Information zur Lieferfähigkeit (Update)

Soeben erreichte mich folgende Informationschreiben des  Ministeriums für Wahrheit, welches ich gerne an alle nichtbetroffenen Patienten und Versicherten weiterreichen möchte:

Sehr geehrte Bürgerin, sehr geehrter Bürger!

Mit erschrecken haben wir zur Kenntnis genommen, dass eine terroristiosche Vereinigung bestehend aus einem Zusammenschluss von Apothekern, Pharma-Herstellern und Pharma-Großhändlern sowie einem kleinen Anteil der „freien Presse“ hartnäckig verbreitet, es bestehe in diesem unserem wunderschönen Lande die Gefahr, dass die Bevölkerung mit einigen unbedeutende Arzneimitteln nicht ausreichend versorgt werden könnte.

Wir, das Ministerium für Wahrheit, unter unserem Wahrheitsminister Herrn Flöhe, möchten alle Bürger und Bürgerinnen dieses unseres Landes darüber informieren, dass entgegen den Informationen subversiver Apothekeninhaber und terrorostischer Pharma-Hersteller die qualitative und quantitative Versorgung der Bevölkerung mit allen erdenklichen und undenkbaren Arzneimitteln und Medizinprodukten sichergestellt ist.

Wir weisen darauf hin, dass angebliche „Lieferengpässe“, welche von Apothekern und Herstellern in deren angeschlossenen Presseorganen immer wieder verkündet wurden und werden, nicht existieren! Deswegen erklären wir hiermit die Worte „Lieferengpass“ und „Lieferunfähigkeit“ zu Gedankenverbrechen.

Weiterhin betonen wir, dass Apotheker, die behaupten, diese oben genannten Lügen seien nur die Spitze des Eisbergs, und sie hätten selber Lieferengschwierigkeiten nicht nur bei Impfstoffen, sondern bei vielen Arzneimitteln des täglichen Bedarfs und Geschäfts, insbesondere bei solchen mit Rabattverträgen für die gKV, schamlos die Ängste der Bevölkerung unnötig schüren. Bei Arzneistoffen wie Candesartan, Diazepam, Gabapentin, Irbesartan, Metoprolol, Novaminsulfon, Pankreatin, Quetiapin, Sultamicillin, Venlafaxin und einige andere mehr bestehen keine, wir wiederholen keine Lieferengschwierigkeiten. Des weiteren möchten wir betonen, dass niemals Lieferengschwierigkeiten bestanden haben und das auch niemals Lieferschwierigkeiten bestehen werden.

Wir sind uns darüber deshalb so sicher, da wir in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Überfluss eine Befragung der angeblich betroffenen Hersteller durchgeführt haben, die immer zum Ergebnis kam dass der Hersteller als Stellungnahme diese Aussage angab:

Wir, Hersteller vom Arzneimittel / Medizinprodukt XY haben mindestens eine Packung fraglichen Arzneimittels in unserem Lager / Museum. Daher sind wir lieferfähig. Da wir uns standhaft weigern, diese Packung tatsächlich auszuliefern, werden wir auch weiterhin lieferfähig sein.

Wir, das Ministerium für Wahrheit, haben diese Erkenntnisse im höchsten Abgeordnetengremium dieses Landes nicht zur Diskussion vorgeschlagen, worauf dieses Gremium beschlossen hat, dass es mangels dokumentierter Lieferengschwierigkeiten nichts zu diskutieren gibt. Bürgerinnen und Bürger, eine bessere als unsere Arzneimittelversorgung ist weltweit nicht bekannt!

Um diese terroristische Volkshetze einzelner Apotheker zu unterbinden, haben sehen wir drakonische Strafmaßnahmen für Apotheker seitens der gKV als legitim an. Rückwirkend zum 01. September 2016 werden Apotheker, die solche Aussagen ohne ausreichende Beweise, die per Definition dieses Ministeriums gar nicht zu beschaffen sind, einfach mit Nichtbezahlung bestraft. Innerhalb kürzester Zeit werden diese Volksfeinde verhungert sein, und die ehrbaren und ehrhaften Mitarbeiter jener Zunkt können um so besser die Bevölkerung mit den immer und überall in Massen vorhandenen Arzneimitteln, Impfstoffen und Medizinprodukten versorgen.

Lassen Sie sich nicht von der Panikmache einzelner Apotheker anstecken!

Alles ist gut. Und alles wird noch viel besser!

