Generika?!

Und so begab es sich, dass eine kauf- oder auch beratungswillige Person vor meine Apo-Theke und damit auch vor mich trat… und mich erst einmal ignorierte. Deshalb hub ich meine Stimme, um meinen Willen Kund zu tun, diesen Sachverhalt gerne positiv zu ändern. So sagte ich also:

Guten Tag! Kann ich Ihnen vielleicht helfen?

Haben Sie Generika? Weiterlesen

Telefonitis… mal wieder

„Tüdelü tüdelü!“ werde ich gerufen – vom Telefon natürlich, denn gewöhnlich bedienen wir uns schon artikulierterer Äußerungen bei zwischenmenschlicher Interaktion. Egal… denke ich und nehme mir vor, ab sofort alles Gedachte kursiv zu protokollieren. Ein kurzer Blick aufs Display zeigt die Vorwahl Kleckershausen, von Kleinstadt aus betrachtet circa 1/3 des Wegs nach Mittelgroß-Stadt.

Knick-Apotheke. Knick am Apparat. Wie kann ich behilflich sein?

Ja. Tach. Haben Sie denn [überteuerter homöopatischer Hustensaft]?, verlangt die Stimme am anderen Ende der mehrfach digital-analog-wandelnden Kommunikationsverbindung 1) zu wissen. Weiterlesen

Pferdesport

Nein, heute gibt es keinen Artikel über Pharmazie im Veterinärwesen. Statt dessen hat der Geschäftsführer der „Deutschen Parkinson Vereinigung“ (DPV), Herr Friedrich-Wilhelm Mehrhoff, verlautbaren lassen, dass man sich „vergallopiert“ habe, obwohl man sich eben nicht „vor den Karren der Versandapotheke hat spannen lassen„.

Soso. Mir fallen 2 Pferdesportarten ein, wo man selbige vor eine Art Karren spannt. Bei der einen – dem Fahrsport – darf galoppiert werden, so viel der Fahrer will und die Pferde hergeben. Da kann man sich maximal verfahren. Bei der anderen – dem Trabrennsport – führt das vergaloppieren zu einer einzigen Konsequenz: man wird disqualifiziert. Da hilft dann auch keine anschließende „Korrektur“, welcher Art auch immer.

Zugegeben. Hätte sich der DPV nicht ausnutzen lassen, damit irgendein blödes Gericht endlich den ausländischen Versandhandel vor den EuGH schickt, hätte sich der ausländische Versandhandel halt einen anderen „Geschäftspartner“ gesucht, der es mit sich hätte machen lassen. Aber hinterher zu behaupten:

  • einerseits seien die Apotheker schön blöd mit Ihrer Klage gewesen,
  • andererseits hat man mit den (zu diesem Zeitpunkt illegalen) Bonusabsprachen ja gar nichts schlimmes gemacht,
  • dritterseits war das ja alles nicht so gemeint, Schwamm drüber, wir lachen jetzt alle eine Runde und gut ist,
  • vierterseits konnte man ja gar nicht ahnen, welche Wellen solch eine Aktion zu schlagen fähig ist
  • und fünfterseits hat es keine Folgekonsequenzen seitens der eigenen Verbandsmitglieder, dass man mal Hü! und mal Hott! ruft,

dann ist das schlicht an Naivität nicht zu überbieten. Herr Mehrhoff, sie haben mit Ihrer Aktion den deutschen Apotheken, den deutschen Patienten und ihren eigenen Verbandsmitgliedern einen Bärendienst erwiesen. Da sollten Sie mal in sich gehen und weitere Aussagen überdenken, bevor diese aus ihrem Mund hervorgaloppieren…

Apropos: Wer sich selber vergaloppiert hat, sollte das dann nicht anderen andichten und vorwerfen. Also lassen Sie Herrn Gröhe mal machen, und halten sie bitte Ihre Zunge im Zaum! 1)


  1. Nur um im Bild zu bleiben.

Information zur Lieferfähigkeit (Update)

Soeben erreichte mich folgende Informationschreiben des  Ministeriums für Wahrheit, welches ich gerne an alle nichtbetroffenen Patienten und Versicherten weiterreichen möchte:

Sehr geehrte Bürgerin, sehr geehrter Bürger!

