Überaltert androidisiert…

…oder meine ersten Schritte in der Welt des Betriebssystems „Android“ und meine Erfahrungen mit einem neuen Handy, technikbegeistert „Smart-Phone“ genannt, dem DingensTM.

Ich werde alt. Obwohl ich mich eigentlich noch gar nicht so alt fühle. Und meine Rentenbelege [1] sagen auch, dass ich noch eine halbe Ewigkeit zu arbeiten habe – wenn nicht noch länger. Und trotzdem…

An fing alles  damit, dass  mein guter alter Knochen von Windows-2003-SE-Phone…

An fing alles damit, dass mein guter alter XP-Schlepptop…

An fing alles damit, dass aus meinem Siemens S55 nach mehreren Jahren Nutzung und dem gefühlt zehnten Absturz (also auf einen Betonparkplatz) erst die Tasten verlor und dann seine Nutzbarkeit…

An fing alles mit meiner Geizigkeit, was Technik betrifft. Und hätte ich für mein Studium nicht eine halbwegs leistungsfähige Tabellenkalkulation gebraucht, würde ich wohl immer noch an und mit der Freundin [2] spielen. Nun, zumindest zerfiel das S55 in seine Einzelteile, und nach einem Motorola-Notbehelf bekam ich ein Vodafone-gebrandetes und schon einige Zeit benutztes VPA Compact mit Windows SE als Dauerleihgabe (im Tausch gegen das Motorola), nachdem sich der Erstbesitzer mit einem damals aktuellem Ei-Fön versorgt hatte. Ich fand das Teil ganz nett, habe die Brandings entfernt, habe sogar ein paar „Apps“ auf dem guten Stück installiert – alle gab es „einfach so“, ohne Anmeldungen, man musste nur Suchen um sie zu finden. Ja, ich fand mich sogar tierisch an meine „Freundin“ [2] erinnert, denn ich fand eine 1:1-Umsetzung von UFO: Enemy unknown, welches ich auf dem A500 nie gespielt hatte. Aber am praktischten fand ich den voll outlook-kompatiblen Terminplaner. Auf ähnlichem Weg gelangte ich in den Besitz eines P4-XP-Schlepptops mit defektem Akku, der einen P3-Desktop-Rechner mit NT ersetzte. Die beiden Geräte verstanden sich prächtig, insbesondere via Outlook. Und oberpraktisch fand ich einerseits, meine Kontakte via PC zu verwalten, andererseits die „Datensicherung“ auf dem PC.

Vor ca. 2 Jahren ging dann die Misere los, nachdem der Laptop zuerst nur noch einen hellgrauen (internen) Bildschirm präsentierte [3], und die dann auftretenden Ladezeiten mich stark an Microprose Gundhip auf dem C= 64 erinnerte. Zumindest wurde das Teil mit einem Win7-System ersetzt. Und das verweigerte aufgrund eines nicht mehr vorhandenen Outlooks die Synchronisation. Alles halb so schlimm, dachte ich, denn in den Jahren vorher ist ja auch nie was unerwartetes passiert. Aber der VPA ließ nach. Zuerst „vergaß“ er, mich an Termine zu erinnern. Nicht, dass diese aus dem Terminplan verschwunden wären, das Stück meldete sich einfach nicht mehr. Die Alu-Frontplatte entfernte sich selbstständig ungefragt mehrfach, und ich befestigte sie immer wieder mit Nachdruck und größer werdenden Mengen Cyanacrylat. Dann lies die Akkuleistung des VPA nach. Und als ich vor ca. 6 Monaten versuchte, den Akku gegen einen neueren zu ersetzen, musste ich nicht nur feststellen, dass die „interne Notbatterie“ auch am Ende ihres Lebens angekommen war – und nach dem Akku-Tauschversuch alle Daten futsch waren, sondern auch, das sich das Betriebssystem aus dem ROM neu installierte. Blöder Weise hatte ich aber kein Backup meiner Kontakt-Daten mehr, denn das war mit dem XP-Schlepptop „gestorben“. Tja, und dann jammerte ich etwas rum. Aber meine Geizigkeit ließ mich das gute Stück trotzdem weiter benutzen. Also jammerte ich immer mal ein wenig weiter und beließ es dabei.

