Mehliertes Dosenfleisch – diesmal in gelb

Ja, über Spam habe ich schon öfter berichtet. Und nein, Fleisch, welches gelb geworden ist, sollte man nur essen, wenn es sich um ein Curry-Gericht handelt. Aber wie ich so Sonntags hinter meiner Theke sitze, nicht etwa wegen eines Sonntags-Notdienstes, sondern weil ich „Wartungsarbeiten“ an meinen Putern durchführe, welche im laufenden Betrieb einfach nicht machbar währen (Daten-Updates des Notkassensystem, Defragmentierung der Festplatten und all so ein Kram), und meine Mails durchgehe, finde ich mal wieder diese Mail:

Achtung: Korrektur/Annahmeschluss ist der 20.09.2013

Anträge, die nach dem 20.09.2013 erfolgen, können aus organisatorischen Gründen nicht mehr berücksichtigt werden. Für unkorrekte Daten gewährleisten wir keine Haftung.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Da wir Sie mehrmals auf unser Schreiben auf dem Postweg aufmerksam gemacht hatten, fordern wir Sie letztmalig auf, im Bedarfsfall Ihre Daten zu korrigieren. Bitte überprüfen Sie die untenstehenden Angaben auf ihre Richtigkeit und senden Sie dieses Formular (PDF) für die korrekte Veröffentlichung Ihrer Firmendaten umgehend zurück. Ohne die unterzeichnete Zurücksendung kann keine Garantie auf Veröffentlichung im Branchenbuch Deutschland gewährleistet werden.

Ihr Grundeintrag umfasst:

Firma: Kick-Apotheke
Branche: Apotheken, �ffentliche

Straße: Knickstr. 1
PLZ/Ort: XXXXX Knickort
Bundesland: Knickland

Telefon:
Telefax:
E-Mail: info@knickapotheke.de
Internet-Adresse:

Prüfen Sie bitte die Angaben zu Ihrem Eintrag und senden Sie das Formular umgehend per Fax. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen finden Sie auf unserer Internetseite.

Hochachtungsvoll
Ihr Branchenbuch Team

Möchten Sie keine E-Mails mehr von uns erhalten? Dann senden Sie bitte eine E-Mail mit dem Verwendungszweck „unsubscribe“ an info@deutsches-branchenbuch.net

Liebes Branchenbuch-Team,

der Trick ist schon soooooo alt und hat schon einen sooooo langen Bart, dass man meinen sollte, darauf fällt wirklich niemand mehr herein. Aber offensichtlich wohl doch, sonst würde man sich wohl in weit entfernten Teilen der Welt nicht die Mühe machen, solcherlei „Rundschreiben“ in ziemlich gut und offiziell klingendem Deutsch zu verfassen.

Schon der Anfang ist lesenswert. Sehr geehrte Damen und Herren, Aha. Man kennt meine Anschrift. Man kennt meinen Betrieb. Man kennt aber nicht den Namen des Apothekenleiters? Hätte das „Branchenbuch-Team“ mal in die Konkurrenzprodukte von „Das Öffentliche“ oder der „Telekomiker“ oder wem auch immer geschaut. Aber es geht ja munter weiter: Da wir Sie mehrmals auf unser Schreiben auf dem Postweg aufmerksam gemacht hatten, Nein, habt ihr nicht. Und wenn, wäre es so in die Rundablage (ohne vorheriges Falten und Lochen) abgelegt worden, wie es bei mir angekommen wäre. Und dass ich postalisch erreichbar bin, weisen mir verschiedene Post- und Paket-Dienste fast täglich nach. fordern wir Sie letztmalig auf, Ei ei ei, letztmalig. Und wenn nichts von mir kommt? Geschieht mir etwas schlimmes? Werde ich krank, erschossen, fallen mir die Haare aus? Wer lernen will, wie man ordentlich droht, sollte sich mal Filme wie „Der Pate“ anschauen. im Bedarfsfall Ihre Daten zu korrigieren. Bitte überprüfen Sie die untenstehenden Angaben auf ihre Richtigkeit Habe ich denn Bedarf? Ich dachte, dass sagt ihr mir! Muss man wirklich alles selber machen? Hach nee, lasst euch mal erklären, was es bedeutet, wenn ich Dienstleistungen „outsourcen“ will. Dann erwarte ich, wenn ich schon viel Geld dafür bezahle, dass Dinge für mich erledigt werden. Und zwar richtig und ohne tausend Nachfragen. und senden Sie dieses Formular (PDF) für die korrekte Veröffentlichung Ihrer Firmendaten umgehend zurück. Darf ich das überhaupt noch in Zeiten von Tempora, Prism & Co? Einfach so Daten veröffentlichen? Ist das nicht gefährlich – und verstoße ich damit nicht sogar gegen deutsche Datenschutzgesetze, wenn ich jedem meine Adresse und meine Telefonnummer verrate, der die wissen will? Heikel heikel! Ohne die unterzeichnete Zurücksendung kann keine Garantie auf Veröffentlichung im Branchenbuch Deutschland gewährleistet werden. Echt, ihr garantiert mir etwas? Wow, und ich dachte, das gibt es nur boch bei der NSA – die Garantie, dass man auf Schritt und Tritt überwacht wird. Und was bitte ist eine „Zurücksendung“? Meint ihr eine „Rücksendung“? Dann schreibt das doch einfach.