Mit erschrecken haben wir zur Kenntnis genommen, dass eine terroristiosche Vereinigung bestehend aus einem Zusammenschluss von Apothekern, Pharma-Herstellern und Pharma-Großhändlern sowie einem kleinen Anteil der „freien Presse“ hartnäckig verbreitet, es bestehe in diesem unserem wunderschönen Lande die Gefahr, dass die Bevölkerung mit einigen unbedeutende Arzneimitteln nicht ausreichend versorgt werden könnte.

Wir, das Ministerium für Wahrheit, unter unserem Wahrheitsminister Herrn Flöhe, möchten alle Bürger und Bürgerinnen dieses unseres Landes darüber informieren, dass entgegen den Informationen subversiver Apothekeninhaber und terrorostischer Pharma-Hersteller die qualitative und quantitative Versorgung der Bevölkerung mit allen erdenklichen und undenkbaren Arzneimitteln und Medizinprodukten sichergestellt ist.

Wir weisen darauf hin, dass angebliche „Lieferengpässe“, welche von Apothekern und Herstellern in deren angeschlossenen Presseorganen immer wieder verkündet wurden und werden, nicht existieren! Deswegen erklären wir hiermit die Worte „Lieferengpass“ und „Lieferunfähigkeit“ zu Gedankenverbrechen.

Weiterhin betonen wir, dass Apotheker, die behaupten, diese oben genannten Lügen seien nur die Spitze des Eisbergs, und sie hätten selber Lieferengschwierigkeiten nicht nur bei Impfstoffen, sondern bei vielen Arzneimitteln des täglichen Bedarfs und Geschäfts, insbesondere bei solchen mit Rabattverträgen für die gKV, schamlos die Ängste der Bevölkerung unnötig schüren. Bei Arzneistoffen wie Candesartan, Diazepam, Gabapentin, Irbesartan, Metoprolol, Novaminsulfon, Pankreatin, Quetiapin, Sultamicillin, Venlafaxin und einige andere mehr bestehen keine, wir wiederholen keine Lieferengschwierigkeiten. Des weiteren möchten wir betonen, dass niemals Lieferengschwierigkeiten bestanden haben und das auch niemals Lieferschwierigkeiten bestehen werden.

Wir sind uns darüber deshalb so sicher, da wir in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Überfluss eine Befragung der angeblich betroffenen Hersteller durchgeführt haben, die immer zum Ergebnis kam dass der Hersteller als Stellungnahme diese Aussage angab:

Wir, Hersteller vom Arzneimittel / Medizinprodukt XY haben mindestens eine Packung fraglichen Arzneimittels in unserem Lager / Museum. Daher sind wir lieferfähig. Da wir uns standhaft weigern, diese Packung tatsächlich auszuliefern, werden wir auch weiterhin lieferfähig sein.

Wir, das Ministerium für Wahrheit, haben diese Erkenntnisse im höchsten Abgeordnetengremium dieses Landes nicht zur Diskussion vorgeschlagen, worauf dieses Gremium beschlossen hat, dass es mangels dokumentierter Lieferengschwierigkeiten nichts zu diskutieren gibt. Bürgerinnen und Bürger, eine bessere als unsere Arzneimittelversorgung ist weltweit nicht bekannt!

Um diese terroristische Volkshetze einzelner Apotheker zu unterbinden, haben sehen wir drakonische Strafmaßnahmen für Apotheker seitens der gKV als legitim an. Rückwirkend zum 01. September 2016 werden Apotheker, die solche Aussagen ohne ausreichende Beweise, die per Definition dieses Ministeriums gar nicht zu beschaffen sind, einfach mit Nichtbezahlung bestraft. Innerhalb kürzester Zeit werden diese Volksfeinde verhungert sein, und die ehrbaren und ehrhaften Mitarbeiter jener Zunkt können um so besser die Bevölkerung mit den immer und überall in Massen vorhandenen Arzneimitteln, Impfstoffen und Medizinprodukten versorgen.

Lassen Sie sich nicht von der Panikmache einzelner Apotheker anstecken!

Alles ist gut. Und alles wird noch viel besser!