Nun legte zu Weihnachten meine Familie zusammen und versorgte mich mit einem kleinen „Androiden“, dem DingensTM. Ich freute mich sehr, meinte ich doch, das ist ja heutzutage alles viel einfacher als beispielsweise ein Programm auf einem Win-SE-System zum laufen zu bringen. Aber ehrlich: Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als ich einen 486er mit einer Hand auf den Rücken gebunden und mit einem verklebten Auge [4] zusammenbauen und anschließend sogar „DOS“ samt aller wichtigen Treiber [5] von Diskette installieren konnte. Damals hatte jedes Anbaugerät eines PCs einen anderen Stecker – nur ausgerechnet Maus und Tastatur nicht, aber das löste man erst mit dem passenden Wissen und später mit einer Farbcodierung. Heutzutage hat zwar fast alles eines USB-Stecker, aber das bedeutet noch lange nicht, dass alles ganz einfach ist und auf Anhieb läuft.

Die Probleme begannen, als ich meine SIM-Karte in das DingensTM einbauen wollte. Die stammt noch aus dem Jahr 2002, und war irgendwie geringfügig zu groß für den Androiden. Also im Netz nachgeschaut und die SIM-Karte kleiner gesägt und gefeilt. Ich rate an dieser Stelle ausdrücklich jedem davon ab, das mit einer Schere zu versuchen, denn diese Methode scheint mir sehr zweifelhaft. Dabei ist meine SIM-Karte scheinbar so alt, dass sie noch wesentlich größere Kontaktflächen zu haben scheint als die „aktuellen“ großen. Nun ja, nach einer Stunde Bastelwerk war es vollbracht. So dann konnte ich mit dem guten Stück, dem DingensTM also, also telefonieren. Der nächste Schritt war das Abschalten jeglicher Datenübertragung, denn das gibt mein Telefon-Vertrag nicht her, und es könnte für mich folgerichtig ziemlich teuer werden. Will ich nicht, brauche ich nicht. (Spätestens jetzt sollte zu erkennen sein, wie alt ich bin…)

Aber der Vorteil so eines Androiden-DingensTM lieg ja bekanntlich bei den unendlichen Möglichkeiten der Androiden-Apps [6]. Also kleine zum Teil kostenpflichtige und zum Teil kostenlose Proramm-Schnipsel, die man einfach so durch anklicken bzw. antippen auf dem Dingens zum laufen bringen kann. Dachte ich. Das wollte ich also probieren. Also habe ich als nächsten WLan bei dem DingensTM eingerichtet. Das hatte den großen Vorteil, dass ich bei der Suche nach meinem WLan-Passwort darüber stolperte, dass mein Router ein Software-Upgrade haben kann. Dieses führte ich dann durch, um anschließend den Router einmal komplett neu einzurichten. Inklusive WLan-Passwort. Na immerhin, nun weiß ich auch das wieder. Da der Hersteller des DingensTM aus, wie ich vermute, reiner Freundlichkeit schon mal seine „App-Store“ -App auf dem DingensTM vorinstalliert hatte, sollte ab jetzt ja alles ganz einfach sein. Dachte ich. Angetastet, eine kleine kostenlose App ausgewählt, „Sie müssen sich anmelden.“ Ah ja. Um mich dort anzumelden habe ich sodann zwei „Verträge“ akzeptiert, bei denen ich vermutlich mindestens mein gesamtes Einkommen dem Hersteller zugestanden habe.  Aber was solls. Angemeldet, App angeklickt. „Es besteht ein Problem mit einem Zertifikat.“ Ah ja.

