Notdienst-Klassiker: Der Schwangerschaftstest

Es ist dunkel. Irgendetwas stört gerade… Ring ring ring! …Ich blicke mich orientierend um… Ring ring ring! …Richtig, ich habe gerade Notdienst [1]. Ich taste nach meinem Hemd und nach meiner Uhr. Die phosphoriszierenden Punkte zeigen mir 8.00Uhr. Kann nicht sein! Ich drehe die Uhr so, dass die Krone rechts zeigt – ah ja – 2.30Uhr. Das scheint besser zu stimmen. Ich muss gerade eingeschlafen gewesen sein, denn das Problem davor war um 1.55Uhr abgearbeitet… Ring ring ring! … Ach richtig, da war ja noch was. Die Notdienst-Klingel ist es nicht, also muss es wohl das Telefon sein. Da ich mich jetzt geistig so halbwegs eingenordet fühle, nehme ich den Hörer in die Hand:

Knick-Apotheke, Gedankenknick am Apparat. Guten Morgen.
Die Stimme, die ich jetzt höre, kling für mich eher männlich und irgendwie leicht verunsichert. Ja, ich wollte mal fragen, ob ich bei Ihnen auch einen Schwangerschaftstest kaufen kann.
Prinzipiell können Sie das schon. Aber das ist kein Notfall, denke ich. Entweder es handelt sich um einen „Verhütungs-Unfall“, so in den letzten 72 Stunden, wie auch immer – aber dann würde ein Schwangerschaftstest noch nichts anzeigen können. Das wäre eher ein Fall für den Gynäkologen. Oder die fragliche Regel ist ausgeblieben, und dann macht es keinen Unterschied, ob sie den Schwangerschaftstest um halb 3 Uhr nachts oder um 8 Uhr vormittags kaufen.
Ach so. Aha. Na dann. Nacht. tut tut tut.

Man verstehe mich nicht falsch. Ich kann mir schon vorstellen, dass Frau nachts hochschreckt und sich fragt: Bin ich jetzt schwanger oder nicht? und darauf möglichst gestern eine Antwort haben will. Aber trotzdem: Schwangerschaft ist keine Krankheit [2]. Und die Erkenntnis ob der vorhandenen Schwangerschaft (oder eben auch nicht) ist wirklich – objektiv betrachtet – um 5 oder 6 Stunden zu verschieben, ohne dass die Welt – oder auch die eigene Gesundheit – dadurch Schaden nimmt.

Dabei spielt es doch – Hand aufs Herz – auch gar keine Rolle, ob die Schwangerschaft erwünscht ist oder eher nicht so wahnsinnig gewollt. In beiden Fällen gibt es eine positive wie eine negative (psychische) Reaktion, je nachdem, ob der Test nun positiv oder negativ ausfällt, bei der (nicht) werdenden Mutter und eventuell auch bei dem dazugehörigen potentiell werdenden Vater. Aber um 3 Uhr nachts wird sich deshalb nichts am Leben und an den Lebensgewohnheiten ändern. Raucherinnen werden wahrscheinlich um 3 Uhr nachts nicht spontan aufhören mit dem Rauchen [3]. Frauen, die bisher nicht abstinent waren, werden nicht spontan den Alkohol des vorabendlichen Weins aus-expirieren. Für eine Einkaufsorgie bei diversen Versand-Anbietern im Internet ist es vielleicht noch so 2 oder 3 Monate zu früh. Und auch die Geburtsvorbereitung ist dann so dringend wohl auch noch nicht – und wenn doch, ist der Schwangerschaftstest dann wohl überflüssig gewesen. Mit anderen Worten – der Erkenntnisgewinn des durchgeführten Tests ändert tatsächlich erst einmal nichts – bis eben auf die Erkenntnis durch das Testergebnis [4]

Ich habe mich dann wieder hingelegt, und wurde in fraglicher Nacht nicht mehr gestört. Weder durch die Notdienstklingel, noch durch eine Telefon-Beratung. Aber ich schlafe im Notdienst immer schlecht, denn ich habe immer die Angst im Nacken, einen wirklichen Notfall zu „verpennen“ und dann wegen unterlassener Hilfeleistung haftbar gemacht zu werden. Daher bin ich tatsächlich dankbar, wenn ich im Notdienst wirklich mit Notfällen zu tun habe [5], und Nicht-Notfälle einfach auf den nächsten (Werk)Tag verschoben werden können. Für das Verständnis dafür möchte ich mich bedanken.