Ihr Ministerium für Wahrheit

Ich habe zur Zeit 75 Arzneimittel, denen ich zum Teil seit 1 Jahr hinterher renne, ohne sie käuflich erwerben zu können. Darunter Schmerzmittel, Impfstoffe, Blutdrucksenker, Antibiotika, Psychopharma u.a. Dabei lösche ich regelmäßig Arzneimittel, die über einem Jahr nicht zu erhalten waren, aus meiner Liste heraus, damit ich nicht komplett den Überblick verliere.

Na dann.

Update (mit Fußnote): Gerade habe ich vom Ministerium für Überfluss einen Hinweis erhalten, dass die Verwendung der sogenannten Sonder-PZN für Nichtlieferbarkeit von Rabatt- bzw. Importarzneimitteln auf abzurechnenden Rezepten [1] logischerweise auch ein Gedankenverbrechen ist, denn es ist mit dieser maschinell lesbaren Bearbeitungszeile ja das Wort „Lieferengpass“ mental verknüpft. Die Verwendung dieser Sonder-PZN wird in Zukunft rückwirkend zum 01.09.2016 akribisch durch die gKV geprüft auf Übereinstimmung mit den offizillen Lieferschwierigkeitsmeldungen der Hersteller an die gKV. Da die Hersteller aber immer Lieferfähigkeit melden, ist eine Verwendung der Sonder-PZN ab sofort per Definition ein Verbrechen.

Nachtrag: Hier habe ich über die unleidige Nichtlieferfähigkeit von (Rabattvertrags-) Arzneimitteln schon im Jahr 2013 geschrieben. Es ist nicht besser geworden seit dem, aber das Formular zur Meldung von Lieferengpässen durch die Hersteller ist wohl nicht mehr online.

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[1] Diese Sonder-PZN wurde mit den Rabattverträgen im Jahr 2007 eingeführt, damit im nicht vorstellbaren Fall der Nichtverfügbarkeit eines Rabattarzneimittels der Apotheker maschinell eben jene Lieferunfähigkeit des Herstellers dokumentieren kann (und muss). Zusätzlich zu der maschinenauswertbaren Dokumentation muss er aber zusätzlich eine (nochmalige) handschriftliche Dokumentation auf dem Rezept durchführen, da eine Dokumentationsart in Ozeanien nicht ausreicht, um einen Sachverhalt klar dazulegen.

 

Buch-Rückruf Thieme-Verlag

Wie ich bei Carekonzept.de las – wo es mich übrigens über den Monsterdoc hin verschlagen hat – hat der Thieme-Verlag das Buch „Schwieriges Atemwegsmanagement bei Erwachsenen und Kindern“ – 1. Auflage – zurückgerufen. (siehe hier)

Prinzipiell geht es um eine falsche Dosierungsangabe bei dem Wirkstoff „Propofol“ bei Laryngospasmus und Bronchospasmus (S.116f). Die korrekte Dosierung lautet Propofol 1-2mg/kg.

Bei Propofol handelt es sich um ein Narkotikum, welches als gut steuerbar gilt. Traurige Berühmtheit erlange Propofol im Zusammenhand mit dem Tod von Michael Jackson. An diesem Beispiel sieht man, wie gefährlich eine Fehldosierung bei diesem Wirkstoff werden kann. Da Propofol üblicher Weise in einer ölhaltigen, milchig weißen Emulsion verabreicht wird, entstand anschließend der Spitzname „Jackson-Milch“.

Ich persönlich begrüße den Rückruf eines Buches mit einer solchen fehlerhaften Angabe. Ich hielte es aber auch für ausreichend, wenn man die fragliche Angabe in dem Buch so korrigiert, dass die korrekte Dosierung zu erkennen ist, und auch ein Hinweis existiert, dass die vorherige Dosierung falsch ist. Dies halte ich deshalb für notwendig, damit eventuelle „Zweitleser“ die Korrekturangabe nicht für ein Versehen bzw. für eine Verfälschung des Originaltextes halten.

Ich habe mich entschlossen, diesen Eintrag zu schreiben, um eine möglichst große Reichweite dieser lebenswichtigen Information zu unterstützen. 

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Dihydroergotamin – und wieder ein Wirkstoff „futsch“…

An passender Stelle berichtete ich über das „Dahinscheiden“ von Tetrazepam als Wirkstoff aus für mich kaum nachvollziehbaren Gründen. Den Einwand, dass es sich um eine Stufe des Stufenplanverfahrens handeln würde, die dann 2 jahre später nochmals überprüft würde, lehnte ich unter dem Hinweis ab, dass aufgrund der nicht vorhandenen „neuen“ Daten – die ja aufgrund des Aufhebens der Zulassung zumindest in der EU gar nicht generiert werden können – auch keine neue oder gar andere Einschätzung der Nutzen-Risiko-Bewertung des Wirkstoffes möglich sei.