Nun, ich versuche ja immer, ein wenig erfinderisch zu sein. Und nachdem eine Internet-Suche zu dem Problem keine einfachen und schnellen Lösungen zu Tage förderte, installierte ich auf dem PC erst einmal die Synchronisations-Software des Herstellers. Hierzu musste ich einigen „Verträgen“ zustimmen, mit denen ich dem Hersteller vermutlich alle Rechte an meinem Kindelein übertragen habe. Was solls. Fragliche Software hat zumindest den Vorteil, dass sie mir eine Backup-Funktion für verschiedene Daten des Dingens anbietet. Aus leidvoller Erfahrung habe ich die doch gleich mal benutzt. Aber diese Software bietet auch die Möglichkeit des Zugriffs auf den Hersteller-App-Store und der Übertragung der Apps auf das Dingens per USB. Also der nächste Versuch: „Sie haben nicht genug freien Speicher, oder dieser ist nicht freigegeben.“ Meine Güte! Das DingensTM hat nach eigenen Angaben 8GB internen Speicher, und davon ca. 3GB in Benutzung. Die fragliche App hatte – ich sah zur Sicherheit nochmals nach – 0,7MB Bedarf. An dieser Stelle sei erwähnt, dass der VPA 64MB internen Speicher hatte, welchen ich mit einer 1GB-SD-Karte großzügig aufrüstete. Und das hat über Jahre gereicht, sogar für die Vogelkunde-App des NABU, deren Datenübertragung per USB ca. 1 Stunde gedauert hatte. So dann. Da ich keine „Speicherfreigabe-Funktion“ finden oder auch nur identifizieren konnte, musste also ein weiterer Schritt her.

Am nächsten freien Tag eierte ich also unter dem Vorwand, einen Garantie-Umtausch betreffend des nur begrenzt funktionsfähigen Weihnachtsgeschenks des Kindeleins durchzuführen, zu dem Elektro-Technik Dealer meines Vertrauens, um eine passende – und in meinem Haushalt bisher nicht vorhandene – Micro-SD-Karte zu erwerben. Nachdem diese eingelegt und formatiert war, das DingensTM wieder mit dem PC verbunden und der Vorgang von neuem gestartet, ging es tatsächlich mit der App. Ein Wunder der modernen Technik! Das war ja einfach… Wozu eine Wasserwaage allerdings vollständigen Internet-Zugriff benötigen soll, erschließt sich mir nicht so ganz. Oder fließt im Internet das Wasser nach oben und Luftblasen schweben nach unten, so dass sich diese App ab und an selbst kalibrieren muss? Keine Ahnung.

Aber ich war mit dem vom Hersteller konzipierten Terminplaner nicht zufrieden. Also suchte ich ein wenig rum, und fand auch eine Alternative, deren Funktionsumfang mich wesentlich mehr anspricht, und die es sogar kostenlos gibt. Die fand ich aber nicht bei „Hersteller-Apps“, sondern nur beim „GooglePlayStore“. Brauchte seine Zeit. Um weitermachen zu können, musste ich mich also bei Google+ anmelden. Nun bin ich stolzes Mitglied der Google+ -Community, habe ein gmail-Konto und habe, um dies alles zu erreichen, einen Haufen Verträge bestätigt. Ich wette, ich habe Google zusätzlich zu meinem Einkommen und meinem Kindelein auch unwissentlich auch meine Seele überschrieben. Nun wollte ich – ich habe ja schon einiges gelernt – die App via PC und USB auf mein DingensTM bringen. „Apps können nur direkt von einem Android-Betriebssystem downgeloadet werden.“ Seufz. Nach einigem Grübeln fand ich dann die GooglePlayStore-App auch schon vom Hersteller vorinstalliert auf dem DingensTM. Erstaunlich. Aber immerhin wurde mir hier kein Zertifikat-Problem bekanntgegeben, so dass ich nun Apps auch direkt auf das DingensTM herunterladen konnte.

