Apotheker trödeln rum!

Nun haben die bösen Apotheker doch endlich noch mehr Geld zugestanden bekommen [1], damit die „Gemeinwohlpflicht“ Notdienst doch nun fachgerecht entlohnt finanziell zumindest unterstützt [2] wird. Und jetzt torpedieren die bösen Apotheker alle Bemühungen der Politik und der Polizei Nacht-und-Notdienst-Fonds-DAV-Strafvollzugsumsetzungs-Abteilung, eine schnelle vertraglich vorgesehene Ausschüttung der eingenommenen Gelder durchzuführen, wie man auf Apotheke-Adhoc nachlesen kann. Ich selber bin auch einer dieser Trödler, und damit droht mir (bzw. meinem Chef) eine Geldstrafe von 500€ für den Monat Oktober. Und wie kam das?

Nachdem man sich in einem weit über einem Jahr brauchenden Prozess auf die Notwendigkeit und auf die Gesamthöhe der fraglichen Vergütung für Notdienste politisch geeinigt hatte, wurde der DAV vor die hammerschwere Aufgabe gestellt, innerhalb von 2 Monaten ein (von Politik und DAV ghemeinsam entwickeltes hochkompliziertes) Abrechnungsprozedere umzusetzen. Dieses war noch nicht fertig zu Ende entwickelt, als der Fonds im August 2013 begann, seine Arbeit aufzunehmen. Die „Abrechnungs-Sonderbelege“ erreichten viele Apotheken erst Mitte/Ende September, wo doch der Beleg immer am monatsersten Werktag (oder am Monatsersten, auch wenn es kein Werktag ist?) bedruckt werden muss. Schon dieser Fakt sorgte für viel Verwirrung unter der Apothekerschaft. Doch es hieß aus dem Fonds, dass das spätere Bedrucken nicht schlimm sei, und man bei diesen „Startschwierigkeiten“ den Beleg einfach eine Rezeptabrechnungs-Lieferung später bei seinem Rezeptabrechen-Zentrum einreicht. So einfach können Problemlösungen sein.

Nun kam der Oktober, und der Knick hat am 1. selbigen (einem Dienstag) den bescheuerten September-Selbsterklärungsbeleg bedruckt und mit Datum und Unterschrift versehen. Schon hieran scheiterten einige Kollegen, da das mit Datum und Unterschrift zwar kleingedruckt dickrot auf dünnrot unten rechts auf dem Formular steht, aber in dem Anschreiben des Notdienst-Fonds kein Wort darüber zu finden ist.

Sodann legte ich das Formular zu den abzurechnenden Rezepten, dummerweise des Monats Oktober, da die September-Rezepte schon zur Versendung vertütet und versiegelt (Datenschutz…) waren, und ich einfach keine Lust hatte, die Tüte nochmals aufzureißen, um sie anschließend neu zu versiegeln.

Mein Abrechenzentrum wies mich dann etwas später darauf hin, dass ich ja noch gar keinen Beleg für September eingereicht hätte, obwohl diese Belege ja immer im selben Quartal einzureichen wären, und ich somit keine Meldung für den September eingereicht hätte (was ich ja trotzdem hatte, nur dass diese Meldung eben erst Mitte Oktober verarbeitet wurde von selbigem Rechenzentrum). Folgerichtig habe ich dann einen zweiten Beleg für den September erstellt, den ich per Post an den Notdienst-Fonds versandte, da selbiger vorsichtshalber nicht mit so hyperfortschrittlichen Kommunikationsdiensten wie einem Faxgerät ausgerüstet zu sein scheint. Ob dieser Brief jedoch ankommt, steht in den Sternen, wenn man einigen Berliner Kollegen und deren Erfahrungen mit der Berliner Post trauen darf. Und nein, ich habe kein Einschreiben daraus gemacht.

Um mal zu sehen, um welche Summen wir bei diesen Selbsterklrungen reden, stellt sich die Frage, was mit diesem Selbsterklärugen überhaupt bezweckt werden soll. Und dazu muss man etwas weiter ausholten:
1. Jede verschreibungspflichtige Humanarzeimittelpackung wurde zum 01.08.2013 mit 0,16€ (zuzüglich 19% MwSt.) verteuert. Dieses Geld dient der Finanzierung des Notdienst-Fonds.
2. Bei Rezepten zu Lasten gesetzlicher KrankenKassen werden alle fraglichen 0,16€-Beträge vom Rechenzentrum, welches die Rezeptabrechnung gegenüber den GKVen durchführt, erfasst und an den Notdienst-Fonds überwiesen.
3. Natürlich müssen auch Rx-Packungen beachtet werden, die Patienten auf einem Privatrezept erhalten haben. Da diese aber von Rechenzentrum nicht erfasst werden (weil ja das Rechenzentrum einfach nichts davon weiß), muss die Apotheke diese gegenüber dem Notdienst-Fonds selbst erklären. Dazu bedruckt sie dieses fragliche Formular mit einem haufen Sonder-Informationen und unter anderem auch mit der fraglichen Packungsanzahl.
4. Natürlich haben auch ausländische Versandapotheken diese Gelder an den deutschen Notdienstfonds zu übermitteln, obwohl sie ja nichts davon zurückerhalten werden, weil sie ja keinen Notdienst machen. [3]
5.
Aus den Gesamtsummen wird dann – nach Abzug der „internen Notdienstfonds-Kosten“ – der Notdienst-Wert jeder einzelnen Apotheke berechnet und diese dann zum Ende des Folgequartals überwiesen.

