Als Geleit und in Gedenken

Gestern ist Terry Pratchett verstorben. Ich bin ein Fan seiner Scheibenwelt, und ich mag diese Bücher einerseits wegen ihres feinsinnigen Humors, andererseits aber auch wegen ihres augenzwinkernden Umgangs mit dem Fantasy-Genre.

Ich kann nicht behaupten, alle Werke, die in Zusammenhang mit der Scheibenwelt entstanden sind, gelesen zu haben. So habe ich mir verschiedene Almanachen vorenthalten, und auch die gesammelten Karten von Ankh Morporg habe ich mir (bisher) nicht zu eigen gemacht. Und ich kann auch nicht von mir sagen, ich hätte alle von mir gelesenen Werke in Besitz, denn ich habe einige Bücher anschließend verschenkt. Ich kann auch nicht behaupten, ich würde alle Fakten zu und aus diesem Büchern kennen, alle Anspielungen verstehen, über alle Witze gelacht haben [1]. Trotzdem hat die Scheibenwelt einen festen Platz in meinem Hirn und meinem Herzen.

Ich werde ihn vermissen. Ich werde neue Scheibenwelt-Romane vermissen. Ich werde mich noch lange an schöne Stunden mit den Romanen denken. Und ich werde mich immer daran erinnern, dass mich diese Bücher in (subjektiv) schweren Zeiten abgelenkt, getröstet, über Wasser gehalten haben. Regelmäßig werde ich beim verspeisen einer Wurst, die mir ein UDTIMSIDR-Schapper verauft hat, daran denken müssen, dass erst dadurch, dass ich die Wurst esse, die wahre Wurstigkeit zu Offler aufsteigt. Immer wieder werde ich mich fragen, wie hoch die Dunkelgeschwindigkeit wohl ist. Und mit dem von Dir geklauten geliehenen Spruch, dass schon die Druiden wussten, dass es viel einfacher ist, einen 24-Megalith-Steinkreis neu zu bauen als einen 22er upzugraden, habe ich jahrelang Informatikern Lachanfälle abgerungen.

Als Scheibenwelt-Fan kann ich nur folgendes Geleit mit auf den Weg geben: Terry, möge der TOD in Deinem Fall sein zweitliebtes Werkzeug benutzt und dann mit Dir in Kapitälchen gesprochen haben. Möge er Dich durch die Tür geleitet haben, in die schwarze endlos scheinende Wüste unter sternenklarem schwarzen Himmel. Möge Dir eine Ausnahme zu Teil geworden sein, und TOD zeigte Dir seinen Garten mit den schwarzen Bäumen – auch den mit der Schaukel -, mit dem schwarzen Gras, mit den schwarzen Bienen, mit Binky, der sicherlich einen tollen Kontrast abgab; sein Haus mit der großen schwarzen zeigerlosen Standuhr; seine Bibliothek mit dem in schwarzes Leder gebundenen Buch, welches Dein Name ziert; seine Kätzchen, die Du streicheltest; den Raben Sprach, mit dem Du ein paar Worte wechseltest, wahrscheinlich über Augäpfel. Möge Dir dann, wenn Dich TOD wieder in die Wüste gebracht hat, wo Deine Schritte den schwarzen Sand aufwirbelten, der Rattentod ein letztes „QUIECK!“ nachgerufen haben. Möge Deinem Schinkensandwich auf seinem Weg durch die Tür nicht die Mayonaise verlohren gegangen sein. Mögest Du nach Deinem Gang durch die Wüste in dem Land ankommen, welches tief in Dir existiert. Und mögen dort auch Monddrachen leben!

[2]

Ich hoffe, Deinem Sarg wurde eine geknickte Feder beigelegt, denn für Dich, einem König der Worte, muss es kein zerbrochenes Gwehr sein. [3]

Es wird mir fehlen, mich nicht mehr darüber ärgern zu können, dass es immer noch keine deutsche Übersetzung eines bestimmten auf Englisch bereits erschienenen Romans gibt. Deine Fußnoten werden mir fehlen. Und Du – auch wenn wir uns nie kennengelernt haben – wirst mir fehlen, Sir Terry Pratchett. Ruhe in Frieden!