Die letzten Tage habe ich also damit zugebracht, den Androiden abzurichten. Und einen gewissen Anteil meiner Kontakt-Daten wieder herzustellen. Aber immerhin lässt mich die Hersteller-Software ein Daten-Backup auf meinem PC durchführen. Ich bin ja noch lernfähig… bis mir das nächste nicht vorhergesehene Ereignis passiert. Aber früher habe ich mal in 3 Stunden einen PC zusammengeschraubt und komplett durchinstalliert. Heutzutage brauche ich mehrere Tage, um ein Handy zum laufen zu bringen. Sollte die Welt nicht einfacher werden? Ich werde wohl alt…

————-
[1] Was da drin steht betrachte ich mittlerweile als utopischen Ausblick.
[2] Der geneigte Nerd erinnert sich, dass die südeuropäische Lebensabschnittsgefährtin damals „Amiga“ hieß. Meine war ein 500ter Model, aber von mir mit einem gesockeltem neuen Bios sowie einer 100MB-SCSI-HD ausgestattet.
[3] Das ist tierisch praktisch, wenn man eine gleichmäßig leuchtende Fläche benötigt, um Sensordreck auf dem Kamera-Chip zu identifizieren. Aber sehr unpraktisch, wenn man zur Benutzung immer einen separaten Monitor via SVGA anschließen muss.
[4]
Dafür verwendet man am besten ein Okklusionspflaster.
[5] Der geneigte Nerd erinnert sich sicher noch an C:\dos\cat.exe. Dem Nicht-Nerd sei verraten, es handelte sich um den schnellsten Maustreiber der Welt.
[6] Oder ist das ein von Apple für den Ei-Fön geschützter Begriff? Noch etwas, was ich nicht weiß.

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6 Gedanken zu „Überaltert androidisiert…

  1. Hmm. Bei meinem neuen iPhone ging das deutlich schneller. Geschätzt würde ich sagen 10 min vorarbeiten, 30 min Daten übertragen (50 GB) und 5 min noch mal gucken ob alles passt. Schon kann man lostelefonieren etc.
    Der Knackpunkt war eigentlich nur, dass ich die Nano-SIM-Karte zugeschickt bekommen musste was 2-3 Werktage dauert. Während der Weihnachtsfeiertage nicht leicht einen Termin zu finden, an dem das geht ohne zu lange ohne Telefon da zu stehen, da wärend die neue SIM Karte kommt die Alte bereits gesperrt ist. Bei einigen 1000 km über die Weihnachtsfeiertage war mir ein funktionstüchtiges Handy ziemlich wichtig, falls ich auf einem Bahnhof stranden oder eine Autopanne haben sollte.

    • Mein „alter Knochen“ ging ja noch. Und ein Bekannter, der ein Dingens(TM) genau des selben Typs hat, hatte auch nicht solche Probleme. Weder mit dem Speicher noch mit Zertifikat-Problemen. Selbiger hatte aber vorher auch ein Ei-Fön, und hat da wohl ähnlichen Verträgen zugestimmt. Bei meinem Androiden sagen mir die Apps aber wenigstens vorher, auf was sie alles zugreifen wollen, und das ist Apple wohl angeblich nicht so…

      Nun ja, vielleicht wäre ja alles einfacher gewesen, wenn ich mit einem Telefonvertrag unterwegs wäre. der eine Datenflat beinhaltet. Will ich aber nicht… 😉

  2. ich habe den Eindruck, dass heutzutage vieles „totenwickelt“ wird. Ist auch klar: Sagt der Chefentwickler von Kleinweich zum Chef: „Das Win 7 ist o.k. – so kann man es lassen“ – sagt der Chef: „Ist ja toll, dann brauchen wir Sie ab nächstem 1. nicht mehr!“

    Und so wird weiterentwickelt und entwickelt…

    Habe kürzlich bei einem Freund Office 2013 aufgesetzt – aaaarrrrrghhhh!

    • Das letzte MSOffice, das ich hatte, ist glaube ich das 2000er. Seit dem gibs OpenOffice bei mir… Ist zwar in Einzelpunkten auch verbesserungswürdig, aber eine Alternative ist es allemal… 😉

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