Um nun mal Nägel mit Köpfen zu machen, bei mir ging es um ca. 500 Rx-Packungen pro Monat, die auf Privatrezept liefen. Das wären dann 500x 0,16€ = 80€. Das ist echt eine Summe, da könnte man den den Verteidugungs-Etat eines kleinen afrikanischen Landes von bestreiten – oder unser Verteidigungs-de-Maisière könnte sich 1 3/4 voll ausgerüstete Drohnen davon beschaffen…

Hatte ich schon erwähnt, dass die nicht rechtzeitige (und/oder falsche) Meldung dieser Packungszahl mit einem Strafbetrag von 500€uro (pro Monat) belegt wurde? Und dass die Polizei der DAV ein Recht eingeräumt bekommen hat, hausdurchsuchungsgleiche unangekündigte Razien bei den Apotheken durchzuführen, bei denen der (unbegründete) Verdacht besteht, sie seien unehrlich bei der Meldung dieser Packungszahlen?

Und warum habe ich nun den blöden bescheuerten ganz wichtigen Beleg in die Abrechnung einen halben Monat „zu spät“ gelegt? Weil es in dem Anschreiben des Notdienstfonds einfach nicht klar erklärt ist, wie die Abrechnung zu erfolgen hat. Und ich scheine ja nicht der einzige zu sein, der zu bescheuert ist [4], einen einfachen Brief mit einfachen Anweisungen zu lesen und zu verstehen, sonst hätten alle anderen das ja „richtig“ gemacht, und nur wegen mir hätte Apotheke-Adhoc sicher keinen Artikel online gestellt.

Übrigens zum Thema „Hochgeschwindigkeit“. Der Notdienstfonds nimmt sich dann 2 1/3 Monat Zeit, um die Ausschüttungen zu berechnen und auszuzahlen. Denn mit der Ausschüttung für das 3. Quartal 2013 (also August und September) ist zu Ende Dezember 2013 zu rechnen.

Schön, wenn man nicht alleine dumm und langsam ist.

———————–
[1] „Versprochen“ war es im Mai 2012 spätestens zum 01.01.2013. Begonnen wurde das ganze Ding am 01.08.2013. Jaja, Zeit ist relativ.
[2] Hat auch Herr Minister Bahr gemeint, der singemäß sagte: „Es war niemals geplant, dass die Notdienstpauschale kostendeckend sein soll.“ Gut zu wissen, dass die eigene Arbeit nicht mal „kostendeckend“, also zum Selbstkostenpreis ohne Gewinn bezahlt wird. Der Rest ist „Gemeinwohl-Aufgabe“, denn davon schmiere ich meinem Kindeleindie Brötchen…
[3] Das wurde ja von unserer Politik so festgelegt! … Hihihi! Hahaha! Ho! Ho! Ho! Ja ist denn schon Weihnachten und Ostern zusammen? Meint auch nur ein einziger deutscher Apotheker Politiker, dass MocSchnorris und Co. auch nur einen einzelnen Cent überweisen werden? Wo sie nicht mal ihre gerichtlichen Strafen bezahlen? Solange die GKVen die Moc-Schnorris-Rechnungen bezahlen, weil die ja „so schön billig“ sind, wird sich an dieser Front gar nichts tun, außer dass hönisches Gelächter von Holland nach Deutschland rüberschallt! [5]
[4] Ist ja nicht so, dass das Pharmaziestudium irgendwie schwer wäre. Das macht der Student im Schnitt so nebenbei, wenn er mal nicht gerade schläft, vögelt oder bei McDoof als Bedienung jobbt…
[5] Reumütig muss ich gestehen, ich habe die ausländischen Versandapotheken falsch eingeschätzt! Wie bei Apotheke-Adhoc nachzulesen ist, haben alle Versandapotheken zusammen (zumindest die, die sich im EAMSP organisiert haben), exakt einen Beleg eingeschickt. Zu gerne würde ich wissen, welche Zahl auf diesem Beleg draufgedruckt ist. Das ist auch insofern erstaunlich, als das PRO MONAT ein Beleg abgegeben werden müsste. Somit hat diese wunderbare Vereinigung schon mal einen Monat einbehalten. Na wie Schade, dass der DAV im Ausland keine Polizeigewalt genießt so wie in Deutschland…

Advertisements

2 Gedanken zu „Apotheker trödeln rum!

  1. Hast Du IRGENDETWAS anderes erwartet bei diesem ganzen Eiertanz zur Melodie von „Warum einfach, wenn es auch viel komplizierter geht“.
    Wenn uns die AOK eine ganz Packung Humira nicht bezahlt weil der Doc ein ! Vergessen hat?
    Gruß aponette

    • Naja, selbst die Politik hat schon erkannt, dass die ganze Prozedur Schwachsinn ist. Es ließe sich ganz einfach lösen, wenn jede Kasse für jeden Versicherten einen fixen Betrag 1x im Jahr überweist (da geht es um irgendwas um ca. 1€), und diese Summe dann auf die Notdienste aufgeteilt wird. Fertig. Aber das habe ich irgendwie schon vor 1/2 Jahr (oder so) geschrieben.

Knick hier Deine Gedanken (Mit Nutzung der Kommentarfunktion erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle eingegebenen Daten und Ihre IP-Adresse nur zum Zweck der Spam-Vermeidung durch das Programm Akismet in den USA überprüft und gespeichert werden.):

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s