————————–
Ein Text über die Scheibenwelt ohne Fußnote? Nein, das ist un-denk-bar:
[1]
Ich habe die meisten Bücher als deutsche Übersetzung gelesen. Ich weiß, dass dabei einiges an Wortwitz und Anspielungen stecken geblieben ist. Andererseits habe bisher zwei der Bücher im englischen Originaltext zu verstehen versucht. Aber irgendwie sind da leider noch viel mehr der humoristischen Einsprengsel auf dem Weg durch mein Denkorgan vom Wege abgekommen.
[2]
Wer im vorigen Absatz etwas nicht verstanden hat: Macht nichts.

[3] Denn: Die Feder ist mächtiger als das Schwert. (Zumindest, wenn es sich um eine sehr große und spitze Feder und ein eher kleines Schwert handelt.) Dies wurde experimentell auf Geheiß des Patriziers Lord Havelock Vetinari ermittelt, der es sehr genau mit Sprichworten nimmt.

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8 Gedanken zu „Als Geleit und in Gedenken

  1. Buhu. :/

    Ich mag Pratchetts Scheibenwelt – bislang habe ich erst „Die volle Wahrheit“ gelesen, auf deutsch – besonders deshalb, weil jeder unfähiger ist als der andere. Und trotzdem bewahren alle absolut glaubwürdig ihre Verhaltensweisen.

    • Auch wenn für das Verständnis des einzelnen Romans nicht unbedingt die vorhergehenden Bücher entscheidend sind, gibt es ganz herrliche Charakterentwicklungen über die ganze Serie – und auch quer durch die einzelnen „Unter-Serien“ – betreffend der Hexen, der Stadtwache, der Zauberer und natürlich des TODes – entwickelt. In sofern hat die Reihenfolge schon Einfluss, weil man in der falschen Reihenfolge manchmal die Zusammenhänge bei z.B. versteckten Seitenhieben verpasst. Die korrekte Reiehenfolge gibt es hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Scheibenwelt-Romane Wobei mir auffällt, dass es scheinbar zwei noch nicht ins Deutsche übersetzte Romane gibt – von denen ich bisher noch nichts wußte. Das ist ein kleines wenig wie den Tod kurzzeitig ausgetrickst… Würde wir auf der Rundwelt wahre Magie existieren – ich würde glauben, wir sidn auf der Scheibe…

  2. Und ich muss mich immer erklären wenn ich von Zwergenbrot spreche, oder etwas mit Zwergenbrot vergleiche…… Er wird uns fehlen!
    Schön, das du nach langer Zeit mal wieder was geschrieben hast.
    LG von Kollegin Boreal

  3. Hallo Gedankenknick! Endlich mal wieder ein neuer Blogeintrag von Dir … nur zu was für einem traurigen Thema. Im Moment bin ich grad an „Equal Rites“ von Pratchett … ehrlich, ich hab damit angefangen kurz bevor ich gehört habe, dass er gestorben ist. Und es gefällt mir gut bis her. Besser als die ersten beiden Bücher … auch wenn der Tod hier nicht drin vor kommt (und den fand ich bei Pratchett immer eine der coolsten Figuren 🙂 ). Wir wollen hoffen, dass er das jetzt auch für ihn ist.

  4. Ja,
    wirklich bedauernswert, sein Tod. Möge er es gut haben – und dann die andere Seite unterhalten.

    Ich habe zwischendrin auch einige Bücher von ihm auf Englisch gelesen. Hart, zumal ja auch die Figuren logischerweise andere Namen haben. Wortwitz hatte er eine ganze Menge.

  5. Lieber Gedankenknick.
    auch wenn sich Terry Pratchetts Todestag inzwischen schon einmal gejährt hast:

    Falls du die Sache mit den englischen Scheibenweltromanen noch nicht aufgegeben hast, kann ich dir als Einstieg wärmstens die „discworld for younger readers“ empfehlen, vor allem die Reihe um Tiffany (the wee free men, a hat full of sky, wintersmith, i shall wear midnight und the shepherds crown).

    Die sind auch noch sprachlich anspruchsvoll genug und voll von Wortwitz und Anspielungen und auch für Erwachsene mehr als spannend zu lesen (tw. tief philosophisch), aber um Welten einfacher als die „normalen“ (manche Wörter werden sogar erklärt, weil die kleine Heldin viel über Worte nachdenkt).

    Und zumindest was mich angeht muss ich sagen: Die Scheibenwelt im Original zu erkunden, hat maßgeblich dazu beigetragen, dass mein Englisch inzwischen ziemlich gut ist (nicht nur direkt durchs Lesen, sondern weil ich auch sonst jede Gelegenheit nutze, was zu lernen und mich dann beim Lesen wieder freue, dass ich wieder etwas mehr verstehe…).

    GNU Sir Terry

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