Auch der nächste Absatz ist schön, denn obwohl meine Adresse und mein Bundesland korrekt angegeben ist, schafft ihr es nicht einmal, das „öffentliche“ mit einem Ö zu schreiben. Dieses dürfte wohl an eurem lokalen ASCII-Satz liegen, der einfach nicht so ganz mit dem in Deutschland gängigem übereinstimmt. Denn der selbe Fehler unterläuft euch im angehängten PDF, nur dass ihr da das Ö gegen eine # ersetzt habt. Ja, so eine Raute wird auch für „Hash-Tags“ benutzt, aber ich bin eine Apotheke und nicht Twitter! Kauft euch doch einfach mal einen Computer im Planeten-Laden, und der hat auch die korrekten Sonderzeichen auf der Tastatur…

Prüfen Sie bitte die Angaben zu Ihrem Eintrag und senden Sie das Formular umgehend per Fax. Jawoll! Mach ich! Im Zeitalter der E-Mail faxe ich den ganzen Tag, denn elektronische Unterschriften würdet ihr natürlich nicht akzeptieren. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen finden Sie auf unserer Internetseite. Aha, ihr schickt mir ne Mail, die ich als Fax zurückschicken soll. Aber die AGBs finde ich weder in der Mail noch auf dem Fax, sondern irgendwo im Internet auf einer Seite, die nicht mal in der Mail angegeben ist? Wow, müssen aber lange, komplizierte und wichtige AGBs sein, wenn die weder in die Mail noch auf das Fax passen. Langsam werde ich mistrauisch… Möchten Sie keine E-Mails mehr von uns erhalten? Dann senden Sie bitte eine E-Mail mit dem Verwendungszweck „unsubscribe“  Das wäre aber das erste Mal, dass so etwas was nützen würde. Ehrlich.

Liebes Brachenbuch-Team, solltet ihr wünschen, dass ich nie wieder eure Mails lese, bearbeite, oder meine Meinung zu diesen äußere, schickt mir einfach keine Mails mehr, oder schreibt mir an gedankenknickATgmxDOTde.

Hochachtungsvoll, Gedankenknick

Das PDF hier als Bild reinzustellen, erspare ich mir mal. Ich kopiere aber mal die lustigsten Stellen daraus hier in den Text. Man muss der ganzes Sache aber lassen, dass es zumindest professionell erstellt aussieht, und keine offensichtlichen Schreibfehler (bis auf die in meiner Brache) zu finden sind. Falls von Ihrer Seite keine Reaktion auf unser Schreiben erfolgt, kann eine eventuelle Korrektur durch uns nicht vorgenommen werden. Ach, wie schade. Deswegen der Feler in der Branchenbezeichnung, damit den auf jeden Fall „korrigiere“? Für unkorrekte Daten übernehmen wir keine Haftung. Ich glaube ja, ihr haftet für gar nichts! Wir bitten Sie, uns diesen Antrag innerhalb von 5 Arbeitstagen ausgefüllt und evtl. mit ihren neuen Daten zum Beispiel aufgrund von Umzug zu übermitteln. Und sonst? Haarausfall meinerseits?Bei nicht Einhaltung wäre eine evtl. Löschung Ihrer Daten aus dem Deutschen Branchenbuch die Folge. Au ja! Löscht mich! Löscht mich! Am besten meine Mail-Adresse aus euer Datenbank gleich mit! Wir sind stets bemüht unsere Kundendaten so aktuell wie es uns möglich ist auf ihren neuesten Stand im Deutschen Online Branchenbuch zu veröffentlichen. Ach nee, ist nicht war. „…war stets bemüht…“ ist der Arbeitgeber-Bewertungscode für „…hat wirklich gar nichts vernünftig auf die Reihe bekommen…“ Und offensichtlich ist euer Buch nur Online zu finden? Nicht mal ne e-Book-Version? Schwach! Wir bitten Sie, uns diesen Antrag innerhalb von 5 Arbeitstagen ausgefüllt und ggf. mit Ihren korrigierten Daten zu übermitteln. Aha. Ja, wichtige Termine kann man nicht oft genug im Schreiben erwähnen! Erscheinungszeitraum 2013 bis 2016, Vertragslaufzeit 3 Jahre. Wow. Das läuft ja länger als mein Handy-Knebelvertrag! […] Firmeneintrag jährlich 139€, zahlweise Firmeneintrag: Zahlweise im Voraus für 3 Jahre 289€. Sparen Sie bis zu 32% Und wenn ich nicht antworte, spare ich glatt 100%! 92,8%ige Empfehlungsrate – Preis/Leistung „Hervorragend“ – neues Design – verbesserte Technik Habt ihr den Wert ausgewürfelt? Lernt mal von der SED. Die hatte eine Wahlquote von 99,8% bei einer Wahlbeteiligung von 97,9%, selbst wenn nur 25% aller wahlberechtigten DDR-Bürger überhaupt zur Urne gegangen sind. zurück per Fax an 00603 2726 2784 (Standardtarif aus dem dt. Festnetz) Ah ja. Was kostet denn ein Fax so standard nach Malaysia? Ich weiß es nicht, könnt ihr das nicht dazu schreiben? Der Verlag behält sich das Recht vor, die Daten auf ihre Korrektheit zu prüfen. Prüft ihr die so intensiv wie die Daten, die ihr bereits habt? Da sind nämlich Fehler drin! Es werden ausschließlich Unternehmensdaten akzeptiert. Privatpersonen können bei uns keinen Eintrag beauftragen. Ich wette, ihr tragt mich auch als Privatperson ein, wenn ich nur in eure Vertragsfalle tappe… Die Annahme dieses Angebots erfolgt durch die Unterschrift. Ach, ist das so?

