KrankenKassen – Gebt uns mehr! Wir habens ja! (aktualisiert)

münzenWenn die deutschen KrankenKassen etwas gut können, dass ist es, Fakten so zu manipulieren, zu verdrehen und umzufärben, dass zum Schluss genau das zustande kommt, was die KrankenKassen sich wünschen. Und was wünschen sich die KrankenKassen? Mehr Geld. Logisch.

Wir erinnern uns: Nach eigenen Aussagen hatten die GKVen Ende 2012 einen Überschuss eine Rücklage von ca. 28 Miliarden €uro. Im Februar 2013 meldete Apotheke Adhoc, dass diese Reserve zum 31.12.2012 auf 30 Milliarden €uro angewachsen sei [1], obwohl der Schätzerkreis für diesen Zeitpunkt 3 Milliarden €uro weniger vorausgesagt hatte. Na um 3 Milliarden €uro geirrt – 2 Milliarden mehr statt 1 Milliarde weniger – so ein wenig Spielgeld, da lohnt sich ja nicht mal, das Monopoly-Brett abzustauben, denn die Baderstraße kostet ja schon mehr.

Als nächsten wirklich erwähnenswerten Punkt gaben die KrankenKassen mal eine vorsichtige Schätzung ab, wie schlimm es ihnen demnächst dann wieder gehen wird, wie hier auf Apotheke-Adhoc nachzulesen. Man ging ab 2013 von einem jährlichen Minus von 2 Milliarden €uro aus. Nein wie herrlich. Bedeutet dieser Fakt, dass im Februar 2014 ermittelt wird, dass die KrankenKassen für das Jahr 2013 ein Plus von 4 Milliarden €uro ausweisen können? Wohl mitnichten [2].

Denn wahrlich, ich sage Euch: Schlechte Zeiten werden kommen! Wahrlich, Armageddon ist nahe [3a]! Menschen werden mit Tieren sprechen [3b], Affen werden die Weltherrschaft an sich reißen [3c], Tote werden auf den Straßen wandeln [3d] und im Bundestag wird eine Frauenquote am Veggy-Thursday eingefürt werden! Oder mit einem anderen Wort: Massenhysterie.

Deswegen haben die KrankenKassen in weiser Voraussicht schon einmal festgestellt, dass das Geld im Jahr 2014 vorne und hinten nicht reichen wird, und man schon mal das Steuersäckel aufschnüren sollte, damit die KrankenKassen nicht vor Geldmangel verhungern [4]. Verkündigt wurde diese Essenz weitblickender Planung am 09.10.2013 – und zwar auch auf Apotheke-Adhoc. Dabei wurde nicht vergessen zu betonen, dass die Rücklagen im Jahr 2013 um schlappe 2 Milliarden € zurückgehen werden. Und dass die Herbstsitzung des Schätzerkreises der GKV mit Spannung erwartet werde.

Dieser Herbstsitzung kam dann auch, fiel aber erstaunlicher Weise nicht ganz so aus, wie die KrankenKassen sich das erhofft hatten. Denn der Schätzerkreis schätze die Ausgaben der KrankenKassen für das Jahr 2013 um schlappe 0,9 Milliarden € geringer als die KrankenKassen selber, für das Jahr 2014 sogar um lächerliche 1,5 Milliarden €uro. Um solche Summen kann man sich schon mal vertun, nicht der Rede wert, auch für die Lehman Brothers waren solche Geldmengen doch eher was für die Portokasse. Also fordern die KrankenKassen für 2014 mal eben ca. 2,2 Milliarden €uro mehr Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds, als ihnen nach Berechnungen des Schätzungskreises zustehen.

Bei so einem ernsten Thema sollte man aber auch genau schauen, warum die Kapitallage plötzlich so schief hängt. Irgendwo müssen die ganzen Briefmarken Millionen ja hinverschwunden werden worden gewesen sein [5]. Also hat sich, wie hier bei Apotheke-Adhoc nachzulesen, der Spitzenverband der GKV zusammen mit der KBV (Kassenärztlichen Bundesvereinigung) an einen Tisch zusammengesetzt, um den Schuldigen dafür auszuwürfeln jemanden dafür bluten zu lassen, der sich prinzipiell nicht wehrt. Und möglichst jemand, der man nicht selber ist. Wer hat da also näher gelegen als die Apotheker?