So, nun hat es den nächsten Wirkstoff erwischt. Dihydroergotamin. Warum die Argumentation zwar durchaus schlüssig ist, ich dieses Vorgehen aber trotzem für kompletten Schwachsinn halte, möchte ich hier erläutern. Aber wie immer muss ich dazu erst einmal weit ausholen… Weiterlesen

Rabattverträge = Lieferengpässe

Es gibt einen schönen kleinen Beitrag vom NDR zum Thema Rabattverträge und Lieferengpässe: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_3/panoramadrei1079.html

Kleines Zitat: „Der Arzt schreibt ein Mittel auf. Doch was er für richtig hält, interessiert die Krankenkasse wenig.“

Was leider nicht gesagt wird, ist, dass die Rabattverträge den Krankenkassen zum Teil nur wenige Cent Einsparungen bringen. Bei einem Einkaufspreis von 1€, wie z.B. beim Antibiotikum „Doxycyclin“ ist Einsparungen pro Schachtel von 0,01€ bis maximal 0,99€ möglich. Dafür muss der Patient dann aber 2x vorbeischauen (und kann die Therapie vielleicht erst am nächsten Tag beginnen). Ja, so spart man richtig! [1]

Nein, so spart man nicht richtig. Noch viel mehr spart man, wenn man die beliefernde Apotheke wegen Verstoßes gegen den Rabattmedikament-Abgabezwang auf 0€ retaxieren kann. Dann hat nämlich die Apotheke die medikamentöse Behandlung des Patienten bezahlt. Und die Kasse kann lachen. „Gerne wieder, lieber Apotheker!“

Und bei manchen Medikamenten frage ich mich, ob die Kassen es nicht doch auf „sozialverträgliches Ableben“ abgesehen haben. So spart man noch viel mehr…

Nachtrag (2014-01-22; 15:26): Das Problem nicht natürlich wesentlich vielschichtiger und nicht auf die einfache Formel der Überschrift zu reduzieren. Aber die Rabattbverträge der Krankenkassen potenzieren das Problem insofern, als dass die Hersteller ohne Rabattvertragszuschlag einfach – und logischer Weise – von vornherein viel weniger produtzieren werden, so dass ein – warum auch immer getriggerter -Ausfall der Lieferungen des Rabattvertragsanbieters nicht mehr kompensiert werden kann. Meine Lieblingsbeispiel zur Zeit sind „Cefixim Säfte“ (seit 2 Jahren teilweise Monate lang gar nicht mehr zu bekommen) und „Metoprololsuccinat Tabletten“, welche vom „Marktführer“ und „Rabattpartner“ zum Teil 1 Monat lang nicht zu bekommen sind…

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[1] Ich habe in meinen Computer geschaut und bin zu folgendem Ergebnis gekommen: „Doxyxyclin 100mg 1A-Pharma Tabletten 10 St.“ haben einen Apotheken-Einkaufspreis (ohne MwSt.) von 1,09€. Wenn man den Aufschlag des Großhandels abzieht, kommt man zu einem Herstellerabgabepreis von 0,38€. In diesem Fall muss der Hersteller keinen Pflichtrabatt an die Krankenkassen abtreten. Selbst wenn die Krankenkassen einen Rabattvertrags-Rabatt [2] von 95% pro Schachtel ausgehandelt haben, bleibt eine Erspranis von 0,36€ pro Schachtel. Ja, damit rettet man die Welt und die Sozialversicherungssysteme. Und für 0,36€ Ersparnis lohnt es sich auch, eine antibiotische Therapie mal eben um 12 bis 24 Stunden zu verschieben. Sicher. Danke, liebe Kranke Kassen!
[2] Die Sinnhaftigkeit dieser Verträge sieht man schon an diesem Wort: Rabattvertrags-Rabatt. Mehr gibt es dazu selbst mit viel Phantasie nicht mehr zu sagen.

[Edit 2014-01-21 13:07: Einfügung der Fußnote 1]