Und so geht der Text dann noch etwas weiter. Aufschluss bringt schon die Googel-Suche nach der Fax-Nummer, dann findet man unter anderem diesen Artikel im „Schwarzwälder Boten“ vom 25.01.2013. Erstaunlich ist der Rabatt, der mir eingeräumt wurde. Wenn ich davon ausgehe, dass im Janur ein Eintrag noch 980€/Jahr gekostet hat, bietet man mir im Augenblick nicht nur 32%, sondern satte 86% Rabatt  – immerhin auf alles (außer Tiernahrung)!

Die Firmenadresse ist übrigens immer noch die selbe wie im Januar – Road Town Tortola, British Virgin Islands P.O. Box 4342. Also eine Briefkastenfirma in der Karibik mit einer Fax-Adresse in Malaysia. Logisch, in Malaysia kostet die Fax-Nummer einfach viel weniger als in der Karibik. Dafür sind in der Karibik die Erstellungskosten für eine Datenbank sicher viel geringer als in Malaysia. Man muss halt sparen, wo man kann! Würde ich auch so machen…

Ne ne ne. Ich kann mir nur vorstellen, dass man heutzutage aus reiner „Unachtsamkeit“ auf so ein Schreiben reinfällt. Und selbst dann darf man nach einem neueren deutschen Gerichtsurteil von diesem Vertrag wegen Täuschung zurücktreten. Also bitte ich alle Leser – zahlt bloß kein Geld an diese Strolche Abzocker lieben Mitmenschen!

Und an alle, die es solche Schreiben gleich in den virtuellen Papierkorb klicken: Weiter so! Vielleicht packt diese Menschen irgendwann die Langeweile, und dann hören sie eventuell auf.

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Fußnote: Keine Fußnoten, alle schon im Text untergebracht. Sonst wäre ich hier bei gefühlt Nr.100.

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13 Gedanken zu „Mehliertes Dosenfleisch – diesmal in gelb

  1. Das funktioniert heute nur noch bei
    – unerfahrenen Existenzgründern oder
    – nicht mehr gleich ganz kleinen Unternehmen, bei denen die passenden Sachbearbeiter einfach alles abzeichnen / abarbeiten.

    Und Nie, Nie, Nie auf so was wie den unsubscribe antworten – damit ist die mailadresse als funktionierend und aktiv verifiziert und damit auf den entsprechenden Märkten (und davon gibt es genügend) wesentlich wertvoller als zuvor.

  2. „Road Town Tortola, British Virgin Islands P.O. Box 4342″… Anfechtung aufgrund Täuschung, hilfsweise aufgrund Irrtum wird bei erfolgter Zustellung wirksam. Jetzt stell‘ das mal [wider des Interesses des Rezipienten] sicher. Und der Gerichtstand ist bestimmt auch auf den Jungferninseln, oder?

    Dung am Fußkleid, so oder so. Vermeiden. 🙂

    • Jupps, das ist das erste, nach dem ich suche. Wirklich sauer war ich, als ich so einen „Kettenbrief“ mal von der GdP (Gewerkschaft der Polizei) bekam. Ich sollte für eine Broschüre „Geld spenden“, an kam ein Vertrag mit 2 Jahren Laufzeit und mehrere Hundert Öcken pro Jahr. Ich war verdammt dicht dran, den GdP auf „arglistige Täuschung“ bei der Polizei anzuzeigen…

  3. Ach komm. 06032 ist die Vorwahl von Bad Nauheim (woher weiß ich das bloß?) und wenn man ISDN hat …
    Dass heutzutage immer noch überall Fax-Nummern angegeben werden, irritiert mich auch, seit ich mal vor einem als faxtauglich ausgezeichneten Multifunktionsdrucker stand und der zu faxende Inhalt nicht beim Empfänger ankommen wollte.

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