Rabattverträge = Lieferengpässe

Es gibt einen schönen kleinen Beitrag vom NDR zum Thema Rabattverträge und Lieferengpässe: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama_3/panoramadrei1079.html

Kleines Zitat: „Der Arzt schreibt ein Mittel auf. Doch was er für richtig hält, interessiert die Krankenkasse wenig.“

Was leider nicht gesagt wird, ist, dass die Rabattverträge den Krankenkassen zum Teil nur wenige Cent Einsparungen bringen. Bei einem Einkaufspreis von 1€, wie z.B. beim Antibiotikum „Doxycyclin“ ist Einsparungen pro Schachtel von 0,01€ bis maximal 0,99€ möglich. Dafür muss der Patient dann aber 2x vorbeischauen (und kann die Therapie vielleicht erst am nächsten Tag beginnen). Ja, so spart man richtig! [1]

Nein, so spart man nicht richtig. Noch viel mehr spart man, wenn man die beliefernde Apotheke wegen Verstoßes gegen den Rabattmedikament-Abgabezwang auf 0€ retaxieren kann. Dann hat nämlich die Apotheke die medikamentöse Behandlung des Patienten bezahlt. Und die Kasse kann lachen. „Gerne wieder, lieber Apotheker!“

Und bei manchen Medikamenten frage ich mich, ob die Kassen es nicht doch auf „sozialverträgliches Ableben“ abgesehen haben. So spart man noch viel mehr…

Nachtrag (2014-01-22; 15:26): Das Problem nicht natürlich wesentlich vielschichtiger und nicht auf die einfache Formel der Überschrift zu reduzieren. Aber die Rabattbverträge der Krankenkassen potenzieren das Problem insofern, als dass die Hersteller ohne Rabattvertragszuschlag einfach – und logischer Weise – von vornherein viel weniger produtzieren werden, so dass ein – warum auch immer getriggerter -Ausfall der Lieferungen des Rabattvertragsanbieters nicht mehr kompensiert werden kann. Meine Lieblingsbeispiel zur Zeit sind „Cefixim Säfte“ (seit 2 Jahren teilweise Monate lang gar nicht mehr zu bekommen) und „Metoprololsuccinat Tabletten“, welche vom „Marktführer“ und „Rabattpartner“ zum Teil 1 Monat lang nicht zu bekommen sind…

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[1] Ich habe in meinen Computer geschaut und bin zu folgendem Ergebnis gekommen: „Doxyxyclin 100mg 1A-Pharma Tabletten 10 St.“ haben einen Apotheken-Einkaufspreis (ohne MwSt.) von 1,09€. Wenn man den Aufschlag des Großhandels abzieht, kommt man zu einem Herstellerabgabepreis von 0,38€. In diesem Fall muss der Hersteller keinen Pflichtrabatt an die Krankenkassen abtreten. Selbst wenn die Krankenkassen einen Rabattvertrags-Rabatt [2] von 95% pro Schachtel ausgehandelt haben, bleibt eine Erspranis von 0,36€ pro Schachtel. Ja, damit rettet man die Welt und die Sozialversicherungssysteme. Und für 0,36€ Ersparnis lohnt es sich auch, eine antibiotische Therapie mal eben um 12 bis 24 Stunden zu verschieben. Sicher. Danke, liebe Kranke Kassen!
[2] Die Sinnhaftigkeit dieser Verträge sieht man schon an diesem Wort: Rabattvertrags-Rabatt. Mehr gibt es dazu selbst mit viel Phantasie nicht mehr zu sagen.

[Edit 2014-01-21 13:07: Einfügung der Fußnote 1]

Pflegehilfsmittel: Mitleid versus Versicherungsbetrug

Vorab: Ich habe keinen rechtspflegenden Beruf, ich bin Apotheker. Alle juristischen Anmerkungen, Verweise und Schlüsse sind meine private Meinung und haben weder beratenden noch rechtlich bindenden Charakter.

In letzter Zeit werde ich verstärkt auf eine „Versorgung von Pflegebedarf“ angesprochen. Gemeint ist natürlich die „Versorgung von Versicherten mit zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmitteln gem. § 78 Absatz 1 i. V. m. § 40 Absatz 2 SGB XI„. Damit habe ich so erst einmal kein Problem, denn eine Versorgung von pflegebedürftigen Patienten durch Leistungserbringer bzw. durch Pflegende zu Lasten der Pflegekasse der Pflegebedürftigen ist vom SGB erst einmal so vorgesehen. Und im Schnitt geht es immerhin um 31,00€ pro Monat, die dem Pflegebedürftigen da zustehen könnten. Um dies zu erreichen, gibt es prinzipiell zwei Wege:

  1. Es werden „Pflegehilfsmittel zum Verbrauch“ beim Leistungserbringer (also z.B. mir) mit Quittung gekauft. Diese Quittung wird dann bei der Pflegekasse eingereicht, und man bekommt – so alle Voraussetzungen erfüllt sind – bis zu 31,00€ pro Monat zurück.
  2. Der Pflegebedürftieg schließt einen Vertrag mit einem Leistungserbringer (also z.B mit der Knick-Apotheke) ab, und der Leistungserbringer kann Pflegehilfsmittel liefern, und dafür bis zu 31,00€ direkt mit der Pflegeversicherung abrechnen.