Man kam also gemeinsam zu dem Ergebnis, dass die Schuldigen für ca. 1Milliarde € „Mehrausgaben im Arzneimittelbereich“ allein die Apotheker sind, und zwar betreffend des Nacht-und-Notdienst-Fonds und der Packungspauschalen-Erhöhung. Nun wurde der Nacht-und-Notdienst-Fonds von vornherrein von Politik und KrankenKassen auf ca. 220 120 Millionen € pro Jahr gedeckelt. Und die Packungspauschalenerhöhung von 0,25€ pro Rx-Packung wird auf Gesamtkosten von ca. 100 200 Millionen € pro Jahr geschätzt. Was zusammen ca. 0,3 Milliarden € pro Jahr machen dürfte. Bloß dass das für das Jahr 2013 gar nicht stimmen kann, denn der blöde Notdienst-Fonds startete erst zum August, womit sich die 220 120 Millionen € (für 12 Monate) mal eben auf anteilige 92 50 Millionen €uro (auf 5 Moante) reduziert. Davon, dass von den 0,25€ „mehr“ pro Packung gleichmal der Kassenabschlag erhöht wurde, will ich lieber gar nicht sprechen.

Erinnern wir uns. Im Jahr 2011 wurde – AMNOG I – der Rohgewinn der Apotheken um ca. 200 Millionen € (pro Jahr) beschnitten. Im Jahr 2012 wurde – AMNOG II – der Rohgewinn der Apotheken nochmals um ca. 200 Millionen € (pro Jahr) beschnitten, gleichzeitig sollten auch die Goßhändler mit ca. 200 Millionen € beteiligt werden. Diese legten fragliches Sparpaket aber – entgegen allen Beteuerungen gegenüber der Politik – zu fast 100% auf die Apotheken um. Folgerichtig bluteten die Apotheken im Jahr mit ca. 600 Millionen €. Davon bekommen die Apotheken nun ca. 300 Millionen € „zurück“, als „Lobby-Geschenke“. Macht bei mir immer noch ein Minus (für die Apotheken) oder ein Plus (für die KrankenKassen) von 300 Millionen € pro Jahr. Und dieses KrankenKassen-Plus von 0,3 Milliarden € reißt nun ein Loch von 1 Milliarde € in die Kasse der KrankenKassen.

Wie groß dieses Loch ist, sieht man auch daran, dass derzeit die größte Ersatzkasse Deutschlands mit einem Slogan Werbung macht, der schon jetzt (im Jahr 2013) eine Ausschüttung von 80€ „Dividende“ für das Jahr 2014 verspricht, wenn man denn nur schell zu dieser KrankenKasse wechselt. Nur damit ich nicht falsch verstanden werde: Den KrankenKassen geht es finanziell im nächsten Jahr so dermaßen schlecht, dass sie schon mal vorsorglich 2 Milliarden € zusätzliche Mittel (aus dem Steuertopf) beantragen, aber gleichzeitig so grandios gut, dass man schon mal „Ausschüttungen und Prämien“ in Höhe von 80€ pro Versicherten verspricht?

Bin ich eigendlich der einzige Mensch, der in diesem Verhalten ein Paradox wahrnimmt? 

Nachtrag (25.10.2013): Auf Apotheke-Adhoc wurde der Artikel geändert – die Änderung aber nicht kenntlich gemacht oder auch nur erwähnt. Nun heißt es, dass die prognostizierten Ausgabensteigerungen hauptsächlich auf die Notdienstpauschale und das Auslaufen des Preismoratoriums zurückzuführen seinen, sowie auf die (Zurück-)Absenkung des Herstellerrabatts auf patentgeschützte Arzneimittel von 16% auf 6%. Auch hier steht die Notdienstpauschale, die ca. 220 Millionen € machen wird, ganz vorne in der Liste, obwohl sie von 1 Milliarde € gerade mal 22%, von 2 Milliarden € gerade mal 11% ausmacht. Aber die Apotheker werden schon schuld sein, wie immer! Immerhin legt der KBV-Vorstand, Frau Regina Feldmann, großen Wert auf die Feststellung, dass die Ärzteschaft nicht schuld ist. Das ist besonders bezeichnend im Zusammenhang mit der Homepage der KBV, auf der auch jetzt immer noch zu lesen steht (Zitat, Hervorhebungen von mir):

