Pflegehilfsmittel: Mitleid versus Versicherungsbetrug

Vorab: Ich habe keinen rechtspflegenden Beruf, ich bin Apotheker. Alle juristischen Anmerkungen, Verweise und Schlüsse sind meine private Meinung und haben weder beratenden noch rechtlich bindenden Charakter.

In letzter Zeit werde ich verstärkt auf eine „Versorgung von Pflegebedarf“ angesprochen. Gemeint ist natürlich die „Versorgung von Versicherten mit zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmitteln gem. § 78 Absatz 1 i. V. m. § 40 Absatz 2 SGB XI„. Damit habe ich so erst einmal kein Problem, denn eine Versorgung von pflegebedürftigen Patienten durch Leistungserbringer bzw. durch Pflegende zu Lasten der Pflegekasse der Pflegebedürftigen ist vom SGB erst einmal so vorgesehen. Und im Schnitt geht es immerhin um 31,00€ pro Monat, die dem Pflegebedürftigen da zustehen könnten. Um dies zu erreichen, gibt es prinzipiell zwei Wege:

  1. Es werden „Pflegehilfsmittel zum Verbrauch“ beim Leistungserbringer (also z.B. mir) mit Quittung gekauft. Diese Quittung wird dann bei der Pflegekasse eingereicht, und man bekommt – so alle Voraussetzungen erfüllt sind – bis zu 31,00€ pro Monat zurück.
  2. Der Pflegebedürftieg schließt einen Vertrag mit einem Leistungserbringer (also z.B mit der Knick-Apotheke) ab, und der Leistungserbringer kann Pflegehilfsmittel liefern, und dafür bis zu 31,00€ direkt mit der Pflegeversicherung abrechnen.

So weit, so gut. Variante 1 ist für den Leistungserbringer natürlich vorteilhafter, da er sein Geld schon in der Tasche hat, und der verwaltungstechnisch-bürokratische Aufwand am Pflegebedürftigen bzw. dessen Pfleger/Betreuer/Vormund hängen bleibt. Variante 2 ist für den Pflegebedürftigen natürlich einfacher, denn her holt seine Produkte einfach nur ab, unterschreibt dafür und gut ist es. Der Leistungserbringer muss vorher Anträge an die Pflegekasse schreiben, und bei jeder Abgabe muss man ein zu unterschreibendes Empfangsbestätigungsformular (neu) ausfüllen. Auch damit kann ich leben. Und grundsätzlich habe ich mit beiden Varianten kein Problem.

Warum ärgere ich mich nun immer wieder in letzter Zeit über diese Anfragen? Weiterlesen

Advertisements

Apotheken erfinden die Lieferverträge neu…

…und stellen dann sinnbefreite und unnötige Forderungen an alle anderen Menschen mit Kontakt zum Gesundheitswesen, denn sie haben ja sonst den ganzen Tag nichts weiter zu tun!

Das stimmt natürlich so nicht – macht sich aber so prima. Apothekenbashing von allen Seiten ist ja in den letzen 15 Jahren zum Sport mutiert, der in dem Bonusheften der kranken Kassen angerechnet werden kann. Immer wieder schön zu beobachten ist dabei, wie der Verursacher und Nutznießer der sich ergebenden Probleme zurücklehnt und sich in Schweigen hüllt, um die verbrochene Show zu genießen. Das erlebt man als „Insider“ nicht nur bei dem K(r)ampf um die Impfstoffversorgung, sondern auch bei so einfachen und verhältnismäßig preiswerten Dingen wie „Hilfsmitteln zum Verbrauch“… Weiterlesen