Spitzenverband der GKV ist neuer Eigenheimbesitzer in Berlin

Ja, man soll es kaum glauben. Der Spitzenverband der GKV ist zum Schluss gekommen, man bräuchte eine neue Residenz. Und da Kaufen ja bekanntlich viel billiger ist als mieten, hat man sich für eine schicke schnuckelige kleine Immobilie in bester Innenstadtlage entschieden. Und dafür hat man ein klein wenig Geld locker gemacht – das Bundesgesundheitsministerium soll dem Kauf bereits zugestimmt haben. Aber es wurde nicht etwa der Bausparvertrag aufgelöst, und des Spitzenverbands Omi ihr klein Häuschen wurde auch nicht zur Gegenfinanzierung verscherbelt. Nein, es wurden mal eben die Gelder der Versicherten abgezapft. Und zwar schlappe 71 Millionen €uro. Aber dafür bekommt man ja ein Bauwerk mit 8 Etagen, einem Kellergeschoss mit Tiefgarage, mehrere Kühlräume allen für Getränke usw. usw. Und laufende Kosten werden durch so ein Gebäude natürlich auch nicht verursacht. Vielsagend heißt das Gebäude übrigens „Palais am Deutschen Theater“…

Man überlege mal: 71 Millionen €uro. Klar, man könnte jetzt sagen, die GKV hat es ja, hat sie doch geschätzte „Rücklagen“ von 30-40 Milliarden €uro, da ist so eine Hütte doch mit einem Griff in die Portokasse abgegolten. Andererseits wird vom Spitzenverband der GKV bei Leistungserbringern (und damit auch bei den Versicherten) um jeden Cent gefeilscht und gespart. Und das finde ich unhaltbar und auch untragbar. Für die Versicherten heißt es „sparen sparen sparen“, und an der Ausgabenfront haut man mal eben fast dreistellige Millionenbeträge raus. Immerhin haben auch Nicht-Fach-Pressestellen darüber berichtet in der Zwischenzeit. Aber der Aufschrei der Bevölkerung bleibt aus. Wenn ich mir überlege, dass angeblich allein die LED-Beleuchtung 750.000 €uro gekostet haben soll, oder die „Kühldecke“ 350.000 €uro, dann entgleiten mir die Gesichtszüge. Zur „zeitgemäßen Ausstattung eines modernen Bürogebäudes“ gehören dann auch unter anderem Unterputz-Lautsprecher, ein Pool, zu den Deckenlampen passende Design-Stehleuchten u.ä. Ja, so wird die Gesundheit der Versicherten gut erhalten.

Wenn aber die Apotheker eine sinnvolle Vergütung für Nacht- und Notdienst fordern, weil die Mischkalkulation in der Zwischenzeit de facto abgeschafft wurde, dann ist der Aufschrei groß. Und wenn Listen erstellt werden sollen, welche Arzneimittelwirkstoffe prinzipiell nicht ausgetauscht werden sollten, weil das nicht im Sinne der Behandlung sein kann, dann wird vorsichtshalber betont, dass man besser gar keine Medikamente auf diese Liste setzt, weil man dann so wenig sparen können würde. Ja, dafür brauchen wir hochbezahlte Manager – damit sie uns erklären, wie die Welt funktioniert, und wo man am besten das zwangseingezogene Geld der Versicherten investiert, welches diese eigentlich zum Erhalt ihrer Gesundheit abführen mussten.

Hatte ich schon erwähnt, wie stolz ich bin, in diesem Land zu leben? Ich könnte heulen.

Wer mehr nachlesen will suche z.B. bei Apotheke Adhoc, in der Ärztezeitung, eine klitzekleine Aktennotiz vom Spitzenverband selber, bei der BZ (von der ich sonst nicht so viel halte), und Google wirft noch viele weitere Treffer aus.

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