———————
[1] Ein Notdienst zwischen zwei Werktagen. Will meinen: Von morgens früh bis abends Dienstschluss arbeiten. – Lange nicht ins Bett gehen, weil man ja auf Notfall-Patienten wartet. – Dann sich doch hinlegen, weil niemand kommt. – Kaum hat man die Augen zu, schon klingelt es. – Am nächsten Morgen einen ganz normalen Werktag beginnen, im Zweifelsfall wieder bis abends.
[2]
Ich weiß, dass es Frauen gibt, die aus medizinischen Gründen nicht schwanger werden dürfen. Aber das klärt ein Schwangeschaftstest mitten in der Nacht nicht. Und ich weiß auch, dass es Formen der Schwangerschaft gibt, die für die schwangere Frau nicht gesund sind – aber auch da hilft ein Schwangerschaftstest in der Nacht nicht weiter.

[3] Ich hege ja den Verdacht, dass bei einem positiven Testresultat da eher noch eine Kippe zusätzlich entflammt wird, um das zu verdauen… Was auch nicht schlimm ist, wenn es denn wirklich die letzte ist.
[4] Das ist bei anderen Diagnostik-Tests durchaus anders. Bei Blutzuckermessungen z.B. kommt schon mal raus, dass man dringend Insulin spritzen – oder aber sich sofort mit einer mittleren Menge zuckerhaltigen Lebensmitteln versorgen sollte, wenn man nicht anschließend dem (Not)Arzt in die Augen schauen möchte
.
[5] Ein in den Gully-Deckel oder auch in den heimischen Müllzerkleinerer gespuckter Nuckel (oder hochdeutsch „Beruhigungssauger“) kann da durchaus als Notfall-Beispiel herhalten. Mal vorausgesetzt, der ist wirklich für ein Kleinkind…
 

Advertisements

18 Gedanken zu „Notdienst-Klassiker: Der Schwangerschaftstest

  1. Mein letzer Schwangerschaftstest im Notdienst war um 0.15 Uhr. Da wurde der Mann von seiner Holden von einer Geburtstagsfeier zu mir gejagt, weil Sie wissen wollte, ob Sie denn jetzt mit Alkohol anstoßen darf oder nicht…..

    • Hätte der nette Mann bereits an meiner Tür gestanden, hätte ich ihm ein so ein Teil verkauft. Mit Notdienst-Gebühr natürlich. Aber dann NOCHMAL rausgeklingelt werden deswegen? Nicht freiwillig.

      In Deinem Fall: Das mit der Geburtstagsfeier war wahrscheinlich auch total spontan.So eine Geburtstags-Reinfeier-Feier plant man auch nie, da kommen immer alle völlig überraschend – und wußten das selber vorher gar nicht. In so einem Fall: Wie wäre es mit einer dünnen Apfel-Schorle (mit Sprudelwasser)? Sieht auch aus wie Sekt! 😛

      • Ich glaube in diesem Fall ging es weniger um das Aussehen des Getränks….
        Aber wow, das du nachts zu solchen Beratungsleistungen fähig bist.
        ich bin mal rausgeklingelt worden, so ca 25 minuten nach Einschlafen. war viertel nach zwei, da wusste ich erst nicht, wo oben und unten ist und habe das Klingeln für meinen Wecker gehalten… Der Patient musste nochmal klingeln, bis ich es gescheckt hatte. Dabei habe ich auch panische Angst davor einen Dienst zu verschlafen. War wohl mitten in einer Tiefschlafphase.

