine Abmahnung kassierte. Lag vielleicht daran, dass die Haus- und Hof-Gesetzesinterpreten der TASCH in ziemlicher Übung waren, da sie sich zu fraglichem Zeitpunkt regelmäßig mit den Zeitgenossen der Konkurrenz bissen – und ziemlich oft gewannen. Da wäre nichts (leicht) zu holen gewesen für Jacob Hundehaut. So setzte man halt wohl Prioritäten.

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6 Gedanken zu „Vom Leistungsschutzrecht

  1. Hallöle,

    Manchmal habe ich echt das Gefühl, weil uns „echte“ Probleme fehlen, wie z.B. wo bekomme ich etwas zu essen, Heizmaterial oder eine warme Decke, müssen wir mit der Arbeit „auf die Dörfer“ und Probleme erfinden, damit Menschen (in diesem Falle Juristen) weiter in Brot und Arbeit stehen.
    Kein Schwein, und natürlich kein Mensch hätte jemals Rabattverträge erfunden, wenn wir nicht den Überfluss an Generika hätten.
    Wenn nun aber schon drei Worte auf einem Text reichen, um zitiert zu haben …. Wie will man denn das nur beweisen oder als Blogger beweisen, daß man sich justament diese drei Worte selber ausgedacht hat und ohne Zitierabsichten hintereinander gereiht hat? Muß ich Kreative Rechtschreibfehler machen? Wie Yoda, jeder Grammatik abhold, Wörter in falsche Reihenfolge ich stellen muß? Oder kommt dann George Lucas und verklagt mich?
    Luxusprobleme, die nur mit Luxusgeld gelöst werden können. Nur lebet nicht jeder Blogger oder internetuser unbedingt im Luxus. Wie die von Jacob Hundeschnautze drangsalierten Omas zeigen. (Das hat mich übrigens sicher zwei Minuten grübeln gekostet! Ich habe mal ein Osterei mit Hundeschnautzen bemalt, welch ein Glück, daß ich das nie im Netz veröffentlicht habe)
    Aber bitte Gedankenknick – blogge weiter, ich verspreche auch, dich nie zu verklagen oder zu verpfeifen…… 🙂
    Gruß aponette

    • George Lucas bestimmt nicht zu Dir kommt – der alles hat an Disney vertickt….

      Ich hätte da mal eine Idee: Setzen wir die ganzen Abmahnanwälte in einen Flieger, landen in irgendeiner unbekannten 5-Millionenstadt in China (z.B. Kunming, da gibt es in einem Einkaufszentrum einen komplett gefälschten Apple-Store), schicken sie in der Innenstadt los – und dann sollen sie ihrem Job nachgehen – hier werden sie auf jedem Markt und in jedem Lädchen sofort fündig! Viel Spaß!

      • Du weißt aber schon, was passiert ist, nachdem alle Telefondesinfizierer und Papierkorbausleerer in das „Raumschiff Nr. 3“ gesetzt und zu einem fernen Planeten geschickt wurden, oder?

    • So 800 Jahre alt Du wirst, und trotzdem keinen Satz gerade Du sprechen kannst, Du Dir das Recht verdienst haben wirst, zu gelten als etwas schräg. Du Dich dann berufen kannst auf Vergesslichkeit. 😉 Disney findet Markenpiraterie übrigens überhaupt nicht witzig, habe ich mal gehört…

      Eine Zusammenfassung des angesprochenen Rechtsbeispiels findet sich hier in der Wikipedia. Die TASCH hatte doch tatsächlich schon vorher was auf die Futterluke bekommen, hatte ich damals gar nicht mitgekriegt. Aber das Ganze ist 4 Jahre her, und kaum jemand erinnert sich. So ist das Leben.

  2. Es war die B Arche, in der A und C Arche waren die wirklich nützlichen Mitglieder der Gesellschaft…..
    Aber es erklärt doch wirklich vieles von dem, das hier abgeht ….. 42!
    Gruß aponette

    • Tatsache. Ist schon so lange her, dass ich das gelesen habe. Aber Die A- und C-Arche sind irgendwie nie gestartet. Schon komisch, wenn die schlausten Anteile der Menschen solche technischen Defekte nicht beheben können… 😉

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