So weit, so gut. Variante 1 ist für den Leistungserbringer natürlich vorteilhafter, da er sein Geld schon in der Tasche hat, und der verwaltungstechnisch-bürokratische Aufwand am Pflegebedürftigen bzw. dessen Pfleger/Betreuer/Vormund hängen bleibt. Variante 2 ist für den Pflegebedürftigen natürlich einfacher, denn her holt seine Produkte einfach nur ab, unterschreibt dafür und gut ist es. Der Leistungserbringer muss vorher Anträge an die Pflegekasse schreiben, und bei jeder Abgabe muss man ein zu unterschreibendes Empfangsbestätigungsformular (neu) ausfüllen. Auch damit kann ich leben. Und grundsätzlich habe ich mit beiden Varianten kein Problem.

Warum ärgere ich mich nun immer wieder in letzter Zeit über diese Anfragen? Weiterlesen

Apotheker trödeln rum!

Nun haben die bösen Apotheker doch endlich noch mehr Geld zugestanden bekommen [1], damit die „Gemeinwohlpflicht“ Notdienst doch nun fachgerecht entlohnt finanziell zumindest unterstützt [2] wird. Und jetzt torpedieren die bösen Apotheker alle Bemühungen der Politik und der Polizei Nacht-und-Notdienst-Fonds-DAV-Strafvollzugsumsetzungs-Abteilung, eine schnelle vertraglich vorgesehene Ausschüttung der eingenommenen Gelder durchzuführen, wie man auf Apotheke-Adhoc nachlesen kann. Ich selber bin auch einer dieser Trödler, und damit droht mir (bzw. meinem Chef) eine Geldstrafe von 500€ für den Monat Oktober. Und wie kam das? Weiterlesen

Spitzenverband der GKV ist neuer Eigenheimbesitzer in Berlin

Ja, man soll es kaum glauben. Der Spitzenverband der GKV ist zum Schluss gekommen, man bräuchte eine neue Residenz. Und da Kaufen ja bekanntlich viel billiger ist als mieten, hat man sich für eine schicke schnuckelige kleine Immobilie in bester Innenstadtlage entschieden. Und dafür hat man ein klein wenig Geld locker gemacht – das Bundesgesundheitsministerium soll dem Kauf bereits zugestimmt haben. Aber es wurde nicht etwa der Bausparvertrag aufgelöst, und des Spitzenverbands Omi ihr klein Häuschen wurde auch nicht zur Gegenfinanzierung verscherbelt. Nein, es wurden mal eben die Gelder der Versicherten abgezapft. Und zwar schlappe 71 Millionen €uro. Aber dafür bekommt man ja ein Bauwerk mit 8 Etagen, einem Kellergeschoss mit Tiefgarage, mehrere Kühlräume allen für Getränke usw. usw. Und laufende Kosten werden durch so ein Gebäude natürlich auch nicht verursacht. Vielsagend heißt das Gebäude übrigens „Palais am Deutschen Theater“… Weiterlesen

Von einer Party nur für Politiker – und einer kranken Kasse

Ich habe wirklich gewartet, bis ich anfing, diesen Artikel zu schreiben. Ich hatte gehofft, dass auch nur irgend eine andere Pressestelle darüber berichten würde, außer der, bei der ich die Meldung gefunden habe. Aber – nichts. Nicht mal eine schnelle Googel-Suche fand einen Treffer unter den ersten 20 Suchergebnissen. Schweigen im Blätterwald. Also 99,9999% Zustimmung der deutschen Bevölkerung (odre zumindest der Presse) zum Vorgehen einer der größten gesetzlichen Krankenkassen dieses Landes. Um was geht es? Die AOK BW hat, wie man bei Apotheke-Adhoc hier nachlesen kann, ein Sommer(loch)fest für Politiker gesponsert. Aber nicht bloß so ein bisschen. Nicht bloß ein Angestellter mit Fähnchen, der stur lächelt und winkt. Nein, die AOK BW war der zweit-dickste Sponsor der gesamten Veranstaltung mit insgesamt 20.500 € (zwanzigtausendfünfhunder €uro). Und das, wo die armen Krankenkassen doch immer so knapp bei Kasse sind. Ich fasse es einfach nicht. Weiterlesen

Krankenkasse verliert Gerichtsprozess – Wahrer Verlierer sind die Apotheker

Ja, ich habe es nicht gewusst, bis ich es hier gelesen habe. Und ich musste es zweimal lesen, bis ich es geglaubt habe. Die AOK Plus hat gegen einen Hersteller geklagt, um etwas für die Apotheken zu tun. Ohne Ironie und Sarkasmus: Danke! Dummer Weise hat die Kasse das Verfahren verloren, konnte aber die Klage vor Urteilsverkündung zurückziehen, so dass der ganze Vorgang jetzt als „nicht existent“ gilt. Worum ging es dabei? Weiterlesen

KrankenKassenGelder an RTL

Zugegeben, die Schlagzeile ist provokant, reißerisch und an den Haaren herbeigezogen. Aber ich dachte, ich versuch es mal wie die wunderbare und von mir heiß und innig geliebte „Volkszeitung“ und schaue mal, was passiert. Und ich möchte betonen: Es geht mir nicht darum, das gesetzliche krankenKassen mal wieder Werbeblöcke bei den Privaten TV-Anstalten kaufen, was ich persönlich für den schwachsinnigsten Geldrausschmiss im Gesundheitswesen überhaupt halte. [1] Worum geht es mir dann? Die Vivantes-Gruppe hat als Vertragsstrafe für einen geplatzen Doku-Soap-Deal schlappe 1 Millionen €uro an RTL zu überweisen, wie Apotheke-Adhoc berichtet. Und warum regt mich das so auf? Weiterlesen