      • Ich kann auch nicht in z.B, Zügen schlagfen, weil ich (unterbewupßt?) Angst habe, die Haltestelle zu verpassen. Ich dämmere dann immer nur vor mich hin. Hilft beim Notdienst, ist aber nicht so wahnsinnig erholsam.

      • Wenn man erst einmal in so eine rechte Schläfgerei verwickelt ist, verpasst sich eine Haltestelle nun mal sehr leicht… oder so. 😀

        Und was „unterbewupt“ ist, habe ich auch noch nicht rausgefunden. Man man man….

      • Unterbewupt…naja etwas wuppen heißt, etwas in Angriff nehmen, also beschäftigt sein. Du warst einfach unterbeschäftigt, also hast du diese Angst nur, wenn du nix zu tun hast. Vielleicht gerätst du deshalb ja aus lauter Langeweile in Zugschlägereien? 😀

    • Geht via Telefon noch nicht. Leider. Aber vielleicht mache ich mal mal „Mitten-In-Der-Nacht-Express-Versand“? Wird garantiert bis übernächsten Tag 10.00Uhr ausgeliefert. Mit Nachnahme und Express-Zuschlag… 😛

      Aber NOCHMAL rausgeklingelt werden deswegen? Grad bist Du wieder eingepennt, klingelt er dann. Bleibst Du aber auf und wartest, kommt keine Sau. Es ist immer ein blödes Spiel um „Murphys Gesetz“.

  2. Als Außenstehender würde ich den Verdacht äußern, dass viele der Anrufer schlechthin nicht wissen, dass sie jemand aus dem Schlaf wecken würden. Vielleicht meinen sie, dass der Auskunftgebender hellwach in einem Büro sein Schicht abarbeitet.

    Dies ändert zwar nichts an dem Notfallstatus, macht aber die Belästigung mit Trivialthemen nachvollziehbarer. Vielleicht ist die Telefonnummer in der benutzten Quelle nichtmal als Notfallsnummer bezeichnet, sondern als z.B. „Nachtdienst“.

    • Die Analyse dürfte zu 2/3 stimmen. Gratulation. Die Telefonnumern findet man eigendlich immer unter „Apotheken-NOTdienst“, das „Nachtdienst“ ist einfach veraltet. Und die Telefonnummern sind die ganz normalen Telefonnummern der fraglichen Apotheken – keine bundeseinheitliche Weiterleitungsschleife wie die 110, 112 oder auch 116117. Des weitern ist stimmig, dass vielen Anrufern nicht bewußt ist, dass a) da ein Mensch rumlungert, der tagsüber ganz normal arbeitet und b) von den 2,50€ pro Vorgang (und jetzt neu den ca. 200€ pro Notdienst-Nacht) so ein Dienst natürlich nicht zu bezahlen ist. Erklärt man das in aller Ruhe, folgt meist Ungläubigkeit.

      Aber so ist das Leben. Daher „Augen auf bei der Berufswahl!“ Das mit den Notdiensten habe ich ja auch vorher gewußt – eben nur nicht, was man da so erlebt… Nun blogge ich halt drüber. 😀

      • Und wieso hatte ich dann nachts um halb drei die Frage vom Anrufer, bei WEM er gerade angerufen hat? 😉
        Gut war ein Zahnnotfall, da konnte ich eh nicht handeln…..

      • Können noch nicht. Da die Abrechnung „quartalsweise“ erfolgt, und die „Selbsterklärung der privat abgerechneten verschreibungspflichtigen Humanarzneimittelpackungen“ für den September noch ausstehen, ist mit der Auszahlung für das 3. Quartal 2013 (also August und September, da der Juli ja noch nicht im Gesetz lag) mit eventuell Mitte November auszugehen. Na warten wir es mal ab…

  3. Liebe Unbekannte / lieber Unbekannter!

    Ich bin gerade auf Ihren Post gestoßen da ich in genau dieser Situation gerade stecke:
    „Zum Notdienst oder nicht?“ – wegen einem Schwangerschaftstest.