Grund für die nachträgliche Anpassung des Faktors Preisentwicklung 2013 ist insbesondere die Absenkung des Apothekenabschlags sowie die Einführung einer Notdienstpauschale für Apotheken. [Der Apothekenabschlag wurde nicht abgesenkt, sondern erhöht!] Sie beträgt 16 Cent je abgegebener Packung eines verschreibungspflichtigen Medikaments. Demnach waren höhere Mittel für die Versorgung der Versicherten mit Medikamenten von etwa einer Milliarde Euro im Vergleich zu 2012 notwendig. […] Für 2014 erwarten KBV und GKV-Spitzenverband ebenfalls steigende Preise. Die prognostizierten Ausgaben sind neben der Notdienstpauschale hauptsächlich auf das auslaufende Preismoratorium und die Senkung des Herstellerabschlags für patentgeschützte Arzneimittel von 16 auf 6 Prozent zurückzuführen. Allein bei den beiden letzten Punkten [also Preisoratorium und Herstellerabschlag] gehen die Vertragspartner von Mehrkosten in Höhe von über einer Milliarde Euro aus.

Wenn allein die letzten beiden Punkte über 1 Milliarde €uro ausmachen, und es insgesamt um 2,2 Milliarden €uro geht, liegt die Notdienstpauschale wohl doch bei über 1 Milliarde €uro pro Jahr. (Schön wär es!). Wohlgemerkt ist die KBV schlau genug, die Zusammenhänge nicht völlig falsch darzustellen, aber sie macht es trotzdem so, dass ein unbedarfter Leser zu (gewollt?) völlig falschen Schlüssen kommen muss. Ich wiederhole: Die Ausgabensteigerungen liegen eben nicht hauptsächlich bei den Apotheken, sondern der kleinste Teil liegt an den Apotheken! Und das sind nur Geldmengen, die den Apotheken vorher mehrfach mittels AMNOG I + II und anderen Gesetzen weggenommen wurden – grundlos, ohne Not, auf Zahlenmaterial aus dem Jahr 2008 beruhend, und für einige Apotheken insolvenzbedingend. Diese Aussagen der KBV sind einfach nur traurig, peinlich, und einer Vertretung der Ärzteschaft unwürdig. Zumal die Apotheken seit Jahren – ohne Extrabezahlung – durch Umsetzung der Rabattverträge die Budget-Risiken der Arztpraxen dramatisch minimieren. Schade. [/Nachtrag]

Nachtrag 2 (28.10.2013): Mir ist aufgefallen, dass ich die „Mehrbezahlung der Apotheken“ (ca. 200 Mill. €) und den Notdienstfonds (ca. 120 Mill. €) von den Beträgen her verwechselt habe. Deswegen habe ich das korrigiert. An der Gesamtsumme korrigiert das maximal nach unten, da die anteilige Ausschüttung des Notdienstfonds natürlich geringer ist als von mir zuerst dargestellt. [/Nachtrag] 

——————
[1] Ich selbst habe zu diesem Zeitpunkt betreffend unterschiedlicher Quellen die Rücklagen auf ca. 35-40 Milliarden €uro geschätzt, kann diese Zahl aber im Nachhinein leider nicht mehr mit Fakten wie Presseberichten belegen.
[2] Hier sei auch an das Jahr 2011 erinnert. Ein befürchtetes Defizit von 11 Millarden €uro wandelte sich wunderlich in einen Überschuss von 24 Milliarden €uro. Kann mir diesen Trick mal einer für mein privates Giro-Konto erklären bitte?
[3] [3a] [3b] [3c] [3d]
[4] Man bedenke allein den Getränke-Kühlräume im neunem Spitzen-GKV-Kanzleramt. Es wäre eine echte Verschwendungssucht und eine Schande, wenn diese Kühlkosten verursachen, und es steht nicht mal Schampus drin!
[5
] Das ist Plusquamfuturperfekt II!
.

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3 Gedanken zu „KrankenKassen – Gebt uns mehr! Wir habens ja! (aktualisiert)

  1. Moin Knick, hast du die adhoc-Redaktion kontaktiert und zu einer Stellungnahme angeregt? Wenn die Darstellungen wirklich so verfälschend sind, kann man das so eigentlich nicht stehen lassen.

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