Ihr Ministerium für Wahrheit

Ich habe zur Zeit 75 Arzneimittel, denen ich zum Teil seit 1 Jahr hinterher renne, ohne sie käuflich erwerben zu können. Darunter Schmerzmittel, Impfstoffe, Blutdrucksenker, Antibiotika, Psychopharma u.a. Dabei lösche ich regelmäßig Arzneimittel, die über einem Jahr nicht zu erhalten waren, aus meiner Liste heraus, damit ich nicht komplett den Überblick verliere.

Na dann.

Update (mit Fußnote): Gerade habe ich vom Ministerium für Überfluss einen Hinweis erhalten, dass die Verwendung der sogenannten Sonder-PZN für Nichtlieferbarkeit von Rabatt- bzw. Importarzneimitteln auf abzurechnenden Rezepten [1] logischerweise auch ein Gedankenverbrechen ist, denn es ist mit dieser maschinell lesbaren Bearbeitungszeile ja das Wort „Lieferengpass“ mental verknüpft. Die Verwendung dieser Sonder-PZN wird in Zukunft rückwirkend zum 01.09.2016 akribisch durch die gKV geprüft auf Übereinstimmung mit den offizillen Lieferschwierigkeitsmeldungen der Hersteller an die gKV. Da die Hersteller aber immer Lieferfähigkeit melden, ist eine Verwendung der Sonder-PZN ab sofort per Definition ein Verbrechen.

Nachtrag: Hier habe ich über die unleidige Nichtlieferfähigkeit von (Rabattvertrags-) Arzneimitteln schon im Jahr 2013 geschrieben. Es ist nicht besser geworden seit dem, aber das Formular zur Meldung von Lieferengpässen durch die Hersteller ist wohl nicht mehr online.

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[1] Diese Sonder-PZN wurde mit den Rabattverträgen im Jahr 2007 eingeführt, damit im nicht vorstellbaren Fall der Nichtverfügbarkeit eines Rabattarzneimittels der Apotheker maschinell eben jene Lieferunfähigkeit des Herstellers dokumentieren kann (und muss). Zusätzlich zu der maschinenauswertbaren Dokumentation muss er aber zusätzlich eine (nochmalige) handschriftliche Dokumentation auf dem Rezept durchführen, da eine Dokumentationsart in Ozeanien nicht ausreicht, um einen Sachverhalt klar dazulegen.

 

Ungefährliche Homöopathie…

Während eines längeren Beratungsgesprächs über dies und das kam dann eine spezielle Frage zu einen speziellen Problem, welches sich offensichtlich (meines Wissenstands nach) nicht so ohne weiteres mittels Selbstmedikation lösen läßt, und welches m.E. einer genaueren Diagnosestellung bedarf.

[Ich] Ich denke, da sollten Sie mit einem Arzt drüber reden. Entweder mit Ihrem Hausarzt, oder mit einem […]-Facharzt.
[Patient] Ich kann im Augenblick nicht zum Arzt.
??? (Dies dürfte meinen Gesichtsausdruck korrekt wiedergeben.)
Wissen Sie, ich bin derzeit doch beim Homöopath…

Lieber unbekannter Homöopath,

wenn es bisher noch keinen Beweis dafür gegeben hat, dass die Homöopathie schaden kann, kann habe ich nun einen. Wenn die „Behandlung“ bei Dir verhindert, dass der Patient einen Arzt aufsucht oder die homöopathischen „Behandlung“ eine sachgerechte Diagnose auch nur verzögert, dann schadet das im Zweifelsfall dem Patienten! Wenn Du nicht weiter kommst bei der „Behandlung“ eines Patienten, dann schicke ihn gefälligst zu einem Arzt! Und sage dem Patienten, dass Du nicht weiter kommst und dass deswegen ein Arzt [1] gefragt ist. Das wäre fair gegenüber Deinen „Patienten“, denn auch für Dich sollten diejenigen, die zu Dir kommen, „Schutzbefohlene“ sein. Und einem Schutzbefohlenen ist man verpflichtet, auch mit dem Hinweis, dass man selber in dem fraglichen Augenblick nicht nützt oder durch Unterlassung sogar schadet.

Hochachtungsvoll, Gedankenknick

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[1] Also ein richtiger Arzt (der Du wahrscheinlich nicht bist) mit einer Approbation (die Du wahrscheinlich nicht hast). 