    Also die weiter oben beschriebene Situation bzgl. einer Geburtstagsfeier finde ich ja schon leicht dreist. Meine Situation ist eine andere- aber ich werde nun nicht fahren um keinen aus dem Bett zu klingeln.

    Zur Erklärung:
    Seit Tagen fühle ich mich unwohl, Durchfall, starke Brustschmerzen etc. – alles Symptome die ich von meiner Menstruation her kenne. Eben aufgestanden, um 6:30 Uhr beginnt meine Schicht – und die „Beschwerden“ sind unverändert. Einen Blick in den Kalender geworfen und gesehen „Ach du Schreck – ich bin drei Wochen überfällig!“

    Laut Dr. Google und Symptomanalyse habe ich Krebs oder Aids- das will ich nun natürlich nicht hoffen. Aber ich bin beunruhigt- Schwangerschaft ist eigentlich ausgeschlossen. Ja- ich kann bis heute Nachmittag, und werde es nun auch tun, um 16 Uhr warten und dann in die Apotheke fahren.

    Währenddessen werde ich wahrscheinlich verrückt und mein Chef mit mir schimpfen 😉

    LG von einer ganz unbescholtenen, dankbaren Nicht-Apothekerin and eine Fachfrau/Fachmann für die Notdienste – ich denke vielen ist einfach nicht bewusst was Ihnen dabei abverlangt wird.
    Und ein ganz kleiner Apell:
    Vielleicht erscheint es Ihnen wie ein Wehwechen- aber ich schwöre Ihnen: Jetzt gerade würde ich auch 50€ für einen Schwangerschaftstest bezahlen.

    • Das Problem ist: Ich kann beide Seiten verstehen, Ihre und meine. Das geht Ihnen nun vermutlich auch so – aber vor dem Lesen dieses Beitrags war es sicher anders. Und zugegeben: Ich habe noch keinem Patienten etwas „verweigert“ (mal von verschreibungspflichtigen Produkten ohne Rezept abgesehen), wenn ich eh schon rausgeklingelt war und an der Notdienstklappe stand. Aber wer schon mal so nette Kommentare wie „Abzocker!“ (was noch harmlos ist) betreffend der 2,50€ Notdienstgebühr gehört hat, der ist weniger glücklich damit. Und auch zugegeben, der Test ändert bis zum nächsten Morgen nichts an dem Ergebnis, oder? (Hier erinnere ich mal an den alten Witz von Otto Walkes, dass das Schwangerschaftsnachweisinstitut in Göttingen wegen des starkes Andrangs mit Wartezeiten von bis zu 10 Monaten rechnet…)

      Schwangerschaft ist ein sehr emotional besetztes Thema, und mit Logik kommt man deswegen oft nicht weiter. Hier darf man mir als „Mann“ sowieso vorhalten, dass ich keine Ahnung vom Thema habe (siehe auch

      ). Aber „kühl und emotionslos“ betrachtet macht die Zeitdifferenz zwischen Mitternacht und Nachmittag einfach keinen Unterschied – der Schwangerschaftsurlaub steht noch nicht an, bei 3 Wochen hinter dem Termin wäre das kleine Leben schon wenigstens 4,5 Wochen alt (und damit bei einem schwangerschaftsgefährdenden Arbeitsplatz auch schon exponiert), nur der Test wird mit jeder verstreichenden Minute genauer, da einfach mehr vom Hormon zu finden ist, über welches auf die Schwangerschaft rückgeschlossen wird.

      Insofern wünsche ich alles Gute, gute Besserung mit den Befindlichkeitsstörungen … und ein Testergebnis, welches dem eigenen Wunsch entspricht. 😉

Knick hier Deine Gedanken (Mit Nutzung der Kommentarfunktion erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und Ihre IP-Adresse nur zum Zweck der Spam-Vermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden.):

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s