KrankenKassen – Gebt uns mehr! Wir habens ja! (aktualisiert)

münzenWenn die deutschen KrankenKassen etwas gut können, dass ist es, Fakten so zu manipulieren, zu verdrehen und umzufärben, dass zum Schluss genau das zustande kommt, was die KrankenKassen sich wünschen. Und was wünschen sich die KrankenKassen? Mehr Geld. Logisch. Weiterlesen

Spitzenverband der GKV ist neuer Eigenheimbesitzer in Berlin

Ja, man soll es kaum glauben. Der Spitzenverband der GKV ist zum Schluss gekommen, man bräuchte eine neue Residenz. Und da Kaufen ja bekanntlich viel billiger ist als mieten, hat man sich für eine schicke schnuckelige kleine Immobilie in bester Innenstadtlage entschieden. Und dafür hat man ein klein wenig Geld locker gemacht – das Bundesgesundheitsministerium soll dem Kauf bereits zugestimmt haben. Aber es wurde nicht etwa der Bausparvertrag aufgelöst, und des Spitzenverbands Omi ihr klein Häuschen wurde auch nicht zur Gegenfinanzierung verscherbelt. Nein, es wurden mal eben die Gelder der Versicherten abgezapft. Und zwar schlappe 71 Millionen €uro. Aber dafür bekommt man ja ein Bauwerk mit 8 Etagen, einem Kellergeschoss mit Tiefgarage, mehrere Kühlräume allen für Getränke usw. usw. Und laufende Kosten werden durch so ein Gebäude natürlich auch nicht verursacht. Vielsagend heißt das Gebäude übrigens „Palais am Deutschen Theater“… Weiterlesen

Von einer Party nur für Politiker – und einer kranken Kasse

Ich habe wirklich gewartet, bis ich anfing, diesen Artikel zu schreiben. Ich hatte gehofft, dass auch nur irgend eine andere Pressestelle darüber berichten würde, außer der, bei der ich die Meldung gefunden habe. Aber – nichts. Nicht mal eine schnelle Googel-Suche fand einen Treffer unter den ersten 20 Suchergebnissen. Schweigen im Blätterwald. Also 99,9999% Zustimmung der deutschen Bevölkerung (odre zumindest der Presse) zum Vorgehen einer der größten gesetzlichen Krankenkassen dieses Landes. Um was geht es? Die AOK BW hat, wie man bei Apotheke-Adhoc hier nachlesen kann, ein Sommer(loch)fest für Politiker gesponsert. Aber nicht bloß so ein bisschen. Nicht bloß ein Angestellter mit Fähnchen, der stur lächelt und winkt. Nein, die AOK BW war der zweit-dickste Sponsor der gesamten Veranstaltung mit insgesamt 20.500 € (zwanzigtausendfünfhunder €uro). Und das, wo die armen Krankenkassen doch immer so knapp bei Kasse sind. Ich fasse es einfach nicht. Weiterlesen

KrankenKassenGelder an RTL

Zugegeben, die Schlagzeile ist provokant, reißerisch und an den Haaren herbeigezogen. Aber ich dachte, ich versuch es mal wie die wunderbare und von mir heiß und innig geliebte „Volkszeitung“ und schaue mal, was passiert. Und ich möchte betonen: Es geht mir nicht darum, das gesetzliche krankenKassen mal wieder Werbeblöcke bei den Privaten TV-Anstalten kaufen, was ich persönlich für den schwachsinnigsten Geldrausschmiss im Gesundheitswesen überhaupt halte. [1] Worum geht es mir dann? Die Vivantes-Gruppe hat als Vertragsstrafe für einen geplatzen Doku-Soap-Deal schlappe 1 Millionen €uro an RTL zu überweisen, wie Apotheke-Adhoc berichtet. Und warum regt mich das so auf? Weiterlesen

Alle Jahre wieder…

…werden höchstpolitisch grüne Apothekenketten gefordert. Nein, nicht etwa, dass eine Kette der „Grünen Apotheke“ gefordert wird, welche Herr Ernst Christian Friedrich Schering als Ausgangsbasis für seinen späteren Welterfolgskonzern benutzte, bevor selbiger 2006 mit der Bayer AG verschmolzen wurde. Nein, die Partei Bündnis 90 / Die Grünen, in diesem speziellen Fall Herr Trittin, fordert – wie alle Jahre mehrmals – den Fall des Apotheken-Fremdbesitzverbots und die Freigabe des Marktes für Apothekenketten. Ah ja. Gut zu wissen. Tolle Idee. Habe ich ja auch immer wieder, wenn mir sonst gerade nichts besseres einfällt. Oder?

Nee.. Moment! Die Grünen? Diejenigen, die für kleine Strukturen sind, für Frauenarbeitsplätze vor Ort, für´s Kinderkriegen, für selbstgemachte Strickwaren, für kurze Wege – am besten mit Elektro-Fahrrad statt mit dem Elektro-Auto – für Solarenergie und gegen Atemkraft Atomkraft, für Bäume und Wale und Delphine und Mopsfledermäuse und für Öko an sich? Ja, genau die. Wie kommt das bloß? Weiterlesen